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Kontra-Kommentar
25.09.2021

Wahlabend mit Freunden verbringen? Nein, Politik ist Privatsache

Wahlpartys mit Freunden – mit jeder Hochrechnung wird es heikler.
Foto: Henning Kaiser, dpa (Symbolbild)

Der Besuch einer Wahlparty ist ungefähr so entspannt wie eine Schnorchelrunde im Haifischbecken, findet unsere Autorin – und schaut lieber in Ruhe.

Der Besuch einer Wahlparty ist ungefähr so entspannt wie eine Schnorchelrunde im Haifischbecken. Am besten also: Man lässt sich gar nicht darauf ein. Denn so ein Abend kann nur schiefgehen. Die Einladungen klingen ja immer sehr nett. Schnittchen und Sekt, Bierchen und dann Würstel vom Grill. Nebenbei läuft der Fernseher und die Prognosen flimmern auf dem Bildschirm. Das ist der harmlose Teil der Veranstaltung, die aber nicht selten einen eigenwilligen Verlauf nimmt. Mit jeder Hochrechnung – und jedem Bierchen – wird’s heikler.

Lieber allein schauen, dann quatscht niemand in die Wahlanalyse hinein

Spätestens nach der ersten Wahlanalyse nehmen die Diskussionen ihren Lauf. Über die Zukunft des Landes. Oder die Versäumnisse in der Vergangenheit. Oder wie es nur – armes Deutschland! – so weit hat kommen können. Oder dass man jetzt – aber mal ernsthaft – auswandern müsse. Noch ein Bierchen später – wissen dann alle, wie es besser geht. Und bei der Elefantenrunde dann, wer wirklich überhaupt nichts könne. Das ist der ungemütliche Teil der Wahlparty. Freunde äußern plötzlich Ansichten, die man nie vermutet hätte, und, wenn man darüber nachdenkt, auch gar nie wissen wollte. Flüchtige Bekannte fordern zum Kollektiv-Jubeln auf. Oder eine Depri-Stimmung entsteht. Wie da jetzt beherzt juchzen, wenn man der politische Außenseiter der Veranstaltung ist?

Deshalb: Schnittchen, Bierchen und Würstel gibt es auch zu Hause. Sekt findet sich auch noch irgendwo. Aber niemand quatscht ungefragt in eine Wahlanalyse hinein. Und noch viel wichtiger: Man kann jubeln, juchzen, ächzen, schimpfen, den Kopf schütteln, ganz so, wie man sich fühlt. Politik und Religion sind Privatsache. Diese Überlebensregel gibt es mit gutem Grund. Leider wird sie viel zu selten angewendet.

Lesen Sie dazu auch den Pro-Kommentar von Stefanie Wirsching.

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