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Kunstverschandelung
18.09.2018

Wenn Laien restaurieren: Soll man lachen oder weinen?

Die Figurengruppe der Anna selbdritt nach der Farbbehandlung.
3 Bilder
Die Figurengruppe der Anna selbdritt nach der Farbbehandlung.
Foto: afp

Erneut ist in Spanien eine wertvolle Sakralskulptur laienhaft „verschönert“ worden. Es hagelt Spott. Angefangen hat alles mit dem „Affen-Jesus von Borja“.

Spaniens jahrhundertealte Kunstschätze sind in Gefahr. Nein, es ist nicht der viel zitierte Zahn der Zeit, der die Zeugnisse vergangener Epochen bedroht. Weitaus verheerender ist das wohlmeinende Wirken dilettantischer Hobby-Restauratoren. Der neueste Fall ereignete sich im asturischen Dörflein Ranadoiro und sorgt derzeit über die Landesgrenzen hinaus für allerhand Spott und Entsetzen. Die Inhaberin des örtlichen Tabakladens nahm sich vor, das wohl bedeutendste Stück Sakralkunst der Region auf eigene Faust mit frischen Farben „zu verschönern“: eine Holzfigurengruppe aus dem 15. Jahrhundert, eine sogenannte Anna selbdritt, die neben der heiligen Anna ihre Tochter Maria und das Jesuskind zeigt.

Die ursprünglich unbemalte Skulptur steht in einer Kapelle und diente Besuchern als Andachtsbild. Ob sie diesen Zweck künftig noch erfüllen kann, ist fraglich. Denn was Maria Luisa Menendez mit der Erlaubnis des Dorfpfarrers und einigen Eimern Decklack anrichtete, bezeichnen Experten als „Desaster“. Tatsächlich ist der neue Look der Figurengruppe verstörend. Die heilige Anna trägt ein knallpinkes Gewand, ihre Lippen leuchten wie ein rosaroter Kussmund. Obendrein wurde sie mit schwarzem Eyeliner traktiert. Maria und Jesus haben eine ähnliche Behandlung hinter sich.

Ohne Farbe fand sie die Figur „grauenvoll“

„Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, sagte Luis Suarez Saro, Kunstdozent und professioneller Restaurator aus Asturien. Er hatte die wertvolle Figurengruppe aus Nussholz vor 15 Jahren behutsam und nach eingehender Untersuchung restauriert. Nun ist er fassungslos. Maria Luisa Menendez kann die Aufregung um ihre Arbeit nicht verstehen. „Ich bin keine professionelle Malerin, aber ich habe das immer gerne gemacht“, gab sie nach vollendeter Tat zu Protokoll. Auch die Nachbarn seien mit dem Ergebnis zufrieden gewesen. Schließlich habe die Skulptur vorher „grauenvoll“ ausgesehen. Die lokalen Behörden indes sind anderer Auffassung. Sie halten den Vorfall für „eine Schande“ und prüfen rechtliche Schritte. In den sozialen Netzwerken ergießt sich derweil ein Schwall von Häme. Nutzer aus aller Welt machen sich über Ranadoiro lustig.

Dem Spanischen Restauratorenverband ACRE ist nicht zum Lachen zumute. Er kritisiert bereits seit langem einen „desaströsen“ Trend zu laienhaften Restaurierungen selbst bei wertvollsten Kunstschätzen. Derlei Eingriffe von „unfähigem“ Personal seien ein „Anschlag auf das kulturelle Erbe“ des Landes, so die Experten. Zuletzt hatten sie eine ganze Reihe entsprechender Fälle zu beklagen. Meist ist Kirchenkunst betroffen.

Im Juni sorgte etwa die eigenwillige Restaurierung einer Figur des heiligen Georg in der Provinz Navarra für Empörung. Das in einer Kirche der Gemeinde Estella aufbewahrte Werk aus dem 16. Jahrhundert wurde in Farbe geradezu ertränkt und sah nach der Prozedur aus, als sei es einem Comic-Heft entsprungen. Kritiker sprachen von einer „Hommage an Tim und Struppi“, der Bürgermeister tobte. Verantwortlich war ebenfalls der Ortspfarrer, der – ohne Rücksprache mit den zuständigen Kulturbehörden – eine befreundete Handarbeitslehrerin mit dem Projekt beauftragt hatte. Die Tageszeitung ABC titelte damals: „Der Heilige Georg – zur Strecke gebracht vom Drachen der Ignoranz“.

„Das verzeiht nicht einmal Jesus“

Immer wenn es in Spanien derartige Schlagzeilen gibt, ist schnell von einem weiteren Fall die Rede. Das legendäre Scheitern der über 80 Jahre alten Hobby-Malerin Cecilia Gimenez in Borja gilt als die Mutter aller missglückten Restaurierungen. Als sie im Jahr 2012 mit der Auffrischung des Jesus-Freskos „Ecce Homo“ in der Kirche Santuario de Misericordia fertig war, glich Jesus eher einem Äffchen als dem Sohn Gottes. Ein Lokalreporter, der zunächst von Vandalismus ausging, fotografierte den entstellten Heiland und untertitelte das Bild mit den Worten: „Das verzeiht nicht einmal Jesus“. In der Folge wurden Zeitungen und Fernsehsender weltweit auf die Geschichte aufmerksam.

Zwar mögen Experten mit Schrecken an die Kunstkatastrophe von Borja zurückdenken, doch solche Ereignisse haben in gewisser Weise auch ihr Gutes. So löst die Angelegenheit noch heute internationale Erheiterung aus. „Das bringt mich immer wieder zum Lachen“, schrieb jüngst eine junge Britin auf Twitter über die schräge Umgestaltung des Freskos. Sie bringt die Meinung vieler Trash-Fans auf den Punkt: „Es sieht so beschissen aus, dass es schon fast wieder gut ist.“ Auch für „Restauratorin“ Cecilia Gimenez nahm die Sache ein positives Ende. Sie bekam eine eigene Ausstellung. Und der „Affen-Jesus von Borja“ ist inzwischen ein Touristenmagnet. (kna)

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