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  4. Design: Es werde Licht! Eine Geschichte über künstliche Helligkeit

Design
20.12.2016

Es werde Licht! Eine Geschichte über künstliche Helligkeit

Die Erde leuchtet. Der Grund: unser künstliches Licht zu jeder Tag- und Nachtzeit.
Foto: Nasa Earth Observatory,NOAA NGDC

Winterdunkelheit und Weihnachtszeit: Jetzt ist die Hochsaison der Beleuchtung. Was das Licht mit uns macht – und wie es zu Kunst, Luxus und Erlebnis wird.

Was haben Sie heute Morgen als Erstes gemacht? Die Kaffeemaschine angeschaltet? Oder ins Bad getappt? Nein, die allererste Tagestat war vermutlich die: Sie haben das Licht angeknipst.

Licht – das Erste, was wir sehen, wenn wir geboren werden und angeblich das Letzte, wenn wir sterben. Licht begleitet uns ein Leben lang. Und weil der Mensch ohne dieses Zwitterwesen aus Wellen und Teilchen nicht kann, hat er gemacht, was seiner Natur entspricht: Er hat das Licht domestiziert. Er lässt es leuchten, wann immer er will. Früher mit Öllampen, Kerzen und Fackeln, dann mit Gaslaternen, irgendwann kam Edison mit der Glühbirne, heute blinkt die Erde selbst nachts – Stichwort: Lichtverschmutzung. Und nie strahlt es heller als jetzt: Zur Adventszeit, wenn in den Vorgärten sogar die Rentiere leuchten. Anlass genug, das Licht näher zu beleuchten und zugleich einen Trend. Licht ist nämlich nicht mehr nur Licht, sondern: Kunst, Designobjekt, Dekoration, Stimmungsmacher.

Ingo Maurer ist ein Lichtpionier

„Porca Miseria!“ hängt über einem silber glänzendem Sofa in einer Eingangshalle in München, Kaiserstraße 47. Das Kunstwerk sieht aus, als hätte es der Macher, Lichtgestalter Ingo Maurer, in dem Moment der Zerstörung eingefroren: einzelne Teller und Tassen fliegen umher, zerbrechen im Moment des Aufpralls und doch steht alles still. „Porca Miseria!“ ist ein Hybrid. Eine Mischung aus Kunst und Funktion und doch nichts anderes, als das, was jeder bei sich zu Hause hat – neben dem Bett, über der Arbeitsplatte in der Küche oder auf dem Schreibtisch. Das teure Abbild des Geschirrgemetzels ist eine Lampe. Eine ziemlich spezielle, teure und handgemachte, keine Frage. Aber „Porca Miseria!“, was von Italienisch auf Deutsch übersetzt so etwas heißt wie: „Verdammt noch mal!“, dient in erster Linie dazu, einen Raum zu erhellen. Genauso wie das Modell Hektar vom schwedischen Möbelkonzern Ikea oder eine blanke Glühbirne, die von der Decke eines Rohbaus baumelt.

Auch Lichtdesigner Maurer hatte mit einer einzelnen Glühbirne – der bauchigen „Bulb“ – seine Karriere begonnen. Mittlerweile ist er 84 Jahre alt, hat seit langem einen Showroom in New York und gilt weltweit als einer der Meister des Lichts, die Geschäfte der Ingo Maurer GmbH führt seine Tochter Claude. Die steht nun im Münchner Showroom, im dick gestrickten Pulli und in Jeans, und präsentiert die Leuchten ihres Vaters. Von der „Porca Miseria!“ hin zur „Dew Drops Floor“, ein Modell, das mit seinen vielen einzelnen Lichtquellen in einer Folie verpackt, die nur von zwei feinen Stäbchen gehalten werden, beruhigend wirkt. Auch die berühmte Glühbirne mit ihren Engelsflügeln steht hier. „Licht spielt für mich eine große Rolle. Es beeinflusst die Stimmung und das Wohnen“, sagt Claude Maurer. Ohne Licht geht eben nicht. Und was die Trends angeht: „Mein Vater hat sich weniger um Trends gekümmert, er hat eher welche gesetzt“, erklärt die Unternehmerin. Ingo Maurer, ein Licht-Pionier sozusagen.

Licht hat einen großen Einfluss auf unsere Stimmung

Beleuchtungswechsel zu einem Mann, der ebenso wie Maurer Licht ins Dunkel bringt. Thomas Römhild ist Erfinder des internationalen Studiengangs „Architectual Lighting Design“ an der Hochschule Wismar. Seit knapp 15 Jahren gibt es diesen Masterstudiengang und er wird gut besucht, versichert der Professor. „Das Thema Licht hat an Bedeutung gewonnen“, sagt er. „Es ist ein Qualitätsbewusstsein entstanden.“ Früher sei es bei Lichtdesign hauptsächlich darum gegangen, Tageslicht preiswert zu ersetzen. LED ist jetzt leichter verfügbar, als noch vor einigen Jahren, neue Formen entstehen, so Römhild. „Die Leute sehen, da ist etwas möglich! Das wollen die Menschen heute. Licht wird passend zum eigenen Stil und zur Stimmung gemacht, deshalb liegen Lichtdesigns im Trend.“

Der Botanische Garten in Berlin wurde im November hell erleuchtet.
Foto: dpa

Doch es gibt auch solche Lichter, die uns blenden, die grell und kalt sind – wie die Leuchte auf dem Zahnarztstuhl, die uns direkt ins Gesicht gehalten wird. „Natürlich gibt es angenehmes und unangenehmes Licht“, erklärt Römhild. Noch mehr: Es gibt zu helles, zu dunkles Licht, falsche Lichtfarben oder -orte und Situationen, in denen das Licht einfach nicht passt. Ein romantisches Candle-Light-Dinner, anstatt klassisch mit Kerze auf dem Tisch mit großflächiger Deckenbeleuchtung – unvorstellbar. „Ich habe aber gleichzeitig sehr breite Gestaltungsmöglichkeiten mit Licht“, sagt der Professor. Licht müsse dem entsprechen, was wir Menschen erwarten. Römhild nennt als Beispiel eine Turnhalle: Zum Sport sei das Licht an der gesamten Decke angeschaltet, zur Disco werde es gedimmt und beim Sonntagsgottesdienst in der Turnhalle werde es an die Beleuchtung einer Kirche angepasst.

Wie schafft man interessante Beleuchtung?

Wie man Licht an Räume und Räume an Licht anpasst, lernen die Studenten des Professors. Im Masterstudiengang „Architectual Lighting Design“ geht es um Beleuchtung in der Architektur, im Innen- und Außenraum, „von der Schule bis zum Büro“, erklärt Römhild. „Licht ist das immaterielle Element in der Architektur, ohne das es die Architektur nicht gibt.“ Schon der bekannte schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier sagte: „Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper.“ Auch Römhild meint: „Licht ist leicht zu verändern, zu gestalten, das macht es für Architekten ja gerade so spannend. Lichtdesigner müssen Licht sehen können. Die Lichtfarbe, die Richtung, die Reflexe auf den Gegenständen bis zum Auge.“ Aber Licht ist noch viel mehr als das. Licht beeinflusst laut Römhild – und das hat Claude Maurer ja auch schon angedeutet – unser physiologisches und psychologisches Empfinden.

Wer im Münchner Showroom von Ingo Maurer steht, spürt diesen Einfluss von Helligkeit. Die Atmosphäre im Showroom ist warm und entspannend. Wie schafft man das? Wie gestaltet man sein Licht daheim, damit es so angenehm wie bei Maurer wirkt? Denn Licht anmachen kann jeder, Licht an der richtigen Stelle anbringen nicht unbedingt. Erster Tipp von Claude Maurer: „Es ist immer interessanter, verschiedene Lichtquellen in einem Raum zu haben, als nur eine Deckenleuchte“. Nicht weniger, sondern mehr also. „Die Stimmung in einem Raum hängt auch davon ab, wie hoch eine Lichtquelle steht. Am besten ist es, wenn das Licht nicht so weit oben ist, etwa auf Kniehöhe.“ Das wirke ruhiger als die Einstrahlung von oben. Ein Rat von ihr: Eine Leuchte an verschiedene Stellen im Raum platzieren und so testen, wo das Licht am besten wirkt. „Eine Deckenleuchte ist praktisch, das ist aber kein entspanntes Licht und keine interessante Stimmung“, sagt die Unternehmerin. Mehrere Helligkeitszonen seien anregender fürs Auge.

"Porca Miseria!": 70.000 Euro für ganz bestimmte eine Maurer Lampe

Wer sich für eine Maurer-Lampe interessiert, kann viel Geld ausgeben. Günstige Objekte kosten etwa 160 Euro, wer lieber etwas ganz Spezielles haben möchte, kann für etwa 70000 Euro die „Porca Miseria!“ kaufen. „Das ist dann aber auch eine Wertanlage“, erklärt Claude Maurer. Sie würde sich natürlich eher für eine teure Lampe als für ein Designersofa entscheiden. „Weil ich durch meine berufliche Erfahrung weiß, dass Dinge in einer Wohnung nur im guten Licht gut aussehen.“ Selbst die teure Wohnlandschaft von Rolf Benz sieht mit einer popeligen „Funzel“ auf dem Wohnzimmertisch eben einfach nicht nach Benz aus.

Und damit der nächste Beleuchtungswechsel zu den Leuchtobjekten, die ja gerade so angesagt sind. Engel und Sterne sind die herkömmlichsten Formen. Inzwischen gibt es auch leuchtende Einhörner. Claude Maurer erklärt sich diese Entwicklung so: Die Menschen möchten neue Akzente in ihre Wohnung setzen. „Die Präsenz einer Leuchte, die über die Funktion hinausgeht – mit mir macht das was. Ich freue mich darüber.“

Leuchten, die über ihre Funktion hinausgehen, das ist wohl auch die Lichterkette Ihres Nachbarn, der sie neulich, wie jedes Jahr, um das Treppengeländer gewickelt hat, oder? Und das sind die leuchtenden Sterne an den Straßenlaternen. Weihnachten ist nun mal die Zeit der Lichter. Jule Beck verdient ihr Geld damit. Sie ist Creative Director von First Christmas by Rosenau in Hamburg. Becks Aufgabe besteht darin, Kaufhäuser und Hotels weihnachtlich strahlen zu lassen. Kosten: bis in Millionenhöhe. Ihre Arbeit beschreibt sie so: „Das ist alles, Kunst, Handwerk und Technik.“

Kunst, Handwerk und Technik - das ich Lichtdesign

Inzwischen ist die Lust auf beleuchtete Weihnachts-Objekte sogar so groß, dass die sozialen Netzwerke als Präsentationsplattform herhalten müssen. Internetfans stellen sich in den Kaufhäusern vor die von Beck gestalteten Engelsflügel aus Licht. Die Fotos landen in den Netzwerken – eine gute Werbung für die Einkaufszentren und Hotels, ganz nebenbei. „Die Beleuchtungskonzepte haben einen Erlebnischarakter bekommen“, sagt Beck.

Was viele nicht ahnen: Bei der Weihnachtsbeleuchtung gibt es nicht nur Unterschiede in der Gestaltung –, man vergleiche einen amerikanischen Vorgarten in der Weihnachtszeit mit einem schwäbischen – sondern auch in den Lichtfarben. „Die Deutschen mögen eher das warm-weiße Licht, die Engländer bevorzugen einen kühleren Ton“, sagt Beck. Wir mögen also warmes Licht. Aber ganz gleich, ob Sie jetzt einen golden leuchtenden Christbaum haben oder einen hell-weißen: Am Ende des Tages tun wir doch alle das Gleiche. Wir schalten das Licht aus.

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