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02.06.2009

Minna, Conti und Lisette: Rendezvous mit Lessing

Minna, Conti und Lisette: Rendezvous mit Lessing
Bild: DPA

Kamenz (dpa) - Lisette sieht zauberhaft und romantisch aus, Conti umgibt sich mit einer geheimnisvollen Aura und Just scheint eher ein bodenständiger Typ zu sein.

Im Kamenzer Lessing-Museum gibt es für die Besucher im Eingangsbereich eine erste Begegnung mit Figuren aus den Werken des Dichters und Dramatikers Gotthold Ephraim Lessing ("Minna von Barnhelm", "Emilia Galotti", "Nathan der Weise"). Die Abbildungen der Kostümfiguren zieren Garderobenfächer und stimmen auf den Literaten ein, der vor 280 Jahren, am 22. Januar 1729, in der Stadt Kamenz in der sächsischen Lausitz zur Welt kam.

"Es ist nicht einfach, eine Person, die vor so langer Zeit lebte, dem Publikum nahezubringen", sagt Museumsdirektorin Sylke Kaufmann. Doch Lessing mache es auf gewisse Art wieder leicht: Seine Werke gehören noch immer zum Standard der deutschsprachigen Theaterbühnen, viele der Zitate sind mittlerweile geflügelte Worte. "Auch wenn nicht jeder auf Anhieb auf den Autor kommt", wie Kaufmann sagt.

Das Literaturmuseum mit jährlich zwischen 10 000 und 15 000 Besuchern entstand 1931 zu Ehren des großen Sohnes der Stadt, der dort seine ersten zwölf Lebensjahre verbrachte. "Mit Lessing gelingt es einer 18 000-Einwohner-Stadt das Tor zur Welt ein Stück weit aufzustoßen", betont Oberbürgermeister Roland Dantz. Lessings Stücke, insbesondere "Nathan der Weise", lehrten viel über das Zusammenleben der Menschen und über Toleranz im Miteinander. "Wenn ich unterwegs bin und sehe, dass irgendwo ein Lessing-Werk aufgeführt wird, macht mich das stolz", sagt Dantz. Den Finanzbedarf des Museums von rund 430 000 Euro trage die Stadt gut zur Hälfte.

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Seit fast einem viertel Jahrhundert lässt die Dauerausstellung in fast unveränderter Form Leben und Werk des bedeutenden deutschen Aufklärers Revue passieren. "Die Texte in der Schau sind noch immer gut und präzise, es wird kompakt informiert", sagt die Germanistin Kaufmann, die das Museum seit 2008 leitet. "Wir sind ein Literaturmuseum und wollen Literatur jenseits der schnellen Computerwelt präsentieren."

Im Haus kann der Stammbaum der Familie Lessing verfolgt werden, da gibt es Porträts des Dichters und seiner Zeitgenossen und es werden seine Lebensstationen Meißen, Leipzig oder Berlin - wo er die Liebe zum Theater entdeckte - illustriert. Sein Weg als Schüler, Student, als Schreiber im Siebenjährigen Krieg und als Hofbibliothekar in Wolfenbüttel wird verfolgt. Anteil kann am kurzen Eheglück, aber auch an Schicksalsschlägen wie dem Tod von Ehefrau und einzigem Sohn genommen werden. Die Totenmaske erinnert an seinen frühen Tod 1781 mit 52 Jahren in Braunschweig.

Im Mittelpunkt der Dauerausstellung aber steht Lessings Werk. Zu sehen sind Kopien und originale Schriftstücke aus seiner Feder oder Schreiben berühmter Zeitgenossen an ihn. In den nächsten zwei Jahren soll die Exposition neu gestaltet werden, sagt Kaufmann. Es gebe neue Forschungen, etwa zur Italienreise des Dichters, der im Küstenort Livorno das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens kennenlernte. "Vermutlich eine Inspiration für "Nathan der Weise", wo es um Religionsfreiheit geht", sagt sie.

"Auch wenn das Werk für manchen auf den ersten Blick altmodisch und spröde scheint, man kann mitlachen, mitleiden und mitweinen", sagt Museumsreferentin Marion Kutter, die viele Schulklassen durch das Haus führt. Die Kinder und Jugendlichen gehen dann recht locker mit dem Stoff um, gestalten auf einer Bühne mit Figuren aus den Stücken ganz neue Geschichten. Da heiratet dann Emilia Galotti schon mal den Tempelherren aus "Nathan der Weise" und gründet eine Familie. Oder sie können wie zu Lessings Zeiten mit Feder und echter Tinte einen Brief schreiben, statt SMS oder E-Mail.

Um das Bild des Menschen Lessing genauer zu zeichnen, biete das Depot weitere Schätze. Museologin Carsta Off zeigt eine gerade erworbene Handschrift des Dichters an seine Schwester aus dem Jahr 1776, in der er von seiner Heirat berichtet. Auf einem anderen kleinen undatierten Blatt fordert er silberne Schuhschnallen zurück. "Wer die sich ausgeliehen hat, warum und ob sie Lessing jemals zurückerhielt, das Geheimnis ist noch nicht gelüftet", sagt Off.

www.lessingmuseum.de

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