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Zahl der Antikörper sinkt schnell: Studie dämpft Hoffnungen auf Impfstoff
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16.05.2020

Die schwülen Tage nehmen zu

Wenn es sehr schwül ist, wächst auch die körperliche Belastung.
Bild: Oliver Berg (dpa)

Im Zuge des Klimawandels werden immer mehr Menschen unter schwüler Hitze leiden. Die Extreme nehmen zu. Welche Regionen besonders betroffen sind

Im Zuge des Klimawandels werden immer mehr Menschen unter schwüler Hitze leiden. Schon heute gäbe es in vielen Regionen der Welt Phasen, in denen die Kombination aus Hitze und Feuchtigkeit für Menschen potenziell tödliche Bedingungen schafft, berichten US-Forscher im Fachmagazin Science Advances. Noch seien diese Bedingungen auf kleine Regionen begrenzt und dauerten nur Stunden. In Zukunft müsse man sich auf häufigeres Auftreten solcher Extremereignisse einstellen.

„Frühere Studien prognostizierten, dass es solche Ereignisse in einigen Jahrzehnten geben würde, aber (die Studie) zeigt, dass es schon heute passiert“, sagt Studienleiter Colin Raymond vom California Institute of Technologie (Pasadena/USA) in einer Mitteilung der Columbia University. „Die Dauer dieser Ereignisse wird zunehmen und in unmittelbaren Zusammenhang zum Klimawandel wird es zu einer Ausweitung der betroffenen Regionen kommen.“

Das Team um Raymond hatte für seine Analysen unter anderem Daten von mehr als 7800 Wetterstationen aus dem Zeitraum von 1979 bis 2017 ausgewertet. Anders als viele Klima- und Wetteranalysen, die Durchschnittswerte für bestimmte Regionen betrachten, geben sie auch kurzfristige Extreme in kleineren Bereichen wieder. Auch die Oberflächentemperaturen der Ozeane flossen in die Analyse ein. Die Forscher ermittelten, wo es zu Kombinationen extremer Hitze und Feuchtigkeit kam. Als Maß dafür betrachteten sie die so genannte Feuchtkugeltemperatur – die Temperatur, die durch Verdunstungskälte gekühlte Luft besitzt. Sie liegt meist unter der Umgebungstemperatur, aber dennoch ist eine hohe Feuchtkugeltemperatur problematisch.

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Durch Schwitzen leitet der Körper Wärme ab

Das hat folgenden Hintergrund: Der menschliche Körper versucht dauerhaft eine konstante, innere Temperatur von etwa 36,8 Grad Celsius aufrechtzuerhalten. Ist die Umgebung heiß, beginnt der Körper zu schwitzen, weil durch die Verdunstung des Schweißes an der Luft Verdunstungskälte entsteht – die Wärme wird so abgeleitet. Das funktioniert aber nur, solange die Luft nicht zu feucht ist. Bei hoher Luftfeuchtigkeit nimmt die Luft keine weitere Feuchtigkeit auf, die Verdunstung verlangsamt sich oder kommt ganz zum Erliegen.

Dann wird es gefährlich, weil der Körper überhitzen kann. Schlimmstenfalls kann das zum Tod führen. Selbst gesunde Menschen, die ausreichend Wasser zur Verfügung haben, können innerhalb von wenigen Stunden sterben. Werte einer Feuchtkugeltemperatur von über 31 Grad Celsius gelten als problematisch, die meisten Menschen bekommen schon bei weit geringeren Werten Probleme. 35 Grad gelten als das theoretische Überlebenslimit – sofern man keinen klimatisierten Raum aufsuchen kann.

Die Auswertung zeigte nun, dass die Anzahl der Ereignisse mit einer Kombination aus extremer Hitze und Feuchtigkeit sich über den Untersu-chungszeitraum hinweg verdoppelte, berichten die Wissenschaftler. Insgesamt 1000 Mal stellten sie eine Feuchtkugeltemperatur von über 31 fest – ein Ereignis, das den Forschern zufolge bislang als selten gilt. Werte über 33, die bisher als quasi nicht existent galten, registrierten sie etwa 80 Mal.

Betroffen waren vor allem Indien, Pakistan und Bangladesch, der Nordwesten Australiens und Regionen entlang der Küsten des zwischen dem Nordosten Afrikas und der Arabischen Halbinsel gelegenen Roten Meeres sowie des Golfs von Kalifornien in Mexiko. Am häufigsten aber traf es die Städte Dhahran/Damman in Saudi Arabien, Doha in Katar und Ras Al Chaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch in Teilen Südostasiens, des südlichen China, des subtropischen Afrikas und der Karibik traten solche Ereignisse auf.

Entscheidenden Einfluss hatte dabei die Nähe zu Meeren oder anderen großen Wasserreservoiren, da bei hohen Temperaturen das verdunstende Wasser von der Luft aufgenommen werde. Auch vom Monsun beeinflusste Regionen oder solche, in denen viel bewässert wird, waren häufiger betroffen.

Die Daten zeigten das Ausmaß der infolge des Klimawandels schon heute geschehenen Veränderungen, schreiben die Forscher. Dort, wo die Durchschnittstemperatur im Vergleich zu vorindustriellen Werten um etwa 2,5 Grad Celsius ansteigt, werden ihren Prognosen zufolge regelmäßig Feuchtkugeltemperaturen von über 35 Grad Celsius erreicht werden. Dies dürfte in den nächsten Jahrzehnten der Fall sein. Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung müssten untersucht werden.

In 50 Jahren könnten rund 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden

Erst kürzlich hatten Wissenschaftler berichtet, dass in 50 Jahren rund 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden könnten, wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht gemindert wird. Sie würden in Gebieten leben, in der die jährliche Durchschnittstemperatur mehr als 29 Grad Celsius beträgt – so sie denn nicht auswandern. Damit befänden sie sich außerhalb der klimatischen Nische, die der Mensch seit mindestens 6000 Jahren bewohnt, hatten die Wissenschaftler um Marten Scheffer von der Wageningen University (Niederlande) in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichtet. (dpa)

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