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21.06.2009

Neues Akropolis Museum feierlich eröffnet

Neues Akropolis Museum feierlich eröffnet
Bild: DPA

Athen (dpa) - Mit der Eröffnung des neuen Akropolis Museums in Athen am Samstag verstärkt Griechenland den Druck auf die Briten für die Rückgabe des Parthenon-Frieses.

Denn mit dem Museum ist eines der bisher stärksten Argumente Großbritanniens, in Athen gebe es keinen geeigneten Ort für die Ausstellung des Marmorfrieses, gefallen. Das neue Gebäude, das Hunderte von alten Skulpturen, Kleinodien und Statuen beherbergt, ist ein spektakuläres Beispiel moderner Baukunst vor allem aus Glas und Stahl. Im Mittelmeer-Licht erhalten die Ausstellungstücke zu jeder Tageszeit einen anderen Charakter, heißt es in vielen Kommentaren.

Das neue Museum nur 300 Meter unterhalb der Akropolis wurde am Samstag mit einer großen Feier eröffnet. In dem Gebäude sind Objekte aus der archaischen und klassischen griechischen Antike von unschätzbarem Wert ausgestellt. 56 Friesabschnitte aus dem wichtigsten Tempel auf der Akropolis, dem Parthenon (Jungfrauengemach), fehlen jedoch: Ein britischer Diplomat hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. Die Briten weigern sich bislang, die Frieselemente zurückzugeben. "Nun ist die Zeit für die Rückkehr der Marmorteile gekommen, die zu dem Monument gehören", sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias bei der Eröffnung.

Im Dritten Stock des Museums werden in hellem Licht der Fries und die Metopen des Partheneon ausgestellt. Beim Betreten des Saales bleibt der Besucher in der Regel fasziniert stehen: Die Akropolis ist zum Greifen nah. Der Fries ist fast in Augenhöhe. Die fehlenden Teile werden als helle Duplikate präsentiert. Damit fallen sie inmitten der echten, die bräunlich sind, extrem auf.

Neues Akropolis Museum feierlich eröffnet

In den Verhandlungen mit London zeigt sich Athen kompromissbereit. Kulturminister Antonis Samaras machte den Briten ein konkretes Angebot. "Wir sind bereit zu reden. Wir können uns einigen. Wir sind bereit das Vakuum zu füllen, das nach der Fries-Rückgabe entstehen wird", sagte er. Athen sei bereit, dem Britischen Museum hochwertige Ausstellungsstücke aus der Antike als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Der griechische Kulturminister zeigte sich überzeugt davon, dass so oder so am Ende die Fries-Elemente nach Athen zurückkehren werden. Er wiederholte den Satz, den die 1994 verstorbene ehemalige griechische Kulturministerin und Schauspielerin Melina Merkouri ("Sonntags nie") immer wieder sagte: "Sie (die Friesteile) werden zurückkommen."

Die Griechen setzen nunmehr auch auf den Druck der Besucher des Museums. "Wir haben Geduld. Es sind die tausenden Besucher, die entscheiden werden, ob die fehlenden Teile zurückgegeben werden müssen", sagte der Direktor der Akropolis, Alexandros Mantin, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Griechen hoffen damit auch auf die internationale öffentliche Meinung. Umfragen zeigen, dass sogar in Großbritannien 68 Prozent der befragten Bürger für eine Rückgabe plädieren.

In vielen Ländern, darunter auch in Deutschland, haben sich Vereine gebildet, die die Forderung nach einer Rückgabe der antiken Mamorarbeiten unterstützen. Bei der Eröffnung des Museums forderten etwa 15 Demonstranten vor der Akropolis am Samstagabend auf Plakaten die Rückgabe der Friesteile "hier und jetzt". Die UNESCO bot an, im Streit zu vermitteln. "Wir sind bereit, für eine befriedigende Lösung zu helfen", sagte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura in Athen.

Die Feier ging am Samstagabend mit einer emotionalen Show zu Ende: Dutzende Figuren aus dem Fries des Parthenon und von Statuen wurden mit Laserstrahlen auf die umliegenden Gebäude projiziert. Jünglinge und Koren (Mädchen) aus der archaischen Antike lebten wieder auf und zwinkerten mit den Augen den Zuschauern zu. Laserstrahl-Vögel flogen elegant um das neue Museum. Die Technik "zauberte" Löwen und Tiger auf die Wände der Nachbarschaft. Hunderte Anwohner verfolgten von ihren Balkonen aus die Feier. "Ich bin verzaubert. Ich wünsche, dass jeder Mensch einmal dieses Erlebnis hier in der Wiege der Demokratie erleben kann", sagte ein pensionierter Archäologe, der auf einer Terrasse das Spektakel beobachtete.

Die Tickets kosten bis zum Jahresende nur einen Euro. Auch danach muss man für den Eintritt in die Akropolis-Wunderwelt nur fünf Euro bezahlen.

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