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Neuester Dreh

29.07.2010

Jessica Schwarz zwischen Hysterie und Glamour

Jessica Schwarz: Hysterie, Glamour und Ruhe
Bild: DPA

Aggressiv und nervtötend sei sie beim letzten Dreh gewesen, sagt Schauspielerin Jessica Schwaz. Das lag an ihrer Rolle, die sie nicht abstreifen konnte: einer hysterischen Insassin einer Heilanstalt.

Jessica Schwarz (33) blickt schuldbewusst: "Ich bin ja sonst mehr der pflegeleichte Typ. Aber diesmal war ich am Set ganz schön aggressiv, habe diskutiert, was das Zeug hielt, und bin sicher allen kräftig auf die Nerven gegangen."

Das muss an der Rolle im Film "Lautlose Morde" gelegen haben, der am 13. September im ZDF zu sehen sein wird. Die Rolle hatte wohl abgefärbt. Denn im Film, als seelisch schwer gestörte Insassin einer Nervenheilanstalt, musste Schwarz sehr hysterisch und aggressiv spielen.

Zur Vorbereitung darauf betrieb sie Studien: Sie verbrachte einen Tag in einer psychiatrischen Klinik. Die bei den Kranken beobachteten Verhaltensweisen hat sie dann für ihre Rolle übernommen - und die streift man am Set nicht einfach ab, wenn die Szene vorbei ist. War diese Sarah Merlow, die sie unter Jörg Grünlers Regie gespielt hat, ihre bisher schwerste Rolle? Nein, das sei dann wohl doch vor zwei Jahren die Romy Schneider im "Romy"-Film gewesen, sagt sie. Und die Rolle der "Lulu", die sie zuvor in der Wedekind-Verfilmung des ZDF-Theaterkanals übernommen hatte, habe es auch in sich gehabt.

Jessica Schwarz zwischen Hysterie und Glamour

Bei "Lulu" hatte auch kleiner Trotz mitgespielt: aller Welt zeigen zu wollen, dass sie nicht nur schön und chic ist, nicht die immerwährende Ex-Viva-Moderatorin, die einst ein Model war. Kleine Bitternis kommt hoch: "Ich hätte so gern die Sophie im Film über die Geschwister Scholl gespielt. Aber ich wurde nicht einmal zum Casting aufgefordert." Nach ihrer "Lulu" zweifelte jedoch niemand mehr an der ernstzunehmenden Schauspielerin Jessica Schwarz.

Auf Viva- und Model-Zeiten blickt sie heute mit selbstbewusster Gelassenheit zurück: "Ich verdanke beidem viel, auch für meine schauspielerische Entwicklung. Als Moderatorin, vor ein Publikum hinzutreten und frei zu reden, als Model, wie man Kleider, also Kostüme trägt." Und gelernt hat sie auch vom Beispiel Romy, deren Leben als gefeierte Diva und tiefunglücklicher Mensch ihr auch eine Warnung war: "Man darf sich nicht zu radikal seinem Beruf ausliefern. Man muss immer eine Ecke Privatleben haben, von der man nichts preisgibt. Oder nur ein bisschen."

Bei Schwarz ist das zum Beispiel die Tatsache, dass sie, die Brauereibesitzertochter aus dem idyllischen Michelstadt im Odenwald, schon mal Botschafterin des Bieres war, obwohl sie selber lieber Wein als Bier trinkt. Neuerdings darf sie sich auch Botschafterin von Michelstadt nennen. Dort betreibt sie zusammen mit ihrer Schwester, einer gelernten Hotelfachfrau, ein lauschiges kleines Designhotel - ganze vier Zimmer mit Café. Die Nacht im Doppelzimmer kostet 135 Euro. "Das ist doch nicht übertrieben, oder?"

Diese Welt im Südhessischen ist dann auch für sie selbst die kleine, ganz private Fluchtburg zwischen zwei Filmrollen. Für den Film "Lautlose Morde" hatte sie auf alle äußere Attraktivität verzichten müssen - ungeschminkt, mit Zottelhaar und Ein-Kleid-Garderobe. Sie fand das spannend, eine ganze Rolle in nur einem Kostüm zu entwickeln. Das beruhigende Gefühl, nicht immer schön sein zu müssen, um zu überzeugen, kam noch dazu. "Aber nun", entscheidet sie, "darf es auch mal wieder etwas Glanz und Glamour sein." dpa

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