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Beethoven-Jahr 2020

15.12.2020

Ludwig van Beethoven las am liebsten die Zeitung aus Augsburg

Am politischen Geschehen war Beethoven äußerst interessiert. Vorzugsweise informierte er sich in der "Allgemeinen Zeitung" aus Augsburg.
Bild: Oliver Berg, dpa

Plus Schon den Zeitgenossen fiel auf, dass der berühmte Komponist Ludwig van Beethoven bei seiner Lektüre einem Blatt ganz besonders den Vorzug gab.

Wir wissen zwar nicht, ob Ludwig van Beethoven zu Neujahr 1814 tatsächlich die rechts abgebildete Ausgabe der in Augsburg erschienenen Allgemeinen Zeitung in den Händen hielt und studierte, aber wir wissen sehr wohl um die mehrstimmige Überlieferung von Zeitgenossen aus dem 19. Jahrhundert, dass der Komponist regelmäßig und intensiv eben diese Allgemeine Zeitung las – herausgegeben zwischen 1810 und 1882 in Augsburg von Johann Friedrich Cotta. Zusammen mit den Zeitungen aus Köln und Frankfurt war sie die bedeutendste politische Tageszeitung Deutschlands. Und in politischer Hinsicht war Beethoven außerordentlich interessiert.

Gewiss, Anton Schindler, einst Beethovens Sekretär und später – nach Beethovens Tod – auch sein erster Biograf, ist hinsichtlich etlicher Behauptungen mit großer Vorsicht zu genießen. Er betrieb durchaus auch dichtende Leichenfledderei. Gleichwohl: Er verwies wohl als Erster schriftlich auf das Leib- und Magenblatt Beethovens.

Ein Kind brachte Beethoven die Augsburger "Allgemeine Zeitung"

Darüber hinaus freilich gibt es noch einen weiblichen Zeitzeugen: Katharina Fröhlich, die ewige Braut des Dramatikers Franz Grillparzer. Die Wiener Musikerin erzählte einst dem mit Beethoven gut bekannten Wiener Arzt Gerhard von Breuning: „Beethoven wohnte in unserem väterlichen Haus in Döbling. Wenn er eben mürrischer Laune war und sich niemand zu ihm getraute, wurde ich, damals noch ein Kind, oftmals mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung – seine bevorzugte Lektüre – zu ihm gesendet. Er lächelte alsdann meist mir zu, setzte sich auch bisweilen an das Klavier und phantasierte.“ Das müsste vor 1816 gewesen sein – jene Jahre, in denen der oft umziehende Beethoven in unterschiedlichen Wohnungen von Wien-Döbling lebte.

Eine Zeitung, die dazu beitrug, den Komponisten „auf der geistigen Höhe zu erhalten, auf der er stand“: Ausgabe der Allgemeinen Zeitung von 1814.
Bild: Archiv

Und dann gibt es reihenweise Biografen des 19. Jahrhunderts, die Beethovens Zeitungslektüre mehr oder weniger pathetisch kommentierten. William Neumann etwa schrieb Mitte des Jahrhunderts: „Ein richtiges Gefühl, das … Wesen vom Schein unterscheidet, ließ Beethoven bei seiner politischen Lektüre der Augsburger Allgemeinen Zeitung den Vorzug geben, und dieselbe gewissenhaft in einem Kaffeehause lesen, das er zwar oft wechselte, aber immer so wählte, daß er möglichst unbemerkt zu einer Hinterthür in dasselbe zu schlüpfen vermochte …“ Die Augsburger Allgemeine Zeitung habe „viel dazu beigetragen, Beethoven auf der geistigen Höhe zu erhalten, auf der er stand, ihn oft in seinen eigenen Augen über das Gelichter gewisser sogenannter Kunstgenossen erhoben, deren sich ein Musiker nicht leicht entschlägt. Von einem Verein universell gebildeter Köpfe geleitet, die hier die letzten Resultate der vom Leben gewonnenen Erfahrungen niederlegen, ist diese Zeitung als eine Bildungsanstalt zu nehmen, welche fortsetzt, wozu Universitäten nur den Grund legen …“

Beethoven war mindestens einmal zu Gast in Augsburg

Übrigens: In der Stadt, in der die Allgemeine Zeitung erschien, war Beethoven zumindest einmal zu Gast. Das war Ende April 1787, als er auf der Heimreise von Wien nach Bonn im Augsburger Gasthof „Zum Weißen Lamm“ übernachtete – jener Gasthof, in dem 1777 auch Mozart zusammen mit seiner Mutter abgestiegen war und nach Beethoven im Jahr 1790 zudem Goethe. Beethoven besuchte in Augsburg unter anderem den Klavierbauer Johann Andreas Stein, dessen neu entwickeltes Pianoforte sowohl Vater und Sohn Mozart als auch Beethoven begeisterten. Weil es sowohl leise wie auch laut gespielt werden konnte.

Steins Tochter Anna-Maria (Augsburg 1769 – 1833 Wien), auch eine hervorragende Pianistin, heiratete später den Klavierbauer Johann Andreas Streicher und führte mit ihm ab 1794 die väterliche Klavierbauer-Werkstatt in Wien fort. Dort zählte sie später zu den engsten Vertrauten von Beethoven: Er bat sie vielfach um Hilfe.

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