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Interview

13.03.2020

Keine Engagements, kein Geld: Wie das Coronavirus Künstler trifft

Freiberuflicher Künstler: Sänger Stefan Sevenich.
Bild: Siglind Buchmayer

Plus Sänger Stefan Sevenich ist seit 2015 freiberuflich tätig. Hier spricht er über finanzielles Risiko und Rückversicherung in Zeiten des Coronavirus.

Der Bassbariton Stefan Sevenich war bis 2007 Mitglied des Theaters Augsburg und wechselte dann an Opernhäuser in München und Berlin. Seit 2015 ist er freiberuflich tätig, und in diesem Status war er jüngst auch in einer „Lustigen Witwe“ am Staatstheater Augsburg wieder zu hören. Auch in der kommenden Spielzeit soll er am Staatstheater Augsburg in einer Neuproduktion als Gast auftreten. Wir befragten Stefan Sevenich zum Thema Freiberuflichkeit in Zeiten des Coronavirus.

Was hat das Virus für Auswirkungen auf Ihre Verpflichtungen?

Stefan Sevenich: Momentan keine. Nach fünf Produktionen seit August hatte ich bis zu meiner nächsten Produktion am Nationaltheater Mannheim im Mai sowieso Freizeit eingeplant. Und Mannheim sowie Stuttgart spielen – bei reduzierter Zuschauerzahl – zurzeit ja auch weiter. Im Übrigen gilt: Geprobt wird überall weiter, damit jederzeit, auch an den Theatern, die jetzt geschlossen sind, wieder eingestiegen werden kann. Im Grunde ist das alles für die Theater Situationskomik.

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Freiberufler treffen Absagen wegen des Coronavirus besonders hart

Angenommen, Ihre nächste Verpflichtung wäre nicht in Mannheim, sondern in München gewesen, wo die Häuser geschlossen sind: Wie hätte Sie das dann betroffen?

Sevenich: Engagement und Bezahlung wären ausgefallen. So steht es in den Standardverträgen. Das ist die Regelung bei höherer Gewalt, also in Fällen von Naturkatastrophen und Pandemien.

Aber die Juristen streiten noch, ob eine Pandemie höhere Gewalt ist.

Sevenich: Das ist richtig. Das gehört zu den prekären Unübersichtlichkeiten in dieser Situation. Die ganze Event- und Kulturbranche ist bis in den Herbst hinein betroffen. Es werden alle Veranstaltungen abgesagt. Man sagt lieber jetzt als später ab, weil man erstens noch nicht weiß, ob die Veranstaltung tatsächlich stattfinden kann, und weil man zweitens dann nicht regresspflichtig ist. Das ist fürchterlich, das ist verheerend.

Gibt es denn eine Versicherung gegen die Absage von Engagements?

Sevenich: Herr Kaufmann wird eine haben, ich habe keine.

Und was ist mit der Künstlersozialkasse?

Sevenich: Das wird jetzt zwischen Monika Grütters, der Bundesbeauftragten für Kultur, und der Künstlersozialkasse diskutiert, aber auch das ist unübersichtlich.

Freiberufliche Künstler müssen in Vorkasse gehen, bevor sie einen Cent verdient haben

Wie geht es Ihren Kollegen in dieser Situation? Haben Sie da beispielhafte Fälle?

Sevenich: Es ist halt immer bei den freiberuflichen Künstlern tragisch, die in Vorkasse gehen müssen, die also am Ort ihrer Verpflichtung eine Wohnung suchen und bezahlen und auch sonst alle Vorbereitungskosten tragen, bevor sie überhaupt einen Cent Verdienst gesehen haben.

Haben Sie für sich schon mal über den schlimmsten finanziellen Fall nachgedacht? Wie würde es laufen, wenn Sie auf längere Zeit keine Verpflichtungen wahrnehmen könnten, also nicht bezahlt werden würden?

Sevenich: Ich bin normal sozialversicherungspflichtig, mit Lohnsteuerkarte. Als Erstes wäre ich arbeitslos und bekäme Arbeitslosengeld, dann Hartz IV. Aber ich bin grenzenlos optimistisch. Ich kann ja auch wieder Gesang unterrichten. Und im schlimmsten Fall gehe ich zu McDonald’s.

Die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise finden Sie immer auch hier in unserem Live-Blog.

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12.03.2020

Nun ja, ein "Sozialfall" auf hohem Niveau, der auch noch mit Helfer beim gelben M kokettiert.
Vermutlich lesen wir dann morgen ein Interview, mit einem Taxifahrer, der die Grindtec, das Frühlingsfest, den Plärrer als gute Geschäftsphase eingeplant hat. Oder mit der freiberuflichen Bedienung, deren Saison mit den Festen/Bierzelten jetzt beginnt. Oder, oder, oder..................
Das trifft auch - und noch viel stärker - weniger prominente Menschen, bei denen es dann tatsächlich existenziell wird.

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