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Kritik & Trailer

31.07.2019

In "Leberkäsjunkie" ist Franz Eberhofer im Dauerstress

Vaterfreuden scheinen den Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) nicht zu überkommen, wenn er mit Söhnchen Pauli (Luis Sosnowski) und Hund Ludwig am Esstisch sitzt.
Bild: Bernd Schuller, Constantin Film

Der Dorfpolizist Franz Eberhofer arbeitet in "Leberkäsjunkie" unter erschwerten Bedingungen. Zur Ermittlung im Mordfall rückt er sogar mit Kind auf dem Arm aus.

Der Eberhofer Franz hat schon allerhand Dramen erlebt. Neben den lästigen Mordfällen, die der bayerische Dorfpolizist auf seine Art löst, hat er nach Feierabend Dauerstress mit seiner Susi. Mal haut sie frustriert ab, mal baggert sie ein anderer an. Jetzt haben sie zwar ein gemeinsames Kind, aber das ist kein Grund zum Zusammenleben – auch wenn die Oma da so ihre Pläne hätte.

Kernig, chaotisch, derb geht es in Rita Falks Eberhofer-Krimis zu, für zartbesaitete Seelen eine einzige Zumutung. Doch die Fans lieben sie. Seit 2013 haben schon 3,4 Millionen Besucher die fünf Kinofilme gesehen, mit „Leberkäsjunkie“ legt Regisseur Ed Herzog jetzt den sechsten Bestseller nach. Und er bleibt den Fans nichts schuldig: eine verkohlte Frauenleiche, die Selbsthilfegruppe der Sexsüchtigen, das Bobbycar-Rennen. Fast wird’s zu viel an verrückten Gags in eineinhalb Stunden.

In "Leberkäsjunkie" ist Franz Eberhofer auf strenger Diät

Für den Eberhofer Franz (Sebastian Bezzel) ist nichts, wie es war, denn die Susi (Lisa Maria Potthoff) lädt ungerührt den gemeinsamen Sohn Pauli zur Aufsicht bei ihm ab – und der schreit und stinkt. Keine günstige Ausgangslage für einen Ermittler im Dienst. Noch dazu setzt ihn der Arzt auf strenge Diät: kein rotes Fleisch, viel Gemüse, vor allem keine Leberkässemmeln mehr. Wie soll der Mensch da noch Leistung bringen?

In "Leberkäsjunkie" ist Franz Eberhofer im Dauerstress

Warum ist auf dem Hof der Mooshammerin (Eva Mattes) bei einem Brand eine attraktive junge Münchnerin gestorben? Der schwarze Fußballer Buengo, die Hoffnung des örtlichen Vereins, gerät unter Verdacht. Auch die undurchsichtige Frau Grimm (Anica Dobra), die Mutter des Opfers, in die sich prompt der kiffende Eberhofer-Papa (Eisi Gulp) verguckt, oder das stocksteife schwule Paar (Robert Stadlober, Manuel Rubey) könnten die Mörder sein.

Auf sein skurriles Personal kann sich der Regisseur Ed Herzog verlassen. Sebastian Bezzel und Simon Schwarz (der Birkenberger Rudi) ermitteln wieder als Dreamteam und der Rudi macht auch noch den siebengescheiten Ernährungsberater. Lisa Maria Potthoff steht als Susi im Gewitter der Gefühle, gewohnt energisch agiert die Oma (Enzi Fuchs).

Auf die Kumpels Flötzinger (Daniel Christensen), Simmerl (Stephan Zinner) und Wolfi (Max Schmidt) ist weiterhin Verlass in Niederkaltenkirchen. Eine herrliche Einlage gibt Klaus Augenthaler als der örtliche Fußballtrainer, Sigi Zimmerschied grantelt wieder als Dienststellenleiter Morawetz.

Ed Herzog liefert erneut deftiges Spektakelkino. Wie im Kasperltheater wird ausgeteilt, was das Zeug hält. Ohne Scheu bewegen sich einige Szenen am Rande des guten Geschmacks, wenn etwa der Eberhofer hemmungslos alle Gerichte des Restaurants in sich hineinstopft.

Im neuen Herzog-Film fehlen die stilleren Passagen

Sicher in keinem Erziehungsberater steht die Bitte aus dem Ehebett: „Pauli, gib amol der Mama den String!“ Trotzdem ist „Leberkäsjunkie“ anders als die Vorgänger. Es fehlen die stilleren Passagen, wo die Akteure wie die Zuschauer in all dem Trubel ein bisschen durchschnaufen dürfen und sich auch andere Seiten der Persönlichkeit zeigen. So bleiben diesmal die Figuren eigenartig blass.

Trotzdem hat auch „Leberkäsjunkie“ seine Stärken. Bei allem Klamauk werden auch gewichtigere Themen verhandelt, die unsere Gesellschaft derzeit bewegen. Ziemlich gemein wird der schwarze Fußballer Buengo auf dem Feld angegangen; die ihn beleidigen, kriegen aber eine deutliche Ansage. Ohne glatte Lösung geht die heikle Patchwork-Beziehung von Franz und Susi aus. In der Komödie laufen unter der Oberfläche der bayerischen Gaudi subversiv kritische, ernste Töne mit.

Bewertung: 3 von 5 Sterne

Lesen Sie dazu auch unser Interview:  

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