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21.03.2019

Diese Bücher waren für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert

Fünf Nominierte können sich Hoffnung auf den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik machen.
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Die Jury musste in diesem Jahr aus mehr als 350 eingereichten Büchern auswählen. Fünf davon konnten sich in der Kategorie Belletristik Hoffnungen machen.

Neben der Gewinnerin Anke Stelling konnten sich fünf weitere Autoren Hoffnungen auf den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie "Belletristik" machen, der an diesem Donnerstag verliehen wurde: Kenah Cusanit, Matthias Nawrat, Feridun Zaimoglu und Jaroslav Rudiš. Die Werke der Autoren stellen wir Ihnen hier vor - ebenso die Begründung der Jury, warum ausgerechnet diese Werke den Preis der Leipziger Buchmesse verdient hätten.

Nominiert in der Kategorie "Belletristik" sind...

  • Kenah Cusanit, "Babel"

Kenah Cusanit, "Babel", Carl Hanser Verlag.
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Wer war Robert Koldewey? Kenah Cusanit hat Koldeweys Leben erforscht. Nun hat die Autorin ihm sein erstes Werk gewidmet. Darin führt sie den Leser in die Zeit des großen Grabens: Ein Mann leidet unter einer Blinddarmentzündung. Er fühlt sich elend, hat sich nach anstrengenden Verhandlungen am Vormittag im Arbeitszimmer hingelegt, liest Briefe, sinniert, verliert sich in Gedanken. Viel mehr passiert nicht in diesem Roman. Irgendwann, im Laufe dieses heißen Tages im Jahr 1913, wird er die Liege verlassen, das Rizinusöl scheint geholfen zu haben, und durch die Hitze einer Frau entgegengehen… Das alles liest sich manchmal verwirrend, manchmal wissensschwer, dann wieder brüllend komisch und flirrend leicht. Die ausführliche Rezension finden Sie hier.

So begründet die Jury die Nominierung:

"In einer großen Erzählbewegung umfasst dieses Debüt das Zimmer des Babylon-Ausgräbers Koldewey, als wäre es selbst ein archäologisches Artefakt, ein Mosaikstein, der aufs ganze Bild verweise: Vergangeneheit und Zukunft, Traum und Wirklichkeit, Deutschland und die Welt."

  • Matthias Nawrat, "Der traurige Gast"
Mathhias Nawrat, "Der traurige Gast", Rowohlt Verlag.
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Die Zeit vergeht, das Leben läuft, wie es läuft – vor allem läuft es ab. Und irgendwann verschwindet jeder, nimmt seine Erinnerungen und Träume mit. Und die Welt dreht sich weiter. Bleibt bevölkert von Existenzen, die die „Schwere der angesammelten Jahre“ fühlen, die aus Zufällen zusammenfügen, was sie für ihre Biografie halten. Hinter jedem Fenster, in jeder U-Bahn gibt es einzigartige Geschichten, die wir nie erfahren. Melancholie ist die Grundmelodie dieses Buches – und der Erzähler Matthias Navrat ist „der traurige Gast“, der in Berlin geduldig wie ein Beichtvater Lebensgeschichten und Lebensbetrachtungen anderer hört und sie lakonisch abgleicht mit dem Blick aufs eigene Dasein. Dazwischen dichter Berliner Alltag. Die ausführliche Rezension finden Sie hier.

So begründet die Jury die Nominierung:

"Was bleibt, wenn der Firnis der Zivilisation porös wird? Mathhias Nawrats Roman legt die versehrte Mentalität unserer Gegenwart frei. In eindringlichen Bildern und mit konzentrierter Sprache fragt der traurige Gast nach dem Sinn unseres Daseins."

  • Feridun Zaimoglu, "Die Geschichte der Frau"
Feridun Zaimoglu, "Die Geschichte der Frau", Kiepenheuer & Witsch
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Die These ist kühn: „Nach ihren Siegen lernten die Männer, Ruhmestaten zu erdichten. Sie schrieben, sich erlügend, ihre Sagen.“ Diesen historischen Fake News setzt der Schriftsteller Feridun Zaimoglu nun die Erzählungen der Frauen gegenüber, den „Großen Gesang, der ihre Lügen tilgt“. Wie schon in seinem letzten Roman „Evangelio“ über die raue Zeit Luthers, erfindet Zaimoglu wieder eine ganz eigentümliche Sprechweise, ein Raunen wie die Gesänge des Homer, wie die mittelalterlichen Sagen-Lieder oder wie die Protestsongs feministischer Popliteraten. Das macht dieses Buch nicht leicht zu lesen, doch in ihrer ungezähmten Sprachgewalt reizvoll und von einer eigenartigen Herbheit sind die Selbstdarstellungen von zehn Frauen quer durch die Jahrhunderte allemal. Die ausführliche Rezension lesen Sie hier.

So begründet die Jury die Nominierung:

"Feridun Zaimoglu gräbt sich mit berserkergleicher Kraft in die Weltgeschichte hinein und findet diejenigen, die bislang hinter den Stimmen ihrer Männer verborgen blieben: die Frauen. Ein Roman, sprach- und bildmächtig und zugleich voll zarter Empathie für jene, die er zu Gehör bringt."

  • Jaroslav Rudiš: "Winterbergs letzte Reise"
Jaroslav Rudiš, "Winterbergs letzte Reise", Luchterhand Literaturverlag
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Es rattert unentwegt: Eisenbahnräder auf dem Weg durch Europa, Monologe eines fast Hundertjährigen und die Geschichte selbst. Jaroslav Rudis nimmt die Leser mit auf einen Roadtrip in die Vergangenheit. Die ausführliche Rezension lesen Sie hier.

So begründet die Jury die Nominierung:

"Mit einfacher und kraftvoller Melodie trivvt Jaroslav Rudiš ebenso bedacht wie witzig ein Geschichtsgefühl und den Ton der Trauer um die privaten Toten."

  • Die Gewinnerin Anke Stelling: "Schäfchen im Trockenen"
Anke Stelling, "Schäfchen im Trockenen", Verbrecher Verlag.
Bild: Uliaymiro37046, Adobe Stock

Was tun, wenn man sich im Berlin-Mitte-Lebensgefühl wohl fühlt - aber das Geld dafür nicht reicht? Anke Stelling umkreist in ihrem neuen Roman oberflächlich diese Frage - doch sie geht letztlich mit allem ins Gericht. Die ausführliche Rezension lesen Sie hier.

So begründet die Jury die Nominierung:

"In Anke Stellings Roman einer Aufsteigerin werden die starken Affekte - Wut, Zorn, Stolz - literarisch produktiv. Im Rückblick auf verlorene Illusionen entsteht eine verstörend uneindeutige, scharf belichtete Momentaufnahme der Gegenwart."

Nominiert in der Kategorie "Sachbuch" sind ...

  • Frank Biess, "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik"
  • Harald Jähner, "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955"
  • Marko Martin, "Das Haus in Habana. Ein Rapport"
  • Lothar Müller, "Freuds Dinge. Der Diwan, die Apollokerzen & die Seele im technischen Zeitalter"
  • Kia Vahland, "Leonardo da Vinci und die Frauen. Eine Künstlerbiographie"

Nominiert in der Kategorie "Übersetzung" sind...

  • Georg Aescht übersetzte aus dem Rumänischen: "Der Wald der Gehenkten" von Liviu Rebreanu
  • Susanne Lange übersetzte aus dem Spanischen: "Gringo Champ" von Aura Xilonen
  • Timea Tankó übersetzte aus dem Ungarischen: "Löwenchor" von György Dragomán
  • Katrin Uttendörfer übersetzte aus dem Französischen: "Tierreich" von Jean-Baptiste Del Amo
  • Eva Ruth Wemme übersetzte aus dem Rumänischen: "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu

Der Leipziger Buchpreis: Der Preis zählt zu den renommiertesten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum. Er wird im Rahmen der Leipziger Buchmesse verliehen, die vom 21. bis 24. März stattfindet. Der Preis ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert und wird seit 2005 vergeben. In diesem Jahr musste die Jury aus mehr als 350 eingereichten Büchern auswählen. 15 Nominierte in drei Kategorien können sich Hoffnungen auf den Preis der Leipziger Buchmesse machen. Die Kategorien sind: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. 2018 gewann Esther Kinsky ("Hain") in der Kategorie Belletristik.

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