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Konzert-Kritik
11.06.2017

Warum Depeche Mode in München so grandios abgefeiert werden

Viele Fans haben auch schon schwere Zeiten mit ihm durchlebt: Jetzt, mit 55, wirkt Sänger Dave Gahan bei Auftritten wie im Münchner Olympiastadion gelöst, freudig und stimmstark.
Foto: Anna Schnauss, Imago

Depeche Mode sind in München von 60.000 Menschen gefeiert worden. Mit einem besonderem Effekt: Gerade weil die Show nicht überwältigte, wurde das Wesentliche erkennbar.

Je größer das Spektakel, desto seltener werden diese Momente. Eher noch sind sie in einem Fußballstadion zu erleben, wenn etwa bei einem Spiel der Bayern in ihrer wie immer ausverkauften Arena plötzlich eine merkwürdige Stille einkehrt, weil auf dem Platz einfach nichts Großes passiert, aber auch nichts Enttäuschendes. Dann sitzen hier halt 70000 Menschen um ein Stück Rasen herum und schauen 22 erwachsenen Männern zu, deren Beruf das Fußballspielen ist. Eigentlich ein bizarres Phänomen, das zudem noch zuverlässig Millionen umsetzt. Darüber ließe sich nachdenken. Wenn da nicht der Vidal oder der Thiago plötzlich Ball und Fuß in ein Verhältnis bringen würden, dass alle Schwerkraft, die Millionen Alltagskicker unweigerlich bindet, ausgeschaltet scheint – und die Menge jubelt: befreit …

Es ist Freitagabend im Münchner Olympiastadion, dort, wo Massen im Sommer regelmäßig zusammenkommen, um Menschen zuzusehen, deren Beruf das Musikmachen ist. Diesmal sind es die britischen Superstars von Depeche Mode, seit Jahrzehnten unter den ganz Großen im Geschäft. 60000 Zuschauer haben zwischen knapp unter 80 und gut über 100 Euro bezahlt, um hier dabei zu sein, es ist eines von sieben Konzerten dieser Größe allein in Deutschland. Der Regen hat rechtzeitig aufgehört, die Band hat im Laufe von 35 Karrierejahren so viele von ihren Fans geliebte Lieder angesammelt, dass für solche bloß die Frage ist, welche Rosinen sie sich herauspicken. Es gibt allen Grund, ein Pop-Spektakel zu erwarten.

60.000 Besucher bei Depeche Mode in München

Wenige Tage zuvor hatten die jüngeren Star-Briten von Coldplay an selber Stelle gezeigt, was das heute heißen kann: spektakuläre Effekte zur Einbeziehung des Publikums, Feuerwerk und Laser von der Riesen-Bühne zur Überwältigung, die volle Wucht des Sounds, eine zusätzliche kleine Bühne samt direkter Begegnung mit den Fans zum Suggerieren von Nähe. Jetzt aber Auftritt Depeche Mode. Martin L. Gore und Andrew Fletcher kommen auf die Bühne, spielen (live wie immer unterstützt von Christian Eigner und Peter Gordeno) den Auftaktsong des aktuellen Albums „Spirit“, und Sänger Dave Gahan singt noch aus dem Off die erste Strophe von jenem „Going Backwards“, in dem die Band, politisch wie nie zuvor, unserer Zeit die Leviten liest, weil wir uns, bewaffnet mit Hochtechnologie, doch zurückbewegen zum Geist nationalistischen Höhlendenkens. Die Fans jubeln – und doch beginnt sich ein befremdlicher Moment relativer Stille zu öffnen, lange genug anhaltend zur Erkenntnis.

Depeche Mode nämlich treten auf eine ziemlich kleine Bühne für die große Arena, die zudem minimal ausgestattet ist: Kleinstaufbau für die Band, Mini-Steg ins Publikum, außer Farblichtern keine Effekte – und zu Anfang nicht mal die Vergrößerungsaufnahmen der Stars auf den drei obligatorischen Videowänden. Für die überwiegende Mehrheit der Zuschauer treten ihre Stars hier in Erbsengröße auf, und über die gesamten folgenden zweieinviertel Stunden hinweg wird Andrew Fletcher wie immer stumm hinter Keyboard und Synthesizer bleiben, Martin Gore, konzentriert an der Gitarre, bei seinen drei Gesangsauftritten höchstens Hallo und Danke sagen, Sänger Dave Gahan zwar mit dem Po wackeln, mit dem Mikrofonständer wirbeln und gelegentlich zum Mitsingen und Armeschwenken animieren – aber Spektakel sieht anders aus. Und auch von einem ja zum Album passenden politischen Bekenntnis („Where’s the Revolution“), das so viele andere gerade derzeit auf die Bühne bringen, fehlt jede Spur. Im glatten Gegenentwurf etwa zu Coldplay lassen Depeche Mode all die Mittel der Überwältigung und Vereinnahmung weg, die ein Konzert wie dieses vor dem befremdlichen Moment bewahren könnte, einer Distanz zwischen den Zuschauern und der Show. Außer einem: der Musik.

Show von Depeche Mode ohne große Show - anders als Coldplay

So blöd das im Grunde klingen mag, so ungewöhnlich ist es tatsächlich: Gahan, Gore und Fletcher geben einfach ein Konzert – mit sehr gutem Sound, in sehr guter Spielform und natürlich mit vielen Höhepunkten. Zum Beispiel mit „World in My Eyes“ und „Everything Counts“, drei tollen Gore-Auftritten mit „A Question of Lust“, direkt danach „Home“ und zum Beginn der Zugaben vor allem „Somebody“ – und freilich ohnehin einem Hymnen-Finale: vor dem zwischenzeitlichen Abgang „Stripped“, „Enjoy the Silence“ und „Never Let Me Down Again“, zum Abschluss „I Feel You“ und „Personal Jesus“. Da hat selbstverständlich längst die Befreiung von der Schwerkraft eingesetzt, ohrenbetäubend ist der Jubel.

Selbstverständlich? Ja, weil viele dieser Songs für viele der 60.000 im Wortsinn Hits sind, Treffer bezüglich eigener Lebenserfahrungen, mit den intimen Stimmungen verwachsen und trotzdem in Breite wirkend – Pop im besten Sinne. Und ja, weil in diesem so aufs Wesentliche reduzierten Auftritt auch die in ihrem Kern kenntlich bleiben: vor 35 Jahren, genau so, noch als halbe Bengel, gestartet, dann Pioniere, Stars, ja Legenden geworden, in Person von Dave Gahan fast daran zerbrochen, aber geblieben, weiter gewachsen, wiederkennbar und zugleich anders, mitunter noch besser geworden, live jedenfalls auch viel gelöster …

Depeche Mode: gelöster als früher

Aber nein, selbstverständlich ist das ja trotzdem nicht. Denn eigentlich ist das Spektakel für Millionen, das aus drei Kids da geworden ist, ja tatsächlich bizarr. Die sonst übliche Überwältigung überdeckt das nur. Hier aber darf sich noch zeigen, dass im Herzen des Spektakels eigentlich ein Wunder wohnt, das Musik heißt, das diese Herren immer wieder vollbracht haben – eine Erhabenheit, dem Allzumenschlichen abgerungen und dadurch darüber hinaus gewachsen, vor der bei Konzerten nicht nur der Fan staunend stehen kann. Das wird an diesem Freitag bloßgelegt, eigentlich durch erhebliche inszenatorische Schwächen. Die Riesen wirken ganz klein. Daraus entsteht freilich kein lupenreines Top-Spiel – aber dafür eines, das man nicht mehr vergisst.

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16.06.2017

Nun also Depeche Mode-Konzertkritik die Zweite. Wie schon letztes Jahr bei Placebo hat Herr Schütz seinen Text für die Printausgabe entschärft. Was auch immer seine Motivation dafür gewesen sein mag, dem München-Auftritt der britischen Kultband wird er nun eher gerecht. Zwar kommen dieselben Kritikpunkte aufs Tablett, aber mit einem erkennbaren Schwenk der Argumentationslinie. Die für ein Stadionkonzert recht kleine und zudem spartanisch ausgestattete Bühne kulminiert nun nicht mehr in der polemischen Metapher der „verzwergten Popriesen“, sie ist nicht einmal mehr der den Text durchziehende rote Faden. Sehr richtig arbeitet er nun heraus, dass Depeche Mode trotz dieser definitiv diskutablen Mankos ihr Publikum begeistern konnten und mehr noch, dass so ein Primat der Musik sichtbar wurde, der in vielen modernen Konzerten immer häufiger einer sämtliche Inhalte zukleisternden Effektshow weicht.

Hier wäre die Chance gewesen eine Brücke zum aktuellen Entertainment-Zeitgeist zu schlagen, denn das Hollywoodsche Mainstreamkino der untoten Piraten, Blech absondernden Kinderspielzeuge und immer unübersichtlicher werdenden Superhelden-Trupps funktioniert exakt nach diesem Motto. Aber da hätte er natürlich die verehrten Coldplay in ein ungünstigeres Licht rücken müssen, was bei den vorangegangen Lobeshymnen nicht zu erwarten war und natürlich auch nicht eintrat. Es ist ohnehin fraglich, ob die erneute Gegenüberstellung - zumal mit der anvisierten Aussage - in diesem Fall so sinnig ist.

Will man kritisch sein, böte sich zudem auch mal eine Analyse der Arbeit des holländischen Multitalents Anton Corbijn an. Seit er Depeche Mode Ende der 1980er Jahre durch seine Photographien und Cover-Designs einen unverkennbaren Look verpasst hatte, zeichnet er ganz allein für das optische Gesamtbild der Band verantwortlich, zu dem eben auch Stage-Design und Bühnen-Visuals zählen. In den letzten Jahren offenbarte der Meister allerdings eine zunehmende Einfallslosigkeit und Redundanz - insbesondere auch bei der Covergestaltung von Alben und Singles -, die die Bühnenpräsenz der Band mindestens nicht steigerte. Vor allem die eigens für die Konzert-Screens gedrehten Kurzfilme wirken lieblos und nicht selten deplatziert. Wie leicht wäre es gewesen, so innig geliebte und atmosphärische Hymnen wie „Enjoy the Silence“ oder „Walking in my Shoes“ durch entsprechende Bilder in ihrer Wirkung noch zu steigern, zumal Corbijn seinerzeit dazu zwei fantastische Musikvideos gedreht hatte. Auf der aktuellen Tour fiel ihm dazu nichts Besseres ein, als ein paar Nutz- und Kuscheltiere ins Publikum starren zu lassen („Silence") sowie einem androgynen Jüngling bei der Verwandlung in eine Frau zuzusehen („Shoes"). Beides stellte nicht einmal ansatzweise einen Bezug zur Musik her. Der Autor spricht hier zu Recht von „inszenatorischen Schwächen“, ohne allerdings das Kind beim Namen zu nennen, oder eine tiefer gehende Analyse anzugehen.

Man bekommt den Eindruck, dass Herr Schütz vor allem ungewöhnliche Vergleiche liebt, wobei er sich da häufig im metaphorischen Gestrüpp verfängt. Diesmal muss der FC Bayern zum Fabulierungs-Showdown antreten. Und selbstverständlich nicht zum Wohle des Angeklagten. So vergleicht der Autor den Depeche Mode-Gig mit einem Spiel des Branchenführers, bei dem sich der Zuschauer wohlig einem Spektakel hingibt, das eigentlich nur in wenigen intensiven Augenblicken ein solches bietet. Das wirkt etwas ungelenk, zumal im Anschluss das Freilegen des eigentlich Wesentlichen - der Musik - als rares Positivum heraus gearbeitet wird. Hier gelingt dem Autor eine in seinen Konzertkritiken leider nicht immer erkennbare Dramaturgie, die in dem nicht nur schön, sondern auch treffend formulierten Fazit gipfelt:

„Hier aber darf sich noch zeigen, dass im Herzen des Spektakels eigentlich ein Wunder wohnt, das Musik heißt, das diese Herren immer wieder vollbracht haben – eine Erhabenheit, dem Allzumenschlichen abgerungen und dadurch darüber hinaus gewachsen, vor der bei Konzerten nicht nur der Fan staunend stehen kann.“

Schade, dass Herr Schütz damit nicht zu schließen vermag, dass er seine bemühte Fußball-Metapher vom Beginn wieder aufgreifen muss. Weil man das in einem geschliffenen Deutsch-Aufsatz einfach so macht? Oder, weil man es doch nicht fertig bringt, einen Artikel über Depeche Mode rundum positiv enden zu lassen? Sei es wies sei, der Primat des Sprachlichen über den Inhalt wird hier jedenfalls erneut sehr deutlich. So gesehen dann wieder auch ein absolut konsequentes Ende.