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„Käpt’n Blaubär“
07.03.2020

Comiclegende Walter Moers lehnt öffentliche Auftritte ab

Walter Moers: Das Alter Ego aus seiner Märchenwelt Zamonien, Lindwurm und Autor Hildegunst von Mythenmetz, dessen Werke Moers vorgeblich in den Büchern nur übersetzt.

Exklusiv Der Autor Walter Moers tritt öffentlich nicht mehr auf. Eine Signierstunde sei eine „unnatürliche und verkrampfte Situation“.

Der Schriftsteller und Comic-Autor Walter Moers („Käpt’n Blaubär“; „Das kleine Arschloch“) lehnt öffentliche Auftritte aus Überzeugung ab und vermisst den direkten Kontakt mit seinem Publikum nicht. „Wenn mich diese Wehmut packt, muss ich mich nur an meine Anfänge erinnern“, sagte der 62-Jährige unserer Redaktion. „Das glaubt mir heute zwar keiner mehr, aber ich habe zu Beginn meiner Laufbahn als Autor und Zeichner durchaus noch Signierstunden und andere öffentliche Auftritte absolviert“, erzählte er. „Dabei habe ich bemerkt, dass mir das überhaupt kein Vergnügen bereitet und dass sich auch das Vergnügen der Leute, die mir da begegneten, in Grenzen hielt.“

Seitdem lehne er Signierstunden ab. „Es ist nämlich eine unnatürliche und verkrampfte Situation, einem fremden Menschen ein Buch zu signieren beziehungsweise von einem fremden Menschen ein Autogramm zu bekommen“, sagte Moers. „Ich habe mich irgendwann entschieden, dass dies nicht unbedingt ein Teil meines Lebens sein muss.“ 

Die große Leidenschaft seines Lebens seien seit früheren Jahren alle Arten von illustrierte Bücher gewesen, die heute den Großteil seine geschätzt fünftausend Werke starken Privatbibliothek ausmachten. „Bücher sind etwas Gutes, aber illustrierte Bücher sind etwas Besseres“, sagte Moers. „Da sind etliche Märchenbücher dabei, aber auch Comics, hoffnungslos veraltete wissenschaftliche Bücher mit Illustrationen, Lexika aller Art, Kunst- und Filmbücher, illustrierte Romane und Kinderbücher und so weiter – also alles mit Bildern drin“, berichtete er übers eine Sammlung. Die meisten Bücher stammten dabei aus dem englischsprachigen Raum: „Was Buchillustration angeht, ist Deutschland immer noch Entwicklungsland.“

Moers: Käpt'n Blaubär nach Ausstieg zu fantasielos

Die Leidenschaft für illustrierte Bücher beschäftige ihn schon seit seiner Schulzeit, sagte Moers: „Ich habe im letzten Jahr vor dem Abitur das Handtuch geschmissen und konsequent die Schule geschwänzt. Aber nicht fürs Klima!“ Die Schule habe ihn einfach nicht mehr interessiert. „Meine Eltern dachten, ich ginge zur Schule, aber ich ging tatsächlich jeden Tag in die Stadtbibliothek. Da gab es all die Dinge, die ich wirklich lernen wollte, die Bücher, die ich wirklich lesen wollte.“ Er habe sich quer durch die Regale gelesen. „Und auch all die illustrierten Bücher studiert, die ich mir damals noch nicht leisten konnte“, erzählte Moers. „Da habe ich die meisten der Autoren und Künstler kennengelernt, die auch heute noch meine Arbeit bestimmen.“

Heute bestimmt seiner Bücherleidenschaft den Inhalt seiner Zamonien-Romane wie „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“ und zuletzt „Der Bücherdrache“. „Als ich den ersten Zamonien-Roman geschrieben habe, ahnte ich selber nicht, dass sich daraus eine ganze Buchreihe entwickeln würde“. Sagte Moers. „„Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ ist hauptsächlich aus meiner Frustration darüber entstanden, was damals mit der Blaubär-Figur im Fernsehen gemacht worden ist, nachdem ich bei der Serie ausgestiegen war“, sagte Moers. „Das war mir zu fantasielos. Ich wollte zeigen, welche Möglichkeiten der Blaubär bietet, wenn man ihn und sein Publikum mal wirklich strapaziert.“

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Moers: Verhandlungen mit großem Filmstudio in Hollywood

Inzwischen verhandelt Moers über eine Verfilmung seiner ersten Zamonien-Romans : „Wir verhandeln schon seit geraumer Zeit mit einem großen Filmstudio in Hollywood über die Verfilmung der „13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär““, sagte er. „Leider darf ich momentan noch nicht mehr sagen.“ Die Graphic Novel der „Stadt der träumenden Bücher“ komm seinen persönlichen Vorstellungen von einer Zamonien-Verfilmung am nächsten. „Wenn ich selber ein Animationsstudio leiten würde und mir einen Zamonienstoff aussuchen dürfte, dann würde ich diesen Comic verfilmen. Der hat nämlich, um eine bekannte Bierreklame zu paraphrasieren, alles, was ein Film braucht.“

Mit seinen frühen Erfolge als Comic-Zeichner („Das kleine Arschloch“) beschäftigt sich der Autor kaum noch. „Wenn ich mir mein Frühwerk noch mal ansehen muss, was selten vorkommt, ziehe ich mir immer eine Sonnenbrille an und mache das Licht aus“, scherzte er. „Aber ich schäme mich auch nicht dafür und auf ein paar alte Sachen bin ich sogar immer noch stolz. Früher war ich dümmer, aber auch furchtloser.“

Lesen Sie das komplette Interview: Walter Moers: "Früher war ich dümmer, aber auch furchtloser"

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