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Kinostart

07.01.2020

Kameramann von "1917" - Roger Deakins ist ein Bildarchitekt

George MacKay als Soldat Schofield in einer Szene des Films, der bei den Golden Globes als bestes Drama und für beste Regie ausgezeichnet wurde.
Bild: Universal Pictures And Dreamwork

Plus Mit „1917“ hat ein eigensinniger Anti-Kriegsfilm bei den Goldes Globes gewonnen. Wieder mal ein Werk des inzwischen 70-jährigen Kamerakünstlers Roger Deakins.

Anti-Kriegsfilme haben einen Sinn. Und um dem Zuschauer die Schrecken des Krieges nachhaltig zu vermitteln, ziehen sie ihn mitunter mitten hinein. 1998 zeigte das Steven Spielberg mit seinem Epos „Der Soldat James Ryan“ eindrucksvoll. In den ersten 20 Minuten des Films durchleben wir aus der Sicht von Captain Miller (Tom Hanks) die Landung der amerikanischen Truppen in der Normandie am D-Day im Zweiten Weltkrieg. Selten war der Kinogänger so nah am Geschehen, so mittendrin im Chaos des Krieges.

Sam Mendes, Regisseur von Filmen wie „Road to Perdition“ und „007: Skyfall“, ging in seinem neuesten, nun bei den Golden Globes zweifach als Bestes Drama und für Beste Regie ausgezeichneten Werk, noch einen Schritt weiter. Sein Film „1917“ sollte in Echtzeit ablaufen: Die erzählte Zeit entspricht also der Erzählzeit. Die Handlung ist dabei schnell zusammengefasst: Zwei junge britische Soldaten sollen als Meldegänger einmal quer durch das Niemandsland gehen, um eine entscheidende Botschaft zu überbringen. Mit dabei ist immer die Kamera – und augenscheinlich unterbricht kein Schnitt ihren Trip.

Branchen-Rekord bei Oscar-Nominierungen

Hinter der Kamera steht Roger Deakins. Der 70-jährige Brite hält den Branchen-Rekord für die meisten Oscar-Nominierungen. „Die Verurteilten“, „Fargo“, „No Country for Old Man“, „007: Skyfall“ – das sind nur einige seiner Werke. Gewonnen hat er den Goldjungen aber nur ein Mal, und zwar im vergangenen Jahr für „Blade Runner 2049“. Begonnen hatte er als Dokumentarfilmer und Fotograf.

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Dass ein Film in Echtzeit abläuft, ist zunächst mal nichts Neues. Der deutsche Film „Victoria“ ist sogar tatsächlich in Echtzeit gedreht worden, in einem einzigen Take, ohne Schnitt. Allerdings wurde die Gesamtaufnahme wiederholt – und hätte auch mehrfach wiederholt werden können. Der Streifen „Russian Ark“ hatte diese Chance nicht. Samt seiner 2000 Darsteller musste er innerhalb von zwei Tagen in der Eremitage in Sankt Petersburg mit seinen 33 Räumen gedreht werden – da blieb zwischen Auf- und Abbau nur ein einmaliges Zeitfenster von 90 Minuten für den Echtzeit-Dreh.

Kamerakünstler Roger Deakins beim Dreh.
Bild: Fotos: Universal Pictures and Dreamwork/dpa

110 Minuten Handlung in 110 Filmminuten

„1917“ mit Gräben voller Soldaten, Ruinen französischer Dörfer, mit dem Niemandsland und der Weite der Natur, die zu durchqueren sind, aber wirkt nur wie in einer Einstellung gedreht. Tatsächlich ging es schnittfrei immer nur durch Szenen. Die Echtzeitanmutung war eine dramaturgische Entscheidung. Mal wird die Kamera von Hand getragen, dann auf einen Kran montiert und wieder an einen Kameramann übergeben. Gedreht wurde ab Anfang April 2019. Und Kameramann Deakins entschied, dass der gesamte Film unter einer Wolkendecke spielen sollte, wegen der Kontinuität von Licht und Wetter. Wenn die Sonne herauskam, musste mit dem Dreh pausiert werden. In der Zwischenzeit wurden die einzelnen Szenen immer wieder geprobt, denn wenn die Kamera einmal lief, gab es kein Zurück. „Das Set musste so lange sein wie die Szene. Das Set durfte nicht länger sein als die Szene und die Szene nicht länger als das Set“, so Mendes. Weshalb jede Zeile des Drehbuchs vor Ort geprobt werden musste. Regisseur und Kameramann waren ständig am Tüfteln, wie es weitergehen könnte.

So ist der Film mit Sinn auch ein besonders sinnlich miterlebbarer Film geworden. Am 16. Januar kommt er auch in Deutschland in die Kinos: mit 110 Minuten Handlung in 110 Filmminuten.

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07.01.2020

Was bitte ist denn ein Bild“Architekt“?
Ein Architekt befasst sich mit der technischen, wirtschaftlichen, funktionalen und gestalterischen Planung und Errichtung oder Änderung von Gebäuden und Bauwerken. Seine Kernkompetenz ist das über das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.

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