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Interview
19.06.2021

Daisy Ridley: Nach „Star Wars“ verschreckt und verängstigt

Daisy Ridley wurde mit "Star Wars" berühmt und spielt nun in Chaos Walking
Foto: picture alliance/empics

So hat die Saga Daisy Ridleys Leben verändert. Sie spricht über ihre neue Hauptrolle in "Chaos Walking", Heimweh, Veganismus - und erklärt, warum sie Soziologie studiert.

Daisy, „Chaos Walking“ soll nun der große Paukenschlag werden, mit dem Hollywood die Rückkehr ins Kino feiert. Sie spielen darin die einzige weibliche Überlebende einer Naturkatastrophe. Würden Sie den Film als feministisch bezeichnen?

Daisy Ridley: Der Gedanke, wie es sein müsste, die einzige Frau auf der Welt zu sein, ist schon einschüchternd. Aber was der Film über die Welt sagt, scheint mir jetzt aktueller denn je: In unserer Gesellschaft existiert eine Spaltung. Die Menschen gehen auf Abstand zu Menschen, die sie nicht kennen. Sie mögen das nicht, was sie nicht kennen. Der Film verrät auch viel über Männer und Frauen – und wie es sich anfühlt, auf sich alleine gestellt zu sein und plötzlich vor Widrigkeiten zu stehen, auf die man in keiner Weise gefasst war.

Daisy Rildey: "Wir leben in beängstigenden Zeiten"

Dabei wurde der Film nicht erst im Jahr der Pandemie gedreht. Wie fühlt es sich für Sie als Londonerin an, im London von 2021 zu leben?

Ridley: Wir leben schon in beängstigenden Zeiten. Die Nachrichten wühlten mich oft auf, gerade gegen Ende letzten Jahres wurde es mir fast zu viel. Vielen ging’s wohl ähnlich. Ich hoffe, wir haben jetzt wirklich wieder bessere Zeiten vor uns. Ich sehne mich so sehr nach ganz normalen sozialen Begegnungen, einfach Bekannte auf der Straße zu treffen und einen Plausch zu halten.

2015 wurden Sie mit „ Episode VII“ als neue Protagonistin der „Star Wars“ -Saga ausgerufen. Hat sich Ihr Leben seitdem massiv geändert, teilt es sich in davor und danach?

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Ridley: Ja, das kann ich bestätigen! Damals haben mir viele Leute prophezeit, dass sich mein Leben nun vollständig verändern würde, alles würde auf den Kopf gestellt werden – und für mich klang das immer wie eine Warnung. Es hat mich ziemlich verschreckt und verängstigt. Heute würde ich sagen, dass sich ganz andere Dinge verändert haben als erwartet. Ich wollte nicht einsehen, dass ein Film mein Leben einschränken könnte. Inzwischen weiß ich, dass ich Veränderungen in meinem Leben sowieso nicht hätte aufhalten können. Ich war damals ja auch erst 21 Jahre alt! Es wäre verrückt, zu glauben, dass sich in diesem Alter das Leben nicht verändert!

Was hat sich unerwartet entwickelt?

Ridley: Viele meinten, dass ich nicht mehr alleine vor die Tür gehen könnte, ohne belagert zu werden. Deshalb hatte ich plötzlich Angst davor, U-Bahn zu fahren, auch wenn das völlig irrational war. Als ich mich erst mal überwand rauszugehen, merkte ich, dass ich sogar sehr gut klarkomme. Nichts von all der Unkerei erwies sich als wahr. Ich bin mir sicher, dass die Ratschläge mir nur helfen sollten. Aber sie haben mich nur in den Wahnsinn getrieben.

Ihre ganzen Sorgen wären also gar unnötig gewesen?

Ja, ich kann bis heute viel mehr unternehmen als befürchtet, und wenn Menschen mich auf der Straße ansprechen, sind sie unglaublich nett und höflich. Ich stellte mir immer vor, dass es ganz schlimm sein wird, berühmt zu sein. Aber diese Horrorvorstellungen sind nie eingetreten.

Bei "Chaos Walking" hatte Ridley "schreckliches Heimweh"

In welchen Momenten nervt Ihr Beruf?

Ridley: Die Schauspielerei ist ganz klar der beste Beruf überhaupt! Man kann in Kostümen und mit Perücken herumlaufen, durchgeknallte Sachen tun, die einen im echten Leben gekillt hätten, und vor allem so tun, als sei man jemand anderes. Schwierig wird es dann, wenn ich lange von meiner Familie getrennt bin. Bei „Chaos Walking“ hatte ich z. B. schreckliches Heimweh.

Geht das Ihnen jedes Mal so? Sie stehen ja seit 2013 vor der Kamera

Ridley: Als ich direkt danach „Ophelia“ in Prag drehte, ging’s schon besser, weil ich nur einen zweistündigen Flug von zu Hause entfernt war. Jeder, der weit von zu Hause entfernt arbeitet, weiß, wie schwierig das oft sein kann. Zu Hause zu sein, ist das Größte für mich. Ich schmeiße mich meiner Mutter wie ein Kleinkind in die Arme! (lacht) Die andere Sache, die an dem Beruf etwas knifflig ist, ist die Ablehnung, die man erfährt. Sehr oft bekommt man nicht die Rollen, die man wahnsinnig gerne spielen würde und für die man viel, viel Energie ins Casting steckt.

Für neue Filme muss man oft Neues lernen. Was war es bei Ihnen zuletzt?

Ridley: Motorrad zu fahren! Das war großartig! Ich hatte ein elektrisches Motorrad mit jeder Menge Power. Es war ein Genuss, darauf meine Runden zu drehen und kleine Tricks zu üben. Reiten sollte ich auch noch lernen, aber es stellte sich raus, dass ich davor wahnsinnige Angst hatte. Mir ist ein Motorrad deutlich lieber als ein Pferd: Es ist kleiner, es vermittelt mir das Gefühl von Kontrolle und ich habe das Kommando. Einem Pferd ist man völlig ausgeliefert. Und es ist mir einfach zu hoch! Ich habe seitdem noch mehr Respekt vor Stunt-Reitern, aber auch denen, die sich einfach privat aufs Pferd schwingen.

Fahren Sie immer noch Motorrad? Rasen Sie jetzt damit durch London statt mit der U-Bahn?

Ridley: Nein, nein. Früher war ich wirklich mit einem Moped unterwegs, aber ehrlich gesagt ist mir das alles zu gefährlich, gerade in London. Die Leute hinterm Steuer sind absolut verrückt! Die nehmen dir die Vorfahrt, ohne zu schauen. Grauenvoll! Dazu habe ich einfach zu viel Angst.

Sie haben nun schon einige Science-Fiction-Filme gedreht. Interessiert Sie die Zukunft so brennend oder woher kommt die Leidenschaft dafür?

Ridley: Ich gehe nach den einzelnen Figuren – ich würde gar nicht sagen, dass ich so ein großer Fan von Science-Fiction bin. Wissenschaft fasziniert mich sehr.

Star-Wars-Star Daisy Ridley fährt ein E-Auto

Sie studieren auch seit 2016 Soziologie. Warum?

Ridley: Ich wollte etwas lernen und habe mir ein paar Optionen durch den Kopf gehen lassen. Ich bin sehr an Umweltthemen interessiert und gebe mir große Mühe, sehr gesund zu leben. Mich fasziniert die Schnittstelle zwischen Umwelt und Wissenschaft: Solarenergie und alles über erneuerbare Energien, dass die Inder die größte Solarfarm der Welt erbauen, Müllverwertung mit Plastik … – das ist für mich alles hoch spannend. Ich lese auch mit Begeisterung Studien darüber, wie wir noch gesünder leben können. Wir müssen lernen, dass wir ein Teil der Umwelt sind und nicht die Umwelt dazu da ist, um uns das Leben maximal komfortabel zu gestalten.

Also sind Sie so etwas wie eine Öko-Amazone?

Ridley: Ich lebe vegan, weil ich so den CO2-Ausstoß reduzieren kann. Außerdem fahre ich ein E-Auto. Mir ist aber auch klar, dass ich vieles umsetzen kann, weil ich in einer privilegierten Situation bin. Es ist wichtig, dass wir alle nachhaltiger leben, nicht nur die Wohlhabenden. Auch in London fällt es der weniger privilegierten Bevölkerung nicht leicht, zu recyceln und sich einen nachhaltigen Lebensstil zu leisten. Das darf nicht sein.

Zur Person

2015 griff eine Unbekannte nach den Sternen: Die Britin Daisy Ridley, jüngste Tochter eines Fotografen und einer Werberin mit vier älteren (teils Halb-)Geschwistern, war 23 und nach einzelnen Auftritten in Fernsehserien und dem abseitigen Spielfilmdebüt in „Scrawl“ kaum bekannt. Sie wurde „Rey“, das neue Gesicht der „Star Wars“-Saga. Jetzt ist sie in der Hauptrolle des Apokalypse-Dramas „Chaos Walking“ zu sehen.

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