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18.03.2019

Kino ist auch etwas fürs Theater

„Zeiten des Aufruhrs“ – nur nicht als Film, sondern als Stoff eines Bühnenstücks am Deutschen Theater Berlin.
Foto: Christoph Soeder, dpa

Trend Bühnen finden zunehmend Gefallen an Filmstoffen. Das hat auch mit dem Wandel des Publikums zu tun

Berlin Selbst auf der Theaterbühne agieren wollte Kate Winslet zuletzt zwar nicht, aber zumindest eine ihrer Rollen hat den Schritt längst getan. Im Film „Zeiten des Aufruhrs“ zerbrach Winslet als April Wheeler auf der Kinoleinwand am Leben in einem US-Vorort der 1950er Jahre. Gut zehn Jahre später ist der Stoff jetzt wieder zu sehen. Diesmal auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin.

Immer wieder finden sich Romane oder Filme im Theater wieder. Die Berliner Kudammbühnen zum Beispiel zeigen erstmals „Monsieur Pierre geht online“ nach der französischen Filmkomödie. Und Dieter Hallervordens Schlosspark Theater hat „Honig im Kopf“ von Til Schweiger umgesetzt. Selbst die New York Times stellte zuletzt fest, dass sich deutsche Theaterregisseure öfter Inspiration bei Filmen suchen, gerne älteren Datums. Die Zeitung nennt zum Beispiel „Die Verdammten“ am Berliner Ensemble, nach dem Film von Luchino Visconti aus dem Jahr 1969. Oder „Persona“ am Deutschen Theater nach dem Film von Ingmar Bergman.

„Persona“ ist auch zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen, als eine der „zehn bemerkenswertesten“ Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum. Aus Sicht von Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer ist es kein neues Phänomen, dass Theater Stoffe aus Romanen oder eben Filmen umsetzen. Man spricht von Adaptionen. Der Roman „Hiob“ von Joseph Roth aus den 1930er Jahren sei etwa schon wenig später in Paris auf die Bühne gekommen. „Aber natürlich gibt es auch aktuell Beispiele“ – bundesweit setzten etwa etliche Theater auf „Ziemlich beste Freunde“.

Büdenhölzer sieht mehrere Gründe dafür, warum Theater auch Romane und Filme auf die Bühne bringen. Zum einen gebe es in Deutschland eine vielseitige Theaterlandschaft. „Da möchte man sich auch gar nicht so doppeln“, sagt Büdenhölzer. Die Theater suchten eine inhaltliche, formale und ästhetische Bandbreite. Es würden auch dokumentarische Inhalte genutzt – so seien zum Beispiel schon der Atlas oder das Telefonbuch für die Bühne umgesetzt worden. „Die Theater sind da unglaublich kreativ“, weißt Büdenhölzer. „Und natürlich hat das auch damit zu tun, dass man Stoffe oder Titel sucht, die das Publikum kennt.“ Zudem wolle man auch jüngere Zuschauer ansprechen, die das klassische Drama vielleicht eher abschreckend fänden. „Und es ist natürlich auch künstlerisch interessant, wie man ein bewegtes Bild auf die Bühne überträgt.“

Auch Regisseur Folke Braband findet das spannend. Allerdings muss es für ihn einen guten Grund geben, um einen Film zum Theaterstück zu machen. Bei manchen Stücken denke er, sie seien nur ein Abklatsch. „Man darf jetzt nicht nur den Film abschreiben oder das beste aus dem Film rausnehmen. Sondern es muss ein ganz eigenes Kunstprodukt sein“, sagt Braband, der nun „Monsieur Pierre geht online“ an den Kudammbühnen in Berlin auf die Bühne bringt.

Dass Filme erfolgreichen Bühnenstoff liefern, haben vor allem die Musicalbühnen perfektioniert. In Hamburg läuft seit vielen Jahren „Der König der Löwen“, im Herbst kommt dort mit „Pretty Woman“ einer der bekanntesten Liebesfilme der 90er auf die Bühne. In München läuft „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Andererseits: Das Musical zu „Fack ju Göhte“ wurde vorzeitig eingestellt.

Aber ist das Risiko nicht höher, dass die Zuschauer enttäuscht sind, wenn sie die Vorlage schon kennen? Das könne einem immer passieren, sagt Festivalleiterin Büdenhölzer. Aber das gelte auch für einen Klassiker wie „Faust“, wenn man die Inszenierung eines radikalen Regiekünstlers sehe. „Enttäuschungen können in jede Richtung stattfinden.“ Adaptionen von Filmstoffen könnten aber auch eine Horizonterweiterung sein. Julia Kilian, dpa

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