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Kino

30.07.2020

Inception oder Herr der Ringe: Warum in Kinos jetzt Klassiker laufen

Der Klassiker "Die Blechtrommel" ist in der Corona-Pandemie in die Kinos zurückgekehrt.

Plötzlich laufen Klassiker wie „Otto – der Film“ und "Leon der Profi" wieder an. Die Corona-Krise macht es möglich, denn die Kinobetreiber brauchen neuen Stoff.

Wer dieser Tage schaut, was in den Kinos gerade läuft, bekommt schnell das Gefühl, vermehrt auf alte Bekannte zu stoßen. Dann heißt es zum Beispiel in einer Meldung zu den Starts am Donnerstag, 30. Juli: „Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass sich der britische Regisseur Christopher Nolan mit einem ungewöhnlichen Werk in die Kinos wagte.“ „Inception“ heißt der Film, in dem Leonardo DiCaprio einen Traumexperten spielt, der sich in die Tiefen des Unterbewusstseins katapultieren lässt. Um auf Nolans neuestes Werk „Tenet“ hinzuführen, das am 12. August erscheinen soll, läuft jetzt noch einmal in vielen Kinos neben „Inception“ auch dessen Dark-Knight-Trilogie rund um Batman.

Auf dem Markt gibt es in der Corona-Pandemie kaum neue Filme

Corona macht es möglich. Die Kinos brauchen neuen Stoff und die Verleihe zögern, frische Ware auf den Markt zu bringen. Was tun? Auf das Bewährte zurückgreifen, zum Beispiel auf „Otto – Der Film“ aus dem Jahr 1985, um den jüngst wegen Rassismusvorwürfen ein Streit entbrannt ist.  In die Kritik geraten war eine Szene, in der die Titelfigur und ein US-Soldat sich gegenseitig das N-Wort an den Kopf werfen.

Die Kinos setzen jetzt mangels Neustarts auf bewährte Klassiker wie „Herr der Ringe“, „Inception“, „Die Blechtrommel“ und „Otto – Der Film“.

Seinerzeit hatten den Film unglaubliche 14,5 Millionen Zuschauer in den Kinos in der Bundesrepublik und der DDR gesehen. Damit ist er, was den Publikumszuspruch angeht, der dritterfolgreichste deutsche Kinofilm seit der Zuschauerzahlenerfassung 1968. Und jetzt kommen weitere Zuschauer dazu, wenn der Film am Donnerstag, 30. Juli, wieder in deutschen Kinos anläuft.

Inception oder Herr der Ringe: Warum in Kinos jetzt Klassiker laufen

Kinos zeigen "Die Blechtrommel" in restaurierter Fassung

Es findet aber nicht nur das seinen Weg in die Lichtspielhäuser, was einst extrem erfolgreich war. Auch Klassiker wie Schlöndorffs Oscar-Erfolg „Die Blechtrommel“ wird Ende August wieder zu sehen sein, dann in einer digital restaurierten Fassung im 4k-Format, Start-Termin ist der 30. August.

Ebenfalls gerade im Kino zu sehen: Steven Spielbergs „Zurück in die Zukunft“, Luc Bessons „Leon der Profi“, Christopher Nolans „Interstellar“ – die letzten drei Filme im Aichacher Cineplex, das zu den acht Multiplex-Kinos gehört, die von der Rusch-Gruppe betrieben werden. Firmengründer und Geschäftsführer Werner Rusch berichtet, dass im Augenblick einfach der Nachschub an neuen Filmen fehle. „Also spielen wir vermehrt Klassiker“, zum Beispiel auch die Harry-Potter-Reihe und die Herr-der-Ringe-Trilogie.

Die Herr-der-Ringe-Trilogie läuft derzeit wieder in den Kinos.

Die Filmverleihe zögerten im Augenblick, weil die Kinos durch die Abstandsregeln gerade nicht wirtschaftlich zu betreiben seien. „Wir haben von Reihe zu Reihe einen Abstand von 1,10 bis 1,20 Meter“, sagt Rusch, was dazu führe, dass jede zweite Reihe komplett gesperrt sei. Auf zwei Sitzplätze würden deshalb zehn bis zwölf freie Plätze kommen. „In einen großen Saal passen jetzt 20 bis 30 Gäste, das rentiert sich einfach nicht.“

Der "Mulan"-Start wurde auf unbestimmte Zeit verschoben

Mit seiner Gruppe hat Rusch den Start nach dem coronabedingten Lockdown sowieso schon hinausgezögert, erst vergangene Woche haben die Kinos geöffnet. Anfangs hoffte Rusch, mit dem Disney-Blockbuster „Mulan“ wieder die Kundschaft locken zu können. Erst wurde der Start auf Juli, dann auf August und kürzlich vom Unterhaltungskonzern auf unbestimmt verschoben. Die Begründung des Weltkonzerns: „In den vergangenen Monaten ist deutlich geworden, dass nichts festgeschrieben ist, wenn es darum geht, wie wir in dieser globalen Gesundheitskrise Filme herausbringen.“

Verschoben hat Disney den Filmstart natürlich auch vor dem Hintergrund des Verlaufs der Corona-Pandemie in den USA, die in den letzten Wochen immer neue Höchststände bei den neu hinzukommenden Infizierten gemeldet haben. „Ich hoffe, dass die großen Hollywood-Konzerne endlich ihr Amerika-Geschäft vom Rest entkoppeln und die Filme in Europa früher zeigen“, sagt Rusch. „Wir haben wieder offen, aber wenn es so weitergeht wie zuletzt, wird es bald nicht mehr so viele Kinos geben.“ Mit den staatlichen Hilfen könne er gerade für zwei Wochen die Mieten für seine Kinos bezahlen, das sei ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Rusch glaubt, dass die Zeit für Filmstarts jetzt doch gar nicht schlecht sei. „Weil so wenig Neues anläuft, können wir die Filme länger zeigen, statt drei bis vier Wochen jetzt sechs bis sieben.“ Wegen der fehlenden Konkurrenz könnten Blockbuster-Filme auf mehreren Leinwänden so getaktet werden, dass sie alle 30 Minuten anlaufen. „Aber die Verleiher trauen sich gerade nicht.“

Der Teufelskreis der Abstandsregeln

Gelöst werden könnte dieser Teufelskreis, wenn die Abstandsregeln nicht mehr so streng in den Kinos gehandhabt würden. „Das ist gerade unser größtes Problem“, sagt Christine Berg, Vorsitzende des Kinobetreiber-Verbands HDF Kino. Nur sieben bis zwölf Prozent der Kapazitäten könnten im Augenblick genutzt werden. „Kein Verleih möchte unter diesen Verhältnissen einen großen Film auf den Markt bringen“, sagt Berg. Ihr Verband ist davon überzeugt, dass es auch mit weniger strikten Abstandsregeln, die eine Auslastung von 50 Prozent zulassen, nicht zu einem erhöhten Infektionsgeschehen komme.

Das untermauert der Verband mit einer selbst durchgeführten Studie, die nachgewiesen habe, dass die Aerosol-Belastung in einem Kinosaal niedriger als in Büroräumen sei, weil dort mehr gesprochen werde. Berg verweist auf das Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem es den Kinos selbst überlassen wird, wie sie belegt werden, so lange die einzelnen Kontakte nachverfolgt werden können. „Auch dort lassen die Kinobetreiber nicht 100 Prozent des Publikums in die Säle.“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters springt den Kinobetreibern zur Seite und spricht sich inzwischen dafür aus, die Corona-Beschränkungen für Kinos zu lockern, um eine Pleitewelle in der Branche zu verhindern. „So könnte zum Beispiel jede Reihe versetzt gefüllt werden“, sagte Grütters in einem Interview.

Leonardo DiCaprio ist im Klassiker "Inception" zurück auf den Kinoleinwänden.

Gibt es bald wieder ein anderes Angebot in den Kinos?

Die besonderen Umstände der Corona-Pandemie seien den Kinobetreibern bewusst und würden ernst genommen, betont Christine Berg. Sobald es Kinobetreibern auch in den anderen Bundesländern wieder möglich sei, mehr Publikum in die Säle zu lassen, würde das Angebot an Filmen sich wieder ändern. „Wir brauchen nämlich in der Tat die Neustarts“, sagt Berg. Bis dahin freut sich die Vorsitzende, dass die Kinos überhaupt wieder geöffnet haben, nachdem sie drei Monate lang komplett geschlossen waren. „In dieser Zeit haben sich die Menschen an die Streamingdienste gewöhnt. Jetzt bedarf es einer Kraftanstrengung, um ihnen wieder zu zeigen, was Kino für ein tolles Erlebnis ist.“

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