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Interview

06.12.2020

Robbie Williams verbringt Weihnachten im Schlafanzug

Robbie Williams hat mit "The Christmas Present" ein neues Album herausgebracht. Hier spricht er auch über Privates.
Bild: Sony

Robbie Williams ist gerade in Quarantäne. Er spricht über sein Leben mit vier Kindern, die Pläne fürs Fest und neue Musikprojekte.

Robbie, wie läuft es denn bei Ihnen denn so?

Robbie Williams: Ganz gut. Ich bin seit ein paar Tagen wieder in England, zelebriere meine Quarantäne. Ich darf jetzt zwei Wochen lang nicht vor die Tür. Für mich ist das gar nicht schlimm. Mein Leben in England ist sowieso wie ein einziger Lockdown. Immer, wenn ich hier bin, halte ich mich hinter verschlossenen Türen auf. Insofern ist das Leben für mich im Moment so wie immer.

2020 war ein ziemlich extremes Jahr für Sie und für alle. Sind Sie froh, wenn es zu Ende ist?

Williams: Sagen wir so: Ich kann es kaum noch abwarten, dass 2021 beginnt. Lasst uns endlich eine neue Ära beginnen, ein neues Leben, eine neue Form von Normalität begrüßen. Aber ich muss auch sagen: Ich habe unheimlich gerne so viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Wir haben das auch genießen können. Ich fand es mal ganz angenehm, kein Teil des Showgeschäfts sein zu müssen. Also, meine Gemütsverfassung ist wirklich sehr gemischt. Sehr einerseits-andererseits.

Sie sehen echt frisch aus, muss man sagen: gesund und ausgeruht.

Williams: Danke, ich weiß. Wenn du zu Hause bist, ist jeder Tag derselbe, und damit ist auch dein Tagesablauf in jeder Hinsicht normaler und planbarer. Ich habe sehr regelmäßig Sport gemacht und viel besser gegessen. Wenn ich arbeite, dann geht mir meine Arbeit immer sehr nah, es wird für mich schnell sehr emotional. Und ich neige dazu, meine Emotionen mit Essen zu spiegeln. Oder ich falle erst um 5 Uhr morgens ins Bett, weil der Abend voll ist mit Arbeit. Während Covid ist es mir definitiv deutlich leichter gefallen, ein normaler Mensch zu sein, wie ein normaler Mensch zu leben.

Anfang des Jahres sind Sie zum vierten Mal Vater geworden. Ihr Sohn Beau kam im Januar zur Welt. War bestimmt eine feine Sache, den kleinen Kerl in aller Ruhe kennenlernen zu können, oder?

Williams: Oh ja, das stimmt. Aber er ist ja schon der Vierte. Wir haben die Kinder jetzt quasi in zwei Teams aufgeteilt. Die beiden Älteren, Teddy und Charly, sind unser „Team A“, Colette und Beau sind „Team B“. „Team A“ kann schon Sachen machen, Mist bauen, lachen und mit uns reden bis zum Umfallen. Team A bekommt eine Menge persönlicher Zeit mit seinen Eltern. Team B wiederum hat noch einiges aufzuholen.

Wird Team A langsam neugierig, was das Leben seines Vaters angeht, bevor es zur Welt kam?

Williams: Nein, glücklicherweise noch nicht. Ich kann jedoch sagen, dass meine Tochter irgendwie elektrisiert ist von dem Umstand, dass sie einen berühmten Vater hat. Sie versucht zu verstehen, was dieser Ruhm genau bedeutet. Sie kapiert langsam, dass Leute wegen mir mit ihr sprechen wollen, dass sie also wegen mir sozusagen interessant ist. Sie ist acht. Sie ist da gleichzeitig geschmeichelt, aber auch ein bisschen misstrauisch und skeptisch, was die Leute von ihr wollen könnten. Sie ist gerade jedenfalls dabei, mein Leben zu entwirren und zu verstehen. Und ich bin 46 und ebenfalls damit beschäftigt, mein Leben zu entwirren und zu verstehen.

Wird das wohl noch was?

Williams: Ich fürchte, ich werde zu Lebzeiten diese Überlegungen nicht abschließen können.

Ihre Tochter singt ja auch mit Ihnen den Song „Home“ auf dem Weihnachtsalbum „The Christmas Present“. Wie stolz ist Sie auf das Duett?

Williams: Teddy wollte unbedingt dabei sein. Aber das war vor über einem Jahr. Jetzt will sie lieber ihr eigenes Ding machen. Sie ist wie ich in Take That (lacht). Ja, echt, sie will nicht einfach bloß einen Song singen. Sie will mehr. Sie will alles mit ihrem Teddy-Ding garnieren. Es macht Spaß, ihr dabei zuzuschauen.

Als Sie acht Jahre alt waren, sind Sie da ähnlich drauf gewesen wie Ihre Älteste? Ihr Vater war ja selbst schon ein Showman und ein Unterhaltungskünstler.

Williams: Der Unterschied ist: Wir haben ein Tonstudio im Haus, und Teddy kann dort rein und sich einbringen. Als ich acht war, konnte ich nicht einfach zu meinem Vater auf die Bühne klettern, denn das, was er machte, war Erwachsenenarbeit. Aber wenn ich gekonnt hätte, wäre ich wie Teddy gewesen.

Wollten Sie als Kind die Sachen machen, die die Erwachsenen machen durften?

Williams: Total. Ich wollte Autofahren lernen – wozu ich dann später nie gekommen bin. Ich habe bis heute keinen Führerschein. Als Junge war ich überzeugt, dass du als Erwachsener sämtliche Freiheiten hast. Die hast du tatsächlich. Aber du ahnst als Kind noch nicht, dass du für alle deine Freiheiten einen Preis bezahlen musst.

Ihre neue Single „Can’t Stop Christmas“, deren Text sich um Weihnachten im Corona-Jahr dreht, ist einerseits amüsant und voller Humor, aber der Text ist auch ganz schön ernst für Ihre Verhältnisse – Sie singen beispielsweise, dass sich das Leben gerade anfühle, als seien wir im Krieg. Was haben Sie sich bei dem Song gedacht?

Williams: Humor ist einfach Teil meiner Persönlichkeit. Mit sehr ernsten Themen gehe ich so um, dass ich versuche, auch darüber zu lachen. Ich liebe dunkle, finstere Witze. Und doch steckt in dem Song viel Aufrichtigkeit. So war mein Jahr – traurig und zugleich aufbauend. Tragisch und doch auch lustig.

Wie werden Sie Weihnachten denn verbringen in diesem Jahr?

Williams: Wir sind hier zu Hause in England, mit der Familie und ein paar Freunden.

Kommen Ihre Eltern auch?

Williams: Dieses Jahr ist mein Vater an der Reihe. Er kommt zu uns.

Kein Thema, Weihnachten dieses Jahr sozusagen ausfallen zu lassen?

Williams: Nein. Wir lassen uns Weihnachten nicht nehmen. Weihnachten ist ein Zustand, eine Gemütsverfassung. Ich liebe Weihnachten. Wir feiern. Und wir werden alles dafür tun, dass es ein sicheres Weihnachten wird.

Hat die Familie Weihnachtsrituale?

Williams: Alle bekommen einen Stiefel, voll mit Schokolade und anderem Süßkram. Und wir ziehen alle den gleichen Schlafanzug an. Das genügt uns an Ritualen.

Echt? Alle im selben Schlafanzug?

Williams: Aber hallo! Oder Onesies. Alle sechs. Mit den Dingern rennen wir dann um den Baum. Zumindest diejenigen von uns, die schon rennen können.

Habt ihr jedes Jahr andere Anzüge?

Williams: Haben wir. Aber auch hier ist die Frau zuständig. Sie sucht die Teile traditionell aus, ich halte mich komplett raus aus der Onesie-Frage.

Welches Weihnachten war Ihnen das Allerliebste?

Williams: Das Weihnachten, als ich acht oder neun war und mein erstes BMX-Rad geschenkt bekam. Im Laufe meiner Kindheit hatte ich zwei BMX-Räder. Sie waren immer mein liebstes Transportmittel. Jeden Tag bin ich mit dem Rad durch die Gegend gekurvt.

Wie sind Sie und Ayda so als Eltern? Eher entspannt? Oder supervorsichtige Helikopter-Eltern?

Williams: Hm, ich würde sagen, ich bin weniger ein Helikopter-Elternteil als meine Frau. Und sie ist weniger ein Helikopter-Elternteil als die meisten ihrer Freundinnen. Aber wir passen schon gut auf die Kinder auf. Meine Kindheit war eine ganz andere. Ich verließ das Haus und war den ganzen Tag weg. Niemand wusste, wo. Und niemanden interessierte es. Das ist bei unseren Kindern anders.

Meinen Sie, die verpassen was? Sollten die Kinder mehr Abenteuer erleben?

Williams: Ich würde den Kleinen ja eine Kindheit gönnen, wie ich sie hatte. Wild und frei. Aber die Welt war damals irgendwie sicherer als heute, zumindest dachten wir das. Meine Kinder können hoffentlich noch genug Abenteuer erleben, wenn sie ein bisschen älter sind.

Wenn Sie wie jetzt in England sind, vermissen Sie eigentlich Ihr Zuhause in Los Angeles?

Williams: Nein. Aber umgekehrt auch nicht. Ich habe nirgendwo Heimweh. Ich bin ein Nomade. Ich langweile mich auch schnell, wenn ich lange an einem Ort sitze. Ich brauche die Bewegung. Ich muss mindestens alle drei Wochen weiterziehen.

Ändert sich das mit dem Älterwerden? Sind Sie heute sesshafter als vor 20, 30 Jahren?

Williams: Nee, nicht wirklich. Ich kenne ja auch kein anderes Leben. Ich lebe aus dem Koffer, seit ich 16 bin. Das hat mich geprägt. Ich stecke seit 1993 in Quarantäne.

Sie und Ayda, ihr seid dieses Jahr zehn Jahre verheiratet. Haben Sie ein bisschen feiern können?

Williams: Doch, wir haben irgendwas gemacht, mir fällt es nur gerade nicht ein. Warte. Ahhh, wir waren zusammen in den Bergen. Ein großartiger Tag war das. Wir sind wandern gewesen. Unglaubliche Ausblicke haben wir genossen. Die richtig große Party, die wollen wir im nächsten Jahr machen.

Arbeiten Sie eigentlich aktuell an neuer Musik?

Williams: Ja! Ich habe ein Projekt, das im Frühjahr passieren soll. Ich will frische Sachen machen. Es kommen zwei Alben, ich bin Teil einer Band, mache Dance Music und will auch als DJ auftreten.

Weihnachten ist das Fest der Exzesse. Alkohol und Essen, wohin das Auge blickt. Sie trinken seit zwanzig Jahren nicht mehr und haben sich auch sonst den Drogenkonsum abgewöhnt. Ist es Weihnachten schwer, nüchtern zu bleiben?

Williams: Nein, überhaupt nicht. Mein Verlangen nach Rauschmitteln ist verflogen und einfach nicht mehr da. Aber, was das Essen angeht, okay, ich werde nichts kochen, aber ich will mir alles reinhauen, was da ist. Einmal im Jahr darf man das.

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