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Nachruf
29.12.2018

Ein Leben voll Liebe und Finsternis

Amos Oz, der berühmte jüdische Schriftsteller und Friedensaktivist ist 79-jährig gestorben. Er hielt eine Regelung zwischen Palästinensern und Israelis für unausweichlich und ohne Alternative

Der weltweit bekannte israelische Schriftsteller und Friedensaktivist Amos Oz ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 79 Jahren an Krebs, wie seine Tochter Fania Oz-Salzberger im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb. Oz hatte international zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1992). Jahrelang wurde er auch als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt.

Amos Oz hatte einen Großteil seines Lebens für Frieden mit den Palästinensern gekämpft – letztlich vergebens. Der weißhaarige Autor war eine Galionsfigur der Friedensbewegung in seinem Land, die zuletzt nur noch ein Schatten ihrer selbst war – während die Siedlerbewegung immer mehr Rückhalt in Regierung und Armee gewann. Oz hielt eine Friedensregelung aber trotz aller Rückschläge für unausweichlich und nur für eine Frage der Zeit: „Die Palästinenser werden nirgendwohin gehen, und auch die Israelis bleiben hier“, sagte er. „Beide Seiten haben keine Wahl, sie müssen das Haus in zwei Wohnungen aufteilen – so wie es die Tschechen und die Slowaken getan haben. Wie lange das dauern wird, kann ich nicht sagen.“

Oz selbst wird es nun nicht mehr miterleben. Er kam 1939 unter dem Namen Amos Klausner in Jerusalem als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine zur Welt. In seiner hochgebildeten, rechts-zionistischen Familie wuchs er inmitten von Büchern auf. Seine Eltern waren aktiv in den literarischen Kreisen der damaligen intellektuellen Elite Jerusalems; sein Onkel war der Gelehrte Josef Klausner, in dessen Haus Oz als Kind ein- und ausging.

Als junger Mann kannte Oz auch den bedeutenden hebräischen Schriftsteller Samuel Josef Agnon, der 1966 als erster und bislang einziger Israeli den Literaturnobelpreis erhielt. Mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin ging er zur Schule.

Persönliche und nationale Traumatisierungen sind zentrale Themen im literarischen Werk von Oz, der als Zwölfjähriger den Selbstmord seiner Mutter miterlebte. Die schwere Erschütterung, die sein Leben tief prägte, beschrieb er in seinem autobiografischen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“. Drei Jahre nach dem Tod seiner Mutter zog er in den Kibbuz Chulda und änderte seinen Familiennamen von Klausner zu „Oz“, was auf Hebräisch Stärke bedeutet. Er habe damals rebelliert und mit der Namensänderung symbolisch seinen Vater umgebracht, schrieb Oz später, „um auf den Trümmern ein neues Leben aufzubauen“. Auch seine ersten Erzählungen und das Buch „Unter Freunden“ basierten auf seinen Erfahrungen mit dem Leben in der Kollektivsiedlung.

Oz studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem Literatur und Philosophie. Seitdem hat er zahlreiche Romane und Erzählungen geschrieben und ist mit einer ganzen Reihe von Preisen ausgezeichnet worden, darunter auch mit dem Siegfried Unseld-Preis (2010) und Kafka-Preis (2013). In Deutschland bekannte Werke von Oz sind insbesondere „Mein Michael“, „Der perfekte Frieden“, „Black Box“, „Ein anderer Ort“ und „Eine Frau erkennen“.

Der verheiratete (Groß-)Vater von drei Kindern und mehreren Enkeln wurde immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis genannt, aber nie ausgezeichnet. In seinem Roman „Judas“ (2015) beschäftigte sich Oz, der seine letzten Jahre in Tel Aviv verbrachte, mit dem Thema Verrat. Er sei zwar Friedensaktivist, aber kein weltfremder Pazifist, hat Oz immer wieder betont. So unterstützte der Autor, der selbst in einer Panzereinheit im Sechstagekrieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973 gekämpft hatte, im Sommer 2014 auch die israelische Militäroffensive im Gazastreifen. (afp, dpa)

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