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Heimkino

19.03.2020

Mit diesen Filmen wird es trotz Corona-Schulausfällen nicht langweilig

Eine verschworene Gemeinschaft sind "Die wilden Hühner".
Bild: dpa

Die Schulen sind wegen Corona geschlossen, die Kinder zu Hause: Zeit für diese Kinderfilme, die durch Herz und Humor überzeugen statt durch ein Dauerfeuer mit Effekten.

Keine Schule. Kinder zu Hause. Papa und Mama im Homeoffice. Da ist es an der Zeit ein paar schöne Kinderfilme aus den Streaming-Programmen herauszusuchen anstatt Kika in der Endlosschleife laufen zu lassen. Denn im Grunde sind Kinder begabte und vor allem treue Cineasten. Anders als Erwachsene, die sich in der Regel mit einer einmaligen Sichtung eines Filmes begnügen, schauen sich Kinder ihre Lieblingsfilme gern immer und immer wieder an. „Nochmal“ heißt es da aus dem Kindermund, wie bei allem, was Spaß macht und nach Wiederholung ruft. Für die lieben, weniger repetitiv strukturierten Eltern kann drei mal die Woche „Ice Age“ jedoch schnell zu nervlichen Zerrüttungserscheinungen führen. Aber es gibt auch Kinderfilme, die weniger hektisch daher kommen und mit Humor und Herz um die Aufmerksamkeit der jungen Zuschauer buhlen.

"Hände weg von Mississippi" ist der Film der Wahl bei Krankheit

Der Lieblingsfilm meiner Tochter hieß zum Glück "Hände weg von Mississippi". Über viele Lebensjahre hinweg haben wir den Film an verregneten Nachmittagen, als Trostpflaster bei einer Magen-Darm-Grippe oder einfach nur aus Spaß angesehen. Sicherlich fünfzig Mal. Eher mehr. Es gibt nur wenige Filme, die so etwas aushalten. Aber Detlev Buck hat hier Cornelia Funkes Kinderbuch derart liebe- und humorvoll verfilmt, dass das familiäre Sehvergnügen noch weiter wächst, auch wenn oder gerade weil alle auf dem Sofa die Dialoge mitsprechen können. Gedreht wurde im Biosphärenreservat am Schaalsee, das mit goldenen Kornfeldern, saftigen Wiesen, verwilderten Vorgärten und einem weiten blauen Himmel die idyllische Idealkulisse für das sommerliche Kinderabenteuer bietet.

Die zehnjährige Emma (Zoë Charlotte Mannhardt) verbringt hier die Ferien bei ihrer eigenwilligen Großmutter Dolly (Katharina Thalbach), die auf ihrem Hof ein Tierasyl unterhält. Buck spickt die Handlung um eine Pferdeentführung mit zahlreichen Slapstick-Einlagen vom Schweine-Rodeo bis zur finalen Tortenschlacht. Die schrägen Nebenfiguren kommen unübersehbar aus dem Buck’schen Humoruniversum und sind vom opportunistischen Dorfdeppen (Milan Peschel) bis zur wortkargen Vorgartentante (Heidi Kabel) prominent besetzt (Amazon, Google Play, Rakuten).

Mit diesen Filmen wird es trotz Corona-Schulausfällen nicht langweilig

"Lippels Traum" als Filmreise zwischen Realität und Märchen

Auch die Kinderbuchwelten Paul Maars sind immer eine Kinoreise wert. In "Lippels Traum" führt der elfjährige Philipp (Karl Alexander Seidel), genannt Lippel, in der Schule ein zurückgezogenes Außenseiterdasein. Als der Vater (Moritz Bleibtreu) ins Ausland muss, engagiert er als Aufsicht für den mutterlosen Sohn die garstige Haushälterin Frau Jakob (Anke Engelke). Zum Glück kann sich Lippel mit dem Märchenbuch von „1001 Nacht“ aus dem verregneten Passau mitten hinein in orientalische Welten träumen. Lars Büchel hat diese Reise zwischen Realität und märchenhafter Fiktion mit viel Liebe zum Detail verfilmt. Besonders gelungen sind die Verbindungen zwischen Orient und Niederbayern, die in das spannende Abenteuer auch immer eine gesunde Portion Humor einbringen.

"Räuber Hotzenplotz" - noch immer ein Klassiker für Kinder

Seit drei Generationen ist Otfried Preußlers "Räuber Hotzenplotz" aus keinem Bücherregal im Kinderzimmer mehr wegzudenken. Gernot Roll hat den Kinderbuchklassiker noch einmal für die Leinwand adaptiert und bleibt dem Geist der Vorlage glücklicherweise sehr treu. Keine angestrengten Aktualisierungen. Keine Hightech-Sperenzien. Armin Rohde spielt den warzennasigen Räuber mit sichtbarem Vergnügen an den großen Gesten, der schauspielerischen Übertreibung und den kurzen Slapstick-Einlagen, mit dem der Film sich zu seiner Verwandtschaft mit dem Kasperle-Theater bekennt. Die Landschaften, das malerische Dorf im Süddeutschen, die Räuberhöhle und das Zauberschloss werden in bunten, sommerwarmen Farben gezeichnet, die nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass man sich in einer Märchenwelt bewegt. (Sky, Amazon, iTunes u. a.).

Die Mädchenbande "Die wilden Hühner" ist eine verschworene Gemeinschaft

Mit "Die wilden Hühner" hat Vivian Naefe Cornelia Funkes Geschichte um eine kleinstädtische Mädchenbande sehr umsichtig verfilmt. Im Zentrum steht nicht die Dauerbefeuerung durch Effekte und Spannungsbogenhuberei, sondern die Charaktere der Kinder, die sehr nah an unserer Welt gebaut sind. Zu Hause kriegen die alleinerziehenden Mütter ihr Liebesleben nicht geregelt, leben die Eltern in Scheidung, überfordern ihre Kinder durch Leistungsstress. Der Film erzählt konsequent aus der Perspektive der Kinder, die gegen die fragile Erwachsenenwelt ihre eigene Solidargemeinschaft aufbauen. Die Mädchenbande der „Wilden Hühner“ ist eine verschworene Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und sich gegen die konkurrierende Jungenbande „Pygmäen“ zu Wehr setzt. Drei Folgen hat Naefe verfilmt und begleitet in den Fortsetzungen nicht nur die Charaktere, sondern auch ihre jungen Schauspielerinnen in die Pubertät hinein (Netflix).

"Das Schloss im Himmel" ist auch etwas für Erwachsene

Mit den Werken des japanischen Regisseurs Hayao Miyazaki hat Netflix nun ein paar echte Perlen der Zeichentrickfilmkunst ins Sortiment genommen, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann ziehen. Von "Das Schloss im Himmel" über "Kikis kleiner Lieferservice" und "Prinzessin Mononoke" bis zu "Chihiros Reise ins Zauberland" entwirft Miyazaki ein mit liebevollen Details handgezeichnetes Fantasieuniversum, das sich wohltuend vom Getöse amerikanischer Familiy-Entertainment-Formate unterscheidet.

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