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Haut
03.02.2017

Unsere Haut ist ein Multitalent - und ein robustes Sensibelchen

Unsere Haut ist robust - benötigt aber zumindest manchmal Pflege.
Foto: Monique Wüstenhagen (dpa)

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und beeindruckt selbst Experten noch damit, was sie für ein Multitalent ist. Was leistet unsere Haut und wie viel Pflege benötigt sie?

Was kann man nicht alles über dieses Organ sagen: Es ist Grenze. Verpackung. Barriere. Schutz. Sinnesorgan. Seelenspiegel. Komplexe Hülle. Empfindungsorgan. Kontaktfläche. Schweißproduzent. Schleimproduzent. Visitenkarte. Sensibelchen. Multitalent. Erkennungszeichen. Wirt. Temperaturregler. Manchmal auch Verrücktspieler. Und auf alle Fälle: ein Wunderwerk. All das ist unsere Haut. Sie versetzt uns immer wieder in Erstaunen.

Wer weiß schon, dass der größte Teil unserer Haut sogenannte Felderhaut ist, weil sie durch kleine Furchen, in denen Haare wachsen, in winzige Areale (Felder) unterteilt wird? Während wir – wohlgemerkt, an Hand- und Fußflächen, nicht in der Leiste – sogenannte Leistenhaut haben, für die Rillen beziehungsweise leistenförmige Aufwölbungen typisch sind? Sie hinterlassen übrigens den individuellen Fingerabdruck. Oder dass unsere Haut riechen kann, weil sie Riechrezeptoren enthält, wie es sie sonst vor allem in der Nase gibt? Angeblich soll die Haut darüber hinaus, dank vorhandener Photorezeptoren, auch „sehen“ oder zumindest auf Lichtreize reagieren können.

Haut, das sind drei Etagen hochkomplexe Verpackung des Menschen – Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut –, in denen richtig was los ist. Ein einziger Quadratzentimeter birgt die unglaubliche Zahl von 5000 Sinneszellen, vier Meter Nervenbahnen und einen Meter Blutgefäße. Hinzu kommen die sogenannten „Hautanhangsgebilde“, die freilich nicht einfach irgendwo herumhängen, sondern fest verankert sind: Neben den Drüsen – Schweißdrüsen, Talgdrüsen – sind das Nägel und Haare.

Und dann noch die Oberfläche! Das Getümmel, das sich auf der Haut abspielt, ist mit bloßem Auge zum Glück nicht zu sehen. Auf einem Quadratzentimeter könnte man sonst mehrere Millionen Mikroben erkennen. Solche, die die Haut braucht, aber manchmal auch andere. „Hier herrscht Straßenkampf“, schreibt Hautärztin und Buchautorin Dr. Yael Adler. „Konkurrierende Clans und Gangs aus Viren, Hefepilzen, Milben und mehreren hundert bis tausend Bakteriensorten halten sich permanent gegenseitig in Schach und auf Trab.“ Ein Gewimmel, für dessen Funktion sich die Forschung übrigens zunehmend interessiert, weil es für die Behandlung von Krankheiten interessant sein könnte.

Die Haut ist unser größtes Organ

Nichts ist uns so nahe wie unsere Haut. Sie ist unser größtes Organ, obwohl man in der Vorstellung von Organ spontan wohl eher an Magen, Darm oder Niere denkt. Und trotzdem: Die Haut verfügt über die Charakteristika, die ein Organ ausmachen. Als da sind: ein spezialisierter Körperteil, eine abgegrenzte Funktionseinheit und als solche auch erkennbar. Es wiegt beim Erwachsenen bis zu zehn Kilogramm und macht über acht Prozent seines gesamten Körpers aus. Und trotz aller Funktionalität besteht sie – wie der gesamte Mensch – zu einem großen Teil aus Wasser.

Man könnte die Haut als robustes Sensibelchen bezeichnen – denn im direkten Kontakt zur Umwelt hält sie einiges aus: Wind und Wetter, Luftverschmutzung, Reizstoffe… Auf der anderen Seite kann sie ausgesprochen zickig sein und uns fast in den Wahnsinn treiben, zum Beispiel, wenn sie juckt. Es gibt Fachkreise, die sich ausschließlich mit diesem in der Dermatologie sehr häufigen Symptom befassen, ein eigenes Kompetenzzentrum, sogar einen Förderverein für die Erforschung des sogenannten Pruritus, der als schwer zu behandeln gilt. Die Juckreizsignale, die aus der Haut ans Gehirn geleitet werden, sind nicht zu ignorieren, der Reflex des Kratzens, obwohl er schädlich ist, willentlich kaum zu stoppen. Manchmal hilft da nur noch die Umleitung auf ein Kratzkissen.

Ja, manchmal ist unsere Haut zum „Aus-der-Haut-Fahren“. Aber unsere Hülle kann nicht nur nerven, sondern auch nachtragend sein. Sie vergisst nichts, sagen Hautärzte. Wer in den frühen Lebenszeiten schlecht mit ihr umgeht, dem liefert sie die Quittung dafür nach Jahren – in Form von Falten oder gar Hautkrebs. Sünden verzeiht sie nicht. Rund 80 Prozent der sichtbaren Hautalterung, heißt es, sollen das Ergebnis des persönlichen Lebensstils sein, für den kleinen Rest schlägt die Veranlagung zu Buche.

Wie viel Pflege benötigt die Haut?

Deshalb sollten wir von Jugend an pfleglich mit ihr umgehen. Wer vorhat, möglichst schnell zu altern, sollte mindestens eine Schachtel Zigaretten pro Tag rauchen, viel Alkohol trinken, wenig schlafen und jede freie Minute nutzen, um in der Sonne zu braten – natürlich ohne Sonnenschutz, „rät“ Arzt und Buchautor Dr. Johannes Wimmer. Aber wer will das schon. Wer lieber nicht so schnell altern will – und das dürfte die Mehrheit sein –, hält sich besser ans Gegenteil, mutet ihr also keinen Rauch zu und auch kein Übermaß an UV-Licht. Dafür gönnt er ihr genügend Ruhe und füttert sie mit allem, was sie mag und braucht.

Sie ist uns lieb und teuer, unsere Haut. Ihre Pflege lassen wir uns einiges kosten. Aber Vorsicht: Sie ist, wie schon erwähnt, ein Sensibelchen und kann auch „überpflegt“ werden, was sie sehr übel nimmt. Bekannt ist die sogenannte Stewardessen- oder auch Mannequin-Krankheit, so genannt, weil sie vor allem bei jüngeren, gepflegten Frauen auftritt. Auf reichlich Kontakt mit Cremes und Make-up reagiert sie mit einem Ausschlag, vor allem in der Region um Mund und Augen. Da hilft nur, die Cremes ein Weilchen wegzulassen und bei der Pflege lediglich Wasser zu benutzen.

Nicht schön – aber doch schön zu wissen, dass die Haut prinzipiell gut für sich selber sorgen kann und grundsätzlich keine Kosmetik braucht. Eine gesunde Haut muss eigentlich gar nicht gepflegt werden, meint Wimmer. Befinde sich die Haut in einem gesunden Gleichgewicht, produziere sie alle Substanzen für ihre Pflege selbst. Der leicht saure Film auf der Hautoberfläche enthält unter anderem Milchsäure, Aminosäuren und andere Substanzen, die in der Lage sind, Feuchtigkeit zu binden.

Der Winter allerdings stört dieses Gleichgewicht. Trockene Heizungsluft oder eisige Stürme lassen die Haut spröde werden, und bei manchem werden die Hände rau wie ein Reibeisen. Jetzt müssen wir der Pflege unserer Haut besondere Aufmerksamkeit schenken: Zeit für eine Extraportion Fett beziehungsweise Feuchtigkeit! Ansonsten pflege sich die Haut aber von Natur aus selber. Und damit nicht genug: „Alles, was Sie sich auf die Haut schmieren, hat nur einen minimalen Effekt, wenn überhaupt“, erklärt Wimmer. Eine faltenfreie Haut könne kein Kosmetikprodukt dieser Welt herbeizaubern, und die „einzig wahre“ Anti-Aging-Creme sei Sonnenschutzcreme.

Das, was die Haut wirklich brauche, seien ausreichend Schlaf (sieben bis acht Stunden), ausreichend Flüssigkeit (1,5 bis 2 Liter stilles Wasser pro Tag), ausreichend Ruhe, eine ausgewogene, vitalstoffreiche Ernährung sowie den Verzicht auf die bereits genannten Hautfeinde Solarium, Zigaretten und Sonnenbrand beziehungsweise pralle Sonne. Ersparen sollte man ihr darüber hinaus heiße und ausgedehnte Duschen oder Vollbäder. Auch zu viel Fleisch und Wurstwaren mag sie nicht, denn: Die darin enthaltene Arachidonsäure, heißt es, beschleunige die Faltenbildung.

Jede Minute verlieren wir Zehntausende Hautzellen

Wenn Sie Ihrer Haut viel Freude machen, macht sie umgekehrt auch Ihnen viel Freude. Denn sie ist unser größtes Sinnesorgan. Sie freut sich über Berührung. Berührungen gehen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut und sind für sie so wichtig wie Luft für die Lunge. Babys würden ohne Berührung zugrunde gehen. Doch auch für Erwachsene bis ins Alter ist sie nötig. Weil Berührung im Alltag moderner Menschen oft zu kurz kommt, sind Angebote wie Massagen oder Kuschelpartys beliebt. Ohne Berührung, ohne Körperkontakt kommt man nicht aus, sagen Forscher und nennen Berührungen ein regelrechtes Lebensmittel.

Was wir bei der Begegnung mit anderen Menschen als Erstes wahrnehmen, ist unter anderem die Haut. Sie ist Visitenkarte und Repräsentationsorgan, mal zart und rosig, mal blass und fahl. Kein Wunder, dass wir eine schöne Haut haben wollen, um Eindruck zu machen. Sie spiegelt nicht nur unsere Vergangenheit wider, sondern auch unseren aktuellen Zustand: Sind wir aufgeregt? Verlegen? Beschämt? Erschrocken? Wütend? Krank? Die Haut gilt nicht zuletzt als Spiegel der Seele, und bekannt ist etwa, dass ihr Stress – besonders dann, wenn sie ohnehin schon krank ist – ziemlich zusetzen kann.

Fragt man Hautärzte, so sind sie vor allem beeindruckt von der ungeheuren Regenerationsfähigkeit der Haut. Bei ständiger Neubildung der Basalzellen in der untersten Schicht der Oberhaut werden die darüberliegenden Zellen kontinuierlich immer weiter nach oben geschoben, wo sie langsam austrocknen und verhornen. So werden aus den wasserreichen Basalzellen im Verlauf ihres Weges nach oben trockene, abgestorbene Hornzellen, die sich irgendwann von uns verabschieden.

Zehntausende solcher Hautzellen verlieren wir pro Minute – zum Glück meist, ohne es zu merken. Denn erst wenn mehrere hundert von ihnen zusammenkleben, nehmen wir sie als Schuppe wahr. In 80 Lebensjahren summiert sich der Verlust auf annähernd drei Tonnen. Fast tausendmal wechselt man im Laufe eines solch langen Lebens die eigene Haut. Während sich bei manch anderen Organen im Erwachsenenalter nur noch wenig tut, braucht die Haut zur Totalerneuerung nur einen Monat Zeit.

Sollten Sie sich momentan also nicht wohlfühlen in Ihrer Haut, machen Sie sich keine Gedanken. Sie haben ja bald eine neue.

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