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Sommermärchen
18.08.2018

In Rennertshofen setzen sich Mädchen für ihre Ponys ein

Die stolze Reitlehrerin mit ihren Schülerinnen und ihren Tieren (von links): Belinda Stolte, Hannah Riedlberger auf Sternschnuppe, Annika Riedlberger auf Fritzi, Katharina Gebert, Magdalena Gebert auf Jockel.
Foto: Denis Dworatschek

Nach einem Brand in Rennertshofen im Landkreis Landkreis Neuburg-Schrobenhausen haben Kinder von selbst Geld für den Besitzer gesammelt.

Ein Brand kann in Minuten Existenzen zerstören. In Rennertshofen bei Neuburg an der Donau stand Ende Juni eine Scheune lichterloh in Flammen. Gefüllt mit Heu, Gerste und landwirtschaftlichen Geräten. Alles zerstört. Fünf Mädchen erfuhren schnell von dem Vorfall – und auch sie waren betroffen. War doch das Futter für ihre Lieblinge gedacht: Fünf Ponys, auf denen sie wöchentlich reiten. Ohne den Eltern etwas zu sagen und ohne sich mit jemand anderem abzusprechen, beschlossen die fünf zu helfen.

Hannah und Annika Riedlberger, Katharina, Magdalena und Helena Gebert basteln Ketten, malen Bilder und Postkarten. Im Keller und auf dem Dachboden des Elternhauses suchen und finden sie Kleinigkeiten, die sonst nur verstauben würden. Sie falten und kleben Papierblumen, fertigen Papierblüten und -herzen mit Sprüchen an. Als Papa Gebert mit rund 60 Gästen Geburtstag feiert, beginnen die Kinder ihre Sachen zu verkaufen. „Wir waren ganz überrascht“, sagt Mutter Tanja. Urplötzlich seien sie von Gast zu Gast gegangen und haben das Gebastelte angeboten. „Schnell wurde ein Tisch bereitgestellt, um einen kleinen Flohmarkt zu veranstalten“, erzählt Mutter Simone Riedlberger. Wie Marktschreier haben die Kleinen die Sachen angepriesen. „Gäste haben sich sogar Geld von anderen geliehen“, erinnert sich Gebert.

Von der Scheune stehen nach dem Brand nur noch die Grundmauern

106 Euro kommen am Ende zusammen. Alles verpackt in einem kleinen Häuschen, das an die abgebrannte Scheune erinnern soll, übergeben sie das gesammelte Geld an Belinda Stolte. Sie ist die Reitlehrerin der Mädchen und die Tochter des Besitzers der Halle. „Ich hatte Tränen in den Augen, als sie es mir übergaben“, sagt die 43-Jährige. Noch immer sitzt der Schock tief. Kurz nachdem das Feuer ausgebrochen war, sei sie zur Scheune gefahren. „Ich konnte es nicht fassen, man fühlt sich machtlos“, sagt Stolte. Nur die Grundmauern stehen noch, tagelang räumten ihr Mann, ihr Vater und Freunde Schrott heraus. Für sie war es der zweite Brand, den sie hautnah miterlebte. „Die ganzen Erinnerungen sind wieder hochgekommen, es war schrecklich“, erzählt Stolte. Glücklicherweise sei beim Brand niemand zu Schaden gekommen, trotzdem habe das verbrannte Futter die Familie hart getroffen. „Das hatten wir erst ganz frisch abgemäht“, sagt sie. Und bis es Geld von der Versicherung gibt, würde es auch noch dauern. Deswegen sei jede Hilfe goldwert.

Die Mädchen sind zwischen fünf und zehn Jahre alt. Manche reiten schon seit drei Jahren. „Sie lernen viel über die Körpersprache der Tiere und über den Umgang mit ihnen“, erklärt Stolte. Daher bestehe eine tiefe Verbundenheit mit den Ponys. „Wir haben Angst gehabt, dass sie hungern müssen“, sagt Hannah. Stolte ist immer noch tief bewegt von der Aktion ihrer Schülerinnen: „Andere Kinder sitzen bei so einer Geburtstagsfeier vor dem Fernseher und kommen nie auf so eine Idee.“ Zum Dank schenkte Stolte den Mädchen einen Ausritt mit den Ponys.

Vielleicht wird die Halle noch dieses Jahr neu aufgebaut

Wie es zu dem Brand kam, sei noch nicht abschließend geklärt. Die Kriminalpolizei war vor Ort, vermutet aber, dass es sich um einen Heubrand handelte. Derzeit lagert das Futter der Tiere in der Reiterhalle. Andere Bauern haben mit Gerätschaften ausgeholfen. Die Halle soll bald wieder aufgebaut werden, vielleicht noch dieses Jahr.

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