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Debatte
22.01.2022

Pro und Contra: Jetzt schon Tulpen kaufen?

Tulpen im Januar? Sieht natürlich schön aus. Aber....
Foto: Andrea Warnecke, dpa

Tulpen im Januar? Gibt es überall zu kaufen. Eigentlich klar, dass das nicht gerade ökologisch ist. Also: Trotzdem machen oder besser sein lassen? Ein Pro-und-Contra.

Ja, Farbe ins trübe Januarlicht bringen!

Ein bunter Strauß Tulpen auf dem Tisch und der Frühling ist da – im Januar schon? Ja, natürlich weil die Knolle so gezüchtet wird, als Massenware in über 4000 Sorten in holländischen Treibhäusern mit Anbauflächen, groß wie Fußballfelder. Aber sie bringt uns trotzdem nicht nur Licht ins trübe Januarlicht, sondern hat uns auch noch etwas zu erzählen.

Aus Mittel- und Zentralasien über Persien kam sie in die Türkei (türkisch: „tülbend“). Verschenkte man im alten Persien die seltene wilde Blume, galt es als Liebeserklärung. Im Osmanischen Reich für ihre turbanähnliche Form bewundert, blühten kultivierte Tulpen im 16. Jahrhundert in den Gärten des Sultans – oder in Augsburg.

Die erste Tulpe in Europa erblühte nämlich nicht in Holland, sondern dort im Garten des Patriziers Johann Heinrich Herwart. Die Zwiebeln ließ der Bankier 1557 mit großem Aufwand aus Konstantinopel einführen. Im Frühjahr 1559 brachte er sie erstmals zur Blüte. Von Augsburg aus setzte die Tulpe zum Siegeszug durch Europa an. Gipfel war die „Tulpomanie“, als in den Niederlanden um 1630 ihre Zwiebeln wertvoller waren als Gold. Die ganze kulturhistorische Pracht der Blume zeigt die Ausstellung „Tulpenschau im Gartenbau“ ab 8. April in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Im Vorgarten blüht die „Tulpe Augsburg“ auch in Natur. 400 Jahre nach ihrer ersten Blüte wurde sie 1959 neu gezüchtet. Bis die Schau öffnet, gehe ich im Blumenladen Tulpen im Topf kaufen, jetzt schon. Dann kann ich die Zwiebeln im Garten setzen – und nächstes Jahr wieder bewundern.

Lasst uns wieder zu Liebhabern der Blume werden, zu „liefhebbers“, die in der Zeit der „Tulpomanie“ die Tulpe nicht als Handelsware schätzten, sondern wegen ihrer Schönheit und Exklusivität.

(Edith Heindl)

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Nein, da gibt es bessere Alternativen

Weihnachten ist vorbei, die bunten Lichter an Balkonen verschwinden und uns stehen noch mindestens zwei Wintermonate bevor – bis der Frühling endlich kommt. Der Fasching, der sonst Farbe in diese Zeit bringt, fällt vermutlich den Corona-Regeln zum Opfer. Bei diesen Aussichten ist die Versuchung groß, sich, sobald der Weihnachtsstern auf dem Komposthaufen liegt und die Weihnachtsbeleuchtung auf dem Dachboden ist, erste Frühlingsboten ins Haus zu holen. Den Winter-Blues kann jedoch selbst dieser kurze Moment der Freude nicht vertreiben. Denn auch wenn man es sich noch so sehr wünscht – es ist nicht Frühling. Und die bunten Tulpen im Wohnzimmer sind Geldverschwendung und alles andere als umweltfreundlich.

Bevor man in einem Impuls nach den schön blühenden und spottbilligen Pflanzen im Supermarkt greift, sollte man kurz nachdenken: Tulpen kommen auch in dieser Jahreszeit meist aus Holland. Mit hohem Energieaufwand werden sie dort in beheizten Gewächshäusern herangezogen und anschließend zu uns nach Bayern transportiert. Dass die CO2-Bilanz nicht so gut ausfällt, kann man sich vorstellen. Die Frühlingsboten verbrauchen zudem jede Menge Wasser. Damit die Blumen schneller wachsen und beim Transport vor Fäulnis geschützt sind, kommen häufig Pestizide und Gifte zum Einsatz. Auch wenn die Blüten noch so schön und noch so günstig sind – ist es das wirklich wert? Nur um sich für eine Woche den Frühling besser vorstellen zu können?

Da gibt es Alternativen: Wer mehr Grün im Haus möchte, kann sich auch einfach Topfpflanzen anschaffen. Diese sind langlebiger und um einiges nachhaltiger als Schnittblumen und mindestens genauso hübsch anzuschauen.

(Mona Boos)

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