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Interview
06.03.2021

Philosoph Wilhelm Schmid: "Ich vermisse sichtbare Heimatpolitik"

Der Buchautor Wilhelm Schmid, zu Hause in Berlin-Charlottenburg. Sein neues Buch geht über Heimat. Und die liegt für ihn auch immer noch in Krumbach, wo er aufwuchs.
Foto: Paul Zinken/dpa (Archivbild)

Exklusiv Wilhelm Schmid und sein neues Buch "Heimat finden": Ein sehr persönliches und ziemlich politisches Gespräch. Über Wurzeln in der Region, Lehren aus Corona - und Überfremdung.

Heimat ist an sich schon kein einfacher, oft politisch aufgeladener Begriff. Nun beschreiben Sie, Herr Schmid, gleich eine ganze Vielzahl von Heimaten. Gibt es denn so etwas wie eine eigentliche Heimat gar nicht?

Wilhelm Schmid: Darüber kann man lange nachdenken. Ich glaube, das kann sich für Menschen im Laufe des Lebens auch ändern. Nicht zuletzt ist eine eigentliche Heimat für sehr viele Menschen die Beziehung zu den Nächsten, in der Familie, im Freundeskreis. Für viele ist es auch die Arbeit, die sie gerne tun, oft verbunden mit der Arbeitsstelle. Das lässt sich also nicht theoretisch sagen, was die eigentliche Heimat für den einzelnen Menschen ist. Ich nenne das gerne Kernheimat, größter Stein im Heimatmosaik. Aber der Stein kann wandern, größer und kleiner werden, Es können auch mehrere große Steine nebeneinander existieren …

Dann ganz konkret. Sie sind im Krumbacher Ortsteil Billenhausen aufgewachsen, leben nun seit vielen Jahren in Berlin: Was ist Ihre eigentliche Heimat?

Schmid: Wenn ich sagen müsste, ob meine Herkunftsheimat oder meine Wahlheimat meine eigentliche Heimat ist, oder meine Familie oder meine Freunde und oder meine Arbeit, dann wäre ich eben auch in Verlegenheit. Es ist eher die Kombination davon. Ich möchte keinen dieser Steine missen. Und ein wichtiger Stein ist übrigens nach wie vor auch Augsburg.

Wo Sie einige Jahre dazwischen verbracht haben.

Schmid: Es war ein absolut prägendes Jahrzehnt für mich. Einige Freundschaften, die ich damals dort gewonnen habe, bestehen bis heute fort. Augsburg hat mich auf eine neue Umlaufbahn geschossen, es ist für mich verbunden mit einer Heimatentdeckung, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, als ich in die Stadt kam. Ich habe mich dort zunächst sehr fremd gefühlt, und sehr einsam. Aber irgendwann hat einer meiner Kollegen in der Druckerei, in der ich eine Lehre gemacht habe, gesagt: „Komm doch zu uns in den Kreis.“ Das war eine Künstlergruppe, die sich tatsächlich „Der Kreis“ nannte, 30, 40 junge Leute voller Elan, voller Ideen. Und die es wertgeschätzt haben, dass da jemand war, der Gedichte geschrieben hat und kleine Texte, gerne kleine Lesungen machen wollte und ein Buch. Es war eine so kreative, produktive Stimmung, wechselseitiges Verständnis und Ermutigung – ich war perplex: Das war meine Heimat. Da habe ich gelernt: Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat ist auch etwas, wo man sich geistig aufgehoben fühlt. Das war eine unglaubliche Bestärkung für mich. Mit meinen Interessen, Lesen und Schreiben, meinem Ein und Alles, war ich zuvor längere Zeit verloren gewesen …

Es war der Abschied vom Ländlichen.

Schmid: Ich liebe das Ländliche, aber es ist zwangsläufig immer etwas eng. Und Stadt war und ist immer noch Freiheit, ein viel weiterer Raum. Aber ich habe es über viele Jahre als schmerzlich empfunden: den Wechsel zwischen diesen beiden Welten vollziehen zu müssen. Jedes Wochenende wiederholte sich der Schmerz, aus der freien Stadt in die beengte bäuerliche Heimat aufzubrechen, aber auch umgekehrt, aus der Geborgenheit der ländlichen Heimat wieder in die ungeschützte Freiheit der Stadt zurückzukehren. Aber Heimat bemerken wir auch daran: dass es wehtut, wenn wir weggehen - und sei es nur für eine bestimmte Zeit. Und egal, was das ist, ein Mensch, ein Ort, eine Arbeitsstelle.

Wie eng ist denn Ihre Beziehung zu Ihrer Herkunftsheimat heute noch?

Schmid: Sehr eng, ein Teil meiner Familie lebt dort. Ich bin mindestens zweimal im Jahr in meiner alten Heimat, dann trifft man unweigerlich alte Freunde und Bekannte, ich gehe in die Kirche und nehme auch von Berlin aus ständig Anteil am Leben des Dorfes. Und auch der Kleinstadt Krumbach habe ich unendlich viel zu verdanken. Dort habe ich die erste höhere Schule gemacht und dort spielten sich auch die ersten Liebesbeziehungen ab. Ich bin immer glücklich, wenn ich zu Hause in der Herkunftsheimat sein kann. Darum leide auch ich auch ein bisschen an Corona, weil ich nicht wie sonst dort kann.

Wie hat Corona sich denn auf unser Heimatgefühl ausgewirkt?

Schmid: Falls jemand Zweifel daran hatte, was Heimat bedeutet: Corona hat das jedem klar gemacht. Was war die Idee, die alle befiel rund um die Welt, als Corona kam? Nach Hause zu wollen. Übrigens auch in meinem Fall. Ich war vor einem Jahr mit meiner Frau schon wochenlang in Andalusien unterwegs. Wir sind erst seit 38 Jahren zusammen, da kann man schon noch ein bisschen verliebt sein und die Welt um sich vergessen. So waren wir vollkommen perplex, als wir plötzlich vor einem Restaurant standen und die dort bei herrlichem Sonnenschein die Tische und Stühle von der Terrasse räumten. Und die Begründung: Ja, wir schließen jetzt für zwei Wochen, eine Verfügung der Regierung wegen Corona. Unser erster Gedanke war: Wo kriegen wir jetzt was zu essen her? Und der zweite: Wie kommen wir nach Hause? Wir haben in der Tat den letzten Flug in die Heimat noch erwischt.

Also eine plötzliche Besinnung darauf, wo man hingehört?

Schmid: Was den Ort angeht, ja. Denn am Heimatort werden uns keine dummen Fragen gestellt wie: „Was machen Sie überhaupt hier? Verlassen Sie unser Land!“ Nein, am Heimatort können wir uns relativ sicher fühlen. Und auch was die Beziehungen angeht: Wir sind zu Hause dort, wo unsere Freunde sind, wo unsere Familie ist, sodass wir uns wechselseitig beistehen können. Wenn wir in der Fremde sind, wer steht uns denn dann bei? Das ist, glaube ich, vielen Menschen schlagartig klar geworden: dass Heimat immer auch Schutz bedeutet.

Was lehrt die Krise noch?

Schmid: Menschen, die wie ich auf einem Bauernhof groß geworden sind, wissen, dass das Leben wechselhaft sein kann. Ein Hagelschlag kann die ganze Ernte vernichten. In den 50er und 60er Jahren konnte das existenzvernichtend sein. Und es war für uns Kinder immer ein gutes Gefühl, dass wir einen großen Garten hatten und wussten: Im Zweifelsfall können unsere Eltern alles, was wir brauchen, von dort holen, wir sind nicht zwingend auf die Außenwelt angewiesen. Dieses Wissen, dass Leben sehr wechselhaft sein und auch bedrohlich werden kann, das habe ich in der Corona-Pandemie bei sehr vielen vermisst. Das ist das Problem unser Kultur, die sehr städtisch geworden ist: Da verliert sich das Bewusstsein für diese Brüchigkeit. Entsprechend große Probleme hat diese Erkenntnis vielen Menschen bereitet. Und auf dem Bauernhof lernt man auch: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Das haben offenkundig sehr viele nicht gemacht. Und leider gibt es auch sehr wenig Dankbarkeit dafür, dass wir in einem Staat leben, der sich umgehend bemüht hat, die große Not zu lindern.

Wenn die Kernheimat für jeden etwas anderes sein kann, so beschreiben Sie doch auch, dass es eine Heimat gibt, die allen gemeinsam ist: die Natur, die Erde. Auch da, könnte man angesichts einer ganz anderen Krise sagen, gibt es Bedarf zur Besinnung, sich der Brüchigkeit bewusst zu werden.

Schmid: Mit scheint, dass das Bewusstsein dafür stetig wächst. Das ist ein Effekt der Globalisierung, durch die die Menschen leicht und schnell die ganze Welt bereisen können. Es ist ja klar: Ohne Erde gibt es keine Menschheit. Und große Herausforderungen wie diese Pandemie, die die ganze Menschheit betreffen, müssen wir auch als ganze Erde bewältigen. Ich vermute, dass das einer der großen Gewinne der Krise sein wird: dass die Menschheit sich ihrer selbst bewusster wird.

In der Krise aber hat sich das auf zu Hause begrenzte Leben doch auch sehr ins Digitale verlagert. Bedeutet das nicht auch eine Abwendung vom Konkreten, dem Unmittelbaren, der Welt?

Schmid: Nein, es entstehen immer auch mal neue Heimaten. Heute ist das eben das Internet. Junge Menschen wachsen da hinein und begreifen das quasi von Natur aus als ihre Heimat im Sinne von Vertrautheit und Geborgenheit – das empfinden sie dort. In der Pandemie hat sich erwiesen, dass es ein Vorteil war, diese Welt zusätzlich zu haben, damit wir uns, wenn schon nicht persönlich, dann wenigstens im Netz treffen konnten. Allerdings zeigt uns die Krise ja auch, wie sehr wir die analoge Welt trotz dieser neuen Möglichkeiten entbehren, die reale Begegnung, den realen Kontakt. Warum wollen die Kinder wieder in die Kita, sogar in die Schule, warum wollen sie ihre Freunde wieder im Realen treffen, wenn sie sie doch auch im Netz treffen könnten? Und warum sind wir so erpicht darauf, dass wir uns wieder mit Freunden im Café treffen zu können? Der Lockdown hat bewiesen, wie wichtig es ist, uns mit anderen physisch, sinnlich zusammenzutun. Denn da entsteht etwas, womit das Internet sich sehr schwer tut: Atmosphäre. Der unmittelbare Austausch, Auge in Auge, der Austausch von Energien. Denn das sind wir.

Vor der Krise hatte der Heimatbegriff große Konjunktur und wurde stark debattiert. Ein Grund für Sie, das Buch zu schreiben, um ideologische Vereinfachungen, die es ja von beiden Seiten gibt, aufzuklären, um auszudifferenzieren, worüber wir überhaupt reden?

Schmid: Als ich 2011 in Kloster Thierhaupten bei Augsburg zum ersten mal einen Vortrag gehalten habe über Heimat, da war das noch ein etwas exotisches Thema, das hat nicht sehr viele interessiert. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Weil sehr viele Menschen Heimat wiederentdecken. Die jungen Leute, die heute in die ganze Welt reisen und im Internet unterwegs sein können, entdecken plötzlich, wie wunderbar es ist, einen Freundeskreis zu haben, in dem man sich beheimatet fühlt, und auch einen Ort, an dem sie sich zu Hause und aufgehoben fühlen. Das hat aber mit Heimat, wie sie vor Jahrzehnten gepflegt worden ist, und mit den alten Inhalten nicht mehr sehr viel zu tun.

Aber die ideologische Aufladung, die es politisch gibt, hat ja sehr viel damit zu tun. Die zu bewahrende Heimat, die vor Überflutung oder Überfremdung zu bewahren ist, ist doch die alte?

Schmid: Ja, insoweit hier Heimat mit Identität identifiziert wird. Und mein Vorschlag ist, davon abzulassen. Denn eine Heimat, die für Identität bürgen soll, ist eine unbewegliche Heimat, die immer sich selbst gleich bleiben soll. Ich verstehe diesen Wunsch, gerade in einer sich schnell verändernden Welt. Aber es gibt nichts in ihr, das immer sich selbst gleich bleiben kann. Also weg von der Identität hin zu etwas, das viel wichtiger ist: nämlich Integrität. Also integrieren zu können. Zum Beispiel auch Fremde, überhaupt: Veränderung. Die können wir nicht ausschließen. Und natürlich kommen damit auch Fremde. Aber sich dagegen zu sperren - was würde das denn heißen? Solche Mauern können wir gar nicht bauen, zumal wir Deutsche, die wir vom Export unserer Güter leben. Wir wollen also nur alle Welt beliefern, aber niemand soll zu uns kommen? Das könnte nicht gut gehen. Die Heimat der Zukunft wird eine integrativ gestaltete sein müssen.

Aber Heimat beschreiben Sie ja auch als etwas, mit dem man sich vertraut, in dem man sich kundig fühlt. Gibt es also eine Grenze der Veränderungsgeschwindigkeit, die die Menschen aushalten, um sich zu Hause zu fühlen?

Schmid: Ja, die gibt es. Und es gibt auch Grenzen der schieren Zahl an Menschen, die integriert werden können. Ich weiß, es gibt Menschen unter uns, die meinen es gut und meinen, alle aus aller Welten sollten zu uns kommen können. Das würde mit großer Wahrscheinlichkeit unsere sozialen Systeme kaputtmachen und keinem nutzen, weder denen, die schon hier sind, noch denen, die hierher kommen. Insofern haben wir ein vitales Interesse daran, auf Grenzen zu achten. Tun wir aber mittlerweile auch, das funktioniert sehr gut. Von daher sehe ich da bis auf Weiteres keine Probleme.

Der Konflikt gerade in solchen politischen Wertefragen wird heute oft mit daran festgemacht, dass es starke Unterschiede zwischen den Menschen auf dem Land und den Städten gibt, gerade auch was Integration angeht. Wie sehen Sie das, wo Sie doch in beidem quasi beheimatet sind?

Schmid: Die Unterschiede gibt es. In den 60ern etwa waren das noch fast zwei getrennte Welten, die kaum etwas verband. Aber durch die Mobilität, überall verfügbare Medien und auch dadurch, dass immer weniger Menschen auf dem Land auch vom Land leben, haben sich beide Räume inzwischen deutlich angenähert. Die Menschen auf dem Land leben immer urbaner und in den Städten bilden sich dörfliche Strukturen, jeder Kiez ist ein Dorf, in dem man sich kennt.

Aber man könnte ja meinen, dass im Freiheitsraum, der die Stadt, wie sie sagten, immer schon war, auch Integration vom Fremdem, von Unterschieden besser gelingt.

Schmid: Aber gerade in so machen Dörfern können Sie sehen, dass etwa Geflüchtete besser integriert werden, gerade von der Dorfgemeinschaft selbst. Während sie in der Stadt einfach so mitlaufen. Sie fallen halt nicht weiter auf, weil in der Stadt immer Fremde sind. Also wo ist die Integrationsleistung höher? Da wäre ich mir gar nicht so sicher … Denn Heimat ist immer auch dort, wo ich in Augen schaue, die freundlich zurückschauen. Und wo ist das eher der Fall: In der Stadt, auf dem anonymen Gehsteig, wo man sich gar nicht in die Augen schaut? Oder auf dem Land, wo erst mal die Irritation sichtbar ist im Blick - aber wo man sich erkennend wieder begegnet und vielleicht irgendwann doch die ersten Worte wechselt? Die Hilfsbereitschaft scheint mir auf dem Land größer zu sein als in der Stadt, auch gegenüber Fremden.

Gibt es eigentlich auch eine Heimatpolitik, die Sie sich wünschen?

Schmid: Heimatpolitik muss sich heute sehr stark konzentrieren auf die vernachlässigten Regionen. Die finden sich zum großen Teil auf dem Land, zum kleineren sind es aber auch vernachlässigte Städte. Heimatpolitik muss darin bestehen, Strukturen zu stärken. Das kann in Städten bedeuten, in vernachlässigten Vierteln Stadtteilmanager zu installieren, die nur dazu da sind, Menschen wieder zusammenzubringen, mit kleinen Angeboten, damit sie sich wieder kennenlernen. Denn dort, wo Menschen einander kennen, fühlen sich Drogenhändler und Kriminelle nicht so wohl, sie fallen nämlich ganz schnell auf. Wo die Anonymität sehr groß wird, entsteht in den Städten ein Problem. Und auf dem Land muss sich Heimatpolitik um Regionen wie etwa in Brandenburg kümmern, wo es sehr großen Wegzug gegeben hat, wo kein Bus mehr hält, kein Arzt, kein Markt mehr ist. Das unterminiert Heimat. Und wenn Menschen sich nirgendwo mehr heimisch fühlen, dann fühlen sie sich auch der gesamten Gesellschaft nicht mehr zugehörig. Darauf käme es also an. Es gab vor ein paar Jahren mal die Erwartung, dass ein gewisser Minister, der die Heimat in den Titel seines Ministeriums geschrieben hat, auch sichtbar etwas für die Heimatpolitik tut. Diese Sichtbarkeit vermisse ich bis heute.

Eine letzte Frage muss noch sein. Denn Sie beschreiben in Ihrem Buch ja auch die gedruckte Zeitung als Heimat. Und nehmen Abschied von ihr. Warum?

Schmid: Ich hänge an der gedruckten Zeitung, ich lese sie jeden Tag. Und eigentlich hatte ich einfach ein Plädoyer für sie geschrieben, um manche Leute vielleicht aufzuwecken. Als ich das aber meiner Tochter gezeigt habe, hat sie nur mitleidig lächelnd gesagt: „Alter weißer Mann …“ Also habe ich es umgeschrieben, als Erinnerung an meine noch nicht geborenen Enkel quasi, an etwas, das da mal war, etwas Wichtiges, das die Menschen in Gefahr sind aufzugeben, was sie mal sehr, sehr bereuen könnten - weil sie es nicht mehr so leicht, wahrscheinlich nie mehr zurückbekommen werden. Natürlich ist das erst mal einfacher, sich die Nachrichten einfach irgendwoher und kostenlos auf das handliche Smartphone zu holen. Aber wer steht für die Qualität dieser Nachrichten noch ein? Wo sind die Menschen, die ihr Bestes dafür geben? Wo sind dann noch Medienhäuser, die auch Anfeindungen noch standhalten? Und wo ist mit dem Smartphone in der Hand die Konzentration, die ich ablenkungsfrei einer gedruckten Zeitung widmen kann, um mich zu informieren und dann in Ruhe über das Weltgeschehen nachzudenken? Im Internet erscheint die Welt immer unbegrenzt und unerfassbar. Hier bedeutet die ausgebreitete Zeitung die überschaubare Welt, mit der ich mich auseinandersetzen kann. Es ist tatsächlich mein sehnlichster Wunsch: Lasst die gedruckte Zeitung nicht kaputtgehen!

Zur Person

Wilhelm Schmid, 67, war bis zu seiner Emeritierung Philosophieprofessor und ist seit Erscheinen von „Gelassenheit“ (2014) einer der meistgelesenen Denker Deutschlands. Sein neues Buch heißt „Heimat finden – Vom Leben in einer ungewissen Welt“ (Suhrkamp, 480 Seiten, 24 Euro). Kostenlos veröffentlicht er jeden Sonntag einen „philosophischen Spaziergang“ als kleinen Film auf Youtube.

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