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Hype um "Beyond Meat": Hat Fleisch noch Zukunft?

Bild: LIDL/obs

Ende Mai hat Lidl exklusiv eine Charge veganer Burger-Pattys des amerikanischen Unternehmens Beyond Meat angeboten. Nach wenigen Stunden waren deutschlandweit fast alle Märkte ausverkauft. Was ist dran an dem Hype? Eine Geschichte über unseren riesigen Appetit auf Fleisch, die Suche nach Alternativen – und neue Absatzmärkte.

Weil dies eine Geschichte übers Essen ist, soll sie auch da beginnen, wo es an einem Sommer-Wochenende am besten schmeckt. „Grillwetter“ ist ja nicht umsonst ein deutsches Wort, für das es in anderen Sprachen keine Entsprechung gibt. Ein Garten also, kalte Getränke und auf dem Rost: perfekt rund geformte Burger-Pattys – so heißen die Bratlinge heutzutage. Die Grillhitze ist gut und nach dem Wenden zeichnen sich deutlich dunkle Streifen auf den Pattys ab. Drei Minuten noch, dann schnell auf das lauwarme Burgerbrötchen. Ketchup, Käse, Tomate – und endlich der erste Biss in den begehrtesten Burger Deutschlands.

Ende Mai hat der Discounter Lidl exklusiv eine Charge veganer Burger-Pattys des amerikanischen Unternehmens Beyond Meat angeboten. Hätte er jedem Kunden einen Liter Freibier versprochen, wäre der Aufruhr nicht größer gewesen. Nach wenigen Stunden waren deutschlandweit fast alle Märkte ausverkauft. Enttäuschte Menschen, die offenbar das Gefühl hatten, Einmaliges verpasst zu haben, feuerten gehässige Kommentare ins Internet. Am Samstag gab es darum Nachschlag. Lidl hat die Bratlinge auf Basis von Erbsenprotein noch einmal im Angebot.

Ein veganes Produkt aus dem Chemielabor, mit Wasser an der ersten Stelle der Zutatenliste, verkauft zu einem Preis von fast 22 Euro pro Kilogramm – das ist also das Produkt der Stunde im „Grillsommer“ 2019. Noch mehr gefragt ist nur die Aktie des Unternehmens Beyond Meat (übersetzt etwa „über Fleisch hinaus“): Im Vergleich zum Ausgabepreis hat das Papier seit Mai zeitweise um fast 500 Prozent zugelegt – obwohl die Firma bislang nur Verluste macht. Rechnerischer Börsenwert: fast acht Milliarden Euro. Bislang ein lohnendes Investment, etwa für Bill Gates, der zu den ersten Geldgebern zählte. Oder für Christian Lindner, der twitterte, das Papier im Depot zu haben.

Es gibt also mehr zu besprechen bei diesem Essen als nur wie denn dieser Veggie-Burger schmeckt. Das ist nämlich eher unspektakulär: Innen ist er schön rosig, angenehm fest im Biss, aber etwas trocken und eher fad. Wenn man es nicht besser wüsste, hätte er vielleicht die Chance, als nicht herausragender herkömmlicher Burger durchzugehen. Der restliche Belag überdeckt den Geschmack und die Gespräche absorbieren die Aufmerksamkeit für das, was man da gerade im Mund hat. Wenn man so will, ein gutes Zeichen für die Lebensmittelchemiker also. Denn der Fleischkonsum in Deutschland sinkt ganz langsam.

McDonald’s und Burger King haben längst schon Veggie-Burger auf der Karte

Noch immer isst jeder von uns im Schnitt gut 60 Kilo pro Jahr. Aber die Zahl der so genannten Flexitarier wächst: Menschen, die bewusst weniger Fleisch essen, weil sie die konventionelle Tierhaltung und ihre ökologischen Auswirkungen kritisch sehen. Was könnte die glücklicher machen als Fleisch, das kein Fleisch ist? Ein neuer Markt also, der bereits heftig umkämpft ist. McDonald’s und Burger King haben längst schon Veggie-Burger auf der Karte. Im Wurstregal im Supermarkt gibt es immer mehr pflanzliche Imitate. Der Zeitgeist will es nachhaltig – aber möglichst ohne Verzicht. Denn um sich gesund und ausgewogen zu ernähren, muss man ja nicht unbedingt Fleisch essen. Das ist das eine.

Die holländische Firma Mosa Meat entwickelt Fleisch aus dem Labor.
Bild: Mosa Meat

Viel bedeutender ist aber das andere. Global betrachtet wächst der Fleischhunger immer weiter. Wurden 1965 noch 84 Millionen Tonnen Fleisch produziert, waren es 2017, gut 50 Jahre später, schon 330 Millionen Tonnen. Die Welternährungsorganisation FAO rechnet bis zum Jahr 2050 mit einem weiteren Anstieg auf 455 Millionen Tonnen. Es gibt nicht nur immer mehr Menschen auf der Welt – bis 2050 sollen es über neun Milliarden sein. Immer mehr Menschen geht es auch wirtschaftlich so gut, dass sie es sich leisten können, Fleisch zu essen. Und das wollen sie auch.

Das ist der Zeitpunkt, vielleicht eine gute fränkische Bratwurst auf den Grill nachzulegen. Nach dem, was jetzt kommt, schmeckt die sicher noch einmal ganz anders. Man kann den Anstieg der Weltbevölkerung und die Ausweitung der Fleischproduktion nämlich auch in Kurven und Diagrammen beschreiben. Die kann man dann mit anderen Kurven und Diagrammen verbinden: die verfügbare Ackerfläche auf der Welt, die benötigte Proteinmenge, damit niemand verhungern muss, der Bedarf an Energie, Wasser und Platz, die zur Produktion von Fleisch benötigt werden, und und und.

Ganz am Ende steht dann die einfache, aber erschreckende Erkenntnis: Wächst unser Fleischhunger so weiter, rückt der Punkt, an dem wir nicht mehr genügend Nahrungsmittel für alle Menschen auf der Erde produzieren können, sehr nahe. Zeitgeist und Notwendigkeit sind in dem Punkt also nahe beinander. Wir müssen uns Gedanken über Alternativen zum Fleisch machen – aber für Alternativen zu Fleisch gibt es auch einen riesigen potenziellen Markt. Und was wäre die bessere Alternative zu Fleisch als Fleisch?

Professor Mark Post von der Universität Maastricht präsentiert künstliches Fleisch aus dem Labor in einer Petrischale. Foto: David Parry

Fleisch im Labor gezüchtet

Bild:  David Parry, dpa

Am 5. August 2013 hat der niederländische Forscher Mark Post während einer sorgfältig inszenierten Pressekonferenz in London den ersten Burger braten lassen, dessen Fleisch er während drei Monaten im Labor gezüchtet hat. Die Forschung daran begann fast zehn Jahre zuvor an der Universität Maastricht. Als das Projekt dort auslief, machte Post auf eigene Faust weiter – gefördert unter anderem von Google-Mitbegründer Sergey Brin, der in viele Firmen investiert, die auf den ersten Blick verrückte Ideen verfolgen.

250.000 Euro kostete die Herstellung des Fleisch-Pattys, das vor den Augen der Öffentlichkeit verkostet wurde. Mosa Meat heißt die Firma, die Post danach mit seinem Kompagnon Peter Verstrate gegründet hat. Für verrückt hält die Idee, Fleisch durch Laborfleisch zu ersetzen, inzwischen kaum noch einer. Große Lebensmittelunternehmen unterstützen Posts Forschung mit Millionenbeträgen. Und Mosa Meat ist nur eine von knapp 40 Firmen, die tierisches Eiweiß aus dem Labor auf den Massenmarkt bringen wollen.

Holland, Israel und die USA sind die Zentren dieser neuen Lebensmittelindustrie. Glaubt man den Erzählungen ihrer Gründer, könnten sie eine technologische Umwälzung auslösen, vergleichbar vielleicht mit der Einführung des Elektroautos in der Automobilindustrie. Ein Milliardenmarkt könnte komplett neu verteilt werden. Wenn man auf Verstraten trifft und ihm zuhört, auf dem „Global Food Summit“ unlängst in München etwa, klingt seine Version der Zukunft tatsächlich faszinierend.

„Wir könnten alle Vegetarier werden auf der Welt. Das würde viele Probleme lösen. Es ist nur nicht wahrscheinlich. Tatsache ist: Wir Menschen sind süchtig nach Fleisch“, sagt Verstrate. Aber Forscher sind zunehmend in der Lage, biologische Prozesse, die in Tieren ablaufen, im Labor nachzubauen. Milch zum Beispiel könnte bald ohne Kühe erzeugt werden. Oder Leder für die Textilindustrie. Vor allem aber Fisch und Fleisch.

In weniger als zwei Jahren will Mosa Meat ein fertiges Produkt haben. Bis 2024 soll ein Hamburger-Patty aus Rindfleisch zu einem Verkaufspreis von rund neun Euro in ausgewählten Geschäften zu haben sein, so Verstrate. Mittelfristig soll Laborfleisch günstiger sein als konventionell erzeugtes. Mit vielen möglichen positiven Effekten: Die Produktion von Fleisch verursacht fast 15 Prozent der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen. Dazu kommen gravierende Probleme mit dem Grundwasser durch das Ausfahren der überschüssigen Gülle. Riesige Mengen Wasser werden auch noch verbraucht und den massenhaften Einsatz von Antibiotika hat die Tiermast bislang ebenfalls nicht in den Griff bekommen. Wenn die Fleisch-Produktion ins Labor verlegt wird, müssten aber vor allem weniger Tiere leiden.

Mark Post, Mitbegründer von Mosa Meat, hat den ersten Burger aus dem Labor bereits 2013 in London präsentiert. Kostenpunkt damals: 250.000 Euro.
Bild: dpa/Mosa Meat

„Fleisch ohne Schlachten“ ist einer der Slogans, mit dem das Laborfleisch – oder Kulturfleisch, wie Mosa Meat sagt – beworben wird. Ebenfalls überflüssig wären auch: Schlachter, Schlachthäuser, Viehzüchter, Viehtransporter… Wobei, ganz ersetzen wird Laborfleisch konventionell erzeugtes nicht, davon geht auch Verstrate aus. Was bislang greifbar erscheint, ist, den Fleischanteil in Produkten mit verarbeitetem Fleisch durch Laborfleisch zu ersetzen. Ein ganzes Steak im Labor zu züchten, ist noch einmal eine andere Herausforderung. Das israelische Unternehmen Aleph Farms hat zwar nach eigenen Angaben das „erste im Labor erzeugte Steak“ entwickelt. Im Steakhouse dürfte der kreditkartengroße, millimeterdünne Streifen Fleisch aber höchstens als Deko für die Salatbar taugen.

Anders als bei den pflanzlichen Fleisch-Ersatzprodukten gibt es noch kein kommerziell erfolgreiches Laborfleisch-Unternehmen. Keine Produkte im Supermarkt oder Restaurant. Deswegen müssen die Verstrates der Branche auch so gute Geschichtenerzähler sein. Denn was nutzt die millionenteure Entwicklung, wenn das Produkt am Ende keiner haben will?

Nüchtern betrachtet gibt es noch eine ganze Reihe offener Fragen. Es existiert bislang kein Bioreaktor, der groß genug wäre, Fleisch im industriellen Maßstab zu erzeugen. Ausgehend von kleineren Anlagen ist zu erwarten, dass so eine Fleischfabrik sehr viel Energie benötigt. Und: „Clean Meat“, also sauberes, unbedenkliches Fleisch, wie das Laborfleisch aus Marketing-Gründen auch genannt wird, ist längst noch nicht so clean: Obwohl es das Ziel der Branche ist, Fleisch künftig komplett ohne den Einsatz von Tieren zu erzeugen, ist man bislang meist noch auf fötales Kälberserum angewiesen, ohne das die Stammzellen im Labor nicht wachsen. Das Serum wird durch die Entnahme von Blut aus dem schlagenden Herzen ungeborener Föten gewonnen. Die Prozedur ist für den Fötus schmerzhaft und tödlich. Zudem könnten auf diesem Weg Krankheitserreger in die Laborzellen übertragen werden – ein Risiko, das bei der längst noch nicht gesicherten Zulassung als Lebensmittel eine Rolle spielen dürfte. Abgesehen davon ist das Serum viel zu teuer, um am Ende mit Laborfleisch an der Kasse gegen konventionelles Fleisch bestehen zu können.

Welche Veränderungen bringt das mit sich für unser Verhältnis zu Tieren?

Doch abseits der technischen Probleme, die bei dem großen Forschungsaufwand, der mittlerweile betrieben wird, lösbar erscheinen, gibt es eine Reihe übergeordneter Fragen, über die man gerade erst nachzudenken beginnt: Werden die Menschen wirklich Fleisch aus dem Labor essen wollen? Wie wirkt sich die Entkopplung von Fleischproduktion und Tierhaltung auf unsere Essensgewohnheiten aus? Welche Veränderungen bringt das mit sich für unser Verhältnis zu Tieren?

Die Optimisten sagen, irgendwann in nicht so ferner Zukunft wird uns die Idee, Tiere erst in riesigen Agrarfabriken großzuziehen, um sie dann zu schlachten und zu billigen Fleischprodukten zu verarbeiten, als Barbarei erscheinen. Unser Verhältnis zu Tieren könnte sich dank der neuen Methoden zur Fleischgewinnung weg vom genutzten Objekt hin zur Mitkreatur wandeln. Im Labor könnte man später neben der Textur auch die Zusammensetzung des Fleischs kontrollieren, eventuell gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe minimieren oder gar besonders gute neu einbauen.

Andere, etwa Greenpeace oder Friends of the Earth, sind da skeptischer. Das Grundproblem sei ein Fleischkonsum, der in den vergangenen Jahrzehnten maßlos geworden sei. Die Massentierhaltung mit all ihren negativen Begleiterscheinungen sowie die wachsende Bedeutung von Gesundheitsrisiken, die mit Fleischkonsum verbundenen sind, sind erst die Folge. Fleisch im Labor zu erzeugen, werde eher dafür sorgen, dass noch mehr davon gegessen werde, da die ethische Hürde, das Leid der Tiere, wegfalle.

Bereits heute ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln ein hoch technisierter, arbeitsteiliger Prozess. Gerade bei verarbeiteten Produkten kann kaum noch ein Verbraucher den Weg vom Acker oder dem Stall in den Supermarkt nachvollziehen. Die Folge: Ein wachsender Anteil der Gesellschaft ist von der Natur und der Produktion von Nahrungsmitteln entfremdet – empört sich über den Einsatz von Glyphosat und Pflanzenschutzmitteln, findet Bioprodukte aber zu teuer für den eigenen Konsum. Aufgrund der teuren Forschung würden sich in einer rein technischen Fleischerzeugung wohl wenige große Unternehmen den Markt aufteilen. Kleinbäuerliche Strukturen, wie sie gerade von Experten der Entwicklungszusammenarbeit als bester Weg zur Sicherung der Welternährung angesehen werden, hätten keine Chance mehr.

Vollends zur Dystopie werden die schönen Geschichten von der Zukunft des Fleisches, wenn man einige Ideen weiterspinnt, die aktuell in einer von Mark Post – der mit dem ersten Burger – mitgestalteten Ausstellung zu sehen sind. Das staatliche Museum Mensch und Natur in München zeigt die Schau, die man guten Gewissens als PR-Event bezeichnen kann. Als mögliche Zukunftsvisionen werden etwa gezeigt: das Modell eines Sashimi aus künstlich erzeugtem Blauflossen-Thunfisch oder der Entwurf eines Bioreaktors für die Gastronomieküche. Aber eben auch „Promiwürfel“: Fleischwürfel aus den Stammzellen Prominenter. Und ein Mini-Bioreaktor, der an den eigenen Blutkreislauf angeschlossen wird und in dem ein Leckerbissen aus eigenen Körperzellen heranwächst, zum Verzehr für den Partner.

Mahlzeit. Höchste Zeit, noch einmal nach der Bratwurst auf dem Grill zu sehen. Denn bei der Erkundung der schönen neuen Ernährungswelt sind wir noch nicht am Ende. Und die Frage, ob das Produkt genügend Käufer findet, stellt sich bei der letzten Alternative zu Fleisch noch viel drängender.

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Fleisch aus Insekten

Bild: Visarut Sankham, dpa

Im Frühjahr 2018 hat die Supermarktkette Rewe ein Burger-Patty aus Insektenmehl ins Sortiment genommen (196 Gramm für 5,99 Euro). 1000 Larven des Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers, auch bekannt unter dem leichter verdaulichen Namen Buffalowürmer, sind – fein vermahlen und gestreckt mit viel Sojaprotein, Rapsöl, Stärke und Gewürzen – in dem Bratling enthalten. Die Fastfood-Kette Hans im Glück hatte kurzzeitig einen Burger damit im Sortiment. Den gibt es nicht mehr, dafür verkauft Kaufland nun ein ähnliches Patty.

Geschätzt zwei Milliarden Menschen auf der Welt essen regelmäßig Insekten – und nehmen dabei viele Vitamine, ungesättigte Fettsäuren und Protein zu sich. Wie die pflanzlichen Fleischalternativen gelten Insekten als viel nachhaltiger zu erzeugen, da nicht erst große Mengen Kalorien und Wasser in einen komplexen Organismus geschüttet werden müssen, der atmen, stoffwechseln und seinen Körper auf Temperatur halten muss und nur relativ wenig davon in Fleisch umsetzt.

In westlichen Ländern werden bereitwillig hohe Preise für Hummer, Krebse und Garnelen bezahlt, alles enge Verwandte der Insekten. Aber die Idee, in einen gerösteten Wurm oder gegrillten Käfer zu beißen, löst bei den meisten Menschen Ekel aus. Beachtliche 14 Prozent aller Deutschen haben nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung schon einmal Insekten gegessen – allerdings vorrangig im Ausland. In der gleichen Erhebung war fast die Hälfte der Befragten dafür, Insekten als Lebensmittel zu nutzen. Wenn es darum geht, selbst Insektenprodukte zu essen, zählt das offenbar nicht mehr.

Wie die Bereitschaft, Insekten zu essen, steigern?

Die große Frage ist also, wie die Bereitschaft, Insekten zu essen, gesteigert werden kann. Und damit zur Arbeit von Forschern wie Ophelia Deroy. Sie forscht an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität an der Schnittstelle zwischen Philosophie und Neurowissenschaften und hat sich in vielen Experimenten mit dem Einfluss unserer Wahrnehmung auf unser Essverhalten auseinandergesetzt. Einen Einblick in die Mechanismen, die dabei am Werk sind, gab sie bei einer Konferenz in München, ein Video davon ist im Internet zu finden.

Das Foto eines Gerichts aktiviert in unserem Gehirn Bereiche, die bei der Wahrnehmung des Geschmacks aktiv sind. Wir sehen also voraus, wie das gezeigte Essen schmeckt. Das ist aber nicht alles. Aktiv wird auch das Belohnungssystem. Unser Gehirn nimmt quasi die Lust vorweg, die das Essen des gezeigten Gerichts uns verschafft – selbst wenn wir wissen, dass wir es gar nicht essen werden. Was Lust bereitet, ist für jeden verschieden. Nur die Macht der Bilder wirkt bei allen gleich. Die Folgen für alle Alternativen zum kulturell mittlerweile so tief verwurzelten Fleisch erklärt Deroy so: „Wir können die Leute nicht erziehen. Es gibt keine intellektuelle Entscheidung, etwas zu essen, wenn man es nicht gern isst.“

So endet diese Geschichte wieder beim Burger. Kein anderes Gericht steht so symbolhaft für die Explosion des Fleischkonsums. Und ausgerechnet er soll uns nun vor den Folgen retten, indem er seinen Sex-Appeal auf die Fleischalternativen überträgt. Von weniger Fleisch essen ist nicht die Rede. Mag noch jemand Wurst?

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