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Fußball

12.07.2020

König Fußball - aber warum? Experten über Titel, Geld und Tränen

Fußball einst und heute: Wie und warum sich dieser Sport zu einem Massenphänomen entwickelte, erörtert unser Autor hier.
Bild: Picture Alliance

Plus Ein Historiker und ein Ultra-Fan, ein Soziologe und ein ehemaliger Nationalspieler erzählen, was den Sport ausmacht.

Was Menschen Fußball bedeuten kann, zeigt ein Video aus dem Jahr 1954. Ein Zug der Baureihe VT 08 fährt von der Schweiz über Konstanz nach München. Vorbei an Seen und Bergen, die Fahrgäste: Helmut Rahn, Toni Turek, Fritz Walter, Max Morlock, im Anzug, mit Hut, sie trinken Kaffee, lesen Zeitung. „Fußball-Weltmeister 1954“ steht auf dem Zug. In einem Bahnhof unglaubliche Szenen: Menschen stürmen über Gleise, rennen über das Dach des Bahnsteigs, klettern Säulen hoch. Frauen, Kinder, Männer winken, jubeln, holen sich Autogramme durch die Zugfenster.

Einen Tag zuvor sind die Fußballer in Bern, Hauptstadt der Schweiz, Weltmeister geworden. Haben Ungarn im WM-Finale im Wankdorfstadion 3:2 geschlagen. Und erleben nun eine „Triumphfahrt ohnegleichen“, wie ein Kommentator sagt.

Parteien warnen, von einem Fußballwunder zu sprechen

Fast alle Bewohner der damals erst fünf Jahre alten Bundesrepublik verfolgen das Endspiel. Sie umlagern die wenigen Fernseher, hören das Spiel im Radio an. Was Fußball in den Medien angeht, bedeutet die Weltmeisterschaft einen Durchbruch. Die WM 1954 ist das erste Sportereignis, das live übertragen wird. Doch schon ein paar Tage später berichten Zeitungen kaum mehr über den Titelgewinn. Andere Themen stehen im Vordergrund. Politiker interessieren sich wenig bis gar nicht für den Titelgewinn. Bundespräsident Theodor Heuss ( FDP) bleibt dem Spiel in Bern fern, besucht lieber ein paar Tage zuvor die Segelregatta Kieler Woche. Parteien warnen, von einem Fußballwunder zu sprechen.

König Fußball - aber warum? Experten über Titel, Geld und Tränen

Für Fußball ist es in den 1950er Jahren noch ein weiter Weg, um zu dem Sport zu werden, der er heute ist: ein Geschäft, das Millionen umsetzt. Mit Fernsehgeldern, Werbung, Eintrittskarten, Trikotverkäufen und, und, und. Egal, ob der Mittelstürmer des FC Augsburg oder die Rechtsverteidigerin der Spielvereinigung Kaufbeuren kickt: Fußball ist heute der Sport, der die meisten Menschen bewegt. Über sieben Millionen spurten in mehr als 24.000 Vereinen über Kunstrasen, Naturrasen, Hartplatz. Die Zahl der Hobbykicker und Eltern, die Trikots waschen, kommt noch hinzu.

Am Tag der Hochzeit noch ins Stadion

Ist Fußball unser Leben, wie es in Jack Whites gleichnamigem Lied heißt? Dieser Artikel will ergründen, warum Fußball so vielen Menschen in Deutschland so viel bedeutet. Dass sie etwa am Tag der Hochzeit für zwei Stunden ins Stadion gehen und ihre Gäste warten lassen. Dass sie für ein Europapokalspiel bis nach Baku in Aserbaidschan fliegen – oder im Neunsitzer fahren. Dass sie während ihres Feierabends zahlreiche Choreografien basteln und Pyrotechnik an intimen Stellen ins Stadion schmuggeln. Dieser Text fragt, wie Fußball diese Bedeutung in vielen Jahrzehnten erlangt hat. Falls es überhaupt möglich ist, in 500 Zeilen zu beantworten, worüber andere Bücher schreiben.

Vier Gesprächspartner: erstens ein Sporthistoriker, der sagt: „Fußball und Medien befruchten sich gegenseitig.“ Zweitens eine Frau, die fast alle Spiele ihres Vereins im Stadion sieht, und sagt: „Ich verliere einen Teil meines Lebens, wenn ich nicht ins Stadion darf.“ Drittens ein Sportsoziologe: „Im Alltag müssen wir oft unsere Emotionen unterdrücken, beim Fußball ist es gewünscht, sie auszuleben.“ Viertens ein ehemaliger Nationalspieler, der seine Karriere mit 27 Jahren beendet: „Mein Körper ist nicht gemacht für Fußball“, sagt er. Heute ist er Sportlehrer – was schon immer sein Traumberuf ist.

Sporthistoriker Franz-Josef Brüggemeier
Bild: Privat

1954, 1974, 1990, 2014: Wegmarken deutscher Sportgeschichte. Jahre, in denen Deutschland Fußball-Weltmeister wird. Franz-Josef Brüggemeier, 69, erlebt alle Titel mit. Über die Weltmeisterschaft, von der er als Dreijähriger wenig wahrnimmt, hat er 2004 ein Buch geschrieben: „Zurück auf dem Platz. Deutschland und die Fußballweltmeisterschaft 1954.“ Brüggemeier ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, lehrt viele Jahre an der Uni Freiburg. Sein Lieblingsverein? Dortmund und Liverpool. „Aber nicht erst seit Jürgen Klopp“, sagt Brüggemeier, der im Ruhrgebiet geboren ist.

Fußball war damals noch in in den oberen Schichten angekommen

1954 also, Deutschland nimmt zum ersten Mal nach dem Krieg an einer Weltmeisterschaft teil. Dass weder Präsident Theodor Heuss noch Kanzler Konrad Adenauer beim Finale in Bern im Stadion sind, erklärt Brüggemeier so: „Fußball ist damals der populärste Sport, aber noch nicht in den oberen Schichten angekommen. Politiker sind skeptisch, ob Fußball ihnen Pluspunkte bringt.“ Außerdem gibt es 1954 laut Brüggemeier drängendere Sorgen. 1,5 Millionen Menschen werden immer noch vermisst. Viele Menschen leben in Armut. Deutsche Soldaten kehren aus der Kriegsgefangenschaft heim. Politiker diskutieren über die Wiederbewaffnung. „Generell schauen die Leute dahin, wo es keine Sorgen gibt. Ein Ventil für die große Mehrheit ist Fußball in den 1950er Jahren aber noch nicht.“

Zwar sind laut Brüggemeier Stadien voll und Fußball-Übertragungen im Radio beliebt. Berichte auf Sportseiten haben eine große Leserschaft und Fußballanhänger sind in allen Klassen, besonders unter Arbeitern, vertreten. „Trotzdem haftet Fußball der Geruch an, ein Zeitvertreib und bloßes Vergnügen der unteren Schichten zu sein“, sagt der Historiker. „Die Zahl der Fußballanhänger im gehobenen Bürgertum ist damals klein. Wer immer zu diesen Kreisen gehört, bemüht sich in der Öffentlichkeit sehr darum, sein Interesse am Fußball zu verbergen.“

Der Sieg der deutschen Mannschaft wird auch als Wunder von Bern bezeichnet. Das bezieht sich auf die sportliche Situation. Im Finale gegen die Ungarn zu gewinnen, die bis dahin 32 Spiele ungeschlagen sind – eine Sensation. Dass der Gewinn der WM 1954 die eigentliche Gründung der Bundesrepublik ist oder ein nachhaltiges Gefühl des „Wir sind wieder wer“ herrscht, sieht Brüggemeier skeptisch. „Für einen Moment des Rausches gelingt es, die Unterschiede von Herkunft, Politik, Konfession, Ausbildung oder Einkommen beiseitezuschieben. Als die Bevölkerung zu ihrem Alltag zurückkehrt, ist die Bundesrepublik so vielfältig, unsicher und gespalten wie zuvor.“

1974, wieder liegen sich deutsche Nationalspieler in den Armen. Die WM findet dahoam statt. Beckenbauer, Breitner, Overath, Müller: Die Deutschen schlagen die Niederlande im Finale in München 2:1. Dieses Mal können sich Spitzenpolitiker nicht entziehen: Bundespräsident Walter Scheel (FDP) überreicht den Pokal an das Team von Helmut Schön. Der gesellschaftliche Durchbruch des Fußballs gelingt, wie Brüggemeier sagt.

Die Medien hatten auch ihre Finger im Spiel

Dass der Sport in den folgenden Jahrzehnten sprunghaft populärer wird, hat für Historiker Franz-Josef Brüggemeier zwei Gründe: Zum einen haben die Medien Einfluss. „Es ist ein gegenseitiges Hochschaukeln“, sagt er. „Die Bild-Zeitung hätte wohl nur ein Zehntel ihrer Leser ohne Sport.“ Die Sportzeitschrift Kicker gibt es damals schon gut 50 Jahre, feiert diesen Monat ihr 100-jähriges Bestehen. Fernseh-Rechte an der Bundesliga werden von Ende der 80er Jahre an privatisiert. Fußball im TV kostet das Dreifache pro Saison, etwa 40 Millionen Mark, die Spiele werden in Shows präsentiert. Zweitens entstehen neue Stadien und Mannschaften wie Bremen, Leverkusen, München sind international erfolgreich.

"Im Kampf um den Ball schwindet die weibliche Anmut"

Die Nationalmannschaft sowieso, sie holt 1990 ihren dritten WM-Titel. In dem Jahr, in dem mehr als 21.000 deutsche Fußball-Vereine etwa vier Millionen Mitglieder haben. Das ist das Dreifache im Vergleich zu 1954. Darunter sind viele Mädchen bis 16 Jahre und Frauen. 2000 sind es gut 800.000. Und das, obwohl es Frauen von 1955 bis 1970 verboten ist, in Vereinen des Deutschen Fußball-Bundes zu spielen. Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Ultra-Fan Jennifer Schnabel
Bild: Privat

Frauen als Spieler auf dem Platz, als Fans im Stadion, das ist in Deutschland längst normal. Womit wir bei Gesprächspartner Nummer zwei wären. Einer Frau, die zwar nicht selber Fußball spielt, aber deren Blutdruck höher schnellt, wenn sie den Ball umherfliegen sieht. Besser: ihren FC Augsburg (FCA) siegen sieht. Jennifer Schnabel, 25, ist FCA-Fan, seit sie zwölf Jahre alt ist. Fußball ist ein bedeutender Teil ihres Lebens – und sie sieht ihn kritisch.

Mit dem FCA bis nach Alkmaar und Belgrad

33 von 34 Saisonspielen im Stadion zu sehen ist Schnabels Rekord. Wahnsinn, wie viel Zeit und Geld da draufgeht. Als Augsburg in der Saison 2015/16 Europa League spielt, ist sie bei sechs von acht Partien im Stadion. Fährt mit vielen anderen Fans nach Liverpool, Alkmaar, Belgrad. Wenn Schnabel von Heimspielen redet, sagt sie, dass sie ins Schwabenstadion geht. Den Sponsorennamen des Stadions zu nennen, ist für sie keine Option. Da ist sie Traditionalistin.

Jennifer Schnabel gehört den Ultras des FC Augsburg an, der Gruppe Legio Augusta. Die Fans fahren für ihren Verein überall hin, setzen sich für traditionelle Werte und gegen Kommerzialisierung ein. Ultras reden wenig mit der Presse, Jennifer Schnabel tut es trotzdem. Aber in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins Ulrich-Biesinger-Tribüne (UBT), das betont sie. Der Verein hat 350 Mitglieder und möchte Ultras, Fanklubs, Einzelpersonen vereinen. Dass Stimmung im Stadion herrscht – dafür zum Beispiel setzt sich der Verein ein.

Zwei Monate ohne Fußball und Stadion? "Schrecklich!"

Im Biergarten des Unikums im Augsburger Univiertel bestellt Jennifer Schnabel Wasser und legt ein Notizbuch mit einem Aufkleber der Augsburger Puppenkiste auf den Holztisch. Wie war es für die Augsburgerin, während Corona zwei Monate ohne Fußball auszukommen? Und bei den Geisterspielen nicht ins Stadion zu dürfen? „Schrecklich“, sagt Schnabel, die Materialwissenschaften studiert und bald promovieren möchte. „Ich hatte auf einmal alle Wochenenden frei und wusste nicht, was ich machen soll.“

Obwohl Jennifer Schnabel Fußball liebt, sagt sie: „Die Spiele hätten nicht stattfinden sollen. Geisterspiele sind nicht das, was Fußball ausmacht. Er ist nicht systemrelevant.“ Dass Fußballer zwei- bis dreimal je Woche auf Corona getestet werden, ist aus Schnabels Sicht nicht verhältnismäßig. Die Geisterspiele schaut sie nicht an, hört höchstens auf Bayern1 Konferenz. Und macht nebenbei etwas anderes.

Warum Fußball einen so hohen Stellenwert in der Gesellschaft hat? „Man leidet, man feiert zusammen“, sagt Schnabel. Für sie ist Fußball wie eine zweite Familie und der FCA in zwei Mannschaften unterteilt. In das Team auf dem Platz und das auf den Rängen. Doch es gibt auch Fans, denen ist Profifußball mittlerweile zu aufgeblasen. Sie unterstützen lieber die Amateurmannschaft ihres Vereins in einer unteren Liga. Sie wollen den für sie wahren Fußball sehen.

Wovon ein Fan so träumt

Für die Zukunft des Sports ist es aus Schnabels Sicht wichtig, dass sich Ticketpreise nicht weiter erhöhen, besser sinken. „Wer mit der Familie zu einem Spiel geht, wird mit Sitzplätzen auf der Gegengerade 200 Euro los.“ Auch fangerechte Anstoßzeiten sind der Frau ein Anliegen. Damit sie nicht für ein Sonntagabendspiel nach Gladbach fahren muss. Ihr Traum ist es, dass alle Spiele am Samstag um 15.30 Uhr losgehen und der FCA mal wieder im Rosenaustadion spielt. Traditionalistin eben.

Sport-Soziologe Gunter A. Pilz
Bild: Privat

Anruf in 29336 Nienhagen, Nähe Hannover. Am Apparat ist Gunter A. Pilz, 74, Sportsoziologe. Er ist Berater des Deutschen Fußball-Bundes für gesellschaftliche Verantwortung. Kümmert sich um Antidiskriminierung und Gewaltprävention. Also einer, der erklären kann, was Fußball mit einem macht. Egal ob vor dem Fernseher, auf dem Platz oder auf der Stehtribüne.

"Ein wichtiger Faktor ist Spannung"

Warum hat der Fußball in Deutschland die Bedeutung, die er hat, Herr Pilz? „Ein wichtiger Faktor ist Spannung“, sagt der Niedersachse. „Erstligisten sind im Pokal nicht davor gefeit, gegen einen Dritt- oder Viertligisten zu verlieren.“ Auch wer ein Fußballspiel neutral anschaut, sucht sich laut Pilz ein Team aus. „Das ist im Theater, in der Oper oder im Film nicht so. Da muss ich mich nicht für jemanden entscheiden.“ Fußball gleicht laut Forscher Pilz den Trieb- und Affekthaushalt aus. „Ein Spiel im Stadion zu verfolgen, hat einen reinigenden Effekt. Wir kommen geläutert zurück. Sehen wir von Spielen ab, deren Ausgang uns negativ stimmt.“ Vielleicht gibt es deshalb so viele Bayern-Fans. Acht Titel in Folge, manche Kinder haben noch nie einen anderen Meister als München erlebt.

Andere Fans weinen schon mal, wenn der Verein wegen der Auswärtstorregel den Aufstieg verpasst oder ein langjähriger Trainer Abschied nimmt. „In der Schule oder im Betrieb müssen Menschen ihre Bedürfnisse unterdrücken“, sagt Pilz. „Beim Sport oder Konzert ist das Gegenteil gewünscht. Wenn wir unsere Emotionen da nicht rauslassen, passiert das vielleicht in einem anderen Umfeld.“ Menschen verhielten sich im Stadion losgelöster. „Ein Manager auf der VIP-Tribüne äußert sich manchmal schlimmer als ein Bauarbeiter auf dem Stehplatz.“

Total einfach: Vier Jacken, ein Ball und los

Fußball, sagt Pilz, sei die Sportart Nummer eins in Deutschland, weil sie einfache, überschaubare Regeln hat. Vier Jacken als Tore, ein Ball in die Mitte, los geht’s. Auch wegen seiner Einfachheit könnten Menschen laut Pilz unabhängig vom sozialen, kulturellen Hintergrund sowie Bildungsniveau mitreden. „Wir kennen das von großen Turnieren: Da gibt es 80 Millionen Bundestrainer. Der Maurer redet mit dem Vorstandsvorsitzenden auf Augenhöhe über die verpasste Torchance zum 2:1.“ Diese integrative Kraft sei unheimlich wichtig für die Gesellschaft, sagt Pilz. Auch wenn ein Dortmund- und Bayern-Fan unterschiedliche Ansichten hätten. Pilz ist Bayern-Fan, also einer, der oft jubelt.

Stadion und Sportplatz bezeichnet Pilz als Rückzugsort. Werden aber nicht gerade dort Grenzen überschritten? Etwa wenn die Reifen des Autos des Schiris kaputt sind und Spieler mit Nasenbeinbrüchen ins Krankenhaus müssen. „Das gibt es“, sagt Pilz. „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Was schlecht läuft, kommt überproportional oft vor. Journalisten sollten mehr über positive Dinge berichten.“ Fakt ist: In der Saison 2018/19 gibt es nur bei 6291 von 1,5 Millionen Spielen Vorfälle. Bei der Hälfte wegen Gewalt, beim Rest ist es Diskriminierung. 685 Spiele werden abgebrochen.

2003 war Tobias Rau DER Spieler des Länderspiels gegen Schottland

Letzter Gesprächspartner. Einer, der vor tausenden Zuschauern spielte, viel Geld mit Fußball verdiente und erzählt, warum er Fußball – so gut wie – Adieu sagte: Tobias Rau. Eines seiner besten Fußballspiele macht er, 38, gegen Schottland. Es ist ein Septemberabend 2003, Dortmunder Westfalenstadion, Qualifikation zur Europameisterschaft in Portugal. Der Trainer heißt Rudi Völler, er stellt Tobias Rau ins linke Mittelfeld. Deutschland gewinnt 2:1, schafft die Qualifikation. Rau wird zum Spieler des Spiels gewählt.

Ex-Profifußballer Tobias Rau
Bild: Privat

Tobias Raus ganzes Leben ist von 14 bis 27 Jahren auf Fußball ausgerichtet. Er durchläuft die Jugendnationalmannschaften von der U15 bis zur U21. Sein Abitur macht er mit Ach und Krach, muss aber auf die Zeugnisausgabe und eine Studienfahrt nach Elba verzichten. Freunde gehen auf Partys, er aber sitzt im Hotelzimmer, weil am nächsten Tag ein Spiel ansteht. Dagegen seine Bilanz: sieben Nationalmannschaftseinsätze, drei Champions-League-Spiele, 116 Bundesligaspiele für Bielefeld, Bayern, Wolfsburg.

Doch irgendwann reißt Rau, damals 22, ein Muskel. Nicht der einzige Vorfall: Rau erleidet in seiner Karriere über 25 größere Muskelverletzungen, mal am linken, mal am rechten Bein. Über die Entscheidung, seine Karriere mit 27 Jahren zu beenden und in Bielefeld zum Wintersemester 2009 ein Lehramtsstudium zu beginnen, sagt Rau: „Ich bin sicher, dass ich das nie bereuen werde. Ich hätte nicht das machen können, was mich glücklich macht.“

Nach der Königsklasse in der Gesamtschulklasse glücklich

Heute ist Tobias Rau Sport- und Biolehrer an der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule in Werther im Kreis Gütersloh – und glücklich. Wie denkt er, der sich damals bewusst gegen Fußball entscheidet, über Fußball heute? „Es ist erschreckend, wie hoch Transfersummen sind“, sagt Rau. Wenn ein Spieler 100 Millionen Euro koste, verzeihe man ihm keinen Fehler.

Fußball werde immer Teil seines Lebens bleiben, sagt Rau. Seit zwei Jahren sitzt er im Aufsichtsrat von Eintracht Braunschweig, Verein seiner Heimatstadt. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ Warum Fußball? So einfach kann die Antwort sein.

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