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Interview

07.11.2020

AC/DC-Legende Angus Young: "Das Innere altert nicht"

AC/DC-Leadgitarrist Angus Young bei einem Konzert 2016 in Leipzig.
Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der Leadgitarrist spricht über das neue AC/DC-Album ohne Bruder Malcom Young, seine Jugend und Autofahren.

Was macht das Befinden?

Angus Young: Ich kann nicht klagen, fühle mich gut. Ich bin aktuell in Australien, der Himmel ist blau, die Temperaturen sind angenehm.

Haben Sie eigentlich die ganze Corona-Krise in Australien verbracht?

Angus Young:, ich bin schon eine ganze Weile hier. Ach ja, aber wir hängen ja alle zusammen in dieser Sache drin. Ich kann wenig gegen dieses Virus ausrichten. Wir müssen wohl Geduld haben.

Die Situation rund um AC/DC schien ja vor einigen Jahren ziemlich bedrohlich zu sein – Phil Rudd wegen Drogen-Eskapaden aus der Band geworfen, Brian Johnson konnte nicht mehr hören und musste 2016 für die letzten zehn Konzerte durch Axl Rose ersetzt werden, Cliff Williams verkündete nach der Tournee seinen Rücktritt. Wann und unter welchen Voraussetzungen haben Sie eigentlich beschlossen, ein weiteres Album zu machen?

Mit Arbeit von der Trauer um Malcom ablenken

Angus Young: Richtig konkret wurden unsere Überlegungen nach dem Tod meines Bruders Malcolm. Er starb im November 2017, und danach versuchte ich, mich mit Arbeit von meiner Trauer abzulenken. Ich musste irgendwas zu tun haben, praktisch egal was. Ich dachte, vielleicht schreibe ich ein bisschen, halte ein paar Song-Ideen fest, und dann dachte ich so nach und es fiel mir ein, dass Malcolm und ich ja wirklich an sehr, sehr vielen Riffs und Song-Ideen gearbeitet hatten. Wir haben über die Jahre eigentlich immer irgendwas in der Mache gehabt. So gab es auch noch eine Menge guter Ideen, die wir beide gern mochten. Wir hatten immer den Wunsch, diese Ideen eines Tages zum passenden Zeitpunkt auf einer Platte zu veröffentlichen. Also beschloss ich, mich auf diese Ideen zu konzentrieren. Als ich der Meinung war, dass ich genug Material gesichtet und gesammelt hatte, ging es darum, die anderen zu kontaktieren.

Malcom Young (Mitte) mit Bruder Angus auf der Bühne
Bild: dpa

Und die anderen waren in deiner Vorstellung …

Angus Young: …Brian, Cliff und Phil und natürlich mein Neffe Stevie. Ich wollte erst mal hören, was sie dachten, ob sie sich auch vorstellen konnten, wieder was zusammen zu machen, ein Album aufzunehmen.

Und?

Angus Young: Sie waren alle erfreut, dass ich auf sie zukam. Die Jungs fanden, das sei eine gute Idee. Und so entschied ich: Let’s go. Let’s do it.

Kann man sagen: Obwohl Malcolm nicht mehr unter uns weilt, ist er sehr lebendig auf dem Album?

Angus Young: Malcolm ist mit jeder Menge seiner Ideen vertreten.

"Maclom wird immer Teil von AC/DC sein"

Sie haben immer zusammen geschrieben. Wie hat es sich angefühlt, jetzt alleine seine Ideen zu vollenden?

Angus Young: Das stimmt, wir haben immer gemeinsam an Material gearbeitet, und so fühlte es sich ein bisschen so an, als wäre Malcolm noch da. Weil ich ja seine, unsere Musik bearbeitete. Jetzt war es bloß so, dass ich unsere gemeinsamen Pläne, die Musik auf ein Album zu bringen, ohne ihn verwirklichen musste. Ich habe das sehr behutsam und respektvoll gemacht, wir haben überhaupt sehr darauf geachtet, dass die fertigen Songs Malcolm gerecht werden.

Sollte man bei den neuen Liedern das Gefühl haben, er ist noch da?

Angus Young: Malcom wird immer ein Teil von AC/DC sein. Und ganz besonders für mich als Bruder ist er immer noch sehr präsent. Alles, was ich in Sachen AC/DC je gemacht habe, machte ich mit ihm zusammen. Ich weiß genau, was er mag und wie er es mag. Ich habe ihm immer vertraut und er hat mir vertraut. Wir haben uns blind verstanden. Ich bin mir ganz sicher, Malcolm würde unser neues Album mögen.

Hören Sie sich neue AC/DC-Songs im Auto an, während Sie an ihnen arbeiten?

Angus Young: Manchmal ja. Das Auto ist so ein kleines Teststudio, Musik klingt einfach besonders toll, während man fährt. Aber ich tue das weniger während der Arbeit, sondern lieber, wenn das Album fertig ist. Mir gibt das immer ein gutes Gefühl. Das Album ist geschafft und dann ab damit ins Auto. Für mich steckt in dieser Kombination aus Auto und AC/DC sogar ein gutes Stück Magie.

Angus Young: Ich habe nicht mal einen Führerschein

Fahren Sie eher schnell oder eher gemächlich?

Angus Young: Oh, ich habe noch nicht einmal einen Führerschein. Ich bin noch nie Auto gefahren. Meine Frau fährt. Ich bringe nur die Musik mit.

Mit AC/DC haben Sie eine ganze Menge von Menschen davor bewahrt, allzu erwachsen zu werden. Bis heute fühlt man sich selber jung, sofern man es nicht mehr ist, wenn man Sie da in Ihrer Schuluniform auf der Bühne herumtollen sieht. Kann man sagen, dass AC/DC den Teenager in allen von uns konservieren?

Angus Young: Wenn ich mit AC/DC spiele, spüre ich immer noch den kleinen Jungen in mir. Mein Bruder hat immer gesagt, man entdeckt als Kind, was einen glücklich macht, und wenn es optimal läuft, kann man dieser Leidenschaft sein ganzes Leben lang treu bleiben. So empfinde ich das mit AC/DC. Ich liebe immer noch dieselbe Musik wie als Teenager, ich finde es nach wie vor herrlich, meine eigene Musik zu spielen, mit der Band da oben zu stehen.

Mochten Sie Ihre Jugend?

Angus Young: Ich habe die Zeit geliebt. Ich war 13, als mein Vater zu mir sagte: „Junge, genieße diese Zeit, denn sie ist die beste deines Lebens.“ Ich wusste das damals nicht, aber so im Rückblick hatte er schon recht. Zu der Zeit hattest du keine Verantwortung, keine Sorgen, du wusstest noch nicht, welchen Kummer das Leben auch für dich reserviert hat. Du lebst einfach. Ohne viel zu denken. Wunderbar war das.

"Ich verschwende an das Alter keinen Gedanken"

Sie selbst sind auf der Bühne und generell innerhalb von AC/DC ein altersloser Charakter. Wie stehen Sie dem Älterwerden gegenüber?

Angus Young: Ich verschwende an das Alter keinen Gedanken. Das äußere Erscheinungsbild von uns Menschen verändert sich jeden Tag ein kleines bisschen. Aber das Innere altert nicht mit. Das Innere ist fest und beständig. Ich sehe das an mir selbst: Ich habe immer noch größtenteils dieselben Gedanken und Vorlieben wie zu der Zeit, als ich jung war. Ich frage mich auch nie: Wie alt bist du denn eigentlich? Wenn, dann erinnern mich andere Menschen an mein Alter.

Würden Sie gerne noch mal auf Welttournee gehen?

Angus Young: Ich kann nicht wirklich für die anderen sprechen. Aber wenn alle glücklich damit sind, etwas zu machen, dann werde ich tun, was ich kann, um sicherzustellen, dass das auch passieren wird. Klar, es würde schon Sinn ergeben, und wahrscheinlich müssten wir schon auch wieder was machen – in verschiedenen Ländern, in aller Welt.

Gesundheit vorausgesetzt: Im Jahr 2023 feiern Sie Ihr 50-jähriges Bandjubiläum. Sind Sie sich dessen bewusst?

Angus Young: Ich muss wieder den guten alten Teenager in mir voranschicken und sagen: So weit nach vorne gucke ich nicht. Wer weiß, was bis dahin passiert, aber hey, 50 Jahre, das hört sich schon nach einer runden, guten Sache an.

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