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Kontra-Kommentar

18.01.2020

Den Schnee vermissen? Wieso das denn?!

Diese Kinder warten auf Schnee.
Bild: Uwe Zucchi /dpa

Diesen Winter gibt es bisher bei uns kaum Schnee. Gut so? Oder fehlt da was?

Die ersten zarten hellgrünen Blätter im Frühling, die langen lichten Feierabende im Hochsommer, das Oktoberblau des hohen Herbsthimmels: Fiele das aus, würde ich es sehr vermissen. Aber Schnee? Winterkälte? Frost? Finstergarstigkeit? Das sind Erscheinungen, die bestenfalls hinnehmbar sind – mehr aber auch nicht.

Dieser Winter läuft ganz gut. Viele Sonnentage zuletzt, die in den paar Stunden zwischen Morgendämmerung und Abenddunkel Helligkeit bescheren. Weit und breit kein Schnee! Schön. Trockene Füße, kein Stolpern über schrundige Gehsteige, auf denen sich Eis, Altschnee und Splitt zu einem dreckigen Schorf versteift haben, aus dem gelbe Schlieren herausleuchten, weil Hunde einfach wahllos markieren, was am Wegesrand liegt.

Die romantische Schneevorstellung vom weißen Glitzer, von malerisch verwandelter Landschaft, von Spaziergängen mit Zipfelmütze – die gibt’s, wenn man in der Stadt wohnt, höchstens auf dem Januarblatt des Apothekenkalenders. Bei uns streuen und räumen sie ja sogar im Wald. Klar ist es schön, wenn man sonntags daheim am Fenster sitzt und es schneit und schneit und schneit, die Straßen werden still und leise, selbst auf Pollern und Parkscheinautomaten türmen sich kunstvoll weiße Hauben … Schneekulissentage, die jeder schon einmal genossen hat. Und das alles verbindet sich mit Kindheitsschneeerinnerungen, mit Schlittenfahren, Schneeballschlachten, Schneemannbauen zu einem trügerischen Idealbild, einem seligen Seufzer der Sehnsucht nach Schnee. In diesen Bildern gibt es weder Pappschnee noch Tauwetter, es gibt keine Heerscharen von Schneewegschiebern und Schneefortsalzern, die schon schuften, wenn noch gar nicht alle Flocken gelandet sind. Schlaf weiter, Frau Holle.

Den Pro-Kommentar von Doris Wegner lesen Sie hier.

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