75 Vespa-Geschichten fürs Herz: Von Liebe, Abenteuern und Pannen

Foto: Müller

Die Vespa wird demnächst 75 Jahre alt und hat das Leben vieler unserer Leserinnen und Leser geprägt. 75 besonders schöne Geschichten haben wir hier für Sie.

Die Vespa wird am 23. April 75 Jahre alt - viele wunderbare Geschichten und Abenteuer mit diesem besonderen Gefährt sind auch in der Region entstanden. Wir hatten unsere Leserinnen und Leser aufgerufen, uns ihre besonderen Roller-Erlebnisse zu schicken. Die Resonanz war überwältigend. Hier eine kleine Auswahl aus den Vespa-Liebesgeschichten, die uns erreichten. Alle Vespa-Bilder, die uns zugeschickt wurden, haben wir zudem in einem Voting gesammelt - hier können die Leserinnen und Leser abstimmen, welches Bild das schönste ist. Vorbeiklicken lohnt sich. Wir danken allen Vespa-Fans, die sich am Aufruf beteiligt haben, für diese großartigen Bilder und Geschichten, wünschen allzeit gute Fahrt und allen Leserinnen und Lesern viel Spaß bei dieser kleinen Zeitreise:

1. "Moto-Flinki" war schneller als der Regen

Stephanie Schiegg: Anfang der 80er Jahre kaufte mein Vater für seine tägliche Fahrt von Ludenhausen zur Arbeit nach Landsberg den von uns Kindern heißgeliebten roten "Moto-Flinki". Ab und zu drehte er am Sonntag mit uns Kindern eine Runde, was sich großer Beliebtheit erfreute. Bei Regen fuhr er angeblich so schnell, dass er "unter dem Regen" hindurchflitzte, was meinem Vater die größte Bewunderung von uns Kindern einbrachte. Leider war ihm nach einem kalten Winter klar, dass der "Flinki" nicht wintertauglich war und er wurde wieder verkauft. Statt dessen kam eine, ebenfalls von uns Kindern geliebte orange "Ente" auf den Hof. Das Bild zeigt mich 1983 im Alter von 8 Jahren mit mit meinem Vater Hermann Kümmeth in Ludenhausen auf unserem "Moto-Flinki".

Stephanie Schiegg im Jahr 1983 mit ihrem Vater auf "Moto-Flinki".
Foto: privat

2. Als Zweijähriger auf der Vespa von Oldenburg nach Tölz

Heribert Sangl aus Landsberg: Meine Eltern und ich, zwei Jahre alt, fuhren 1953 mit der Vespa von Oldenburg nach Bad Tölz. Vater montierte eine Windschutzscheibe und dahinter einen Kindersitz. Dieser Sitz stammte von einem Traktor. So fuhren wir los. Meine Mutter, mein Vater und ich. Auf den Lenker wurde noch ein Kissen befestigt, damit ich schlafen konnte. Das ganze Reisegepäck trug meine Mutter im Rucksack. Am ersten Tag fuhren wir bis in den Spessart. Autobahnen gab es auf dieser Route noch nicht. Wir übernachten auf der Veranda einer Holzfäller Hütte. Nachts wurden wir durch fressende Wildschweine geweckt und hatten fürchterlich Angst. Morgens fuhren wir dann weiter nach Tölz, zur Schwester meines Vaters. Alle waren glücklich. Nach zwei Wochen Ferien fuhren wir die ganze Strecke zurück.

Der kleine Heribert auf der Vespa seiner Eltern.
Foto: privat

3. In Italien für Staunen und Hupen gesorgt

Pia Paulsteiner, Seeg: Weil ich noch nie wirklich Italien bereist hatte, obwohl es doch das Reiseziel Nummer 1 ist, wollte ich mir gerne mal Zeit nehmen, um das Land kennenzulernen. Und was passt besser dazu, als eine alte Vespa? Die hab ich mir gekauft, um zwei Monate lang durch Italien zu kurven, von Seeg im Allgäu über die Schweiz und die Westküste bis Bari und entlang der Ostküste über Südtirol zurück (insgesamt um die 4000 km). Zwei kleine Koffer haben hintendrauf gepasst und haben bei den anderen Verkehrsteilnehmern immer für Staunen und Hupen gesorgt. Ich bin mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen, sei es, weil die Vespa nicht so wollte wie ich oder weil sie nicht glauben konnten, dass mein Nummernschildchen aus Deutschland kam. Das Bild zeigt mich vor dem Kolosseum in Rom.

Pia Paulsteiner fuhr auf einer Vespa von Seeg aus bis in den Südzipfel Italiens. Hier ist sie mit ihrer Vespa in Rom vor dem Kolosseum.
Foto: privat

4. Vespa und Wadlwärmer

Manfred Boppel: Italien ist das Geburtsland meiner Vespa Sprint, Baujahr 1966. Im heimischen Bayern damit einen Sonntagsausflug zu unternehmen, ist immer wieder schön. Wenn man dann auch noch im Trachtengwand unterwegs ist, macht es besonders Spaß und der Anblick zaubert so manchem ein freudiges Lächeln ins Gesicht. Meine Vespa ist für mich eine "Liebe fürs Leben".

Manfred Boppel in Tracht auf seiner Vespa.
Foto: privat
Manfred Boppels Freundin Mary ist auch Vespa-Fan.
Foto: privat

5. Wie der Vater, so der Sohn

Daniele Gueccia, Kaufbeuren: Meine ersten Mitfahrten auf der weißen "Vespa 50 Special" meines Vaters durfte ich bereits im Alter von vier Jahren erleben. Das war der Anfang einer großen Liebe und Leidenschaft zur Vespa. Mein Vater hat mir immer wieder über die Jahre erzählt, mit wie viel Arbeit und Mühe er sich das Geld für seine Vespa zusammengespart hat. Zitat: "40 Tage musste ich zur Weinernte gehen, damit ich mir diese Vespa kaufen konnte." Diese Worte waren für mich sehr prägend und zeigten mir die hohe Wertschätzung. Eines war klar, meine erste eigene Vespa musste die gleiche sein, eine weiße "Vespa 50 Special"! Gesagt, getan! Da eine Vespa nicht ausgereicht hat, folgten über die Jahre viele weitere und somit begann die Sammelleidenschaft. Eine davon ist die im Bild. Diese Vespa habe ich mit viel Liebe aufgearbeitet und komplett restauriert. Für mich eine ganz besondere Vespa, da sie doch eher selten ist. Fakt ist: Einmal Vespa, immer Vespa! Eine Vespa zu fahren ist nicht vergleichbar mit anderen Rollern. Es ist ein einzigartiges Gefühl, das man nicht beschreiben kann. Vespafahrer wissen, wovon ich rede! Es wäre schön wenn wir in Kaufbeuren ein Vespa-Treffen organisieren könnten, das wäre ein kleiner Traum.

Daniele Gueccia mit einer seiner Vespas.
Foto: privat

6. Mit diesem Roller habe ich mein Haus gebaut!

Nicolo Gueccia: Vespa, ein Name mit dem ich sehr viele Erlebnisse in meinem Leben in Verbindung bringe! Viele Tage harte Arbeit musste ich für Sie leisten. Meine ganze Jugend hat sie mich begleitet. Sie war zu damaligen Zeiten der Ausdruck von Mobilität, Freiheit und Unabhängigkeit! Heute gehegt und gepflegt, früher aber auch als Nutzfahrzeug genutzt. Mit diesem Roller habe ich mein Haus gebaut! Bis zu 4 Zementsäcke habe ich damit auf einmal transportiert! Es waren andere Zeiten, heute gar nicht mehr vorstellbar. Im Sommer, wenn ich in meine Heimat fliege, mit meiner Vespa am Strand entlang fahre, fühle ich mich in meine Jungend zurückversetzt. Ein unbezahlbares Gefühl. Meine Kinder und Enkel hat die Vespa-Liebe ebenso erwischt, was mich sehr stolz macht. Bis zum heutigen Tage bin ich immer noch im Besitz meiner ersten Vespa.

Nicolo Gueccia in jungen Jahren mit seiner Vespa 50 Special am Strand in Sizilien.
Foto: privat

7. "Meine Vespa hat mich gefunden"

Markus Kraus aus Augsburg: Es stellt sich immer die Frage, wie kam ich zu meiner Vespa? Bei mir war es anders herum. Wie kam die Vespa zu mir? Es muss Anfang der 90er gewesen sein, als ich in der Samstagsroutine mit meinem Vater beim Wertstoffhof war. Nach fast allen Entsorgungen hatten wir noch einen alten Toaster, der in den Schrottcontainer musste. Der, natürlich schon voll, und die Containertüren geschlossen. Also rauf auf die Leiter und rein mit dem Toaster. Und da lag Sie "entsorgt, verbeult" zwischen Altmetall und kaputten Toaster - meine heutige Vespa. Der erste Gedanke war: Erste Hilfe! Wir bargen das gute Stück. Sie sprang auch noch einmal an, gab aber dann leider den Geist auf. Ab nach Hause, bewundert, laienhaft zerlegt, zum Karosseriebau gegeben, den Originallack vom Lackiermeister lackieren lassen und dann ... ? Tja, dann stand sie da, als Skelett. Ausgeschlachtet, leider ohne Wissen sie wieder zusammen zu bekommen. Die Jahre vergingen und leider auch das Interesse zu diesem Fund. An meinem 18. Geburtstag, den Fokus längst auf PKWs gerichtet, bekam ich von meinen Eltern etwas, was ich nicht erwartet habe: meine vollrestaurierte Vespa. Seit je her, hat diese einen Platz in meinem Herzen gefunden. Ein Schmuckstück, ein Familienmitglied, an dem heutzutage meine Kinder ein leuchten in den Augen haben, wenn wir zusammen über die Landstraße cruisen.

Vor Jahren aus dem Schrottcontainer geretten, noch immer heiß geliebt: die Vespa von Markus Kraus.
Foto: privat

8. Von Vespas umzingelt

Johannes Grasheu, Schweinspoint (Landkreis Donau-Ries): Ich bin 26 Jahre alt und restauriere Vespa-Roller seit ich 16 Jahre alt bin. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung mit knapp zwölf Vespas zu Hause. Auch ich meinem Freundeskreis hat nun fast jeder mindestens eine, oder sogar mehrere Vespas. Im Sommer machen wir häufig schöne Ausflüge, da ist auch das Bild am Timmelsjoch entstanden. Auch habe ich dadurch viele neue Freunde, die ebenfalls in Vespas verliebt sind, kennengelernt. Meine Sammlung beinhaltet mehrere 1. Serie-Modelle Baujahr 1964, 1966, 1967, 1968 und die jüngste Vespa stammt aus 1980.

Diese Vespa ist zusammen mit Johannes Grasheu aufs Timmelsjoch geknattert.
Foto: privat

9. Die erste Fahrt endete im Gartenzaun

Matthias Franek, Neusäß: Im April 1993 bekam meine Mutter diese Vespa V50 "Serie Limitata" von meiner Oma zum 50. Geburtstag geschenkt. Die Freude war groß, die erste Fahrt endete allerdings nach circa fünf Metern am Gartenzaun. Das Ergebnis waren diverse kleinere Verletzungen an der Fahrerin sowie eine verbeulte Vespa. Daraufhin wanderte die neue, aber ziemlich zerknitterte Vespa in die Garage und später in den Gartenschuppen, um 2007 wieder von mir entdeckt zu werden. Ich beschloss, die Dame (also die Vespa) wieder auf Vordermann zu bringen und sie meiner Mutter erneut zum Geburtstag zu schenken. Wobei meine Mutter auch jetzt die Vespa lieber aus der Ferne betrachtet und das Fahren lieber mir überlässt. Das erste Bild entstand nach der Fertigstellung der Arbeiten 2007. Zu sehen sind meine Kinder Janina, Lea und Manuel. Das andere haben wir vor Kurzem gemacht.

Janina, Lea und Manuel auf Omas Vespa im Jahr 2007. Noch heute ist die kleine Rote im Familienbesitz.
Foto: privat

10. Die Vespa ging hoch, der Sozius lag auf der Straße

Michael Janka: Sommer 1963. Samstag Disco Besuch, natürlich standesgemäß mit Vespa. Freund auf der Rückbank. Gegen Mitternacht Abfahrt. Die Vespa hatte einen kleinen Defekt, nennt man Kupplungsrupfen. Hinweis an meinen Freund: Halte dich fest. Er nahm die bevorzugte Fahrtposition ein: Hände auf den Oberschenkeln. Nachdem sich eine Reihe von Disco Besuchern im Freien etwas abkühlten und den Rauch aus den Klamotten ziehen ließen, sah ich mich schon genötigt eine Kavaliersstart hinzulegen. Folge: Die Vespa ging vorne hoch, der Sozius viel rücklings auf die Straße, sein feiner Zwirn wurde staubig und die Zuschauer haben geklatscht.

Michael Janka mit seiner Vespa.
Foto: privat

11. Ohne Erlaubnis der Eltern den ersten Roller gekauft

Anna Thomen: Alte Vespa-Roller habe ich schon als kleines Mädchen geliebt und mein größter Wunsch war, selbst einmal einen zu besitzen, sobald ich alt genug zum Fahren war. So habe ich mir trotz der Bedenken und ohne die Erlaubnis meiner Eltern meinen ersten Roller, eine 50 N gekauft. Der Roller brachte jedoch gleich zu Beginn große Schwierigkeiten mit sich und es ging dauernd etwas kaputt. Da ich zuvor noch nie wirklich Werkzeug in der Hand hatte, geschweige Ahnung von Motoren und Technik hatte, wurde mir klar, dass ich ohne Hilfe den Traum eines funktionierenden Rollers nicht erfüllen konnte. Mithilfe meiner Brüder reparierten wir zunächst Kleinigkeiten und haben uns dann an einen Bekannten um Hilfe gebeten. Er hat mich eingeladen mit anderen Vespa Fahrern eine Tour zu fahren und ich lernte Freunde kennen, mit denen ich nun seit über zehn Jahre eine enge Freundschaft pflege. Da ich schnell merkte, mit einer 50er Vespa komme ich nicht weit, machte ich noch im selben Jahr meinen Motorradführerschein und kaufte mir eine VBB 1T 150 ccm, die ich zusammen mit einer Freundin restaurierte. Was folgte, waren unzählige Rollertreffen, Urlaub in Italien und Frankreich, Ausfahrten und unsere jährliche Alpenüberquerung. Ich liebe die Vespa, da sie ein Stück Vergangenheit und den Charme von einer schönen Zeit widerspiegelt, in der Design, Qualität und Handarbeit im Vordergrund standen. Bis heute schraube ich regelmäßig an meinen treuen Gefährten, genieße Ausfahrten mit Freunden und erlebe unvergessliche Momente. Für manche mag es nur Blech sein, für mich ist es das schönste Fortbewegungsmittel der Welt.

Anna Thomen mit ihrer geliebten grünen Vespa.
Foto: privat

12. Mit Papa auf Hausbesuche gefahren

Dr. Klaus-Peter Stiller: Das Bild zeigt meinen Bruder Hans auf der Vespa unseres Vaters im Jahre 1958. Mit diesem stolzen Gefährt fuhr unser Papa, Doktor Hans Stiller, als Praktischer Arzt seine Hausbesuche. Er versorgte nicht nur Lechhausen, sondern auch alle Dörfer bis Haunswies und Haberskirch. Und oft war einer von uns Brüdern mit auf einem eigenen kleinen Sitz zwischen den Beinen des Fahrers dabei. Es gab noch nicht viel Verkehr und keine Sturzhelme. So kamen wir auf den Geschmack und wählten beide auch den Beruf des Hausarztes. Die Vespa war wirklich ein ganz tolles Gefährt. Lange musste man darauf sparen ...

Der kleine Hans auf Papas Vespa. Er und sein Bruder rollerten mit dem Arzt auch auf Hausbesuche - und ergriffen viele Jahre später denselben Beruf.
Foto: privat

13. Ich sparte auf die Vespa und aß nur noch Brot mit Griebenschmalz

Rolf Bless: Als ich als junger Mann 1957 von zu Hause ausgezogen war, fand ich eine Bleibe im Kolpingshaus in der Frauentorstraße. Eines Tages sah ich in der dortigen Unterstellgarage eine gebrauchte, grau lackierte Vespa stehen. Ich war sofort über den guten Zustand hellauf begeistert und tat gleich dem Besitzer kund, dass ich ich sie ihm gerne abkaufen würde. Denkste. Er meinte, er sei sich noch nicht sicher, ob er sie jetzt schon verkaufen würde, und wenn dann nur für 800 DM. Mir wurde ganz anders bei dieser Summe, und weil er sich nicht erweichen ließ, mir mit dem Betrag entgegen zukommen, nachdem er noch weitere Kaufinteressenten habe. (Wenn man bedenkt, dass damals eine durchschnittliche Arbeitnehmerfamilie mit zwei Kindern über ein Monatseinkommen von rund 470 DM brutto verfügte und ich übrigens als Lehrling bei der Augsburger Zeitung dementsprechend entlohnt wurde).

Also war mein Traum viel zu teuer, und trotz alledem wollte ich die Vespa, nein, ich musste sie partout haben, auf Teufel komm raus. So fasste ich den Entschluss und begann sofort mich zu kasteien und an allem, was irgendwie möglich ist, zu sparen. Das sah so aus, dass ich nicht mehr unter die Leute ging, mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr und anschließend nur noch zu Hause blieb. Und jetzt noch der Hammer: Ich ernährte mich von morgens bis abends, jeden Tag, ca. ein halbes Jahr lang, von einem Kipf (2 Pfund) Schwarzbrot zu 70 Pfennig mit Griebenschmalz und einer Prise Salz. Und dann endlich kam für mich der große Tag, an dem ich als 17-Jähriger überglücklich die Vespa in Empfang nahm. Mein Vater musste noch für mich bürgen, weil ich damals noch nicht volljährig war. Dann begann für mich ein toller Abschnitt in meiner Jugendzeit. Als erstes wurde der graue Roller umlackiert in Fliederfarbe, was damals ein Hingucker war.

Dann habe ich weiter gespart und immer wieder im Zubehörhandel jegliches verchromtes Ersatzteil zur Verschönerung besorgt. Mit dieser schönen Vespa war ich dann täglich entweder alleine oder mit der Clique unterwegs, natürlich zum Treffen oder Überqueren von dem Pilz (Königsplatz Straßenbahn Dreieck). Mit der Vespa in der Stadt war man ruckzuck mit anderen Vespafahrern im Pulk unterwegs, und die Krönung waren dann auch die Mädchen mit Pettycoat im Damensitz auf dem Roller sitzend. War das eine schöne Zeit in meiner Jugend, und so habe ich auch etliche Bekanntschaften gemacht, darunter auch Mädchen, die mir sagten sie würden meine Vespa putzen, wenn ich nur mit ihnen eine Runde durch Augsburg knattere. Auch sporadisch schöne Ausflüge im Umkreis von Kaufbeuren bis zu einer Freundin in Landshut habe ich im Schnitt mit ca. 85 Km/Std. absolviert. Diesen Artikel habe ich eigentlich nur dazu geschrieben weil man sich solch eine Geschichte in der heutigen Zeit nicht mehr vorstellen mag, was auch die Liebe zu einem Roller bewirken kann.

Um sich seine Vespa kaufen zu können, nahm Rolf Bless einige Entbehrungen in Kauf.
Foto: privat

14. Sogar der Familienhund sprang auf

Nadine Solygan: Ja, die Vespa Liebe begann schon früh! Als Kind war es schon toll vorne mit zufahren ... Und heute hat mein Papa die Vespa-Leidenschaft an alle Kinder weitergegeben und seine ausgebaut! Heute steht nicht nur eine in der Garage sondern 10! Meinen Mann und Schwiegerpapa hat er auch angesteckt, und nun machen die zwei Oldies mittlerweile ihre Vespa-Tour bis an den Gardasee, und wenn mal was kaputt geht, wird es an Ort und Stelle repariert. Mein Papa kann so einige Geschichten mit seiner Vespa erzählen. Selbst der Familienhund war Vespa Fan und ist mit aufgesprungen und zum Baggersee mitgefahren. Da hat das Dorf vielleicht geschaut ... Wir drei Kinder sind jedenfalls alle zur Vespa gekommen und machen damit tolle Famiienausflüge. Ich bin mächtig stolz, so einen coolen Papa zu haben der von seinen Vespa Abenteuer erzählen kann. Das auf dem Bild bin ich, heute 35 Jahre alt und damals gerade 2 Jahre. Den Helm gibt es noch heute und wird an meine Tochter weitervererbt.

Nadine Solygan als Zweijährige auf der Vespa ihres Vaters. Inzwischen ist sie Erwachsen und hat eine eigene Vespa.
Foto: privat

15. Mit der Vespa bis nach Tunesien

Markus Reuß: Diese Fotos stammen aus dem Jahr 1990 als ich mit meinen Kumpels von Augsburg über Genua mit der Fähre nach Tunesien bin. Mit meiner Vespa war ich dreimal dort. Auch Marokko, England und natürlich auch Italien wurden mit der Vespa bereist. Die Ersatzteile waren immer dabei. Keine Ausfahrt ohne das man etwas richten musste. Es war eine unglaublich schöne Rollerfahrerzeit. Am Roller-Kö habe ich übrigens vor 26 Jahren meine Frau kennengelernt. Heute fahren wir eine Vespa Supernotte 300 GTS mit Malossi Auspuff.

Markus Reuß ist zusammen mit Freunden auf Vespas bis nach Tunesien gefahren.
Foto: privat

16. In der Schweiz bekamen wir "Hundefleisch"

Artur Stadler, einst Augsburg, heute Plauen: In Memoriam an meinen Freund Peter. Vor 60 Jahren, im Spätsommer 1961 packten wir, mein Freund Peter und ich, gerade 19 geworden und mit einjähriger Vespa-Erfahrung Koffer und Tasche auf mein Gefährt und tigerten los in Richtung Süden. Der grobe Touren- und Übernachtungsplan hieß für eine Woche: Bregenz, Zürich, Lago Maggiore und Südtirol. Geplant nach der Straßenkarte. Von steilen Bergpässen, komplizierten Grenzkontrollen oder Hotelübernachtungen und Geldwechsel/Umgang mit Devisen hatten wir bestimmte Vorstellungen, aber wie sich dann herausstellte: keine Ahnung. Mut und Ehrgeiz auf dem Kult-Roller trieben uns hinein ins Abenteuer. Die Tage in Bregenz und Zürich waren noch gut handelbar aber dann ging's in die Italienische Schweiz. In der Nähe von Bellinzona suchten wir eine Übernachtung, die unserem, inzwischen schon leicht geschrumpften Etat, mehr entgegenkam. In einem etwas abgelegenen Dorf mit etwa zehn Häusern, fanden wir ein Quartier. Eine Unterkunft mit gemauerten Wänden und zwei Betten, ohne Schrank und Haken, aber eine Zimmerbeleuchtung, die nur aus der Birne und Fassung bestand. Wasser zum Waschen gab‘s aus der Schüssel. Nach unserer Einquartierung gingen wir dann zum Essen in die Gaststube. Die Atmosphäre war wie in dem bekannten Räuber-Wirtshaus im Spessart. Wir hatten irgendwie Angst.

Allerdings konnten wir hier nach dem Züricher Geschnetzeltem vom Vortag, „kulinarisch“ wieder etwas dazulernen. Nachdem bei der Bestellung keine Verständigung zustande kam (wir verstanden kein Wort Italienisch und die Einheimischen kein Deutsch) wurde „Hundefleisch“ für uns aufgetischt. Was wir, wahrscheinlich der nicht gekonnten Übersetzung des Wirts tatsächlich so verstanden haben und nur sehr zögerlich gegessen hatten. Später wurde uns klar, dass es sich um Bündner Fleisch handelte, das wir bis dahin ja nicht kannten. Dafür ließen wir es einen Tag später in Ascona krachen. Hier fuhren wir mit der fleißigen Vespa vor ein gutes Hotel, aus dem beflissen ein Hotelpage sprang, um die Stricke aufzubinden, mit denen Koffer und Tasche auf dem Roller festgezurrt waren, um diese ins Haus zu tragen. Wir bestellten je ein Bad (Flur), dessen Temperaturen der Page mit dem Finger kontrollierte, um sie entsprechend zu korrigieren. Dann zogen wir unsere schicken blauen Anzüge zum ersten Mal an und gingen stolz ins Hotel-Restaurant. Hier machten wir endlich Bekanntschaft mit Antipasti , Spaghetti, Weinbergschnecken und mehr; dazu gab‘s roten Wein. Das hat alles lecker geschmeckt - leider teuer. Diese lukullische Bekanntschaft war sicher die Grundlage für unsere späteren Essgewohnheiten. Mit Übernachtung und Essen haben wir unser Budget äußerst strapaziert. Den Lago Maggiore umrundet, vorher mit Übernachtung in Ascona, fuhren wir weiter nach Südtirol, Richtung Meran, über das Stilfser Joch. Auf den Serpentinen erhielten wir öfter Beifall und Händeklatschen aus heruntergelassenen Fenstern von Autofahrern: die sich bestimmt dachten: „Die spinnen die zwei!“

Die Kondition ging uns aber nicht aus. Die zwei Nächte in der Nähe von Meran haben wir dann in einer günstigen sauberen Pension verbracht. Ernährt haben wir uns ausschließlich von gepflückten, sorry, geklauten Äpfeln, die so üppig und paradiesisch auf den Bäumen der Obstplantagen hingen. Nach Augsburg, nach Hause, ging's nur noch mit Benzingeld ausgerüstet, über den Jauffenpass und Brenner. Ab Innsbruck ununterbrochen im strömenden Regen und Ebbe in der Kasse. Aber wir hielten durch und kamen mit stolzer Brust zu Hause an. Diese Geschichten, es stecken natürlich noch viel mehr dahinter, stimmen ein Loblied auf die unverwüstliche, elegante und zuverlässige Vespa ein, der es sicher gefallen hat, ein bisschen in die Nähe ihrer Heimat gekommen zu sein.

Artur Stadler im Sommer 1961 mit seiner Vespa am Lago Maggiore.
Foto: privat

17. Auf dem Rückweg aus Jugoslawien streikte die Vespa

Markus Riedel: Im Jahr 1989 machte ich mich mit meinem Kumpel Stritzi auf den Weg nach Jugoslawien. Stritzi fuhr damals mit einer Vespa 135 DR. Unsere Vespas schnurrten wie Katzen und der ganze Hinweg lief perfekt ab. Wir verbrachten einen filmreifen Urlaub. Auf dem Rückweg jedoch gab Stritzis Vespa in Kitzbühl den Geist auf - natürlich als es auch noch in Strömen regnete. Da es damals keine Handys gab und keine Telefonzelle in Sicht war, beschlossen wir, Stritzis Vespa in Kitzbühl abzustellen und unsere Tour gemeinsam auf meiner Vespa zu beenden. Wieder in Augsburg angekommen, setzten wir uns am nächsten Tag in einen Ford Fiesta und fuhren zurück nach Kitzbühl. Dort verluden wir Stritzis Vespa mit Müh und Not in den Ford Fiesta und fuhren zurück nach Augsburg. Heutzutage hat der erfahrene Vespa-Fahrer auf seinen Touren natürlich immer Ersatzteile und Werkzeug dabei. Das macht Vieles einfacher, aber das Abenteuer mit meinem Kumpel Stritzi hätte ich dann wohl so nicht erlebt...

Markus Riedel im Jahr 1989, als er mit einem Freund bis nach Jugoslawien rollerte.
Foto: privaz

18. Für die Hochzeitsfahrt extra einen Führerschein gemacht

Kai Gradel: Die PX-200 stand einige Jahre beim Schwiegervater-in-spe ungenutzt im Garten. Unser Traum war es, sie für unsere Hochzeit als "Brautwagen" zu verwenden. Dafür musste ich erstmal einen Motorrad Führerschein machen. Ich habe die Vespa mit einem Kommilitonen komplett restauriert und für meine Frau noch eine Trittleiste für einen sicheren Damensitz montiert. Es war ein wunderschöner Tag und eine unvergessliche Fahrt von der kirchlichen Trauung zur Party. Hinter uns war ein langer Autokorso. Heute nutzen wir immer noch jede Gelegenheit um gemeinsam auszufahren (natürlich mit Helm).

Kai Gradel und seine Ehefrau bei einer unvergesslichen Vespa-Fahrt. Nicht im Bild: der lange Autokorso.
Foto: privat

19. Im Sommer mit der Augsburg-Vespa bis nach Rom

Moritz Götz aus Kleinkitzighofen: Sie hätte viel zu erzählen, die kürzlich erworbene alte Vespa T4 von 1960 aus den damaligen Augsburger Werken. Da ich etwas „ sehr Altes“ suchte, freue ich mich doch sehr über diese Errungenschaft. Die Vespa hat doch einiges erlebt, in den vielen Jahren, in den denen sie fleißig lief, Tag für Tag. Seit 1964 war sie doch ein zuverlässiger Begleiter. Doch dann kam die alte Dame in die Jahre und mit ihr wurden auch die Besitzer älter. Sie wurde teilzerlegt und in der Garage deponiert. Zerlegt kaufte ich sie letzten Juni mit all den vielen vorhandenen Teilen und brachte sie wieder auf Vordermann. Ich richtete den ganzen Winter und pünktlich zum Frühling läuft die alte Vespa jetzt. In diesem gut erhaltenen Originalzustand freue ich mich jedes Mal, wenn ich meine Garage betrete. Dann steht der Reise nach Rom heuer im Frühsommer hoffentlich nichts mehr im Wege?!

Mario Götz mit seiner Augsburg-Vespa, mit der er im Sommer nach Italien fahren möchte. Im Oberen Bild ist die Vespa mit einem Vorbesitzer zu sehen.
Foto: privat

20. Die Vespa wartet in Indien

Stefanie: Das Foto entstand 2012 in Mysore, Karnataka, Indien. Als heutige autorisierter Ashtanga Yoga Lehrerin fand ich damals dort diese wunderschöne Vespa und meinen Yoga Guru und somit den Punkt, der mein restliches Leben prägen würde. Jedes Jahr darauf kam ich für mindestens einen Monat dorthin zurück, bis mir die Liebe meines Lebens vor eineinhalb Jahren unseren Sohn schenkte. Nach Covid werde ich Familie und Indien-Vespa bekannt machen...

Stefanie mit ihrer Indien-Vespa.
Foto: privat

21. Mit 50 einenTraum erfüllt

Armin Zürtz, Gersthofen: Erst mit 50 Jahren konnte ich mir meinen Traum von einer alten Vespa P80X Baujahr 1981 erfüllen. Weil ja eine nicht genug ist, braucht Mann natürlich auch etwas Modernes für Touren fahren, nämlich eine Vespa GTS 300. Mann will ja schließlich auch weiter kommen. Ich liebe meine Vespas einfach!!!! Meine 2. und 3. Liebe nach meiner Frau natürlich.

Armin Zürtz hat sich mit 50 Jahren seinen Traum erfüllt und wurde Besitzer einer alten Vespa.
Foto: privat

22. Er hat uns mit seiner Vespa-Begeisterung mitgerissen

Richard Marxer: Hier sitze ich auf meiner 200er-Vespa mit dem Kennzeichen GZ-XU 17. Drei weitere Vespas waren auch auf GZ-XU .. zugelassen (außer der orangenen 50er ganz links im Bild). Gehört haben die vier anderen meinem Freund Christoph Nagenrauft, dem größten Vespa-Fan und Gründer des Vespa-Clubs Krumbach. Er hat mich durch seine große Begeisterung und Sammelleidenschaft für Vespa mitgerissen und deshalb habe ich mir 1991 - wie mehrere Freunde in Krumbach/Schwaben damals - auch eine Vespa angeschafft. Er gründete mit großem Engagement auch einen Vespa-Club in Krumbach, dem ich dann auch beigetreten bin. Zahlreiche Ausflüge und Ausfahrten führten uns weit im Schwabenländle herum. Ganz besonders toll war die Vespa-Urlaubsfahrt mit Übernachtungen im Zelt mit Christoph Nagenrauft nach Wolf an die Mosel und das dortige Weinfest!

Richard Marxer auf seiner 200er-Vespa.
Foto: privat

23. Mit 80 DM pro Monat abgestottert

Edgar Stadelmann, Bobingen: 1963, Im jugendlichen Alter von 20 Jahren, habe ich mir eine schicken Vespa mit 80 DM pro Monat von meiner Ausbildungsvergütung abstotterte. Dies war fast der gesamte Monatslohn. Und noch ein Foto von meiner "Motorbike-Biene" , meiner Braut und späteren Ehefrau im Jahre 1964. Nachdem ich elf Jahre stolzer Besitzer dieser Vespa war, habe ich sie schweren Herzens mit damaligem Wohnsitz Gersthofen nach Bobingen verkauft. Und wie es das Schicksal wollte, bin ich 25 Jahre später meinem Roller mit neuem Wohnsitz Bobingen gefolgt.

Edgar Stadelmanns Vespa mit Motorbike-Biene, seiner späteren Ehefrau.
Foto: privat

24. Zu Elvis ging's ab in den Graben

Günter Diepold, Augsburg: Als ich 1959 meine Freundin vom Rock'n Roll tanzen nach Hause fuhr, sie natürlich im Petticoat und Damensitz, sang ich das Lied "love me tender" von Elvis und wir landeten im Straßengraben. Mit dieser Freundin bin ich jetzt 60 Jahre verheiratet Meine schöne Vespa GS musste ich leider aus finanziellen Gründen beim ersten Autokauf 1964 verkaufen "Schade". Diesen Bild von meiner Vespa GS 150 mit meiner Freundin und jetziger Frau ist 1960 am Genfer See entstanden.

Mit dieser Vespa landete Günter Diepold mit seiner Freundin zu Elvis einst im Graben.
Foto: privat

25. Alte Liebe rostet nicht

Rudolf Rauch: Vor über 60 Jahren war ich Mitglied im Vespa Club Augsburg - dort wurden gemeinsame Ausfahrten und sportliche Geschicklichkeitssfahrten unternommen. Die Vespa GS 2 ist eine „Augsburgerin“ und wurde 1956 bei Messerschmitt gebaut - heute steht sie im Wintergarten und wird hin und wieder zum „Anrollen - oder Abgoggeln“, die organisierten Ausfahrten vom Roller-Kö, gefahren. Alte Liebe rostet nicht.

Rudolf Rauch mit seiner geliebten Augsburg-Vespa. In den 1960er-Jahren nahm er mit ihr auch an Geschicklichkeitsfahrten teil.
Foto: privat

26. Pokale für den Rennfahrer, Brot für die Elefanten

Kristina Pretsch: Mein Papa Werner, Mitglied des Augsburger Vespa Clubs, fuhr in den 50er und Anfang der 60er Jahre Rennen. Er nahm an vielen nationalen und internationalen Rennen teil, z. B. 1957 war er Jahressieger und Clubmeister vom Augsburger Vespa Club. Er belegte bei der deutschen Meisterschaft 1959 den 2. Platz und durfte an der Europameisterschaft Meran-Monza teilnehmen. Im Laufe der Jahre gewann er viele Preise und Pokale auf die er sehr stolz war. Er stellte sie in einer eigens dafür gebauten Vitrine aus. Auf dem ersten Bild bringt er auf seiner Vespa im Jahr 1959 leckeres Brot für die Zirkuselefanten. Das zweite Bild zeigt ihn 1957 auf einer Urlaubsreise nach Italien mit seiner vollbepackten Vespa.

Dieses Bild zeigt Kristina Pretschs Vater Werner, wie er gerade mit seiner Vespa Zirkuselefanten Brot bringt.
Foto: privat

27. Wir haben es knapp überlebt

Thomas Müller, Langerringen: Wenn ich den Staubschutz meiner Wespe (deutsch für Vespa) nach der Wintersaison wieder abziehe, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Wie sie so dasteht, in ihrer anmutigen Schönheit, mit ihren Kratzern, Beulen, Lackabplatzern und Schürfwunden. Jede Narbe erzählt einen Teil Ihrer Geschichte. Geboren in Italien im Jahre 1967 erlebte sie wohl so Manches mit ihren frühern Besitzern. Vor ca. sechs Jahren durfte ich in ihr Leben treten. Das Leben ist spurlos an ihr vorübergegangen, es waren nur die Wochenende die sie gezeichnet haben. Die durchzechten Nächte und die Last auf der Überholspur ihres Lebens. Jede Eskapade machte sie markanter. Als ich sie das erste Mal sah, erkannte ich ihre wahre Schönheit und wollte diese wieder aufleben lassen. So begann ich, mit meinen Vesparisti, sie zu neuem Leben zu erwecken. Sie bekam eine komplette Runderneuerung. Ein Jahr verging, mit viel Schweiß, öligen Händen, unendlichen Stunden der Tüftlerei und ab und an ein Bierchen für die Nerven. Die erste Probefahrt stellte sich dann als absolutes Desaster heraus. Kolbenfresser!

Unter großen Schmerzen für meine Vespa und mich, musste ich feststellen, dass alles umsonst war. Die ganze Arbeit!! Und wieder verging ein Winter im eigenen Schrauberkeller mit meinen Vesparisti, ohne die ich das alles niemals geschafft hätte! Nun kam der Tag der Tage. Die erneute Probefahrt. Und ... Sie fuhr wie eine italienische Göttin! Unrund und stark vibrierend, die Tachonadel tänzelte zwischen 0 und 50km/h hin und her. Man konnte nichts ablesen. Es war eher Zufall, die Gänge zu treffen, aber sie lief und das war einfach wundervoll. Nun was tun, jetzt wo sie läuft? Schnell zum Baggersee oder mal nach Schwabmünchenzum Lieblingsitaliener? Näääh, jetzt musste nach der langen und harten Arbeit was Großes her!!! Unerwartet, aber kurz entschlossen entschieden meine Vesparisti und ich, dass es in die Heimat der Wespen gehen muss. Gen Italien. Die unerwartete Reise sollte uns mit unseren 50ccm und einer Höchstgeschwindigkeit von knappen 50km/h mit Rückenwind und leichtem Gepäck auf das Timmelsjoch auf 2474 Meter Höhe bringen. Bis wir dann aus dem nächsten Tal zum Jaufenpass auf 2094 Meter Höhe weiterfuhren. In einer so dynamischen Zeit wie unserer, merkten wir erst, wie gefährlich es war, mit unter 50 km/h Maximalgeschwindigkeit in dieser Welt mithalten zu können. Wir wurden begleitet von Hupkonzerten, hatten ständig Sprühstöße von Scheibenwischwasser im Gesicht und ernteten nur böse Blicke. Ich gehe hier von keiner bösen Absicht der Autofahrer aus, möchte mich doch gleich für die Verkehrsbehinderung entschuldigen. Wir wurden ständig sehr knapp überholt und niemand dachte natürlich an unsere Bremsen vom Baujahr 67. Ich will nicht spoilern, aber wir haben es knapp überlebt...

Da bei uns die Sicherheit vor geht, hatten wir natürlich Lederbekleidung an! Unsere kurzen Trachtenlederhosen waren jedoch ab 1000m Höhe eher optisch en vogue, jedoch konnten sie hinsichtlich Kälteschutz nicht mehr ganz punkten. Aber wie gesagt, die Reise war ja unerwartet und sehr spontan. Auf der Fahrt kam es immer wieder vor, dass uns Teile unserer Wespen vom Vordermann entgegen kamen, da die Ladys doch sehr stark vibrierten und wie bekannt nicht die Jüngsten sind. Waren aber keine lebenswichtigen Teile und so konnten wir die Fahrt fortsetzen. Nach den ersten sechs Stunden Fahrt, hatten wir kein Gefühl mehr im Allerwertesten, konnten uns aber dafür wieder besser auf die Route konzentrieren. Die Luft wurde immer dünner und die Geschwindigkeit immer langsamer. Auf dem Timmelsjoch wurde ich beinahe von einer Kuh überholt.

Motorradfahrer fingen an uns zu grüßen, manche schüttelten aber auch nur verwundert den Kopf, wie wir es nur so weit geschafft hatten. Bei einer kurzen Pause fragten uns Motorradfahrer, wie irre man sein muss, um so etwas zu tun. Meine Antwort darauf: ausreichend! Halb erfroren aber glücklich, endlich am Jaufenpass angekommen zu sein, fingen die Leute am Straßenrand an, uns zu applaudieren. War schon ein tolles Gefühl. Am späten Abend und nach etlichen Stunden Fahrt waren wir mit unseren nun fast schwarzen Gesichtern froh, endlich am Hotel angekommen zu sein. Unsere Diven hatten uns wohlbehalten an unser Ziel gebracht. Wir waren überglücklich, dass sie die Fahrt gut überstanden hatten. Diese doch unerwartete Reise zeigte uns, dass man im Leben so gut wie alles erreichen kann, wenn man nur fest daran glaubt, wahre Freunde hat und genug Liebe in seine Wespe steckt. Tja und jetzt erstmal was essen und dann Öl nachfüllen ...

Wie irre muss man eigentlich sein, mit einem Fünfziger-Roller über die Alpen zu fahren? Das fragten Motorradfahrer Thomas Müller in luftiger Höhe. Das Fuffie-Trio bekam aber auch Applaus.
Foto: privat

28. Glücklich mit "Lampe unten"

Stefan Knauer: Meine "Lampe unten" habe ich 1996 gekauft. Als Vespa- und Italienfans wollten wir standesgemäße Einladungen für unsere Hochzeit gestalten. Wir sind immer noch glücklich zusammen. Meine Frau, meine Vespa und ich!

Stefan und Sonja Knauer mit ihrer "Lampe unten" beim Hochzeitseinladungen-Foto-Shooting.
Foto: privat

29. Mit Polizei-Eskorte ins Ziel

Vespaschmiede Schweinspoint: Wir sind ein junger Haufen bayrischer Buam, die seit Jahren an Vespas schrauben und auch regelmäßig Touren am Wochenende fahren. 2019 nahmen wir am Ötztaler-Mopedmarathon in Sölden (Österreich) teil. Hierbei fuhren wir über 200 Kilometer an zwei Tagen und dies auch über Serpentinen und Alpenpässe. Auf dem Weg machten wir einen ungeplanten Zwischenstopp in Meran, da wir uns über 50 km verfahren hatten. Deswegen waren wir die letzte Gruppe an diesem „Marathon“, was jedoch auch unser Glück war, irgendwie. Denn als Highlight der Tour durfte die letzte Gruppe, den Ötztaler-Mopedmarathon mit Polizeieskorte und dem Organisationsteam beenden und vor ca. 2000 anderen Fahrern und Zuschauern ins Ziel einfahren. Dies war ein unbeschreibliches Wochenende für uns alle!

Erinnerungsfoto an ein Wochenende mit Polizei-Eskorte.
Foto: privat

30. Auf der wilden Jagd nach den Ballontieren

Christine Dietrich: Im Juli 2003 entdeckt Monika, 6, beim Blick auf den blauen Himmel eine bunte Luftballonherde mit ca. 20 wilden Tieren über das Westallgäu schweben. Monika drängelt und bettelt ihre Mama an, die Verfolgung der Tierherde aufzunehmen. Mama Christa, seit 35 Jahren begeisterte Vespa-Fahrerin, zögert nicht lange. Tochter und Mutter schwingen sich auf die weiße Vespa PX125 und nehmen die Verfolgung der Luftballonherde Richtung Süden auf. Die wilde Fahrt über Stock und Stein führt über Waldwege und querfeldein… doch die Ballons schweben immer noch hoch oben am Himmel und wollen nicht landen. Plötzlich, nahe der Deutschen Alpenstraße bei Lindenberg, sinken die Ballons rapide und landen auf einer Wiese. Auf schnellstem Wege düsen die beiden Verfolgerinnen mit der flotten Vespa zum Landeplatz und fangen die wilde Luftballonherde ein. Die gebändigten bunten Ballontiere werden an die Sitzbank der Vespa gebunden und Mutter und Tochter machen sich glücklich auf die Heimfahrt. Zuhause wird der ungewöhnliche Vespa-Transport schon von den aufgeregten Geschwisterkindern erwartet.

Mit der Vespa jagten Monika und Mama 2003 der Ballontierherde hinterher.
Foto: privat

31. Scheunenfund, Bingo!

Martin Scheidler, Augsburg: Als mir ein Bekannter 1995 eine alte, heruntergekommene Vespa schenkte, war mir damals weder das Modell bekannt, noch die Geschichte, die sich hinter Ihr verbarg. Aufheben kann man Sie ja mal, dachte ich mir, und ab damit in den Schuppen. Seinerzeit hatte ich weder Lust noch das Know-how für Restaurationen. Da fuhr ich lieber mit meiner damaligen Vespa PX durch die Landschaft. Nach zwanzig Jahren allerdings, frisch motiviert, und mit einer geeigneten Berufsausbildung gewappnet, fiel mir die "Alte Dame" wieder ein. Hoffentlich hat sie Vater inzwischen nicht entsorgt... Aber auf ihn war verlass, alte Schule schmeißt nix weg. Also raus damit und erkunden, um welches Modell es sich handelt. Und siehe da, welch ein Glück, es ist eine Vespa 160 GS/4, Baujahr 1962, ein seltenes Modell. Nur knapp 2500 Stück wurden gebaut. Und das Beste daran, auch noch in Augsburg, im ehemaligen Messerschmitt-Werk an der Haunstetter Straße. Bingo! Also erst mal Alles an Unterlagen gesammelt was zu bekommen war, und los ging`s mit der Restauration. Knapp zwei Jahre später, mit etwas weniger Blut, Schweiß und Nerven, war es dann soweit. Die folgende Vorstellung beim Sachverständigen, zur Erlangung der Zulassung, verlief ohne Beanstandung, und artete zum Abschluss sogar in ein Fachsimpeln aus. Zum Leidwesen der weiteren Kundschaft. Heute fahre ich sie nur selten, und auch nur wenn italienisches Wetter zu erwarten ist. Ich habe noch zwei weitere alte Vespas in der Garage, aber meine GS ist die absolute Königin! Somit verabschieden sich zwei "Augsburger Modelle", nämlich sie und ich, mit einem freundlichen "Viva Italia!"

Martin Scheidlers Augsburg-Vespa war ein Scheunenfund.
Foto: privat

32. Mit Fuffies auf großer Fahrt

Peter Kostolnik, Augsburg: Ein paar Tage Zeit, Klamotten eingepackt, Bordwerkzeug und Ersatzteile verstaut und ab geht die wilde Fahrt. Mit der Vespa unterwegs, Fahrtwind im Gesicht. Zugegeben, man kann sein Ziel auch schneller, wesentlich komfortabler und zuverlässiger erreichen, aber darum geht es ja überhaupt nicht. Das Unterwegssein zählt, die zufälligen Begegnungen am Straßenrand mit den kurzen Gesprächen, die meistens mit "Ich hatte früher auch mal so eine Vespa..." losgehen, die spontane Hilfe fremder Vespafahrer bei einer Panne irgendwo im Nirgendwo. Und dann ist man irgendwann endlich angekommen, die Motoren knistern noch leise vor sich hin und das Summen in den Ohren wird noch einige Zeit anhalten. Der Körper gewöhnt sich langsam an den aufrechten Gang und das Hinterteil kommt zum Glück auch langsam wieder in Form. Aber egal wie groß die Strapazen des Tages auch waren, die Vorfreude auf die nächste Fahrt ist schon wieder da.

Augsburg - Schwarzwald - Augsburg, mit den Fuffies auf großer Fahrt.
Foto: privat

33. Winterurlaub mit Vespa

Werner Wipplinger: Drei Freunde und ich sind mit der Vespa - GS nach St.-Anton zum Skifahren gefahren. Den Skihalter für die Vespa, hat ein Mitfahrer konstruiert. Übernachtet haben wir zu viert in einem Zimmer auf einem Bauernhof. Großes staunen am Lift, alle standen um unsere Vespas herum und es wurde ständig fotografiert. Wir waren der Mittelpunkt.

Auf der Vespa in den Skiurlaub? Werner Wipplinger hat's getan.
Foto: privat

34. Sturz auf der Jungfernfahrt

Peter Metzger, Gersthofen: Vom Geld, das ich nach dem Schulabschluss beim Baugeschäft Fendt verdiente, kaufte ich mir an Weihnachten 1983 eine Vespa P200E in rot. Direkt nach dem Abholen wollte ich den Roller meiner Freundin und Mutter vorführen. Leider hatte es aber zuvor etwas geschneit und daher legte ich in Anwesenheit der beiden Damen einen glatten Sturz auf die Straße hin. Und das nach erste wenigen Kilometern. Das war mir mehr als peinlich, genauso wie die Tatsache, dass ich am nächsten Tag erneut zum Radgeschäft Hafner in Gersthofen musste, um den nagelneuen Roller wieder richten zu lassen. Das Bild zeigt eine der vielen Touren mit meiner Vespa, die mich auch nach Nordeutschland und an den Gardasee führte. Oft wurden auch romatische Eisenbahnstrecken besucht. Hier beispielsweise die die Schmalspurbahn von Amstetten nach Laichingen auf der Schwäbischen Alb. Vorne auf dem Gepäckträger war immer ein Schlafsack für die Übernachtungen in der freien Natur. Denn Roller habe ich noch immer.

Weihnachten 1983 kaufte sich Peter Metzger aus Gersthofen diese Vespa - trotz eines Sturzes auf der Jungfernfahrt hat er sie noch heute.
Foto: privat

35. Drei Wochen zu zweit auf einer Vespa durch die Schweiz

Horst Ludwig, Wolfertschwenden: Ich bin 85 Jahre alt und wohne seit 13 Jahren in Wolfertschwenden im Unterallgäu. Davor habe ich über 50 Jahre in Krefeld in NRW gelebt. Alles fing 1957 mit meiner Mitgliedschaft beim V.C. Krefeld an. Ich hatte die Vespaclub Männer schon öfters in der Stadt fahren sehen und auch Bekannte von mir waren bereits Mitglied. Freitagsabends fanden immer die wöchentlichen Treffen des im Clublokal „Haus Baggen“ in Krefeld statt. Kurzum beschloss ich, dort einmal hinzugehen, um mir den Club genauer anzusehen. Und schon war ich so begeistert, dass ich mir 1957 eine Vespa anschaffte und dem Club beitrat. Die Freitagabende im Clublokal gehörten überwiegend den Männern. Dort diskutierten wir hitzig, wo die nächsten Ausfahrten übers Wochenende oder Tagesausflüge hingehen sollten.

Das Altbier und ein paar Schnäpse durften bei unserem gemütlichen Beisammensein Freitagsabends natürlich nicht fehlen. Bei den Ausfahrten und Ausflügen wurden wir von unseren wunderbaren Frauen begleitet. Die langen Vespafahrten mit dem V.C. Krefeld zu Treffen mit anderen Vespaclubs führten uns quer durch Deutschland und auch ins Ausland, z.B. nach Italien. Krefeld war mit ca. 52 Maschinen der stärkste Club Deutschlands und besaß als erster Club ein einheitliches Outfit. Dieses bestand aus einem weißen Hemd mit schwarzer Krawatte und einer knallroten Clubjacke. Es herrschte ein unglaublicher Zusammenhalt unter den Mitgliedern. Wertvolle Freundschaften entstanden und Spaß, Freude und Abwechslung kamen nie zu kurz. Wir fuhren bei jedem Wetter, egal ob Regen oder Sonnenschein. Mit meiner Frau unternahm ich sehr oft Ausflüge in die Umgebung, z.B. ins Sauerland oder zu meiner Schwester nach Weilburg.

Besonders schön waren unsere Urlaube. 1959 durchquerten wir mit der Vespa drei Wochen lang die Schweiz. Wir legten insgesamt 3600 km zurück. Losgefahren sind wir in Krefeld. Zunächst fuhren wir Richtung Schwarzwald, dann weiter zum Höllental und anschließend nach Schaffhausen. Unsere Fahrt ging nach Luzern am Vierwaldstättersee, über Davos und den Rhonegletscher. Zurück fuhren wir über Lichtenstein, den Bodensee und Schaffhausen nach Krefeld. Unsere Vespa war neben uns zwei Personen voll mit Gepäck beladen. Es war ein wunderschöner und sehr ereignisreicher Urlaub. Gerne denke ich an die unvergessliche Vespazeit und diesen großen Urlaub zurück. Mit großer Leidenschaft war ich bis 1964 Mitglied. In diesem Jahr löste sich der Club auf. Die Autos kamen und die Vespas wurden verdrängt.

Horst Ludwig kurvte einst mit seiner Frau und seiner Vespa drei Wochen durch die Schweiz.
Foto: privat

36. Mit Uschi durch dick und dünn

Jochen Strunze-Werner: Meine Liebe zur Vespa begann erst Mitte 20. Zuerst mit zwei alten V50, und mit dem Motorradführerschein kam die zweite große Liebe meines Lebens: eine PX200 Baujahr 1980, die nach kurzer Zeit auf den Namen Uschi getauft wurde. Ich hatte zeitweise bis zu acht Vespen und Lambretten. Aber die vielen großen Touren durch Europa (Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, Slowenien, Kroatien..., oft auch mit Freunden auf Motorrädern als einziger Vespa-Fahrer in der Runde) habe ich immer nur mit Uschi gemacht, da mich diese über tausende von Kilometern immer zuverlässig hin und zurück gebracht hat (nur ein einziges liegengeblieben, defekte Kupplung in Marina di Massa). Durch ein Krebserkrankung kann nicht mehr Rollerfahren. Ich habe deswegen alle Roller verkauft, aber nicht Uschi, den diese ist über die vielen Jahre und Kilometer ein Teil von mir geworden. Das wichtigste ist aber, das ich dank Uschi und den anderen Vespen, die ich hatte, Freunde gefunden habe, die selbst in den harten Zeiten bei mir waren.

Vespa Uschi neben einer BMW auf dem Col d‘Iseran, dem höchsten überfahrbaren Gebirgspass der Alpen.
Foto: privat

37. Der Roller war ihr Lebenstraum

Ilona Fickenscher: Für meine Schwiegermutter war Vespafahren eine Lebensfreude. Sie erfüllte sich Ihren Lebenstraum schon sehr früh. Da sie in Hof wohnte, fuhr sie mit ihrer Vespa durchs fränkische Umland und lernte dadurch Ihren zukünftigen Ehemann kennen und lieben. Die Vespa-Freude währte nicht allzu lange. 1956 kam das erste Kind zur Welt kam, die nächsten Jahre noch fünf weitere. Das ist ein Foto von meiner Schwiegermutter aus dem Jahr 1953. Aufgenommen in Hof/Saale. Leider ist meine Schwiegermutter 2011 verstorben.

Ilona Fickenschers Schwiegermutter im Jahr 1953 auf ihrem Roller.
Foto: privat

38. Führerschein mit 55 Jahren

Elke Arnold, Durach: Meine aktuelle vierte Vespa "sei Giorni" ist eine GTS 300 und vorher hatte ich auch eine 125er und 300er. Um diese fahren zu dürfen, musste ich noch meinen Motorradführerschein machen. Dies hat mein lieber Mann mir vorgeschlagen. Ja super, dachte ich. Geht's noch?! Er meinte nur, ohne Führerschein kannst halt keine 300er fahren! Also, dachte ich, dem zeig ich es und hab mich angemeldet. Dies war vor 10 Jahren. Als mein Prüfer mein Baujahr in den Papieren gelesen hat, meinte er nur: "Oh, heut haben wir aber ein junges Madl zur Prüfung (ich war damals 55 Jahre). Bin zwischenzeitlich natürlich ein absoluter Vespa-Fan und viel unterwegs!

Aus Liebe zur Vespa hat Elke Arnold noch mit 55 einen Motorradführerschein gemacht, denn sie wollte schneller fahren dürfen als mit ihrer alten Fuffie.
Foto: privat

39. Die Polizei nahm uns fast unser ganzes Reisegeld ab

Rudolf Pohl: Im Jahr 1958 fuhr ich, 19 Jahre alt, mit meiner vollbepackten Vespa, meiner Freundin Edeltraud, 17, und zwei weiteren Bekannten von Augsburg-Hochfeld nach Italien. Gleich hinter der Grenze von Österreich stand eine italienische Polizei-Patrouille und erwischte mich, wie ich über den doppelten Strich auf der Straße fuhr. Sie hielten uns an und nahmen uns fast unser ganzes Geld (100 DM) ab, anderenfalls durften wir nicht mehr weiterfahren. So waren wir fast blank. Unser Ziel war der Gardasee in Riva di Garda. Wir hatten nur ein Zelt und zwei Luftmatratzen und einen Spirituskocher, der immer umfiel. Anschließend fuhren wir von Riva bis Peschiera. Dort lernten wir zum ersten Mal eine Disco im Freien kennen und hörten das Lied "Marina, Marina". Wir tanzten jeden Abend wie verrückt auf dieses Lied, welches eine Kapelle spielte. Es war eine schöne Zeit. Heute bin ich 82, Edeltraud ist 79, wir sind seit 1962 verheiratet und haben zwei Kinder sowie drei Enkel.

Erinnerungsfoto von Rudolf Pohls Italienfahrt mit Vespa im Jahr 1958.
Foto: privat

40. Schöne Sommerabende mit "Doppel-GS"

Wolf Schabel: Unsere Vespa GS3, Baujahr 1962, habe ich seit 1964. Sie hat meine Frau und mich in 54 Jahren Ehe überall hingebracht. Auch heute noch an schönen Sommerabenden fahren wir Oldies (80+78) sehr gerne in den Biergarten. Auf dem Bild aus dem Jahr 1965 sind zwei GS zu sehen: Vespa GS und Gisela Schabel.

Zwei GS auf einem Bild: Gisela Schabel mit der Vespa GS ihres Mannes Wolf im Jahr 1965.
Foto: privat

41. Der Fahrlehrer düste in den Straßengraben

Peter Popfinger, Dasing: In unserer Jugend Ende der 60er, Anfang 70 Jahre war es eine Selbstverständlichkeit für uns, den damaligen 4er Führerschein zu machen. Bis auf den ehemaligen Klassenkameraden „Martin“ hatten wir alle „normale Mopeds“ Zündapp, Kreidler, Herkules. Einfach was es damals so gab. Martin kam dann immer mit seiner 50er Vespa daher. Diese wurde von uns immer etwas belächelt, aber im Fahrverhalten stand sie unseren „ach so tollen“ Fahrzeugen zu unserem Unverständnis in nichts nach. Bei schlechtem Wetter hatte Martin mit seiner Vespa natürlich einen unschlagbaren vorteilhaften Wetterschutz. Ja, diese Zeit ging vorüber und wir wurden 18. Als einer der sehr wenigen machte ich zeitgleich mit dem 3er Autoführerschein den 1er Motorradführerschein. Das erste und größere Problem ergab sich dann bei der Anmeldung in der Fahrschule. Der Autoführerschein sei kein Problem (VW-Käfer im Winter, das Thema Heizung und zugefrorene Scheiben lassen wir dabei gänzlich außer Acht). Ja, der Motorradführerschein: Das sei zwar grundsätzlich in der Fahrschule möglich, nur das Schulungsfahrzeug „Motorrad“ sei wegen mangelnder Nachfrage derzeit abgemeldet und außerdem laufe es eh derzeit wegen irgendeines technischen Problems nicht und müsse erst bei Gelegenheit repariert werden.

Nach einiger Beharrlichkeit, konnte ich dann doch noch meinen Willen durchsetzten und bekam die Zusage, dass der zusätzliche 1er Führerschein, mit eben den geforderten Fahrstunden möglich sein wird, wenn denn das Fahrzeug läuft und angemeldet ist. Irgendwann im Februar 1971, der Theorieunterricht ist vorbei und praktische Fahrstunden waren angesagt. Was ich nicht wusste, mein Fahrschulmotorrad war eine weiße Vespa 180. Aber gut, diese Kröte ließ sich auch noch irgend wie verdauen. Hauptsache der Führerschein klappte. Und im Winter hat die Vespa ja auch von der Witterung her gewisse Vorteile zu bieten. Dann kam ein kalter, jedoch sonniger Wintertag, mit der angesagter Motorradfahrstunde auf der Vespa. Wenn ich das mit dem 1er Führerschein so wolle, dann müsse ich eben mit dem praktischen Fahren bei dieser Jahreszeit auch durch, meinte der Fahrlehrer. Da die Fahrschule schon damals optimiert Unterricht abgehalten hat, fuhr ein weiterer Fahrschüler mit dem Auto und ich zeitgleich mit der Vespa. Das war alles kein Problem – Funk usw. gab es damals nicht, die Handzeichen waren mit dem Fahrlehrer klar abgesprochen, funktionierten und alles war gut. Ich spulte zur Zufriedenheit meine Stunden und die Kilometer ab. Dann in der Nähe von Augsburg-Lechhausen auf der einer freien Überlandstrecke blieb die Vespa nach einigem Stottern auf freier Strecke stehen. Ich stieg ich ab und versuchte das Teufelsding kurzerhand anzuschieben. Nachdem mir irgend wann die Puste ausgegangen war und mir der Fahrlehrer dabei zugesehen hatte, kam doch sein Erbarmen. Er stieg aus und versuchte es ebenso wie ich zuvor, mit dem Anschieben. Irgend wie ließ die Vespa keinen Ton von sich hören – ist halt eine Italienerin, sie ist schöneres und vor allem trockenes und warmes Wetter gewohnt, was soll´s.

Nach und nach kam der Fahrlehrer Alfred dann ebenso mächtig zum schnaufen. Ich half im dabei sogar zusätzlich mit dem Anschieben. Urplötzlich machte die Vespa mit eingelegtem Gang einen Satz nach vorne – ich ließ logisch hinten los, nur der Fahrlehrer, mit beiden Händen durch das Anschieben fest am Lenker, erreichte weder den Kupplungs- noch den Handbremshebel. Er versucht nur irgend wie das Gleichgewicht zu halten. Quer mit der Vespa über die Fahrbahn und weg war er. Neben der Straße befand sich ein breiterer, tieferer Graben der aufgrund der Schneeverwehung zuvor nicht sichtbar und eben zugeweht war. Der Fahrschüler im Auto war inzwischen ausgestiegen, wir schauten uns nur an und konnten vor lauter Lachen zuerst nicht weiter machen. Dann halfen wird dem Fahrlehrer und der Vespa zurück auf die Straße. Danach kam ganz trocken der Kommentar vom unfreiwilligen Schneemann, der sich nebenbei den Schnee abklopfte: „Ja Buben, ich wollte euch nur zeigen, wie man es nicht machen soll.“ Das Biken habe ich in den ganzen Jahren, mehr oder weniger, nicht bleiben lassen können. Vor einigen Jahren wurde mir eine Blech-Vespa aus Erstbesitz angeboten, die über 20 Jahre unbeachtet in einer Hütte eine längere Auszeit verbracht hatte. Ein paar Jahre stand sie nicht fahrbereit, bei mir im Keller. Da ich jetzt meine aktive Arbeitszeit beendet, somit mehr Zeit habe, wurde die Vespa so gut es ging, komplett zerlegt, saniert, neu lackiert und wieder aufgebaut. Im Oktober 2020 bekam Sie die Zulassung. Am 14.06.2021 feiert meine kleine Vespa ihren 30. Geburtstag und ist somit wie ich, ein richtig fitter Oldi.

Viele Jahre nach der lustigen Fahrstundenepisode mit Vespa richtete Peter Popfinger diese alte Vespa wieder her.
Foto: privat

42. Mit sechs Jahren fing die Liebe an

Julia Vogel: Die Vespa-Liebe fing schon in meinen Kindheitstagen in den 80ern an. Damals saß ich auf der Vespa meiner großen Schwester, heute fahre ich eine neue Vespa Primavera und bin jedes Mal glücklich, wenn ich darauf sitze. Auf dem Bild bin ich mit ca. sechs Jahren auf der neuen Vespa meiner großen Schwester zu sehen.

Julia Vogel mit sechs Jahren auf ihrer ersten Vespa-Liebe.
Foto: privat

43. Johanna machte auf ihrer Vespa eine Deutschlandtour

Roland Grüterich: Diese Fotografie zeigt meine Mutter Johanna 1952 in Landsberg am Lech mit ihrer neuen Errungenschaft. Damals war sie 22, heute ist sie 90. Auf dem Foto ist noch ihre jüngere Schwester abgelichtet. Aufgenommen wurde das Bilder im Hof unseres Hauses. Die Vespa wurde damals, zwei Häuser weiter, bei der Firma Kohler ( heute Autoreparatur Seiner) gekauft. Meine Mutter, zur damaligen Zeit recht unternehmungslustig, hat mit der Vespa unter anderem eine Deutschlandtour gedreht. Später, als meine Mutter zum Arbeiten ins Ausland gegangen war, hat sie den Roller an ihren Bruder weitergegeben. Der Bursche, ebenfalls Abenteuerlustig aber nicht ganz so umsichtig, hat dann der Vespa ein Ende in Hamburg beschert. Leider hat sich das Fahrzeug nach einem Verkehrsunfall nicht wieder erholen können.

Johanna mit ihrer Vespa im Jahr 1952 in Landsberg am Lech.
Foto: privat

44. Marokko hin und zurück ohne Panne

Werner Polenz, Memmingerberg: 1973, während meines Grundwehrdienst-Urlaubs in Lechfeld, fuhr ich zusammen mit einem Schulfreund über Genua per Schiff nach Tanger. Da der Schulfreund auf seiner MZ 250 schneller war als meine Vespa, vereinbarten wir als ersten Treffpunkt Fès. Leider streikte die MZ schon im Norden Marokkos mit kapitalem Motorschaden, sodass aus der gemeinsamen Marokkorundfahrt nichts wurde. Meine 100-DM-Augsburger Vespa T 4, der Kauf meines Lebens, hielt aber durch. Somit musste ich allein über Spanien, Frankreich und die Schweiz zurück nach Augsburg rollern. Die Karfreitagsprozession in Ceuta und der Ostersonntag in der Alhambra in Granada sind mir genauso in Erinnerung wie die stressige Regenfahrt von Nimes nach Genf. Neben einigen anderen Touren (Schweiz und Jugoslawien) war das mein größtes Vespa-Abenteuer. Und zum Schluss das Beste: Ich war nach 4600 km ohne Panne wieder pünktlich zurück in der Schreibstube.....

Das Bild ist auf der 1973 im Rifgebirge nördlich von Chefchauen entstanden, als Werner Polenz in Marokko unterwegs war.
Foto: privat
Dieses Bild entstand 1970 auf einer von Werner Polenz' Vespa-Touren.
Foto: privat

45. Mein Vater, der Ex-Vespafahrer

Thomas Wurmser: Als ich als Kind zum ersten Mal das Foto meines Vaters mit seiner Vespa sah,war ich fasziniert und zugleich überrascht. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Landkreis Aichach-Friedberg, sah ich doch meinen Vater hauptsächlich mit großen Traktoren fahren. Begeistert erzählte er mir, dass er damals in den 60er Jahren mit dem Vespa Club Fürstenfeldbruck bis nach Berlin auf ein Treffen fuhr. Für ihn war es wohl ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer, unterwegs mit seiner Vespa. Später, als es galt eine Familie zu gründen, musste der Roller einem Renault 4 weichen. Irgendwann erlag auch ich selbst dieser Faszination aus „Blech und schönem Klang“. Fahr ich heute mit meiner alten Vespa übers Land, denke ich gerne zurück an meinen Papa.

Josef Wurmser, 2. von links, in den 1960er Jahren bei einem Vespatreffen am Berliner Olympiastadio.
Foto: privat

46. Sofort gab's die erste Schramme

Bodo Zapp: Unsere erste Vespa kaufte mein Vater 1953. Der Roller wurde mit einem Pferdefuhrwerk angeliefert. Nachdem die Vespa auf die Straße runtergewuchtet worden war, startete mein Vater seinen ersten Fahrversuch; dabei gab er zu viel Gas und der Roller ging vorne hoch und schon gab es die erste Schramme. Die erste Vespa musste von uns Kindern natürlich eingeweiht werden.

Bodo Zapp und seine Schwester weihten einst die Vespa ihres Vaters ein.
Foto: privat

47. Wir übernachteten im Stroh

Seitz Werner, Augsburg: Es war Juni 1982 und seit fünf Wochen regnete es in Deutschland. Spontan brauchen wir drei Jungs von Augsburg Richtung Italien auf. Bereits ab Landsberg fuhren wir im strömenden Regen, aber wir gaben nicht auf. Völlig durchnässt wollten wir in Seefeld in Tirol in einem Hotel übernachten und wurden aber abgewiesen (wahrscheinlich weil wir eine Wasserspur hinterließen). Wir fanden auf einer Weide eine nicht verschlossenen Hütte mit Stroh und waren überglücklich, dass wir dort unsere Kleidung trocknen und die Nacht ungestört verbringen konnten. Wir haben am nächsten Morgen alles sauber hinterlassen und konnten ohne Regen weiterfahren. Als wir über den Brenner kamen, lachte uns die Sonne schon entgegen. Wir fuhren über das Penser Joch, den Medelpass und blieben in Kaltern am See in einem Privatquartier über Nacht. Als wir wieder nach Deutschland zurück fuhren, hat es von Innsbruck ab bis nach Augsburg wieder durchgehend geregnet. Zu Hause glaubte uns niemand, dass wir in Italien zwei Tage nur Sonne hatten.

Dem Regen entfliehen: Drei Freunde rollern 1982 über das Penser Joch nach Italien.
Foto: privat

48. Beim Anblick einer Vespa denken wir an unsere Mama

Gabriele Ritschel: Wir kennen sie auch noch unter der Bezeichnung "mein kleiner flotter Flitzer", denn unsere Mama Anni konnte sich von diesem Gefährt nicht trennen. Es war ihr Symbol des italienischen "Dolce Vita" in Deutschland. Die Geschichte ist sehr alt, damals war unsere Mama Anni ca. 28 Jahre alt. Unvergessliche Erzählungen ihrer Spritztouren erinnern noch heute daran und lassen erahnen, wie wohl der Wind durch ihre Haare wehte und sie dahinfuhr mit dem unglaublichen Gefühl von Freiheit und Lebensfreude. Sie hat uns immer von Ihrer „Wespe“ so leidenschaftlich erzählt. Für sie stand fest: Als Südtirolerin, geb. 1932 in Süditalien, war es einfach dieses besondere italienische Lebensgefühl, das sie so sehr vermisste. Und so ist der kleine Roller ihr ans Herz gewachsen. Unser Vater hat oft davon erzählt, als er sie kennen und lieben lernte, wie sie elegant durch die engsten Gassen fuhr und Parkplatzprobleme nicht kannte, denn der kleine Flitzer passte überall in die engen Parkbuchten. Beim Anblick einer Vespa mit ihrem breiten Hinterteil und schmaler Taille steigt in uns Geschwistern heute noch immer dieses wehmütige, nostalgische Gefühl an unsere Mama mit ihrem besonderen Gefährt hervor. Die Mama liebte nicht nur ihren flitzenden Roller sondern auch Pane und Pasta in allen Variationen. Ihre Vespa gehörte zu ihr wie Pizza und Pasta zu Italien.

Anni Ritschel mit ca. 28 Jahren auf ihrer Vespa
Foto: privat

49. "Slow" ist das Geheimnis

Michael von Cranach: Das ist meine Vespa 160 GS, Baujahr 1963, seit 22 Jahren in meinem Besitz. Ich hatte mit 17 Jahren 1958 auf einer ähnlichen Vespa das Rollerfahren gelernt und es sollten Jahrzehnte vergehen, bis ich mir den Traum erfüllte, ein derartig schönes Gerät zu besitzen. Sie fährt und fährt und fährt, knattert im Leerlauf, wie es sich für einen Zweitakter gehört und surrt bei Reisegeschwindigkeit. Sie will mit Einfühlungsvermögen behandelt werden, Zwischengas, zart die Gänge einlegen. Seit zehn Jahren fahre ich jedes Jahr mit ihr über die Alpen vom Allgäu bis nach Ligurien, ca. 700 km, in drei Tagen, langsam, nie schneller als 50 oder 60 Km/h, nur kleine Nebenstraßen. Bei dieser Geschwindigkeit entsteht kein Stress, man hat Zeit, die Landschaft zu genießen, Slow ist das Geheimnis. Höhepunkte dieser dreitägigen Reise sind die Passfahrten, Hahntennjoch, Splügen, Gavia, Bernina und die nicht so hohen aber wunderschönen Pässe des Apennins. Sowie wir über 2000 Meter über dem Meeresspiegel sind, verlässt sie die Kraft, der Sauerstoffmangel macht sich bemerkbar, ich leide mit ihr, aber sie schafft es immer und ich spüre wie sich freut und übermütig wird, wenn wir wieder tiefere Regionen erreichen. Sie hat mich nie im Stich gelassen, ich glaube, sie ist mir dankbar für diese Reisen in ihre Heimat.

Michael von Cranach mit seiner Vespa am Umbrailpass an der Grenze Schweiz/Italien.
Foto: privat

50. Eines Morgens der Schock: mein heißgeliebter Roller war weg!

Uwe Schaller, Merching: Mittwoch, 03.08.1983. Endlich ist es so weit. Ich halte meinen Führerschein in der Hand und meine PX 200, Baujahr 1979 steht schon startklar in der Garage. Heute also beginnt mein Vespa-Leben und meine Vespa-Liebe an der sich auch nach fast 38 Jahren nichts geändert hat. Kein Wetter war zu schlecht um nicht mit der Vespa zu fahren. Mit meinem damals besten Freund Obelix und seiner PX 80 (welche später einen 125er Satz bekam) waren wir unzählige Stunden zusammen mit unseren Vespas unterwegs. Irgendwann musste man natürlich mit der Vespa ins Mutterland nach Italien. Nachdem Obelix leider nicht mit konnte, machte ich mit Daniel den Trip nach Italien. Den großen Seesack vorne auf den Gepäckträger und los ging's. Über den Brenner zuerst nach Bozen. In einem Hinterhof war das gelobte Vespateile Land: Seitenständer, Gepäckträger hinten mit angeschraubter Lehne etc. Weiter ging es dann bis nach Florenz. Nach zwei Wochen ohne Helm fahren (ja, das durfte man in Italien) ging es zurück. Ein toller Trip in der unsere Vespas kein einziges mal zickten.

Mein silberner Roller wurde irgendwann in ein krachiges grün umlackiert. Zu der Zeit war es der einzig grüne Roller mit Sitzbankbezug, Seitenständer, Beinschildumrandung und Fußmatte in weiß. Er sah einfach mega aus. Eines Morgens dann der Schock. Mein heißgeliebter Roller war weg. Geklaut. Einige Tage später bekam ich ihn zwar zurück aber ohne Motor. Dank Max bekam ich einen 80er Motor mit 177er Satz, welchen ich zusammen mit Arno einbaute. Nach einiger Zeit anschieben meldete sich der Rennauspuff lautstark und mein Glück war wieder perfekt. Leider gab der Motor nach Jahren seinen Geist auf. Den Rahmen und die Teile habe ich immer noch. Seit 1995 darf ich eine PX 125 mein Eigentum nennen und meine Freundin Alexandra wurde von meiner Vespa-Leidenschaft so angefixt dass sie seit letztem Jahr stolze Besitzerin einer Vespa 50 N ist. In meinem Leben hat sich viel verändert aber die Liebe zur Vespa ist immer geblieben. Und nachdem meine erste Vespa für mich immer noch was besonderes ist, wird sie wieder aufgebaut und ich freue mich jetzt schon riesig wenn ich meine erste Runde mit ihr wieder drehen darf. Wer keine PX oder älter besitzt, kann die Leidenschaft für die Vespa nie verstehen.

Die große und die kleine Vespa aus dem Hause Schaller machen einen Ausflug.
Foto: privat

51. Als "Camillo" wirklich "Don Camillo" traf

Geßler Andreas, Augsburg: Das Bild enstand im Mai 2019 nach einem Oldtimerrennen (Audax) des Vespaclub Mantua. Die "1000km vespistica 2019 Mille dei Laghi - 14° Edizione" führte durch die Berge oberhalb von Mantua, über viele traumhafte Pässe, rund um den Gardasee, durch viele kleine verträumte Ortschaften und vorbei an tollen malerischen kleineren Seen. Im Anschluss der Veranstaltung haben meine Frau und ich noch eine Woche Urlaub am Gardasee gemacht. Wir haben unsere "Lampe unten"-Vespa (Faro Basso, VN1T, Baujahr 1954) "Camillo" getauft. Die bekannten Filme von "Don Camillo & Peppone" wurden in den 1950ern/1960ern in Brescello am Fluss Po, rund 100 Kilometer südlich des Gardasees gedreht. Ein Besuchs dieses verträumten Örtchens mit unserem "Camillo" war daher die logische Konsequenz. Das Bild entstand auf dem Kirchplatz von Brescello (im Hintergrund DIE Kirche von Don Camillo) zusammen mit der Bronze-Statue von Don Camillo. Mittags noch leckere Tortellini in einem kleinen Ristorante auf dem Kirchplatz genossen und dann wieder zurück an den Gardasee nach Peschiera. La dolce vita!

Andreas Geßler zwischen zwei Camillos in Italien.
Foto: privat

52. Wir wurden ständig von LKWs donnernd überholt

Manuela Müller, Ulm: A lá „Born to be wild“ haben wir uns im Sommer 1989 zu unserem ersten gemeinsamen Urlaub aufgemacht. Mit der Vespa in den Süden. Wir, zwei Mädels, gerade 17 Jahre jung, hatten zuvor extra vier Wochen Ferienarbeit geleistet, um uns diesen Traum verwirklichen zu können. Zelt geliehen, Taschen gepackt, Schlafsack verstaut ging es los - von Ulm direkt auf die Autobahn 715 km Richtung Istrien. In unserer jugendlichen Naivität schreckten uns weder die Strapazen der langen Fahrt, noch kamen wir auf die Idee, dass wir eine Panne bekommen könnten oder uns etwas passieren würde. Mit unseren beiden 80er Vespas düsten wir mit gefühlten 150 km/h über die Autobahn, doch in Wirklichkeit brachten unsere Piaggios kaum 65 km/h auf den Tacho. Das wurde uns ziemlich schnell bewusst, nachdem wir ständig von LKWs donnernd überholt wurden, und wir mit unseren kleinen Reifen allein durch den Windstoß seitlich in die Spurrillen versetzt wurden. Aber voller Zuversicht und sicherer Gewissheit wussten wir, dass uns die Vespas heile und pannenfrei ans Ziel bringen. Auch die Rückfahrt meisterten wir tadellos am Stück zurück. Trotz Zeltüberschwemmung war es der einprägsamste Urlaub ever.

Sommer 1989, Elke und Manuela (rechts im Bild) bei der Ankunft auf dem Campingplatz in Poreć, Istrien.
Foto: privat

53. Wir fuhren auf unserer Vespa bis nach Cannes

Elfriede Härle, Augsburg: Im Sommer 1961 machten wir eine sehr schöne Ausflugsfahrt mit der Vespa, als gebürtige Lindauer ins Oberreitnauer Hinterland. Bei meinem zukünftigen Mann, seiner Umama und Upapa sagten sie damals, zum Fotografieren. An der Stelle wurden schon zwei Jahre zuvor mit seinem Borgward-Hansa Fotos gemacht, welche bereits in der AZ veröffentlicht wurden. Als alte Eisenbahner Familie hatte die Härle-Pracht-Familie natürlich an der Bahnlinie "Oberreitnau - Lindau" ein Grundstück mit Haus und Ziegenstall. Von meinem Mann Gernot die Nichte deren Onkel war auch ein Vespa-Fan. Er besaß eine GS, welche noch spritziger aussah. So gab es oft eine Vespa-Parade in der Familie. Mit meinem Mann zusammen und der Vespa machten wir uns 1962 von Lindau auf den Weg auf eine Tour: Lindau-Mailand-Genua-Nizza-Cannes. Die Vespa war nun hinten mit einem Holzbrett ausgestattet, welches während der Fahrt als Gepäckablage diente und während den Zwischenstopps mit zwei eingepackten Klapphockern als Tisch fungierte. Außerdem wurde ein 2-Mann-Zelt der Eisenbahnergewerkschaft ausgeliehen, welches wir zum Nächtigen benutzten. 1967 zogen wir dann nach Augsburg. Hier hatten wir ab 1968 einen Eisenbahnerschrebergarten. Hier hielt uns eine Vespa weiterhin die Treue und wurde als eifriger Helfer zum Lasten transportieren benutzt, als wir unsere Terrasse im Schrebergarten aufgebaut haben.

Für Elfriede und Gernot Härle mit ihrer treuen Vespa bei einem Ausflug in den 1960er Jahren.
Foto: privat

54. Die Fahrt vors Kino war immer das Highlight

Walter Obenaus, Lindenberg: Dieses Bild entstand Mitte der 60er Jahre in St. Gallen in der Steiermark, wo ich meine wunderbare Jugendzeit mit der "Vespa" verbrachte. Ein besonderes "Highlight" war immer am Sonntagnachmittag die Fahrt vors Kino. Mit der Freundin auf der Rückbank im Damensitz waren alle Blicke auf uns und "die Vespa" gerichtet.

Walter Obenaus Mitte der 1960er Jahre mit seiner Vespa.
Foto: privat

55. Die Vespa und ich waren Henrys Liebeskomplizinnen

Anne Gabriel: Auf dem Bild bin ich in den 60er Jahren auf Henrys Vespa zu sehen. Geschichte dazu: Meine Schwester Monika war einige Tage bei ihrer Taufpatin in Füssen zu Besuch. Henry, der Vespabesitzer und Verehrer meiner Schwester, suchte einen Grund, sie zu besuchen. Da kam ich ins Spiel. Henry bot meinen Eltern an, mit mir einen Badeausflug zu meiner Schwester zu unternehmen. So bin ich zu einer tollen Fahrt mit der Vespa gekommen und Henry zu seinem Rendezvous. Dieser Ausflug hat sich gelohnt, denn zwei Jahre später haben Henry und meine Schwester Monika geheiratet.

Als Komplizin des Verehrers ihrer Schwester kam Anne Gabriel einst zu einer schönen Vespafahrt ins Allgäu.
Foto: privat

56. Schnappschuss vor dem WM-Endspiel 1966

Gerhart Frey, Königsbrunn: Das Bild zeigt mich auf meiner Vespa 150 GS im Juli 1966 kurz vor meiner Abfahrt zu meinem Schwager, um gemeinsam bei Nachbarn das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft anzusehen. Ich strahle noch vor Optimismus, dass das Finale für Deutschland entschieden werden würde. Leider endete das Spiel nach Verlängerung im Wembley-Stadion 4:2 für England. England wurde erstmals Weltmeister.

Dieses Bild entstand kurz vor dem WM-Endspiel 1966 - da strahlte Gerhart Frey auf seiner Vespa noch.
Foto: privat

57. Wir wollten eine Postkarte aus der Wüste schicken

Günther Hilbich: Aus einer Bierlaune heraus entschieden mein Freund Bernd und ich im Herbst 1986, dass wir mit unseren Vespas PX 200 und 125 Primavera unbedingt in die Sahara fahren müssen, um von dort an alle Bekannten eine Postkarte zu schreiben. Nach über einem halben Jahr Vorbereitung (Gepäckträger schweißen, Ausrüstung und Ersatzteile besorgen, Route planen, etc) ging es dann am 20.08.1987 endlich los. Über Genua mit der Fähre nach Tunis bis in den Süden von Tunesien (dort entstand das Bild), dann über die Grenze nach Algerien führte unser Weg über den südlichsten Punkt in Ouargla nach Algier und an der Küste entlang bis nach Tunis und wieder mit der Fähre zurück nach Genua. Nach fast 5000 km und unzähligen Reparaturen und Pannen später kamen wir am 29.10.1987 wieder wohlbehalten in Augsburg an. Von den Erinnerungen an diese Reise zehre ich heute noch.

Günther Hilbich fuhr 1987 mit einem Freund und zwei Vespas in die Sahara - im Süden Tunesiens entstand dieses Bild.
Foto: privat

58. An der Grenze zu Österreich wurden wir in Verwahrung genommen

Reinhold Holz, Pfronten: Die Anschaffung meiner Vespa war einst ein Abenteuer für sich. Der Beschaffungspreis belief sich auf 1.300 DM. Da ich aber die Summe nicht besaß, machte mein Vater mir den Vorschlag, dass ich für 1 DM pro Stunde nach Feierabend das Geld zusammen bekomme. Der Vorschlag wurde von mit mir angenommen und nach ca. 18 Monaten hatte ich das Geld zusammen und kaufte mit 1953 die Vespa. Jetzt, wo ich die Vespa erstanden hatte, wollte ich auch etwas erleben und plante mit meinem Freund Edmund eine Reise nach Venedig. Zusammen hatten wir 250 DM zur Verfügung. Mein Freund hatte die Essenskasse und ich die Benzinkasse. Laut Berechnung mussten wir mit 85 DM Benzinkosten auskommen, sonst hätten wir schieben müssen. Meine Großeltern wohnten zu der Zeit in Pröbsten (heute Gemeinde Eisenberg). Am nächsten Tag wollten wir unbedingt noch den Säuling besteigen. Der Aufstieg begann in Österreich und der Abstieg in Deutschland. Was wir aber nicht wussten, dass wir uns hätten abmelden müssen. An der Grenze zu Österreich wurden wir in Verwahrung genommen. Dank unserer traurigen Augen und eine starken Maßregelung durften wir weiterfahren. Am Brenner begann dann das zweite Fiasko. Wir hatten kein Visum. Zurück nach Innsbruck, dort teilte man uns mit, dass das Visum 3 Tage dauert. Als wir dann endlich das Visum besaßen ging die Fahrt weiter.

Reinhold Holz fuhr 1953 mit einem Freund und einer Vespa nach Italien und erlebte ein Abenteuer.
Foto: privat

In Italien angekommen, knapp hinter dem Gardasee mussten wir Tanken. Der Tankwart war nicht vor Ort und die Frau hatte keine Ahnung. Wir zeichneten ihr Benzin-Mischungsverhältnis 1:25 auf. Als das geklärt war, fand sie nicht das richtige Öl. Wir suchten weiter nach Öl bis der Tankwart kam und wir konnten endlich weiterfahren. Es wurde schon dunkel und wir fanden keinen Zeltplatz. Bis wir vermeintlich einen gefunden hatten vor einer großen Steinmauer. Wir schliefen feste bis wir ein lautes Stimmengewirr vernahmen. Die Steinmauer war die Abgrenzung zum Friedhof. Wir packten alles schnell zusammen und weiter ging die Fahrt.

Reinhold Holz fuhr 1953 mit einem Freund und einer Vespa nach Italien und erlebte ein Abenteuer.
Foto: privat

In Venedig stellten wir fest, der Ort war zu teuer. Auf der Rückfahrt riss uns die Felge, was ja nicht weiter schlimm gewesen wäre da wir ja noch einen Ersatzreifen hatten. Fehlgedacht, denn auch die Ersatzfelge hatte einen Riss. Wir suchten dann einen Schlosser oder Schmied. Als wir fündig wurden, erklärten wir mit Gesten unsere Absicht. Er winkte uns nachzukommen und drückte mir einen Schweißbrenner in die Hand. Da ich berufsbedingt Schweißen konnte, war das kein Problem. Nach dem Schweißen gab er mir noch einen Schleifstein mit biegsamer Welle und ich dachte mir, die sind werkzeugmäßig weiter als wir. Geld wollte er keines von uns haben. Die Fahrt ging weiter. Eine Bahnschranke war geschlossen und es standen schon etliche Autos davor. Als nach knapp 30 Minuten der Schrankenwärter die Schranke wieder öffnete , ohne das ein Zug vorbei fuhr, ging das Palaver erst richtig los. Von beiden Seiten strömten die Autofahrer auf den Schrankenwärter zu, und obwohl wir kein Wort verstanden, ging es ziemlich heftig zu.

Reinhold Holz fuhr 1953 mit einem Freund und einer Vespa nach Italien und erlebte ein Abenteuer.
Foto: privat

Als wir wieder in Österreich waren, und einen starken Hunger verspürten, suchten wir eine Gaststätte. Diese war aber leer. Die Wirtin machte uns Bratkartoffen mit je drei Spiegeleiern - für 3 Schilling pro Person, umgerechnet ungefähr 50 Pfennig. Wir fuhren dann weiter über den Bodensee in Richtung Heimat. Bei einem Bauern auf der Wiese konnten wir campen für 1 DM - mit Stroh als Unterlage. Neben uns zelteten zwei Frauen, die sich einen Kalten Hund ( Gebäck mit Kekse und Schokolade ) gemacht hatten. Den hatten sie zum Abkühlen nach draußen gestellt und waren schwimmen gegangen. Mein Freund und ich lagen faul in der Sonne und starrten auf die Süßspeise. Nach ca. zehn Minuten , der Magen hing schon auf den Boden, da wir uns schon einige Zeit von Obst ernährten (Steinobstwiesen gab es ja genug), fassten wir den Entschluss, den Frauen die Arbeit des Essens abzunehmen. Die Übeltäter wurden sofort erkannt. Sie zogen die Heringe vom Zelt aus dem Boden mit den Worten, etwas hätten wir Ihnen auch überlassen sollen.

Reinhold Holz fuhr 1953 mit einem Freund und einer Vespa nach Italien und erlebte ein Abenteuer.
Foto: privat

Noch in der Nacht fuhren wir nach Hause, bis auf eine kleine Abwechslung: Den Pannenstreifen entlang, halb schlafend, waren wir plötzlich in Heidelberg. Ich fragte meinen Freund ob wir noch Geld fürs Kino hätten. Er bejahrte. Ich schlief dann tief und fest bis ans Ende des Films der Nachtvorstellung. Auf der Rückfahrt kurz vor Bonn waren die Eltern von meinem Freund im Urlaub. Da Frühstückten wir für drei. Übrigens: Von den 85 DM Benzinkosten blieben noch zwei DM übrig, das reichte für vier Glas Bier.

59. Ausfahrt mit Aussicht

Giovanni Corrieri, Füssen: In diese Doppelsitzer-Vespa habe ich mich auf Anhieb verliebt! Ich habe sie behutsam renoviert und im Sommer machen die Ausflüge mit ihr eine Riesen-Gaudi! Zum Glück muss ich nicht lange nach einer schönen Gegend suchen, da meine Vespa und ich direkt am Schloss wohnen. Hier drehen wir fröhlich unsere Runden.

Giovanni Corrieri mit seiner Beiwagen-Vespa vor Schloss Neuschwanstein in Füssen.
Foto: privat

60. Am Ende sorgte eine Vespa für Nervenkitzel

Marco Ermacora: Das Foto ist von Juni 2013. Mein Bruder, ein Freund und ich sind mit den Vespas vom Donau Ries nach Livorno gefahren und dann mit der Fähre nach Sardinien. Nach einer Rundumfahrt um ganz Sardinien in Küstennähe entstand dieses Foto am Campingplatz Le Dune in Costa Rei. Das ist einer der schönsten Strände Sardiniens und liegt im Südosten der Insel. In zwei Wochen bis zur Rückfahrt ins Ries nach Bayern hatten wir ca. 3300 km zurückgelegt. Vorher gebucht wurde nie etwas. Wir wussten nie, wo wir am Abend schlafen würden. Wir sind dann über die Costa Smeralda nach Castelsardo, unsere erste Übernachtung auf Sardinien. Dann sind wir linksrum um die ganze Insel gefahren in mehrere Tages Etappen. Unter anderem im Osten über Alghero an die Costa Verde. Wunderschön. Dann südlich über die Hauptstadt Cagliari nach Südosten Villasimius, Costa Rei wo wir dann mehrere Tage verblieben. Ein Traum wurde war im Juni 2013 und einem fast leeren Strandabschnitt am Campingplatz Le Dune, der noch nebenan eine Flamingo Oase im Naturschutzgebiet hatte. Auf der Rückfahrt wurde bei Tortoli eine Vespa defekt. Wir waren auf dem Weg zur Fähre nach Olbia gewesen, die abends auslief. Wir warteten stundenlang auf einer wenig befahrenen Straße in der Gluthitze auf einen Transporter, der uns über den ADAC vermittelt wurde. Dann ging es mit zwei Vespas weiter. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann, da wir unbedingt an diesem Tag ablegen wollten in Richtung Livorno. Eine tolle Reise, die wir drei nie vergessen werden.

Marco Ermacora aus dem Ries machte mit seinem Bruder und einem Freund im Sommer 2013 eine Vespa-Sardinienrundfahrt. Dieses Foto ist am Campingplatz Le Dune in Costa Rei entstanden - wenig später streikte eine Vespa und es wurde spannend ...
Foto: privat

61. Man trifft viele andere Verrückte

Norbert Fischill, Neuburg: Dieses Bild ist auf dem Rückweg von Zell am See entstanden, wo ich bei den Vespa Alp Days mit 2000 Vespisti aus 18 Nationen war. Da einer unsrer 14 Fahrer eine Panne hatte und das Wochenende sehr knackig war, dachte ich mir, ich mach ein kleines Nickerchen. Mein erster Kontakt mit meiner Vespa-Liebe war 1990 und seit dem fahre ich Vespa. Das Modell, welches ich damals gekauft und hergerichtet hab fahre ich heute noch und freu mich schon auf die ersten warmen Momente um sie wieder mal auf die Straße zu bringen. Wir haben vor ein paar Jahren in Neuburg an der Donau einen Vespa-Club gegründet, die „Vespa Highrollers Neuburg“, und ich bin sehr begeistert, wie die Mitglieder immer mehr werden und wir gemeinsam auf Treffen fahren können. Es ist immer wieder eine Bereicherung, neue Mädels und Jungs kennenzulernen, die genauso ticken wie ich, oder noch verrückter sind! Das schönste an all dem ist der Zusammenhalt und die verschiedensten Facetten der Modelle und Menschen, welche mit uns unterwegs sind.

Man kann auch auf einer Vespa schlafen: Norbert Fischill hat's bewiesen.
Foto: privat

62. Die Vespa war unser Familienfahrzeug

Walter Stefan, Kempten: Dieses Bild zeigt meinen Vater Ende der 50er Jahre mit einer Vespa GS Messerschmitt, die damals in Lizenz in Augsburg gebaut wurde. Sie begleitete uns, bis ich sechs Jahre alt war. Sie war damals das einzige Familienfahrzeug, bis meine Eltern dann doch einen VW Käfer gekauft haben. Heute ist mein Vater 90 Jahre alt und er bekommt immer noch ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich ihn mit meiner Vespa Baujahr 72 besuche.

Walter Stefans Vater in den 50er Jahren auf sein Augsburg-Vespa.
Foto: privat

63. Mein Vater ist immer ein bisschen dabei

Sybille Foitzik, Pfronten: Vor ca. 25 Jahren hat sich mein Vater diese Vespa gekauft. Nach einem Unfall war sie nicht mehr zu fahren, jedoch konnte und wollte er sie nicht reparieren lassen, weshalb sie leider etliche Jahre auf einer Kellertreppe vor sich hin rostete ... Nach ewigem Zureden hat mein Vater 2015 dann doch zugestimmt, dass mein Lebensgefährte und ich die Vespa bekommen und restaurieren können. Nach sechs Monaten Arbeit mit viel Liebe zum Detail, sowie einem überholten Motor, kam es dann Anfang April 2016 zum großen Wiedersehen: mein Vater traf auf seine alte Vespa! Seinen Wunsch, die Originalfarbe Orange beizubehalten, haben wir ihm zwar nicht erfüllt, aber die Freude über sein hübsches Schätzchen war riesengroß! Obwohl mein Vater körperlich eingeschränkt war, nahm ich ihn mit auf eine Probefahrt. Im Dezember 2017 ist mein Vater gestorben. Wenn ich im Frühjahr das neue Nummernschild montiere, den Staub weg putze, auf die Vespa steige und durch Pfronten düse, um Einkäufe zu erledigen, oder einfach nur so, dann denke ich immer an meinen Vater, bin dankbar für dieses tolle Gefährt und er ist immer ein bisschen dabei.

Sybille Foitzik aus Pfronten hat die alte Vespa ihres Vaters hergerichtet.
Foto: privat

64. Den Schock werde ich nicht vergessen

Claudia Barbek: Ich habe während meines Studiums auf einem kleinen Dorf in der Nähe von Weihenstephan gewohnt. Um mobil zu sein, habe ich mir meine Vespa gekauft. Diese habe ich vom Händler bis nach Hause erst mal rund 250 km gefahren und war stolz wie verrückt. Die Vespa war noch fast neu, gerade einmal die ersten 100 Kilometer eingefahren. Nach einigen Tagen war mein Roller dann plötzlich weg. Tatsächlich war er geklaut. Unvergesslichen die Reaktion der Polizei, die erst einmal so geredet hat, als hätte ich den Roller verloren. Am Nachmittag dann der Anruf, mein Roller sei in den Isarauen gefunden worden. Auf Nachfrage, ob er kaputt sei, kam die Antwort: "Nur der Hinterreifen fehlt...". Nun gut. Nach 10 Minuten ein erneuter Anruf der Polizei: Man hätte nochmal "genau hingeschaut", der Motor würde auch fehlen. Das war ein Schock, den werde ich nicht vergessen. Dank einer guten Versicherung konnte ich aber einen neuen Motor einbauen lassen, und der Roller hat mir noch viele Jahre gute Dienste geleistet. Als ich schwanger wurde, habe ich ihn verkauft, das habe ich immer bereut. Drum gibt es bei mir heute, rund 20 Jahre später, wieder eine Vespa, diesmal in rot und mit mehr PS. Aber ein anderer Roller wäre mir nicht in die Tüte gekommen.

"Das bin ich stolz auf meiner Vespa kurz nach dem Kauf", schreibt Claudia Barbek.
Foto: privat

65. Aus der Panne wurde eine nette Party in der Provence

Eberhard Weit: Wir machten uns damals im Sommer 1963 als 19-jährige auf den Weg nach Südfrankreich in die Provence -mein Freund Heinz auf ein Vespa und ich auf einer DKV 175. Lange ging alles richtig gut! Wir waren bereits wieder auf dem Weg zurück, als im wunderschönen St. Remy, dem Van Gogh Städtchen, die Vespa mitten im Zentrum einfach nicht mehr wollte. Und da sahen wir dann so richtig hilflos aus. Unsere Erkenntnis war, dass die Vespa wunderbar geeignet ist, zwischen Ulm und Neu-Ulm, unseren Heimatstädtchen, hin- und her zu fahren. Die lange Hinfahrt durch die Schweiz über die Alpen mit ordentlich viel Gepäck war aber einfach zu viel für sie gewesen. Zunächst standen wir nur unschlüssig um unsere Zweiräder herum. Ich vermute aber auch heute noch, dass wir zwei "Jungs" nicht unsympathisch ausgesehen haben, und ein bisschen Schulfranzösisch "beherrschten" wir auch. Jedenfalls nahm sich eine liebenswerte Familie unserer an und das Ergebnis war eine Einladung zur Übernachtung mit feinem Abendessen. Mit der etwa gleichaltrigen Tochter und weiteren jungen Leuten wurde eine nette Party daraus.

Im Sommer 1963: Eberhard Weit als 19-jährige zusammen mit einem Freund auf dem Weg in die Provence (Frankreich).
Foto: privat

66. Ich träume noch immer von meiner Königin

Wolfgang Bogen: Die "Liebe" war in erster Linie die zu meinem ersten motorisierten fahrbaren Untersatz. Dass dann später auf dem Sozius auch die eine oder andere Sozia zu sehen war, ergab sich von selbst. Gekauft habe ich sie, die "Königin", im Herbst 1960 gebraucht bei der damaligen Vespa-Vertretung in Memmingen für 250 DM, das war etwas mehr als meine damalige monatliche Ausbildungsvergütung. Meine erste größere Tour führte mich von Krumbach nach Zwiesel zu meinem Schulfreund. Man beachte das "Motorrad"-Outfit: statt Sturzhelm eine Toni-Sailer Skimütze und Skibrille, im August Wintermantel über dem normalen Straßenanzug, Schuhe, eher zum Tanzen geeignet, Stoffhandschuhe... Die Heimfahrt war schlimm; von einem Gewitterregen in den anderen und trotz Regenponcho totale Nässe von der Seite durch die mich überholenden Autos. Die "Liebe " zur Vespa war dann aber ab dem Zeitpunkt, wo ich mir mein erstes Auto leisten konnte, bald erloschen und ich habe sie in Unkenntnis der in den folgenden Jahren stattgefundenen Wertsteigerung an einen Nachbarn verschenkt. Heute träume ich noch manchmal von meiner "Königin", dass sie ganz real noch in meiner Garage steht.

Diese Selbstauslöserfotos im Garten und vor der Heimfahrt (ca. 300 km ) von Zwiesel nach Krumbach zeigen Wolfgang Bogen und seinen Richi.
Foto: privat

67. Und dann zickte sie ausgerechnet beim Tüv

Stephan Leimer, Augsburg: Als mein Vater Anfang der 70er Jahre seine erste Vespa kaufte, dachte er sicher nicht, dass diese in 54 Jahre immer noch durch Augsburgs Straßen brausen wird. Lange Zeit war Sie seine große Leidenschaft. Doch nachdem er sich ein Auto kaufte, ein Haus baute und Vater zweier Söhne wurde, fristete die Vespa ein freudloses Dasein im heimischen Schuppen. Viele Jahre später restaurierte er die Vespa vom Typ 150 Sprint, Baujahr 1967, hingebungsvoll mit original Ersatzteilen und hatte seine Freude daran, sonntägliche Spazierfahrten zu unternehmen. Ebenso nahm er in dieser Zeit mit seiner italienische Schönheit an verschiedenen Oldtimerausfahrten teil. Eines Tages jedoch musste die Vespa einem Motorrad den Vortritt lassen und verschwand ein zweites mal im Schuppen. Diesmal sollte es jedoch nicht für lange Zeit sein. Vater vererbte mir das gute Stück und von da an war ich der stolzer Besitzer dieser „italienischen Diva“. Seither schraube ich mit großer Leidenschaft und Geduld an der Vespa und gebe stets mein Bestes. Eine besondere Situation ergab sich allerding, als ich die fälligen TÜV Plakette abholen wollte. Das „Sensibelchen“ war im laufe der Jahre etwas eigensinnig geworden und sprang nach mehreren Versuchen bei der Tüv-Prüfung aus unerklärlichen Gründen einfach nicht an. Der Prüfer bemerkte höflich, dass die Vespa schon in Gang kommen müsste, um weitere zwei Jahre die Zulassung für den Straßenverkehr zu bekommen. Mit gemeinsamen Kräften haben wir es dann letztendlich doch noch geschafft, den Motor zum Laufen zu bringen. Seinen Höhepunkt erlebte das Schmuckstück jedoch am 50. Geburtstag meiner Frau. Bei der Mottoparty „Die wilden 60iger“ stand unsere Vespa im Mittelpunkt der Party und wurde ein begehrtes Fotomotiv. Wenn es die Zeit zulässt fahre ich im Sommer mit der Vespa gerne im Augsburger Umland spazieren, denn mittlerweile springt die Diva auch zuverlässig an ...

Das Foto zeigt Stephan Leimers Frau samt Oldtimer-Vespa am Bismarkturm in Steppach, kurz vor Ihrer Geburtstags-Mottoparty "die wilden 60er".
Foto: prima

68. Auf der Vespa in den Kindergarten

Marina Hoffmann: Alte Liebe rostet nicht: Meine Oma hat mit der Vespa schon meinen Papa zum Kindergarten gefahren, später ist der Fuhrpark mit der Vespa meiner Mama erweitert worden. Mit dem Umzug aufs Land sind die zwei Roller in den Keller gewandert (dabei ist das Bild von mir und meiner Schwester entstanden). Heute, 15 Jahre später (und passend zum 75. Geburtstag der Vespa), haben wir die zwei Schätze wieder aus dem Keller geholt und machen sie für die nächste Generation startklar. Denn: Wenn's Roller brummt, ist's Herzerl gsund!

Frauen-Vespa-Power in der Familie Hoffmann: Erst Oma, dann Mama und auch die kleine Marina und ihre Schwester fahren längst auf Roller ab.
Foto: privat

69. Eigentlich war er unser Feind

Thomas Schuster, Stadtbergen: Das Bild habe ich für den Augsburger Rollerkalender 2018 gemacht. Darauf ist Hans Horn zu sehen, früher in der Roller-Szene besser bekannt war als der „Rollerjäger von Augsburg“. Also eigentlich war er ja unser Feind. Er war der gefürchtetste Motorradpolizist in ganz Augsburg und Umgebung und auf frisierte Roller spezialisiert. Horn habe schon mit einem Tritt auf den Kickstart gewusst, ob am Motor etwas illegal verändert wurde, erzählt man sich. Kaum ein Wochenende sei vergangen, an dem man als Rollerfahrer in der Stadt nicht kontrolliert wurde, denn Ende der 80er Jahre waren auch illegal frisierte Roller unterwegs. Einige Fahrer mussten Sozialdienst ableisten. Elefantenmist im Zoo schippen zum Beispiel. Hans Horn ist nun im Ruhestand. Für den Rollerkalender hat er sich aber mal italienisch "kontrollieren" lassen. Er hat eben doch ein Herz für Rollerfahrer.

"Rollerjäger" Hans Horn hat sich auch mal stilecht verhaften lassen.
Foto: Thomas Schuster

70. Mit der Vespa durch bella Italia

Barbara Bühringer: Mit 19 Jahren ging ich 1982 für ein Jahr nach Genua/Italien, um als Au-pair zu arbeiten. Im Sommer 1983 nahm mich die Signora, für die ich ansonsten den Haushalt in Genua führte, für einen Monat mit in ihre Heimat nach Tropea in Kalabrien. Dort holte mich – bevor es für mich Anfang September 1983 wieder zurück nach Deutschland ging - mein damaliger italienischer Freund mit seiner Vespa ab und wir fuhren eine Woche lang von ganz unten an der Sohle des italienischen Stiefels bis hinauf nach Genua. Wir hatten nur ein kleines Zelt dabei und besuchten die Städte Neapel, Rom, Siena und Florenz, fuhren durch die damals noch recht unberührte Landschaft des Sila Nationalparks, ein Stück entlang der Amalfiküste, durch die Toskana und weiter nördlich entlang der Cinque Terre und erlebten den Sommer in Italien, wie es eigentlich nur den Italienern vorbehalten ist: auf einer Originalen Vespa 250. Auf dem Bild bin ich zu sehen zu Beginn Reise, irgendwo in Kalabrien.

Barbara Bühringer im Sommer 1983 auf einer ganz besonderen Italienreise.
Foto: privat

71. Eine Vespa muss glitzern

Sandra Rochlitz: Da steht sie in altem Glanz - meine Vespa, die vor 30 Jahren in mein Leben gefahren ist. Es war eine Odyssee bis ich endlich stolze Besitzerin einer Vespa mit dicken Backen werden konnte.. Damals waren in meiner Clique viele Jungs mit Vespa-Rollern. Aber in welchem Zustand? Jämmerlich wäre noch geschmeichelt. Teils zerlegt, mangelhaft wieder aufgebaut und mit Farben verunstaltet. Die Vespa war eine Art Modewelle. Also musste ich auch so ein Teil haben. Auf einige Verkaufsinserate in der AZ fuhren mich meine Eltern zu den Anbietern. Teils mussten sie die Vespa, oder was man so erahnen konnte, aus dem Gerümpel in einem Geräteschuppen „ausgraben“ oder sie deuteten auf einen Korb oder so mit diversen Einzelteilen. Ich verlor die Hoffnung… Doch dann kam die neue Mitteilung, dass mein Vater in Aalen einen Vespa-Händler entdeckt und im Vorbeifahren eine Gebrauchte im Schaufenster gesehen hatte.. Also fuhren wir sofort hin und oh Wunder, der Zufall war uns hold. Es gab tatsächlich einen Vespa-Besitzer, der seine Vespa im Wohnzimmer stehen hatte und nur angeschaut, aber nicht gefahren hatte. Er konnte die letzte Reparatur nicht bezahlen; der Tank musste erneuert werden. Man einigte sich darauf, dass wir die Reparatur-Rechnung bezahlen und dafür die Vespa erhalten sollten. Dann kam der große Moment und wir holten die Vespa heim. Da ich noch keinen Führerschein hatte und der Fahrlehrer seine Fahrzeugflotte für den Winter eingemottet hatte, durfte ich nach Anbringen eines zusätzlichen rechten Rückblickspiegels auf meiner Vespa einige Fahrstunden absolvieren. Es wurde dann aber so kalt, dass ich zunächst aussetzte. Was tun in der Zwischenzeit? Alle hatten ihre Gefährte ja von pink über rosa bis schwarz umlackiert. Meine Eltern meinten aber: „Eine Vespa muss glitzern!“ Den Lack durfte ich aussuchen. In den Osterferien fuhr ich mit meinem damaligen Freund und dessen Eltern in die Ferien und als ich zurückkam war die Überraschung riesig. Da stand sie vor mir in dem metallicfarbenen Grün. Fein säuberlich und mit diversem Zierrat aufgehübscht. So hat sie mein Leben begleitet und steht noch heute in unserer Garage.

Eine Vespa muss glitzern, sagten Sandra Rochlitz' Eltern vor vielen Jahren. Das gute Stück glitzert noch immer.
Foto: privat

72. Eine Vespa kann auch springen

Peter Schwab: Das Bild ist 1992 während einer Motocross-Rallyanläßlich des Vespa-Treffens beim Ziegelstadl in Stadtbergen entstanden. Etwas ungewöhnlich für den ein oder anderen, aber auch mit der Vespa kann man Motocross fahren und sogar „springen“. Leider ist das italienische Material nicht für so etwas ausgelegt. Es hat aber für einen stolzen 3.Platz gereicht.

Peter Schwab hat 1992 bewiesen: Vespas können auch springen.

73. Mit der Vespa an den Baggersee

Heidi Götz: Stolz auf meine Vespa PK50 war ich mit 16 Jahren, damals 1988. Endlich ein fahrbarer Untersatz! Diesen Wunsch erfüllte mir mein Papa. Zu dieser Zeit fuhren sehr viele Mofa, doch ich wollte unbedingt einen Vespa-Roller. Bis heute bin ich leidenschaftliche Vespa-Fahrerin der älteren Modelle zwischen 1960 bis 1975. Irgendwie lässt einen die Leidenschaft der wohlgeformten Italienerinnen, nicht mehr los. Auf dem Bild bin ich am Baggersee in Untermeitingen zu sehen.

Heidi Götz 1988 mit 16 Jahren mit ihrer Vespa am Baggersee.
Foto: privat

74. Mit meiner Augsburg-Vespa wurde ich Vize-Europameister

Heinz Husel, Stadtbergen: Mein Vater war ein begeisterter Vespafahrer. Er fuhr sogar Rennen und hatte einen Vespa-Laden in Augsburg. Als ich zwölf Jahre alt war, zeige er mir an der Ackermannstraße in Augsburg, wie man fährt. Er saß dabei hinter mir und gab mir immer eine Kopfnuss, wenn ich einen Fehler machte. Mein erstes Rennen fuhr ich 1955 mit 16 Jahren. Damals hatte ich noch gar keinen Führerschein. Im selben Jahr rollerten meine Mutter und ich auf einer Vespa nach Italien an den Gardasee. Sie fuhr über die Grenzen, ich fuhr dann in Lazise. Ich bin aber eher der Sportfahrer gewesen. Viele Wochenenden verbrachte ich bei Rennen. Im Keller stehen die Pokale noch auf Regalen. Drei Mal habe ich die Solitude gewonnen. Das war eine wilde, schöne Zeit. Meine größten Erfolge waren der 1. Platz beim 24-Stunden-Rennen auf der Avus in Berlin, den ich zusammen mit meinem Rennpartner Hans Müller aus Königsbrunn belegte. Und mit meiner Augsburg-Vespa wurde ich 1964 bei einem Rennen in Reims in Frankreich sogar Vize-Europameister. Das war für mich nicht mehr zu toppen. Als Preis bekam ich eine neue Vespa - die verkaufte ich aber sofort und legte mir einen BMW 700 zu. Dann war ich Feuer und Flamme für Autos. Meine Augsburg-Vespa holte ich immer seltener aus der Garage. Irgendwann habe ich sie sogar verkauft. Der neue Besitzer hatte mit ihr aber einen schweren Unfall. Sie wurde verschrottet. Lange bin ich keine Vespa mehr gefahren, aber nun denke ich immer häufiger darüber nach, mir wieder eine alte Vespa zu kaufen. Dann ist aber endlich gemütliches Fahren angesagt.

Heinz Husel bei seinem ersten Rennen im Jahr 1955 in Scherneck. Da war er 16 Jahre alt und hatte noch keinen Führerschein.
Dieses Bild zeigt Heinz Husel beim Rollerrennen in Reims/Frankreich, bei dem er Vize-Europameister wurde.

75. An Ostern mit dem Roller durch die DDR in den Harz

Astrid Beil-Quandt: Als ich Ihren Aufruf las, musste ich an meine Jugend und an meine erste Liebe denken. Wir wohnten in Westberlin, mein Freund stand vor dem Abi und hatte Osterferien, während ich in meiner Lehrstelle arbeiten musste. Er fuhr mit seinen Eltern in einem VW-Käfer in den Harz nach Hohegeiß. Ich war für das Osterfest dorthin eingeladen, und damit begann für mich ein großes Abenteuer. Der ältere Bruder meines Freundes hatte damals schon einen „Motorroller“ - ich glaube es war eine Lambretta - keine Vespa. Auch er musste bis Gründonnerstag arbeiten, also holte er mich in der Nacht zum Karfreitag ab, und wir fuhren von Berlin in den Harz, damals kein so einfaches Unterfangen. Erste Station „Dreilinden“: Grenzkontrolle zur Einreise in die damalige DDR, bei der Durchreise durch die Ostzone hatte man immer ein mulmiges Gefühl. Dann die Ausreise aus der DDR in die Bundesrepublik am Kontrollpunkt „Marienborn“. Diese Grenzkontrollen waren sehr streng. Am Karfreitag-Vormittag sind wir dann durchgefroren und übermüdet am Radau-Wasserfall angekommen, wo uns mein Freund und seine Eltern in Empfang nahmen. Ostern 1956 fiel damals fast auf die gleiche Zeit - Ostersonntag 1. April - und es war mächtig kalt auf dem Roller. Es waren herrliche Tage im Harz, doch am Ostermontag war der Spaß vorbei, denn es ging mit gleicher Prozedur zurück nach Berlin. Es war ein anstrengendes und aufregendes Erlebnis für mich, egal ob mit Vespa oder Lambretta.

Auf einer Lambretta fuhr Astrid Beil-Quandt einst von Berlin durch die DDR in den Harz.
Foto: privat

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