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Interview

12.09.2020

Kirk Hammett von Metallica über sein Leben: "Ich bin gesegnet"

Kirk Hammett, 57, hier bei einem Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion 2019.
Foto: Georg Hochmuth, dpa

Kirk Hammett spricht über 40 Jahre Metallica, die Arbeit am Jubiläumsalbum – und darüber, wie die Gitarre ihn gerettet und er sein Lebensglück gefunden hat.

Sie haben kürzlich als Band zum ersten Mal seit Corona wieder gemeinsam geprobt. Sind Sie froh, dass es endlich wieder losgeht?

Kirk Hammett: Natürlich, und wie! Wir haben jede Menge Pläne, aber gerade hier in den USA verändert sich die Corona-Situation immer noch so schnell, dass man kaum vorausschauen kann, wie sich das entwickelt. Wir haben ein paar Sachen gemacht, wie die Akustikversion von "Blackened", die wir an separaten Orten aufgenommen haben, ich hier auf Hawaii, wo ich den Großteil meiner Zeit verbringe, Lars und Rob in San Francisco, James in Colorado. Dass das überhaupt möglich war, ist schon eine ziemlich fantastische Sache. Und jetzt ist es natürlich großartig, dass wir wieder in einem Raum proben können und endlich wieder live spielen. Ich kann nur sagen: Wir sind bereit.

Arbeiten Sie auch schon ernsthaft am nächsten Studioalbum?

Hammett: Ja, wir haben versucht, die ruhige Zeit zu nutzen. Wir sammeln unsere Einfälle digital, bei mir sind schon ungefähr 600 musikalische Ideen zusammengekommen. Ich speichere die jetzt übrigens immer noch mal auf einem zusätzlichen Gerät ab(lacht – zur Erklärung: Kirk verlor seine Riffs und Ideen für das letzte, 2016 erschienene Album „Hardwired … To Self-Destruct“ zusammen mit seinem Handy). Wir bauen also momentan so eine Art Datenbank auf.

Hammett zu den Beziehungen der Band: "Wir sind wirklich wie Brüder"

Wie ist eure Beziehung untereinander im Moment?

Hammett: Wir sind wirklich wie Brüder. Im Grunde ist damit alles erklärt. Wir lieben uns, wir hassen uns, wir sind aneinandergekettet. Wir wissen, dass es so ist, und wir wehren uns nicht dagegen.

Ihre Höhen und Tiefen, sowohl individuell als auch innerhalb eurer Gemeinschaft, sind sehr gut dokumentiert, nicht zuletzt durch den schonungslosen Film "Metallica: Some Kind Of Monster". Und trotz allen Konflikten: Nächstes Jahr wird Metallica 40. Was bedeutet Ihnen das?

Hammett: Das Jubiläum ist ein Meilenstein und ein großer Grund zu feiern – in welcher Form das möglich sein wird, müssen wir abwarten. Wir alle sind uns unserer Rolle in der modernen Kultur bewusst. Wenn du mich persönlich fragst: Mich interessiert nicht, wie viele Konzerttickets oder Alben wir verkaufen, mir ist es auch nicht wichtig, wer auf Tour das meiste säuft, das meiste Geld raushaut oder mit den meisten Frauen schläft. Alle diese Dinge waren mir nie wichtig. Für mich ist alles entscheidend, dass wir Kunst machen, die den Menschen hilft, sich besser zu fühlen.

Sie waren ein Teenager, als Sie als Gitarrist angefangen haben, Heavy Metal als solcher noch in den Kinderschuhen – heute sind Metallica eine der größten Bands, wenn nicht die größte Band der Welt. Wie oft denken Sie, "das darf doch alles nicht wahr sein"?

Hammett: Yeah, ständig. In dieser Band zu spielen, das ist der Grund, aus dem ich auf der Welt bin. Ich glaube manchmal, das wurde von ganz oben so für mich entschieden. Ich mache mit und in meinem Leben ganz sicher das, was ich am besten kann und beherrsche. Gott sei Dank ist das auch noch etwas, das anderen Menschen hilft, sie inspiriert und freut. Ein positiver Faktor im Leben von Menschen zu sein, das ist für mich ein großes Glück. Ich bin gesegnet, und ich empfinde eine sehr, sehr große Dankbarkeit. Und möchten Sie auch noch den zweiten Teil meiner Antwort hören?

James Hetfield (l) und Kirk Hammett von Metallica.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Ich bitte darum.

Hammett: Ich bin so verdammt dankbar dafür, dass ich diese drei Burschen gefunden habe, Mann. Das Schicksal hat uns füreinander bestimmt. Dass wir nach vierzig Jahren, okay, fast vierzig Jahren, nach wie vor vereint sind, ist einfach nur wundervoll.

Zur Vorbereitung auf Shows: "Ich habe einen rigiden Übungsplan erarbeitet"

Gerade haben Sie zum zweiten Mal ein Album mit Sinfonie-Orchester veröffentlicht: "S&M 2“"– 20 Jahre nach  dem ersten "S&M". Hatten Sie immer den Wunsch, das zu wiederholen?

Hammett: Yeah. Die ersten Shows 1999 waren ein reines Vergnügen, und es war toll, mit dem Dirigenten Michael Kamen zu arbeiten. Er ist 2003 gestorben, ein bisschen ist die Neuauflage auch zu seinen Ehren. Letztlich fügte sich mal wieder alles zusammen: Die Anfrage, zur Eröffnung des neuen "Chase Centers" in San Francisco mit dem San Francisco Symphony zu spielen, traf auf unsere Überlegungen, wie großartig es wäre, noch mal in solch einem Rahmen zu spielen.

Wie haben Sie die beiden Abende im September 2019 in Erinnerung?

Hammett: Es war eine herausragende Erfahrung für mich und für uns alle. Das Konzert war ein echtes Ereignis, wie auch schon die "S&M"- Shows vor zwanzig Jahren. Mein absoluter Wunsch war, dass es genauso fantastisch wird wie damals, und deshalb habe ich ganz persönlich alles dafür getan und mich wochenlang so richtig geknechtet.

Sie waren quasi im Trainingslager?

Hammett: Ja, total. Ich wollte in Topform sein und richtig, richtig gut aussehen auf dieser Bühne. Also bin ich fünf, sechs Mal pro Woche ins Fitnessstudio, und bin zusätzlich noch vier Mal jede Woche gerannt. Eine körperlich gute Verfassung war die Grundvoraussetzung. Etwa ab eine Woche vor der ersten Show habe ich einen intensiven und sehr rigiden Übungsplan abgearbeitet, den ich mir selbst aufgestellt hatte. Wenn ich nicht beim Sport war, spielte ich Gitarre. Ich wollte mit wirklich hundert Prozent meiner musikalischen Fähigkeiten auf dieser Bühne stehen.

Surfen und Gitarre spielen lassen Hammett zur Ruhe kommen

Sie sind Surfer und leben mit Ihrer Familie nicht nur in der Nähe von San Francisco, sondern verbringen auch sehr viel Zeit auf Hawaii. Gibt es für Sie eine direkte Verbindung zwischen Surfen und Gitarre spielen?

Hammett: Absolut. Beides lässt mich zur Ruhe kommen und sorgt dafür, dass ich mich nur auf den Moment konzentriere. Das Surfen ist für mich die perfekte Möglichkeit, mit Ende 50 noch richtige Adrenalinhochs zu erwischen. Und das alles in engster Verbundenheit mit der Natur. Auf dem Brett bin ich mit jeder Faser meines Körpers bei mir.

Die Metal-Band Metallica. Von links: Kirk Hammett, Lars Ulrich, James Hetfield und Robert Trujillo.
Foto: EPA/STR, dpa

Und an der Gitarre?

Hammett: Mein Spiel auf der Gitarre ist wie der Spiegel in meiner Seele. Es beruhigt mich – egal, ob ich ruhige Musik spiele oder die Gitarre richtig kreischen lasse. So war das schon, als ich noch ein kleiner Junge war und anfing, Gitarre zu spielen. Die Gitarre sprach bereits damals auf mehreren Ebenen zu mir. Erstens: Mir hat das Spielen von Anfang an unheimlich Spaß gemacht. Zweitens: Es gab mir die Möglichkeit, meinen kreativen Drang zu befriedigen. Drittens: Es entspannte mich. Ich hatte eine komplizierte Kindheit, und als Teenager litt ich unter psychischen Problemen, viele Dinge in meinem Kopf ergaben einfach keinen Sinn. Aber mit der Gitarre konnte ich die Stimmen in meinem Kopf zur Ruhe bringen und mir insgesamt einen Reim auf die Welt machen. So ist das im Grunde genommen bis heute.

Zur Person

Kirk Hammett, als Sohn eines irischen Handelsmatrosen und einer Filipina am 18. November 1962 in Kalifornien geboren, ist Vegetarier und Buddhist, Comic- und Horrorfilm-Fan – und er studierte mit Anfang 30 noch Film und asiatische Kunst. Als Idole nennt der in zweiter Ehe verheiratete Vater zweier Söhne (12 und 14) Jimi Hendrix und Michael Schenker.

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