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26.09.2010

Kulturhauptstadt Lille bleibt am Ball

Kulturhauptstadt Lille bleibt am Ball
Bild: DPA

Lille (dpa) - Es gibt nur wenige Städte, die aus dem begehrten Titel "Kulturhauptstadt Europas" so viel Kapital schlagen wie Lille. Sechs Jahre nach der Krönung als Kulturhauptstadt Europas 2004 hält der erhoffte Elan weiter an. Für rund 14 Millionen Euro hat die nordfranzösische Stadt ihr ehemaliges Museum für moderne Kunst um ein mehrfaches erweitert und Frankreichs größte Art-Brut-Sammlung in ihre Bestände geholt.

Nach mehr als vierjähriger Schließung ist aus dem früheren Museum für Moderne Kunst ein 4000 Quadratmeter großer Kunsttempel geworden, der sich fortan rühmen kann, als einziges Museum Europas neben Meisterwerken von Picasso, Braque, Modigliani und Lèger rund 3 900 Werke von Art-Brut-Künstlern wie Jean Dubuffet, Augustin Lesage und Pierre Avezard zu zeigen, den Hauptvertretern der Bewegung.

Das neue Museum "Lille Métropole Musée d'art moderne, d'art contemporain et d'art brut", aus sprachergonomischen Gründe auch LaM genannt, liegt rund neun Kilometer von Lille entfernt, in Villeneuve d'Ascq. Bereits damals im Jahr 2004 spielte die Region um die Kulturhauptstadt eine wichtige Rolle: Rund 60 Prozent des Programms ereignete sich außerhalb der ehemaligen Industriestadt. Mit dem LaM besitzt die Metropole des Nordens eine neue touristische und kulturelle Attraktivität mehr: ein Art-Brut-Museum.

Art Brut - was auf Deutsch übersetzt etwa "rohe, unverfälschte Kunst" heißt - steht für Werke, die abseits des etablierten Kunstsystems entstanden sind, meist von psychisch Kranken, Behinderten oder Außenseitern. Der Begriff geht auf den französischen Maler Jean Dubuffet zurück, der 1975 der Schweizer Stadt Lausanne seine 15 000 Objekte umfassende Sammlung vermacht hat, die heute in dem Museum "Collection de l'art brut" zu sehen ist.

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Das Museum für moderne Kunst in Villeneuve d'Ascq war schon vor seiner Schließung im Jahr 2006 ein Publikumsmagnet, vor allem seine kostbare Sammlung aus dem 20. Jahrhundert - Joan Miró, Paul Klee, Georges Braque, Kees van Dongen und Pablo Picasso - und sein Skulpturengarten mit riesigen Werken von Alexandre Calder, Picasso und Eugène Dodeigne. Das längliche und baukastenartige Gebäude aus den für den Norden Frankreichs typischen roten Backsteinziegeln wurde auf originelle Art erweitert: durch würfelähnlichen Betonklötze mit arabeskenähnlichen Öffnungen.

Seit 2004 drückt Lille mächtig auf die Tube. Unter dem Slogan "Lille 3000" veranstaltet die Stadt alle zwei Jahre im Stil einer Biennale ein dreimonatiges Event. Im Jahr 2009 lautete das Thema "Europa XXL", das mit rund 300 Ausstellungen, Konzerten und Installationen dem südöstlichen Europa und Istanbul gewidmet war.

Zudem findet jährlich eine große Ausstellung statt. Dieses Jahr hat der Ruf der ehemaligen Kulturhauptstadt Europas sogar die berühmte Londoner Saatchi Gallery angelockt. Die Galerie wird ab Mitte Oktober im Rahmen der Ausstellung "Die Seidenstraße" rund 60 Werke aus seinen Beständen zeigen.

Die Besucherzahlen von Lille können mittlerweile mit denen bekannter Pariser Museen standhalten. Die Ausstellung "Bombay, maximum city" im Rahmen des Kulturprogramms "Lille 3000", die Installationen, Videos und Werke indischer Künstler zeigte, zog an Wochenenden zwischen 2500 und 3000 Besucher täglich an.

www.musee-lam.fr

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