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Sonnenbrille zum Plaudern nicht absetzen? Geht gar nicht!

Kommentar Von Michael Schreiner
26.07.2020

Die Sonne scheint, die Sonne blendet - beim Smalltalk sollte man die Sonnenbrille dennoch abnehmen, findet unser Autor.

Kommt es denn darauf überhaupt noch an in Zeiten, da wir uns an großflächig mit Mund-Nasenschutz verhüllte Gesichter gewöhnt haben, die womöglich noch von Fahrradhelmen gekrönt sind? Ja. Gerade dieser Masken-Sommer zeigt, wie wichtig es ist, sich trotzdem noch mit „offenem Visier“ zu begegnen. Ob Nasenspitze, Zahnreihen und Doppelkinn sichtbar sind, ist zweitrangig. Entscheidend ist der Blickkontakt, entscheidend ist die Augenpartie.

Die Brille ist ein Accessoire wie Bart und Wimperntusche

Wenn das Anschauen eines anderen an einer glatten Sonnenbrille abprallt wie an einer geschlossenen Türe (womöglich noch giftgrün oder schwarz alles verschluckend oder gar verspiegelt), ist das nicht nur unangenehm. Dunkle Gläser vereiteln eine Begegnung auf Augenhöhe. Sonnenbebrillte, die es nicht für nötig halten, bei der Begegnung auf der Straße das Ding abzunehmen, oder hochzuschieben, erscheinen ignorant und unhöflich und imprägnieren sich gegen zwischenmenschliche Zugewandtheit. Vermutlich ist in ihren Augen auch die Sorge ums eigene coole Aussehen wichtiger als eine entgegenkommende Geste für das Gegenüber. Wohin auch mit der Sonnenbrille? Das umständliche Gefummel kann man sich doch sparen, schließlich ist die Sonnenbrille ein Alltags-Accessoire wie Bart oder Wimperntusche – und die nimmt man ja auch nicht ab, bloß weil man kurz draußen stehen bleibt, um mit Leuten ein paar schicke Worte zu wechseln …

Wie begegnet man also jemandem, der nicht von selbst spürt, dass das Anbehalten der Sonnenbrille Missachtung, zumindest Desinteresse dem anderen gegenüber ausdrückt, Menschen also, die zu einem Perspektivwechsel gar nicht mehr in der Lage sind? Wenn nicht von Angesicht zu Angesicht, dann doch zumindest mit Stirnrunzeln.

Lesen Sie auch den Pro-Kommentar von Lea Thies.

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