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Exklusiv

02.06.2018

Andreas Gabalier spricht über seine Kindheit und Idole

Der Durchbruch für Andreas Gabalier war 2011 der Hit „I sing a Liad für di“, 2014 folgte mit der Ballade „Amoi seg’ ma uns wieder“ der nächste, 2016 die Partynummer „Hulapalu“.
Bild: Felix Hörhager, dpa

Der Volks-Rock’n’ Roller hat ein neues Album. Er spricht über Schwarzeneggers Regeln, Omas Werte, seine Jugend und das „Scheiß-Handy“.

Was war es für ein Gefühl, Ihr Album in der Stadt einzuspielen, in der Elvis Presley und Johnny Cash viele ihrer Hits aufgenommen haben?

Andreas Gabalier: In Nashville sind nur kleine Teile entstanden. Wir haben die Platte auch in Los Angeles, London, Berlin und bei mir zu Hause produziert. Ich habe eigentlich eine Einladung vom Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz nach L.A. bekommen. Bei der Gelegenheit sind wir auch noch nach Nashville geflogen, um dort das Fundament für die Songs mit Rock-Attitüde aufzunehmen. Es ist aber kein zweites Nashville-Album. Und in London machten wir „Hinterm Horizont“ und „Loving Arms“.

Aber auch in Nashville in Lederhosen?

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Gabalier: Ja klar. Am Anfang fragten die Amis mich: „How do you clean it?“ Ich antwortete: „Never!“ Da gab es einen Aufschrei. Die sind ja alle ein bisschen prüde. Wenn ich nach Hause komme, sind die Hosen sofort weg. Damit lege ich mich nicht auf meine Couch. Am liebsten liege ich abends in Unterhosen auf meiner Kuscheldecke.


Arnold Schwarzenegger hat Sie in Los Angeles im Studio besucht. Sind Sie Freunde?

Gabalier: Ich sehe den Arnold zwei- oder dreimal im Jahr. Auch, wenn er bei uns daheim ist oder in Kitzbühel beim Skirennen. Wir gehen dann zusammen ein Eisen biegen. Er ist ein ganz Lieber. Freund ist vielleicht zu viel gesagt, aber ein sehr netter Bekannter ist er schon.

Reden Sie mit ihm auch über Privates?

Gabalier: Auch. Über alles, was in einer oder zwei Zigarrenlängen so ansteht. Er ist ein geselliger Zeitgenosse und ein großes Idol seit meiner Kindheit. Arnold hat mir gezeigt, was alles möglich ist: Man kann aus einem kleinen Nest hinaus in die große weite Welt gehen. Umso schöner, dass ich heute mit ihm zusammensitzen und ein Bier trinken kann. Wir haben erst gestern über Skype miteinander geplaudert.

Gibt Arnold Schwarzenegger Ihnen manchmal Karrieretipps?

Gabalier: Seine „six rules to success“ (sechs Regeln für Erfolg) lauten: Trust yourself! (Vertraue dir selbst) Break some rules! (Breche einige Regeln) Don’t be afraid to fail! (Habe keine Angst zu scheitern) Don’t listen to the naysayers! (Höre nicht auf Neinsager) Finger weg von den Energievampiren! Lass die Kritiker reden! Success will come! (Der Erfolg wird sich einstellen) And give something back! (Und gib etwas zurück) Work your butt off! (Arbeite dir den Arsch ab) Diese Regeln hängen zu Hause auf der Toilette.
Das Cover des Albums "Vergiss mein nicht" von Andreas Gabalier. Das Album erscheint am 01. Juni.
Bild: Universal Music/dpa

 

Auf dem Album sind ein paar kernige Rocknummern. Warum?

Gabalier: Wir wollten den Sound, den wir live spielen, erstmals auf ein Studioalbum bringen. Meine Konzerte sind bunt gemischt von Kindergartenkindern und ausflippenden Teenagern bis zu durchtätowierten Bikern und Senioren. Diese Kraftnummern kommen immer sehr gut an. Mit dem sechsten Album verträgt das auch der Durchschnittsfan. Ich will mich weiterentwickeln. Stillstand ist der Tod. Die Gitarren habe ich zum Teil selber gespielt.

„Verdammt lang her“ ist ein Rückblick auf Ihre Jugend. Waren Sie ein wilder Teenager?

Gabalier: Wir haben uns ordentlich aufgeführt, ja! Das sieht man in dem rotzigen Video. Es war mir ein Anliegen, das Ganze nicht weichzuspülen. Es war damals eine aufregende und neue Zeit. Wir waren daheim vier Kinder und haben viel gefeiert. Unser Haus ist 1988 fertiggestellt worden; damals waren Luftschutzbunker noch vorgeschrieben. Das war unser Partyraum. Absolut schalldicht! Ich konnte es kaum erwarten, endlich mobil zu sein mit Moped oder Auto. Es war ein sehr prägender Lebensabschnitt mit den ersten Freundinnen.

Woran merken Sie, dass Sie einen Einfluss auf die Jugend von heute haben?

Gabalier: Am Erfolg meiner Konzerte, wo ich zum Teil traditionelle Werte vermittle. In meinen Liedern erzähle ich Geschichten, die ich in der Kindheit erlebt oder von meinen Eltern und Großeltern mitbekommen habe. Die Menschen sehnen sich danach, wieder etwas von Angesicht zu Angesicht zu machen. Wenn sie zu meinen Heimspielen in Kitzbühel, Schladming oder München kommen wollen, müssen sie mindestens drei Tage Urlaub machen. Sie gehen dann auch ein bisschen wandern oder sitzen im Wirtshaus, um das ganze Thema Volks-Rock’n’Roller zu erleben. Zu Hause wird die ganze Zeit auf dem Scheiß-Handy herumgewischt, aber bei mir ist es noch so wie in der Kindheit. Insofern gebe ich vielleicht etwas weiter, was heute nicht mehr so cool ist, wonach aber eine Sehnsucht besteht …

Sie singen über eine „Kleine steile heile Welt“. Gibt’s die wirklich oder existiert sie nur in der Fantasie?

Gabalier: Sie ist auf jeden Fall steil. Die heile Welt gibt es in gewissen Regionen bei uns sicher noch. Ich bin parallel bei den Eltern in Graz und bei den Großeltern auf dem Land groß geworden und konnte mir von beiden Seiten des Schönste herauspicken. Meine Großeltern waren sehr bescheiden und mochten einfaches Essen. Sie haben jeden Schilling umgedreht und sich für ihre Enkel aufgeopfert. Vielleicht war das Leben auf dem Land ein bisschen engstirnig, aber parallel habe ich die Schulbildung in Graz und die unterschiedlichen Freunde mit unterschiedlichen Einstellungen genossen. Für mich war es rückblickend eine steile heile Welt. Natürlich war nicht immer alles heil, wenn die Großeltern zum Beispiel vom Krieg erzählten. Meine Oma Maria verbrachte ihr ganzes Leben in der Küche, das würde sich heute wahrscheinlich niemand mehr antun. Noch als 90-Jährige kritisierte sie die ganzen Diskussionen über Emanzipation und Gleichberechtigung immer. Sie erzählte mir, jeder habe seine Aufgaben gehabt, und das habe funktioniert. Heute hingegen geht jeder den Weg des geringsten Widerstands und lässt sich beim kleinsten Gegenwind scheiden. Zur Zeit meiner Oma hat man mehr zusammengehalten. Ich versuche, gewisse Teile meiner Kindheit weiterzuleben. Das gefällt auch meinen Freunden, und die praktizieren das wiederum bei ihren Kindern.

Kritiker verstehen Sie, Ihre Werte und Ihr Programm immer wieder als rechtskonservativ. Wie sehen Sie sich selbst?

Gabalier: Ich mache einfach mein Ding. Damit ecke ich vielleicht bei vielen an, die damit gar nichts anfangen können. Dann wirst du gleich verteufelt. Wenn man solch einen Erfolg hat wie ich, gibt es auch Neider. Man muss für sich selber einen Weg finden, damit umzugehen. Ich kritisiere niemanden, weil er sich die Hosen unter den Arsch hängen lässt oder mit grünem Haar durch die Straßen läuft. Das ist mir vollkommen wurscht. Umgekehrt finde ich es sehr interessant, dass es immer wieder Leute gibt, die meinen, mich zu kennen und Urteile über mich fällen zu können.

Österreichs Post widmet Ihnen eine Briefmarken-Edition. Wie kam das?

Gabalier: Die Post hat mich gefragt; das ist eine ganz besondere Ehre. Es gibt nicht viele Österreicher, denen das zuteilwurde. Die Marken gibt es in allen Postfilialen in Österreich.

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