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Nachruf
22.08.2010

Schlingensief: Provokateur und Menschenfreund

Christoph Schlingensief
Foto: dpa

Aktionskünstler und Regisseur Christoph Schlingensief ist tot. Die einen hielten ihn für einen Krawallmacher, die anderen für genial. Fest steht: Er hat mit seiner Kunst viel Aufsehen erregt. Von Stefan Dosch

Als vor einigen Wochen seine Absage für die Teilnahme am diesjährigen Kulturfestival Ruhrtriennale bekannt wurde, hatte man noch gewähnt, dass es sich um eine vorübergehende Schwäche handeln, dass er seine Theaterarbeit irgendwann wieder aufnehmen würde, wie schon einmal nach längerer Auszeit im Gefolge seiner Krankheitsdiagnose. Diesmal aber war der Lungenkrebs stärker. Am Samstag starb der Aktionskünstler, Regisseur und Nichtraucher Christoph Schlingensief in Berlin, zwei Monate vor seinem 50. Geburtstag.

Für einen, der zuletzt überwiegend für Sprechtheater- und Opernbühnen tätig war, besaß Schlingensief einen erstaunlich hohen Bekanntheitsgrad. Aber zu seinen erfolgreichsten Schöpfungen dürfte wohl auch die Inszenierung des eigenen Selbst gehören.

Schlingensief, der mit seinen stets stachelig abstehenden Haaren allein schon optisch fürs Hingucken sorgte, ohne doch je den Charme eines netten Jungen von nebenan zu verlieren - Schlingensief verstand virtuos auf der Klaviatur der öffentlichen Wahrnehmung zu spielen. Trotzdem gelang es ihm, mit dem Aufsehen, das er entfachte, meist auch einen Mehrwert zu verbinden, nämlich aufzurütteln und ein Nachdenken in Gang zu setzen - Eigenschaften, die zu den vornehmsten eines Künstlers gehören.

Schon als Jugendlicher veranstaltete Schlingensief, der am 24. Oktober 1960 im nordrheinischen Oberhausen geboren wurde, im Keller der Eltern "Kulturabende" und begann, mit Filmen zu experimentieren. Weil ihm die Münchner Filmhochschule die Aufnahme verweigerte, studierte er an der Isar Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie, landete dann aber doch beim Film.

Eine Zeit lang war er Aufnahmeleiter der TV-Serie "Lindenstraße", bevor er mit Filmen wie "100 Jahre Adolf Hitler" und "Die letzte Stunde im Führerbunker" (beide 1989) in den Ruf eines Skandalregisseurs geriet. Der Streifen "Das deutsche Kettensägenmassaker" (1990) verstand sich als "nationales Schlachtfest", macht sich in der trashigen Geschichte doch eine westdeutsche Metzgerfamilie nach dem Mauerfall Richtung Osten auf, um an DDR-Bürgern ihr blutiges Handwerk zu verrichten.

Deutsche Zustände übten einen unwiderstehlichen Reiz auf Schlingensief aus, und eine Weile arbeitete er sich besonders intensiv am damaligen Bundeskanzler Kohl ab. Unvergessen Schlingensiefs Aktion während des Bundestagswahlkampfs 1998. Als Gründer einer Partei namens "Chance 2000", die sich erklärtermaßen an Nichtwähler und Behinderte richtete, lud er vier Millionen deutsche Arbeitslose dazu ein, gleichzeitig ein Bad im Wolfgangsee zu nehmen.

Damit wollte er den See zum Überlaufen bringen und das am Ufer gelegene Urlaubsdomizil von Kohl unter Wasser setzen. Die Österreicher verboten das Projekt, Schlingensief war mit seiner Partei auch chancenlos bei der Wahl, doch in den Medien hatte er einen starken Auftritt. Im Jahr zuvor schon hatte er einen Aufreger produziert, als er bei der Kasseler documenta ein Plakat mit der Aufschrift "Tötet Helmut Kohl" in die Höhe hielt und auch prompt von der Polizei festgenommen wurde.

Wegen Aktionen wie diesen gingen die Meinungen über ihn seit jeher auseinander. Für die einen ist Schlingensiefs Tun nicht hoch genug einzuschätzen - die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek etwa rühmt ihn als einen "der größten Künstler, der je gelebt hat" -, andere halten ihn für einen schlichten Provokateur, der Maler Gerhard Richter etwa äußerte sich abfällig über den "Performer". Tatsächlich gehörte die gezielte Brüskierung zu den bevorzugten Mitteln Schlingensief - kein Wunder, dass er in den 1990er Jahren an Frank Castorffs dem Krawall nicht abgeneigter Berliner Volksbühne seine ersten Erfolge auf dem Sprechtheater feierte.

Dennoch war die Provokation für Schlingensief niemals nur Selbstzweck, beinhalteten noch die unverfrorensten Aktionen stets ein aufklärerisches Spaltelement, ein Stück Nährboden für Reflexion. Sich schick als Zyniker zu geben, für den sowieso alles keinen Sinn mehr hat, das war seine Sache nicht - was ihn aber auch nicht davon abhielt, die Welt immer wieder in sattem Schwarz zu malen.

Den Ritterschlag als Regisseur erhielt Schlingensief, als ihn der als stockkonservativ verschriene Wolfgang Wagner 2004 für die Inszenierung des "Parsifal" zu den Bayreuther Festspielen holte. Der Skandal blieb aus, zu eindrucksvoll war, trotz Kinoleinwänden und Nomadenzelten auf der Bühne, Schlingensiefs multiperspektivische Interpretation des Weihespiels um Tod und Neugeburt. Von heute aus betrachtet schaurig die Prophezeiung, die der Regisseur damals machte: Er sei überzeugt, nach dem "Parsifal" an Krebs zu erkranken.

2008 wurde das Orakel zur Realität. Dass er die tödliche Krankheit nicht totschwieg, sogar ein "Tagebuch einer Krebserkrankung" vorlegte, in dem er seine Angst nicht verschwieg, brachte ihm von vielen Seiten Sympathie ein. Trotzig heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin. Und vielleicht ist es seine überzeugendste Leistung, dass er von nun an die Krankheit in den Mittelpunkt seiner Theaterarbeit rückte und gerade dadurch die existenzielle Dimension von Kunst sichtbar machte.

Besonders nachhaltig gelang ihm dies in dem Bühnenspiel "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", das in Duisburg Kinderfotos und Filmstücke aus der Klinik mit Chorgesang und Kerzenlicht zur szenischen Collage verband. Die erstaunliche geistige und körperliche Kraft, die Schlingensief auch mit nur mehr einem Lungenflügel entfaltete, galt auch dem leidenschaftlich verfolgten Projekt eines "Festspielhauses Afrika" in Burkina Faso.

Viel hatte er sich vorgenommen für die nächsten Jahre, darunter auch die Gestaltung des deutschen Pavillons für die Kunstbiennale Venedig im nächsten Jahr. Seinem Buch, das er unter dem Eindruck der Krankheit schrieb, hatte er den Titel gegeben: "So schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein." Von Stefan Dosch

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