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16.05.2018

Mutiges Jammern

Antonia Baum über das „Stillleben“

Antonia Baum, Anfang 30, hatte ein schönes, privilegiertes Leben. Akademikerin, erfolgreiche Autorin für große Zeitungen, Reisen, Drogen, aufregendes Nachtleben. Und dann wurde sie schwanger, und plötzlich war alles vorbei. Sie fühlte sich „behindert und arbeitslos“, ihr Berliner Problemviertel und ihre Nachbarn machten ihr auf einmal Angst, sie haderte mit ihrer Mutter- und Frauenrolle und mit der Rolle anderer Mütter in ihrem Leben, vor allem der Super-Moms aus dem Internet. Und dann war auch mit der Partnerschaft alles viel komplizierter, weil neben dem Baby nun auch noch eine andere Aufgabenverteilung im Haushalt und beim Geldverdienen auftauchte …

Alles nicht neu, was Antonia Baum in „Stillleben“ über ihr Leben als Jungmutter schreibt. Trotzdem ist es passagenweise interessant, ihren teils wütenden und mutigen Gedanken zu folgen, dabei zu sein, wenn eine Ich-Maschine erkennt, dass vor dem „Ich“ nun noch etwas Wichtigeres kommt. Dafür muss der Leser allerdings auch einige Durststrecken mit etwas konstruiert und teils naiv wirkender Jammerei über befürchtete Schreibblockaden und böse Nachbarn überwinden – vor allem im Anfangsteil. Neben dem dauernden „ich …, ich …, ich …“ hätten dem Buch auch ein paar mehr andere Meinungen zu dem Thema gut getan. Es gebe keine Stelle, bei der sie sich beschweren könne, schreibt Antonia Baum gegen Ende. Sie hat sich mit „Stillleben“ selber eine Plattform dafür geschaffen. (lea)

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