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Die Pflege fremder Haustiere ist Ehrensache

Sören Becker
Kommentar Von Sören Becker
01.08.2021

Irgendwo muss man mit der Solidarität anfangen. Zum Beispiel, in dem man in der Urlaubszeit die Haustiere des Nachbarn füttert, findet unser Autor Sören Becker.

Wer Tiere hat, hat viel zu tun. Sie müssen gefüttert, ausgeführt und gebadet werden. Wer sich anständig um seinen Hund, seine Katze oder seinen Vogel kümmert, hat nicht nur Respekt, sondern auch eine Pause verdient. Natürlich wäre es besser, sein Tier mit in den Urlaub zu nehmen, doch das ist nicht in allen Fällen möglich. Während es durchaus möglich ist, eine Fernreise mit Hund zu organisieren, ist das bei einer Schlange oder einem Salzwasseraquarium schon schwieriger. So lange der Aufwand ein vertretbares Maß nicht übersteigt, ist ein bisschen Unterstützung von Freundinnen oder Nachbarn nicht zu viel verlangt. Das ist gelebte Solidarität, nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit den Tieren. Schon Bertolt Brecht hat gedichtet, dass darin unsere Stärke besteht. Und zwar beim Hungern und beim Essen.

Bertolt Brecht hätte für seinen Nachbarn die Hunde gefüttert

Und eines kommt hinzu: Wer andere Menschen unterstützt, hat eine gute Chance, den Gefallen zurückzubekommen, wenn er es nötig hat. In der Anthropologie nennt man dieses Prinzip verzögerte Gegenseitigkeit und es ist die Basis für ganze Gesellschaften.

Zum Beispiel die Kung in der Kalahari, die über gegenseitige Geschenke und Gefallen ihren Stamm zusammenhalten. Das geht so weit, dass sie ein Viertel ihrer Zeit nur damit verbringen sich gegenseitig Gefallen zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das hat es ihnen ermöglicht, zahlreiche Dürren und Hungersnöte sowie den Kolonialismus zu überleben. Wer dem Vorbild nacheifern will, könnte ja damit anfangen, die nachbarlichen Fische zu füttern. Denn, um noch einmal Brecht zu zitieren: „Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich.“ Vielleicht wird man ja zum Dank auf den nächsten Grillabend eingeladen.

Lesen Sie dazu auch den Contra-Kommentar: Warum die Nachbarskatze in den Ferien nicht betreut wird

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