Auf Spiritus oder Alkohol als Brandbeschleuniger sollte man beim Grillen verzichten.

Klassisch, nostalgisch, exotisch: Welcher Grilltyp sind Sie?

Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Sommerzeit ist Grillzeit. Aber was wird wie gegrillt? Wir haben uns auf fünf Grillabenden eingeladen und genau hingeschaut. Eine kleine Typologie des Grillens.

Fleisch oder Gemüse? Holzkohle oder Gas? Barbecue-Soße oder Ketchup? Mit oder ohne Aluschale? Grillen ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen, doch es gibt dutzende unterschiedliche Wege, diese Aktivität auszuüben. Wir haben uns einmal umgeschaut, um zu klären, was wie auf den Grill kommt. Folgende Grilltypen haben wir in Augsburg kennengelernt:

Klassisch-Grillen

Klassisch Grillen

Foto: Sören Becker

Grillgut: Nackensteaks, Würstchen, Grillkäse – die Klassiker halt.

Grillart: Holzkohle natürlich.

Beschreibung:Die in Mitteleuropa häufigste Unterart im Grillkosmos.  Ihr Lebensraum zeichnet sich mitunter durch eine Art pragmatischen Holzkohle-Barock aus. Plastikmöbel und Bierzeltgarnituren, Schnittblumen, Gartenzwerge und Deutschlandfahnen. Das Herzstück des Ensembles ist auffällig oft ein Grill der Marke Weber. Entweder in der budgetschonenden Version (schwarz und kugelförmig) oder quaderförmig in Edelstahloptik mit ausklappbaren Tischen.

Frank und Matthias Pfaller vor ihrem Kugelgrill.
Foto: Sören Becker

Fallbeispiel: So auch bei Familie Pfaller. Gastgeber und Hobbykoch Frank Pfaller hat sich für den Kugelgrill entschieden. Die Männer spielen Darts und wenden sich ab und zu dem Grillgut zu. Die Frauen und Kinder sitzen an einem mit Spielzeug, Tellern und Wasserflaschen überzogenen Plastiktisch unter einem Sonnenschirm und reden. Eine der Frauen stillt ein Baby. Wenn das Wetter schön ist, wird die ganze Großfamilie per WhatsApp zusammengetrommelt. Dann kann es schon mal sein, dass vier Generationen im Garten sitzen. Dabei gibt es eine traditionelle Rollenverteilung: „Grillen ist so ein Männerding“, findet Grillmeister Frank. „Frauen haben daran gar kein Interesse“, glaubt auch sein erwachsener Sohn Matthias.

*

Ähnlich wie bei Pfallers läuft es wohl auf den meisten Grillabenden. Laut einer Studie des Fachmagazins Aufgetischt sind 81 Prozent der grillenden Personen in Deutschland männlich. Scheinbar haben die meisten Frauen kein Problem damit: Nur ein Viertel der weiblichen Befragten gab bei einer Umfrage des Lebensmittelmagazins an, selbst gerne am Grill zu stehen. 82 Prozent antworteten, mehr Spaß bei der Zubereitung von Salaten und Beilagen zu haben.

*

Insgesamt sollen bis zu einer halben Tonne Fleisch, Fisch und Gemüse gebraten werden. Symbolbild: Frank Rumpenhorst

Nostalgie-Grillen

Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Grillgut:Wurstschnecken, Grillfackeln, Schweinebauch, Nackensteaks mit Kräutermarinade.

Grillgerät:Der Grill ist ein Klassiker und hat Antiquitätenwert. Betrieben wird er traditionell mit Holzkohle.

Beschreibung: Nostalgie-Grillen ist die radikalere Version des Klassisch-Grillens. Für diese Nostalgiefans ist Grillen eine Tradition, die gepflegt werden muss. Neumodischer Kram wie Grillkäse kommt ihnen nicht auf den Rost. Meist älteren Semesters haben sie eine pragmatische Beziehung zu ihrem Grillgerät. Devise: Weniger ist mehr und bloß keine Sperenzchen.

Fallbeispiel:Bei Reßls in der Schrebergartenanlage Westend dröhnt es. Fritz Reßl will mal wieder grillen. Mit einer Wärmepistole, einer Art Hochleistungsföhn, bringt er die Kohlen zum Glühen. Spiritus ist ihm zu gefährlich, alles andere ist ihm zu schwer. Der Körper des Rentners macht nicht mehr so mit wie früher. Das Garen des Fleisches muss immer öfter seine Frau übernehmen, doch das Anzünden will er sich nicht nehmen lassen. Als er vor 50 Jahren anfing, regelmäßig zu grillen, ging ihm das alles noch leichter von der Hand. Er grillt etwa alle zwei bis drei Wochen, wenn die Wetterlage es hergibt. „Früher haben wir weniger gegrillt, da ging es auch um’s Geld“, sagt er. Heute muss er die Kosten nicht mehr scheuen. Am liebsten schmeißt er den Grill an, wenn die Kinder zu Besuch sind: „Für zwei Leute ist es mir ehrlich gesagt zu viel Arbeit“, sagt er.

*

An Grill oder Holzkohle kann man sich leicht verbrennen. Mit Eis sollte besser nicht gekühlt werden.
Foto: Friso Gentsch (dpa)

Laut der Studie von Aufgetischt haben 70 Prozent der grillenden Haushalte in Deutschland einen Kohlegrill, 50 Prozent einen Gasgrill und 30 Prozent einen Smoker. Infrarot, Oberhitze, Strom-, Pellet- und Keramikgrills waren mit jeweils ungefähr zehn Prozent vertreten. Das sind zusammengerechnet deutlich mehr als 100 Prozent, denn der Trend geht zum Zweitgrill. Offensichtlich trauen sich immer mehr Deutsche zu, ihren Weg durch dieses Geräte-Dickicht zu finden: 45 Prozent der Befragten halten sich laut dem Marktforschungsinstitut Nielsen für „Grillexperten“.

*

Wenn Gemüse wie Zucchini und Paprika oder Pilze nicht mehr ganz taufrisch erscheinen, sind sie immer noch gut für den Spieß auf dem Grill.

Fleischlos Grillen

Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Grillgut: Paprika, Kartoffeln, Zucchini, Gemüse. Dazu Tofu, Saitan und Pilze.

Grillart: Die direkte Flamme wird mit Aluschalen und -folie vermieden, weil schlecht für die Gesundheit und matschiges Gemüse schmeckt ja auch nicht.

Beschreibung: Die Minderheit in der Grillszene. Sie sind meistens etwas jünger und haben eine beengte Wohnsituation, die keine Grillparties zulässt. Anzutreffen demzufolge meist auf öffentlichen Grillplätzen oder in der Natur.

Fallbeispiel:Milan Muckhoff klappert mit seiner Grillzange und wendet die Portobello-Pilze auf seinem Minigrill. Dabei handelt es sich um einen übergroßen Champignon. Der junge Mann hat seine Mitbewohnerin und seinen Mitbewohner eingepackt, den Grill aufs Lastenrad gepackt und ist an die Wertach gedüst. Dort sitzen die drei nun und warten mit einem Bier in der Hand auf die Portobello-Pilze, die in Alufolie eingewickelt sind, „sonst werden sie zu trocken“. Die WG lebt seit Jahren vegan, doch auf das Grillen will sie nicht verzichten. „Das gehört für uns zum Sommer einfach dazu. Und auch ohne Fleisch macht es Spaß“, sagt Milan.

*

Immer öfter landen Grillkäse, Pilze, Gemüsespieße & Co. auf dem Grill. Nur zwölf Prozent der Deutschen geben laut einer Studie des Geflügelherstellers Wiesenhof an, ausschließlich mit Fleisch zu grillen. Dennoch scheint auch Schlachtgut auf dem Rost für die allermeisten nicht wegzudenken zu sein. Nur zwei Prozent der Deutschen grillen rein vegetarisch. Soße ist außerdem für die meisten ein Muss. Nur zwei Prozent der Deutschen verzichten darauf. Immer neue Soßenkreationen tauchen in den Supermarktregalen auf und machen den Klassikern Ketchup und Senf Konkurrenz.

*

Exotisch Grillen

Foto: Sören Becker

Grillgut: Eine bunte Mischung. Die Inspiration stammt meist aus anderen Ländern, vom Kebabspieß bis zum norwegischen Stockfisch.

Grillgerät: Auch hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Vom kroatischen Sac bis zum britischen Keramikgrill ist alles vertreten.

Beschreibung: Exoten-Grillen sorgt für Vielfalt in der hiesigen Grilllandschaft. Es liefert Abwechslung und wenn alles gut läuft, das Trendgrillgerät von morgen. Die Ideen werden häufig aus dem Urlaub oder aus der Heimat mitgebracht.

Fallbeispiel:Konstantin Companietz steht mit freiem Oberkörper vor seinem Schuppen und dreht die Spieße in seinem Mangal. Diese Grills sind vor allem in Russland und Konstantins Heimat, der Ukraine, beliebt und extra für Grillspieße konzipiert. Ein Mangal hat eine rechteckige Grillfläche mit Einkerbungen für metallische Spieße, die ein bisschen wie ein Säbel aussehen. Konstantin hat damit dicke Stücke Schweinefleisch aufgespießt. Auf der anderen Hälfte des Grills brutzelt ein weißer Fisch vor sich hin, dessen deutschen Namen Konstantin nicht kennt. Seit sechs Jahren ist er hier und die Sprache ist noch eine Herausforderung für ihn. Er denkt kurz nach: „Alle grillen, auf der ganzen Welt. Das ist Völkerverständigung“, sagt er.

*

Laut der Aufgetischt-Studie wird am häufigsten gegrillt, wenn Gäste kommen. Wer die Grillstudie des Marktforschungsinstituts Nielsen liest, erfährt auch, dass es eine wachsende Zahl von „Sologrillern“ gibt. Immerhin schon 22 Millionen Menschen werfen auch den Grill an, wenn keine Gäste kommen.

*

Das "Nur für uns"-Grillen

Foto: Sören Becker

Grillgut:Was gerade im Haus ist. Solo-Grillen findet besonders oft und spontan statt, weil jemand keine Lust hat, drinnen zu kochen. Extra einkaufen zu gehen oder lange im Voraus planen, passt da nicht rein.

Grillgerät:Häufig gibt’s mehrere Optionen. Meist wird auf Gas oder Strom gesetzt. Das geht schneller. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Beschreibung:Wer solo grillt, mag’s schnell und schmerzlos – und hat keine Lust auf Herd.

Fallbeispiel:Georg Kucharz stochert mit seiner Grillzange in den brennenden Kohlen auf seinem mannshohen Backsteingrill herum. Auf seiner Terrasse hängt eine Deutschlandfahne neben Dekoresten vom 50. Geburtstag seiner Frau Katerina. Ein Fernseher überträgt Live-Bilder aus den Hochwasserregionen. Er grillt bei jedem Wetter. „Und wenn es draußen zu kalt ist, gehen wir halt wieder rein.“ Grillen, das ist für Georg Entspannung. Ein Ofenrohr pustet den Rauch auf die Straße. Georg ist stolz auf seinen Backsteingrill. Er wollte keinen Standardgrill aus dem Baumarkt. Also hat er ihn mit seinem Schwiegervater selbst gemauert. Mittlerweile ist sein Schwiegervater tot. Immer, wenn Georg grillt, muss er an ihn denken. „Wie es war, als er noch hier war“, sagt er und blickt ins Feuer. Heute brutzeln darüber Schaschlikspieße.

*

Die Deutschen grillen zu allen Jahreszeiten. 99,991 Prozent tun dies laut Aufgetischt im Sommer und fast so viele im Herbst und Frühjahr. Mehr als die Hälfte der befragten Menschen gibt an, im Winter zu grillen. In Deutschland grillen alle Altersstufen gerne und laut der Aufgetischt-Studie etwa dreißig Prozent der Menschen in allen Altersgruppen regelmäßig. Die Hälfte der Befragten vervollständigt den Satz „Grillen ist...“ mit „ein Lebensstil“.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Sören Becker