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Silvester in Notre-Dame

28.12.2020

Jean-Michel Jarre als virtueller Magier

«Welcome to the Other Side» heißt das Konzertspektakel von Jean-Michel Jarre.
Bild: Sony Music/dpa

Paris verzichtet wegen Corona auf das Silvester-Feuerwerk. Stattdessen gibt es eine besondere Schau: Elektronik-Pionier Jean-Michel Jarre spielt in der Pariser Notre-Dame - live und virtuell.

Gigantomanie und Experimente: Mit seinem ersten Konzert auf der Place de la Concorde zu Frankreichs Nationalfeiertag am 14. Juli 1979 gelangte Jean-Michel Jarre mit über einer Million Zuschauer ins Guinness-Buch der Rekorde.

Mit einer spektakulären Lichtschau zu den Millenniumsfeiern bespielte der Elektro-Pionier die Pyramiden von Gizeh. Zum diesjährigen Jahreswechsel nun wird der französische Multimedia-Künstler seine Laser-Saiten in der weltberühmten Pariser Notre-Dame zupfen - live und virtuell.

Einen Vorgeschmack auf das Live-Reality-Konzert am 31. Dezember geben erste Bilder: Strahlen fallen links und rechts in das 35 Meter hohe Kirchenschiff; das mittelalterliche Farbenspiel der herrlichen Glasfenster bezaubert. So wie vor dem verheerenden Feuer, das am 15. und 16. April 2019 die historische Pariser Kathedrale verwüstet hat.

Die 3D-Rekonstruktion des gotischen Gotteshauses wurde vor dem Großbrand des Symbols des Christentums entworfen, das seit 1991 auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste steht. Mittendrin: Jarre als Avatar, der live Stücke aus seinem Album "Electronica" spielt sowie seine bekanntesten Titel "Oxygène" und "Equinoxe" in überarbeiteter Version.

"Welcome to the Other Side" (dt: Willkommen auf der anderen Seite) heißt das 45-minütige virtuelle Konzertereignis, das in Zusammenarbeit mit der Stadt Paris und der Unesco entstanden ist, deren "Botschafter des guten Willens" Jarre schon seit 1993 ist. Als solcher soll sein Konzert auch eine Nachricht vermitteln. "In diesen schwierigen Zeiten ist das Event eine Botschaft der Hoffnung und eine Hommage an Notre-Dame, die ebenso geschwächt ist wie wir", sagte der 72-jährige Musiker und Komponist in einem Telefon-Interview der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

Jarre wird ab 23:25 live in einem Studio unweit der Notre-Dame spielen, während zeitgleich sein Avatar in der virtuellen Kathedrale auftritt. Eine technische Herausforderung, an der über 100 Personen gearbeitet haben. Denn es ging darum, die echte Studiowelt über die Grafikfigur von Jarre mit der virtuellen zu verbinden. Das Event ist kostenlos und über die Social Media Plattformen Facebook und YouTube zugänglich sowie auf der Homepage der Stadt Paris und der Virtual-Reality-App VRChat. Direkt übertragen wird es unter anderem auch im französischen Radiosender "France Inter" und auf dem Fernsehsender "BFMTV".

Erstmals trat Jarre als Avatar vor wenigen Monaten zur "Fête de la Musique" am 21. Juni auf. Daran erinnert sich der Musiker nur ungern. Das sei eine schlechte Erfahrung gewesen, erzählte er in dem Gespräch weiter. Er habe nur drei Wochen Zeit gehabt. "Alone Together" hieß das virtuelle Live-Konzert, das von Frankreichs Kulturministerium unterstützt wurde.

Jarre glaubt an die virtuelle Realität als eigene und vollwertige Ausdrucksweise. Virtual-Reality sei heute für Live-Shows, was Kino in seinen Anfängen im Vergleich zum Theater war. "Als vor 125 Jahren das Kino erfunden wurde, haben die Schauspieler auch nicht direkt vor einem Publikum gespielt und gesprochen", erklärte er.

Ob er vom Wegbereiter der Elektronik-Musik zum Pionier von Live-VR-Konzerten werden will? "Als ich damals mit meinen Kompositionen für den Synthesizer begann, betrat ich Neuland. Das war aufregend und spannend. Dieses Gefühl habe ich jetzt auch", so seine Antwort. Faszinierend und auch verwirrend sei für ihn auch, wie schnell er den Aspekt des Avatars vergessen habe und in die virtuelle Welt abgetaucht sei.

Gigantomanie und Experimente: Jarre ist weltweit bekannt für seine spektakulären High-Tech-Mega-Konzerte. So gab er 1986 in Lyon anlässlich des Besuchs des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. eine beeindruckende Schau, bei der die Franzosen erstmals seine Laser-Harfe entdeckten.

© dpa-infocom, dpa:201228-99-829072/4 (dpa)

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