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Staatstheater Augsburg

20.04.2018

Intendant Bücker: "Man freut sich über die Wertschätzung"

Hat Grund zur Freude: Augsburgs Intendant André Bücker, dessen Haus zum Staatstheater aufgewertet wird.
Bild: Ulrich Wagner

André Bücker, Intendant des Augsburger Dreispartenhauses, erklärt im Interview, warum die Zusage aus München psychologisch so wichtig ist.

Guten Tag, Herr Staatstheater-Intendant …

André Bücker: (lacht) Nein, nein, das ist nun wirklich zu früh …

Die Nachricht, dass Augsburg Staatstheater wird, kam auch für Sie überraschend?

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Bücker: Ganz ehrlich, ich habe überhaupt keine Ahnung gehabt. Ich saß hier in meinem Büro und habe einen Anruf bekommen. Da habe ich erst mal mit dem Kopf geschüttelt und dann beim Kulturreferenten angerufen, der aber auch noch nichts wusste. Daraufhin bin ich online gegangen, und da stand es bei Ihnen ja dann schon zu lesen. Eine Nachricht, die eingeschlagen hat wie eine Bombe.

Wie war die Reaktion bei den Mitarbeitern im Theater?

Bücker: Ganz große Freude. Man freut sich über die Wertschätzung, die das bedeutet, umso mehr, als das Theater Augsburg in den letzten Jahren eine schwere Zeit zu überstehen hatte – mit der Sanierungsdebatte, mit dem Bürgerbegehren, mit der teilweise böse geführten Debatte um die generelle Zukunft des Hauses. Dazu die vorzeitige Schließung des Großen Hauses, der Bezug der Interimsspielstätten, alles Sachen, die das Theater unglaublich belastet haben. Gerade fürs Mentale war das alles andere als einfach. Und jetzt das! Die Nachricht aus München erleichtert uns natürlich und bietet Perspektive für das Haus.

Das gibt Rückenwind …

Bücker: Nicht zu unterschätzen ist, dass die Nachricht jetzt gekommen ist und nicht irgendwann, wenn die Sanierung dann schon durch ist. Gewiss war immer in den Köpfen, dass über das Thema Staatstheater irgendwann mal geredet werden muss, aber nicht jetzt, denn jetzt findet erst mal die Sanierung statt. Deshalb finde ich den Zeitpunkt der Entscheidung so großartig: Weil man dem Haus und seinen Mitarbeitern nun eine ganz andere Grundsituation verschafft, gerade auch für die Zeit in den Ausweichspielstätten.

Sie müssen sich als Glückspilz vorkommen: Vor noch nicht mal einem Jahr angetreten in dem Wissen, Theater für längere Zeit nur in Interimsquartieren machen zu können – und jetzt aus heiterem Himmel die Aufwertung zum Staatstheater.

Bücker: Vor allem, wenn man sieht, dass ich an meiner vorherigen Stelle in Dessau jahrelang dafür gekämpft habe, dass das dortige Theater Staatstheater wird, was es von seiner Geschichte und seiner Struktur her eigentlich sein müsste. Ein langer, aber letztlich erfolgloser Kampf. Dass es jetzt hier so unerwartet über einen kommt …

„Die Aufwertung zum Staatstheater ist nur folgerichtig“

Passt das Augsburger Haus denn überhaupt in die Schuhe eines Staatstheaters?

Bücker: Auf jeden Fall. Allein schon von seiner Größe, von seiner künstlerischen Potenz und von seiner Strahlkraft her. Es ist ja das einzige große Theater in einem sehr großen Gebiet. Und wenn man Ministerpräsident Söder beim Wort nimmt, der von Augsburg ja als von einer „Metropole“ sprach, dann ist die Aufwertung zum Staatstheater nur folgerichtig.

Söder hat auch davon gesprochen, dass Augsburg „auf Augenhöhe“ sein soll mit den anderen großen Zentren. Was bedeutet das künstlerisch für das Theater in Augsburg?

Bücker: Da möchte ich jetzt noch gar nicht im Detail darüber spekulieren. Natürlich bedeutet es, dass man dieses Theater auch nach der Sanierung künstlerisch hochwertig bespielen können muss. Wir haben ja ein fantastisches Großes Haus mit über 900 Plätzen und entsprechender Bühnengröße, wo immer schon auf hohem Niveau produziert wurde. Das muss natürlich auch in Zukunft gewährleistet sein. Dazu wird der Neubau mit der neuen kleinen Schauspielbühne kommen und mit seiner ganzen auch architektonischen Wirkung hinein in die Stadt. Das alles muss natürlich so ausgestattet sein, dass man das gut bespielen kann.

Mit dem Staatstheater wachsen auch die Erwartungen.

Bücker: Auf alle Fälle. Da steigen von allen Seiten die Erwartungen. Das wird uns dann auch in den Gagenverhandlungen mit den Künstlern begegnen.

Umgekehrt hat man auch die besseren Argumente, wenn man sagen kann: Komm ans Staatstheater!

Bücker: Natürlich. Da formuliert man auch die eigenen Ansprüche höher.

Vermutlich wird das Staatstheater als anteiliges Finanzierungsmodell realisiert, bei dem der Freistaat und die Stadt sich gemeinsam an den Zuschüssen beteiligen. Das könnte gar keinen so großen Spareffekt für die Stadt mit sich bringen.

Bücker: Es greift zu kurz, wenn man das Staatstheater nur als Sparmöglichkeit für den Stadtsäckel begreift. Wir wissen noch nicht, welche Trägerstruktur es wirklich geben wird, ob das Haus zu hundert Prozent übernommen wird oder ob eher das Nürnberger Modell kommen wird mit seiner Fünfzig-fünfzig-Lösung – dann wird’s tatsächlich nicht so deutlich billiger für die Stadt. So oder so aber bedeutet das Staatstheater eine ganz andere Sicherung für das Haus, auch was künftige Tarifsteigerungen betrifft. Aber wie gesagt, das muss alles noch geregelt werden.

Dass das Haus weiterhin mit den drei Sparten Musiktheater, Schauspiel und Ballett geführt wird, dürfte aber gesichert sein. Es gab ja in der Vergangenheit durchaus immer wieder Diskussionen, sich aus Spargründen von einer Sparte zu trennen …

Bücker: Wir bleiben ein Dreispartenhaus. Davon ist absolut auszugehen. Es ist ja im Interesse des Freistaats, in einem Staatstheater nicht nur kleine Brötchen zu backen. Klar ist aber auch, dass wir jetzt schon sehr genau planen sollten, wie wir personell aufgestellt sein müssen, um nach der Sanierung das Große Haus und den Neubau künstlerisch auf hohem Niveau zu betreiben.

Es gab in der Diskussion um die Sanierung ja schon den einen oder anderen Einwurf, an der einen oder anderen Stelle Abstriche zu machen für den Fall, dass die Baukosten steigen sollten.

Bücker: Ich halte den Zeitpunkt der Staatstheater-Zusage – jetzt zu Beginn der Sanierungsphase – für ein klares Votum, die Sanierung in der bisher beabsichtigten Form durchzuführen. Anders kann man das nicht begreifen. Das ist auch psychologisch wichtig.

Zunächst mal werden Sie in den kommenden sieben Jahren an fremden Orten spielen müssen. Wie macht man Staatstheater in umgewidmeten Fabrikhallen?

Bücker: (lacht) Schöne Frage! Wir versuchen natürlich, aus der Situation das Beste zu machen. Und das gelingt uns ja auch, wir haben sehr zufriedenstellende Zahlen. Dieser ganze Wechsel in den Martinipark, wo wir jetzt spielen, hat doch auch unter den ganzen weiteren Vorzeichen wie dem Intendantenwechsel und der neuen programmatischen Ausrichtung gut funktioniert. Und mit dem jetzigen Schub können wir auf diesem Weg gestärkt weitergehen.

„Da kommt mir Wagner in den Kopf“

Sehen Sie die künstlerische Linie, die Sie bisher beschritten haben, durch die Umwidmung in ein Staatstheater betroffen?

Bücker: Nein, denn diese Neuausrichtung hat man sich explizit gewünscht für das Theater in Augsburg. Und dafür stehe ich ja auch. Dass wir anders in die Stadtgesellschaft hinein kommunizieren, dass wir andere ästhetische Formen suchen und andere Formate ausprobieren, das sieht man ja jetzt schon, und das wird auch weiterhin so sein, Staatstheater hin oder her.

München wird künftig darauf schauen, was in Augsburg läuft, und auch über die Intendanten entscheiden …

Bücker: Hat es schon getan – die Staatsregierung war ja in der Findungskommision vertreten, die mich zum Intendanten vorgeschlagen hat.

Die Details der Regelung mit dem Freistaat sind zwar noch zu verhandeln, aber ein bisschen träumen wird man jetzt schon dürfen. Herr Bücker, stellen Sie sich vor, die Neueröffnung des sanierten Großen Hauses stünde unmittelbar bevor – welche staatstheaterwürdige Produktion können Sie sich für diesen Moment vorstellen?

Bücker: (seufzt)Oh …

Jetzt nicht kneifen!

Bücker: Da muss man dann schon etwas Würdiges machen … Hm, natürlich kommt mir da Wagner in den Kopf. Da kann man dann über „Parsifal“ nachdenken oder über die „Meistersinger“. Aber daran hätte ich auch ohne Staatstheater gedacht. 

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