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Starkbier

10.03.2019

Jetzt kommt der Bock: Unser großer Starkbiertest

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6 Bilder
Neun verschiedene Starkbiere haben wir mit einem Experten verkostet.
Bild: Ulrich Wagner

Fastenzeit ist Starkbierzeit. Aber welches Bier passt zu wem? Wir haben mit einem Braumeister getestet.

Fastenzeit ist Starkbierzeit. Aber welches Bier passt zu wem? Wir haben mit einem Braumeister getestet.

 

Staatsbier

Hofbräu München Maibock 7,2 % vol.

Das sagen wir: Farbe wie Cognac. Hopfig, frisch, schön schaumig. Wird im Nachgeschmack bitter. +++ Da ist was Saures auf der Zunge, vielleicht die Kohlensäure, leicht bitter hinten raus. +++ Lecker, leicht, der Pilstrinker wird’s mögen.

Das sagt der Experte: Die Farbe ist schön leuchtend Bernstein. In der Nase erinnert es mich an roten Gewürzapfel mit Nelken, wie es ihn zu Weihnachten gibt. Es ist spritzig, man spürt die Kohlensäure auf der Zunge. Ich schmecke etwas Cerealienartiges, eine fruchtige Note; insgesamt ein spannendes Bier mit gewissem Charakter.

Ritterbier

Schloßbrauerei Kaltenberg Ritterbock 9,0 % vol.

Das sagen wir: Dunkel wie Hustensaft. Malzig mit Lakritznote. Weich, schmeckt tatsächlich etwas nach Medizin. +++ Uiuiui, ganz schön sättigend. In Maßen kann ich das nicht trinken. +++ Riecht wie ein alter, englischer Pub. Zu süß, zu malzbierig.

Das sagt der Experte: Kräftig bernsteinfarben, schöner beiger Schaum. Ein Aroma von Kakao, Schwarzbrot und Zimt. Ein sehr vollmundiges Bier mit dezenter alkoholischer Wärme. Der vollmundige Charakter im Haupttrunk endet in einem überraschend schlanken Abgang am Gaumen.

Klosterbier

Kloster Andechs Doppelbock Dunkel 7,1 % vol.

Das sagen wir: Schmeckt irgendwie undefinierbar und unausgereift, als wären seltsame Küchengewürze mit drin. +++ Schöne rötlich-braune Farbe (ähnlich übrigens wie die von Bier Nummer 2 und 4). +++ Runde Sache.

Das sagt der Experte: Das ist ein komplexes Bier, die Farbe Hellbraun mit roten Reflexen. In der Nase Noten von weißen Trauben, sogar ein Hauch von Nougat. Im Mund etwas gedämpfte Aromen von Haselnuss und Rumtopf: dunkle Fruchtaromen und eine dezente alkoholische Schärfe im Abgang. Ein polarisierendes Bier für Liebhaber.

Traditionsbier

Kloster Scheyern Doppelbock Dunkel 7,6 % vol.

Das sagen wir: Schöner dichter Schaum, riecht unaufdringlich, schmeckt angenehm, leicht süßlich, harmonisch, ein „Da nehm ich noch eins“-Bier. +++ Sehr süffig, mit einer fettigen Wurst kann man den ganzen Abend lang dabei bleiben. +++

Das sagt der Experte: Die Farbe Hellbraun, der Geruch frisch, rosinenartig mit leichten Beerennoten. Im Mund etwas erdig mit deutlich an Walnuss erinnernden Aromen. Dezent adstringierend im Abgang, in Kombination mit fruchtigen Nuancen und einem Hauch von Schokolade.

Frankenbier

Aecht Schlenkerla Eiche Doppelbock 8,0 % vol.

Das sagen wir: Farbe wie heller, goldener Bernstein. Riecht rauchig und nach Schinkenplatte. Sehr eigen. Bitter-würziges, gut abgestimmtes Rauchbier – ein Solitär. +++ Speziell und schlank. Interessant.

Das sagt der Experte: Eine satte Bernsteinfarbe, in der Nase ein klares Raucharoma mit den typischen, leicht schinkenartigen Düften. Ein vollmundiges Bier, aber erfrischend, leicht holzig, karamellig mit einer Spur Ahornsirup. Angenehm torfig im Abgang, das kommt vom Darren des Malzes über Eichenholz. Buchenholz wäre im Geschmack noch viel dominanter.

Münchenbier

Löwenbräu Triumphator Dunkler Doppelbock 7,6 % vol.

Das sagen wir: Sehr dunkel, schöne Schaumkrone. Aber hui: Schmeckt wie Kindermalzbier! Bisschen eindimensional. +++ O.k., aber nicht herausragend.

Das sagt der Experte: Ein sattes Rotbraun im Glas, in der Nase unerwartet untypisch fruchtig mit leicht floralen Noten. Im Trunk geht es für mich in Richtung Bock „old school“: vollmundig und betont süßlich, mit leicht holzigen und schokoladigen Noten. Wenn man das sucht, genau richtig. Man isst ja auch keinen Schweinebraten, wenn man Lust auf raffinierte, leichte Küche hat.

Fernsehbier

Paulaner Salvator Doppelbock 7,9 % vol.

Das sagen wir: Honigfarben, leicht trüb. Unaufdringlicher Geruch – aber dann doch: Explosion im Mund, die sich jedoch ins Durchschnittliche verliert. +++ Lässt sich leicht trinken. +++ Ein bisschen wie ein VW Golf zum Trinken: solide gut.

Das sagt der Experte: Hell kupferfarben, mit leichter Hefetrübung im Glas. In der Nase dezent, Orange, frisches Getreide, aber eine wirkliche Richtung gibt das Aroma nicht vor. Im Antrunk eine leichte Röstnote, der Geschmack von gebrannten Mandeln. Ein rundes Bier, an dem es nichts zu mäkeln gibt.

Kultbier

Augustiner Bräu Maximator Doppelbock 7,5 % vol.

Das sagen wir: Traumschaum. Schmeckt mild, fast fad. Moussierend. +++ Schmeckt süßlich, malzig, fast klebrig im Mund. Bleibt noch lange auf der Zunge. +++ Erinnert geschmacklich etwas an britisches Ale.

Das sagt der Experte: Ein dunkles mahagonifarbenes Bier mit einem Hauch von Zartbitterschokolade in der Nase. Der Haupttrunk hat eine leicht hefeteigartige Honignote, der Abgang ist schnell und überraschend erfrischend, mit einer angenehmen Röstnote. Mit diesem Bier könnte ich einen ganzen Abend verbringen.

Ploppbier

Hacker Pschorr Animator Doppelbock naturtrüb 8,1 % vol.

Das sagen wir: Voller Mund, viele Aromen, breit und tief angelegt. Ganz leicht rauchig, schön bitter. Charakter im Glas! +++ Fester Schaum, starkes Perlen, süßliche Schwere im Mund. +++ Gerne mehr davon.

Das sagt der Experte: Ein sehr vielschichtiges Bier, da kann man bei jedem Riechen und bei jedem Schluck Neues entdecken. Es hat einen schlanken Körper und Aromen von Dinkelbrot, Waldhonig und Karamell. Spannend. Das ist das Tolle an unserer Bierlandschaft: Jeder kann sein Bier finden, weil die Auswahl so groß ist.

Unser Experte

Fabian Staudinger, 31, ist Brau- und Getränketechnologe und Braumeister. Bei der Doemens Genussakademie ist er für die Ausbildung angehender Biersommeliers zuständig, vor allem in den Bereichen Brautechnologie, Schankanlagen und Gastronomie.

Bierwissen „Das Bockbier wurde in Einbeck im heutigen Niedersachsen erfunden. Die Bayern haben es aber über die Jahrhunderte zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Staudinger. Entscheidend beim Bockbier ist die Stammwürze, der Gehalt an gelösten, nicht flüchtigen Stoffen. Je mehr Malz verwendet wird, desto höher ist sie. Weil die Hefe den Zucker der Malz zu Alkohol umsetzt, entscheidet die Stammwürze auch grob über den Alkoholgehalt des Bieres. Einem Eisbock wird durch Ausfrieren Wasser entzogen, dadurch steigt sein Alkoholgehalt zusätzlich.

Test Die Tester wussten nicht, welches Bier sie serviert bekamen.

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