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Pro-Kommentar

26.10.2020

Wütend auf Corona-Verbreiter sein? Ja, darf man!

Ja, man darf wütend auf Corona-Verbreiter sein, findet unsere Autorin.
Bild: stock.adobe.com (Symbolbild), Montage: Aumann

Wer jetzt kurz Party macht, versaut möglicherweise anderen für ziemlich lange Zeit das Leben, findet unsere Autorin.

Ja, ich finde schon, dass man wütend sein darf. Was ist eigentlich so schwer daran, sich wenigstens für eine gewisse Zeit zurückzunehmen? All dies, was wir jetzt in Kauf nehmen müssen, ist nicht für die Ewigkeit. Wer angesichts der Zahlen in Deutschland und der Entwicklung in den anderen Ländern Europas noch immer nach dieser Ach-wird-schon-gut-gehen-Mentalität lebt, befindet sich entweder im Tal der Ahnungslosen oder auf einem anderen Stern. Schön, wenn man sich um niemanden kümmern oder sorgen muss.

Gemeinschaft funktioniert nur, wenn man Rücksicht nimmt

Wenn ich nun also Hotelier in Berchtesgaden wäre und zum zweiten Mal in diesem Jahr meine Gäste hätte nach Hause schicken müssen, nur weil ein paar Leute gedacht haben, dass man a bisserl Party scho machen könnte, dann wäre ich schon sehr wütend. Wieder Einnahmeausfälle, wieder Sorgen, wie lange wohl die Mitarbeiter bezahlt werden können, schon wieder Unsicherheit. Genauso, wenn ich meinen pflegebedürftigen Angehörigen im Altenheim nicht mehr besuchen dürfte. Oder wenn ich als Familie von den Schulschließungen betroffen wäre, dann würde es geradezu an ein Wunder grenzen, wenn ich ganz entspannt bliebe. Super, wieder kein Unterricht möglich, den mein Kind aber dringend bräuchte. Toll, dass ich wieder die Betreuung und das Homeoffice organisieren darf. Na, vielen Dank!

Gemeinschaft muss viel aushalten, das ist richtig. Die Frage ist aber, ob man sie durch Leichtsinn strapazieren muss. Sie funktioniert halt auch nur, wenn man aufeinander Rücksicht nimmt. Haben nicht alle in diesem Frühjahr diese Regenbogenbilder gemacht und ins Fenster geklebt? Alles wird gut? Und jetzt im Herbst: Ein bisschen Spaß muss sein? Wer jetzt kurz Party macht, kann aber anderen für ziemlich lange Zeit das Leben versauen.

Lesen Sie auch den Kontra-Kommentar von Wolfgang Schütz.

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