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Gefürchtete Jäger

12.04.2019

Neue Bilder zeigen wie Weiße Haie Beute machen

Weißer Hai mit einer an der Rückenflosse befestigten Kamera. Die Forscher haben das Tier mit einem Köder angelockt.
Bild: TK Chapple

Forscher haben Kameras auf den Rückenflossen der Tiere montiert – und sehen jetzt hautnah, wie die gefürchteten Raubfische Robben reißen.

Im Seetang sind sie sicher – so dachten Meeresforscher bislang über Robben, eines der Lieblingsbeutetiere des Weißen Hais. Die Robben wussten es wohl besser. Im Meeresschutzgebiet Dyer Island vor der Küste Südafrikas hat nun ein internationales Forscherteam, an dem auch Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell beteiligt waren, bewiesen, dass dies nicht stimmt. Weiße Haie zeigen dort ein anderes Jagdverhalten als ihre Artgenossen in anderen Weltgegenden. Zum einen jagen sie auch bei Tageslicht und nicht nur in der Dämmerung. Zum anderen tauchen sie seltener zur Wasseroberfläche auf. Vor allem aber schwimmen die Weißen Haie auf der Suche nach Beute auch in die ausgedehnten Tangwälder hinein, dorthin, wo man die Kap-Pelzrobben, in den Augen der Haie fettreiche Leckerbissen, bisher sicher wähnte.

Über das Jagdverhalten des Weißen Haies ist bislang insgesamt wenig bekannt. Ein Grund dafür: Die Hatz der Haie, etwa auf Robben oder Seeotter, konnte bislang nur eher zufällig und von der Wasseroberfläche aus beobachtet werden. Junge Weiße Haie fressen vor allem Fische, da ihre Zähne noch nicht für das Zertrennen von Knochen, Haut und Muskelgewebe ausgelegt sind. Allen Haien fehlt die Schwimmblase. Deswegen müssen sie ständig in Bewegung bleiben, können aber auch in kurzer Zeit relativ tief tauchen – ein großer Vorteil bei der Verfolgung von Fischen und Meeressäugern. Ausgewachsene Weiße Haie haben den stärksten Biss aller Tierarten. Sie fressen aber wohl eher selten, vermutlich nur einige Male im Monat.

Mit moderner Technik wie leichten Unterwasserkameras und GPS-Sendern können Forscher die bis zu sechs Meter langen und im Schnitt gut zwei Tonnen schweren Tiere nun auch über längere Zeit und unter Wasser beobachten. So wie jetzt die Forscher bei dem Projekt vor der südafrikanischen Küste: Mit Ködern locken die Wissenschaftler die Weißen Haie erst an ihr Boot. Während die Tiere sich über den leichten Fang freuen, stecken die Forscher ihnen mit einigen Helfern kleine Klemmkameras an die Rückenflossen. In die Kameras integriert sind mehrere Sensoren und Sender. Nach drei Tagen Aufzeichnung löst sich das kleine Kamerapaket wieder restlos von dem Tier und treibt zur Meeresoberfläche, wo es von den Forschern geortet und eingesammelt werden kann.

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Auf kurze Distanzen sind sie bis zu 60 km/h schnell

Das Forschungsvorhaben in Südafrika ist Teil des Icarus-Projekts. Mit diesem wollen Wissenschaftler Tiere rund um den Globus auf ihren Wanderungen verfolgen. Die Tiere fungieren dabei als eine Art Biosensor. Mit den Daten, die sie liefern, wollen die Forscher zum Beispiel die Verbreitung von Krankheiten durch Tiere oder auch den Klimawandel untersuchen. Die Arbeit mit den Weißen Haien hat aber noch ein anderes Ziel: Das Wissen, wie Weiße Haie auf ihre Beute reagieren und welche Rolle dabei ihre Umgebung spielt, soll helfen, Unfälle mit Menschen zu vermeiden.

Denn obwohl Angriffe von Weißen Haien auf Menschen relativ selten sind – 80 Prozent aller aufgezeichneten Angriffe von Haien auf Menschen stammen aus den Tropen, von dort, wo Weiße Haie kaum vorkommen –, haben die Raubfische einen ganz anderen Ruf.

Tatsächlich sind Weiße Haie zwar gefährliche Jäger, aber auch faszinierende Lebewesen. Auf kurze Distanzen können die Tiere bis zu 60 km/h schnell schwimmen. Zwei Weibchen, die andere Forscher vor Südafrika mit einem Sender markiert haben, konnte man bis nach Australien verfolgen. Eines der Tiere schwamm dann wieder zurück – in nur neun Monaten hat es tausende Kilometer zurückgelegt. Obwohl die Tiere in den meisten Meeren der Welt vorkommen und ihnen maximal Orcas gefährlich werden können, ist ihr Bestand gefährdet. Weiße Haie werden wohl bis zu 70 Jahre alt, aber sie bekommen nur wenige Junge und brauchen Jahre, um geschlechtsreif zu werden. Vor allem im Mittelmeer sind sie längst selten.

Aber die Tiere sind auch anpassungsfähig. So sagt Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie, nach Auswertung der ersten Daten aus Südafrika: „Es könnte sein, dass die Haie individuell unterschiedliche Jagdstrategien besitzen. Vielleicht haben sie aber auch lokal unterschiedliche Jagdtraditionen entwickelt. In diesem Fall wären unsere Ergebnisse der erste Nachweis für lokale Traditionen bei Fischen.“

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