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Graffiti
19.03.2018

Banksy-Ausstellung: Passt die Kunst der Straße ins Museum?

Der Künstler hinterlässt seine Motive seit über 25 Jahren an Wänden, Mauern und Häusern überall auf der Welt.
2 Bilder
Der Künstler hinterlässt seine Motive seit über 25 Jahren an Wänden, Mauern und Häusern überall auf der Welt.
Foto: Jacqueline Rother, dpa

Gegen ein stolzes Eintrittsgeld ist in Berlin gerade eine Ausstellung des Künstlers Banksy zu sehen. Dabei ist Street-Art ursprünglich konsumkritisch.

Gespannt blicken die Bieter auf die Anzeigetafel. Über 700.000 Dollar ist das abstrakte Bild wert. "Ich kann nicht glauben, dass ihr Idioten diesen Scheiß wirklich kauft" steht auf einer Leinwand daneben. Die Szene entstammt einem Bild von Banksy. Plakativ, provozierend, selbstironisch – typisch für diesen Künstler. Zu sehen ist das Bild in der Berliner Ausstellung "The Art of Banksy", die etwa 60 Werke des Graffiti-Sprayers zeigt. Obwohl sich Banksy in seinen Bildern immer wieder gegen Kommerz und Kapitalismus richtet, werden seine Werke mittlerweile für hunderttausende Dollar gehandelt. Dabei schafft Banksy keine Bilder für die Ewigkeit. Und schon gar nicht fürs Museum.

Banksy dürfte die Ausstellung wohl kaum gefallen

Als Street-Artist ist die Straße sein Präsentationsfeld. Seine Graffitis zieren Häuserwände, Brückenpfeiler und Betonklötze auf der ganzen Welt. Die Bilder leben von ihrer Umgebung und oft nur so lange, bis der nächste Sprayer sie übermalt. Umso verstörender wirkt es, Banksys Bilder sorgfältig arrangiert an einer Wand im Berliner Bikini-Haus hängen zu sehen. Schon der Ort wirkt wie ein sarkastischer Kommentar auf die Werke selbst. Kapitalismuskritische Bilder ausgestellt in einem angesagten Einkaufszentrum zwischen Markenklamotten, Streetfood und überteuerten Fruchtsäften. Zu sehen gibt es Banksy hier nur gegen den stolzen Eintrittspreis von 14,50 Euro. Dem Künstler selbst dürfte der Ausverkauf seiner Kunst kaum gefallen. Die Ausstellung, zusammengestellt aus Werken mehrerer Privatsammlungen, findet ohne seine Genehmigung statt. Kurator ist der britische Galerist Steve Lazarides, der für Banksy jahrelang als Agent arbeitete, bis sich ihre Wege trennten.

Ist die Street Art nur auf der Straße in ihrem Element? In New York gibt es eine neue Wandmalerei von Banksy.
Foto: Johannes Schmitt-Tegge, dpa

Über den Graffiti-Künstler selbst ist kaum etwas bekannt, vermutlich ist er Brite. Das Rätsel um seine Identität dürfte zu seinem Erfolg beigetragen haben, beruht aber auf einem ganz praktischen Grund: Banksys Kunst ist illegal. Ein Graffiti im öffentlichen Raum zu hinterlassen, gilt als Straftat. Wer dabei erwischt wird, muss mit teilweise drastischen Strafen rechnen. Umso absurder erscheint es, dass Banksys Werke auf dem Kunstmarkt hohe Summen erzielen und teilweise ganze Mauerbrocken mit seinen Motiven ausgestellt werden.

Banksys Kunst ist plakativ und entlarvt Widersprüche

Trotz aller Kommerzialisierung sprechen die Bilder für sich. In ihnen wettert Banksy mit schwarzem Humor gegen Armut und Krieg, greift politische Ereignisse auf und Großkonzerne an und hält einer konsumorientierten Gesellschaft den Spiegel vor. Auf einem der Bilder in der Ausstellung stehen alternative Festival-Gänger Schlange, um ein T-Shirt für 30 Dollar zu kaufen, worauf steht "Kapitalismus zerstören". Banksy entlarvt Widersprüche. Seine schablonenhafte Technik in Schwarz-Weiß ist plakativ, seine Botschaften kommen auch im Vorbeilaufen an. Das funktioniert auf der Straße wie im Museum. Aber der anarchische Charakter seiner Kunst geht an der weißen Wand verloren. Ein Polizist, der den Mittelfinger zeigt, wirkt auf offener Straße provokanter als in einem geschlossenen Ausstellungsraum.

Banksy soll von der Ausstellung nicht begeistert sein.
Foto: Will Oliver, dpa

Die klare Bildsprache dürfte mit ein Grund für die enorme Popularität von Street-Art sein. Denn die Banksy-Ausstellung in Berlin ist kein singuläres Phänomen. Immer mehr Galerien widmen sich der Graffiti-Szene. Im vergangenen Jahr eröffnete mit dem "Urban Nation" das erste Berliner Street-Art-Museum. Was in den 1980er Jahren als Subkultur aus den USA nach Deutschland schwappte, ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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Die Sprayer-Szene selbst ist gespalten in der Frage, ob Street-Art derart kommerzialisiert und von der Illegalität befreit werden sollte. Das zeigte das Berliner Projekt "The Haus" im vergangenen Jahr, bei dem Graffiti-Künstler mit einem Immobilienunternehmen kollaborierten und ein ehemaliges Bankgebäude umgestalteten, bevor es drei Monate später zum Abriss freigegeben wurde. Die Arbeiten von 100 Künstlern zogen fast 80.000 Besucher an. Aber die Organisatoren ernteten auch scharfe Kritik von anderen Sprayern.

Von der Straße in die Galerie: "Nola" von Banksy.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Eine Ausstellung zwischen Kunst und Kommerz

Banksy selbst ist immer noch als Street-Artist mit politischen Statements im Untergrund unterwegs. Gerade tauchte in New York ein Wandbild gegen die Inhaftierung der türkisch-kurdischen Künstlerin Zehra Dogan auf. Die Malerin und Journalistin war Berichten zufolge im März 2017 zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden. Solche Botschaften haben auf offener Straße Durchschlagskraft.

In der Ausstellung ist vom Protest-Charakter von Banksys Kunst nur noch wenig zu spüren. Wenn der Besucher am Ende der Schau angelangt, bekommt der Titel der Dokumentation "Exit through the Gift Shop" mit und über Banksy, die ausschnittweise in der Ausstellung gezeigt wird, eine ganz neue Bedeutung. Denn es ist wahrlich ein "Ausgang durch den Souvenirladen". Jutebeutel, Aufkleber, Plakate, T-Shirts – wer Geld hat, kann sich mit konsumkritischen Banksy-Artikeln eindecken. Das Schneidebrettchen, auf dem zwei Kinder auf einem Haufen Waffen stehend abgedruckt sind, gibt es schon für 8,90 Euro.

Banksy will mit seinen Bildern vor allem Widersprüche aufzeigen und entlarven.
Foto: Gareth Fuller, dpa
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