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Pro und Contra
21.05.2022

Frage der Woche: Null Punkte abschaffen?

Null Punkte von der Jury beim Eurovision Song Contest: Malik Harris.
Foto: Jens Büttner, dpa

Angesichts aktueller Null-Punkte-Desaster – sollte man eine so derart niederschmetternde Bewertung nicht besser für immer annullieren?

Pro, denn auch die schlechte Leistung ist doch mehr als Nichts

Nichts gegen die Null an sich. In der Mathematik trennt sie das Positive vom Negativen. Ist also quasi neutral. Ohne die Null gäbe es kein Dezimalsystem, und um Himmels willen, das will man sich doch nicht vorstellen, kein Dezimalsystem. Keine Null, die eine Eins größer machen kann. Die Digitalisierung mit ihrem eigentlich sagenhaft einfachen binären Konzept, Null und Eins, könnten wir auch vergessen. James Bond, keine Null, hängt sie ja gleich zweimal am Hacken. Die Null also ist gut und wichtig, null Punkte aber einfach nur niederschmetternd, frustrierend, ungerecht. Null Punkte, das bedeutet doch eigentlich, die dargebotene Leistung ist ein Nichts. Gar nicht zu erkennen. Schlechter also im Grunde noch, als wenn es Minusnoten gäbe. Da würde zumindest noch die Größe des Unvermögens gewürdigt. Wer verdient es, in ein solches Nichts geworfen zu werden?

Verdient etwa Malik Harris eine solche Behandlung, Letzter beim Eurovision Song Contest, null Punkte von der Jury, obwohl doch alle sagen: Hat eigentlich null oder maximal ein, zwei Sachen falsch gemacht, nur die anderen offenbar mehr richtig, wobei das Ding ja ohnehin nur von einer Band zu gewinnen war. Liebe Jury, das war mehr, doch auf jeden Fall mehr als nichts! Und verdienen etwa Abiturientinnen und Abiturienten die Null, wenn sie nach mehreren Stunden mit schwitziger Hand vollgekritzelte Blätter abgeben? Kann da wirklich null richtig sein? Ist da die Null nicht eher Bestrafung als Bewertung? Du kannst nichts, rien, zero! An der Stelle kann einem vermutlich vorgeworfen werden, man habe null Ahnung vom Unvermögen deutscher Schüler. Zurück dies: Ein Punkt lässt Hoffnung am eigenen Vermögen, die Null nicht. Ist Hoffnung aber nicht das Ein und Alles?

(Stefanie Wirsching)

Contra, denn mit "0-Punkte"-Losigkeit wird es langweilig und albern

Ach mei, ja, der arme Malik, oder? So oft die bösen, maximaldeprimierenden, alle geleisteten Anstrengung rücksichtslos und komplett entwertenden „0 Punkte“. Kann man das nicht irgendwie anders …, mi mi mi? Und ist es nicht schon schlimm genug, das Abi total verhauen zu haben? Muss man dann noch diese „0 Punkte“ rot auf weiß …, mi mi mi?

Nein, kann man nicht! Und ja, muss man! Denn wenn, dann müsste man doch konsequent sagen: Die Welt ist noch immer voller Schwarzer Pädagogik, sobald sie überhaupt auf Vergleich und Wettbewerb und Bewertung setzt. Dann gingen halt einfach alle beim ESC lustig und bunt auf die Bühne und würden feiern, in den Ländern rundum laufend veranstaltet – und noch nur Siegerinnen und Sieger und so! Der „Contest“ hieße dann aber wohl besser Gathering for AEsthetics, Harmony and Neutrality, kurz: GAEHN!

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In den Schulen aber, da würde der Leistungsdruck endlich weichen und dafür der Betreuungs- und Förderungsgedanke bis zum Erreichen eines Lernziels für jeden und jede und so Einzug halten. Die Idee ist hübsch, die Folgen sind bekannt, die Organisation unterschiedlicher Bildungsabschlüsse würde ein bisschen schwieriger. Künftig könnte man dann einfach nur Zertifikate an alle verteilen unter dem Motto: Gratulation und Respekt für Intelligenz und Neugier und Standhaftigkeit, kurz: GRINS!

Also bitte, Leute und Leutinnen und so: Bevor das Leben in „0 Punkte“-Losigkeit eine allzu langweilige und bloß noch alberne Veranstaltung wird, sollte man vielleicht viel mehr an etwas arbeiten, was heute so schön Resilienz heißt. Man könnte es auch Krisenfestigkeit und Integritätsbewusstsein, Cleverness und Kritikfähigkeit nennen, kurz: KICK. Ist doch eh auch viel cooler!

(Wolfgang Schütz)

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