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15.03.2009

Opernfarce "Operette" uraufgeführt

Opernfarce «Operette» uraufgeführt
Bild: DPA

Osnabrück (dpa) - Der Vorhang fällt, die bunten Masken sind verschwunden. Doch was bleibt den Menschen nach großen Gefühlen und wüsten Feiern, Gewaltexzessen und revolutionärer Begeisterung?

Mario Wiegands Opernfarce "Operette", die unter großem Beifall im Osnabrücker Theater uraufgeführt wurde, verweigert sich einfachen Antworten und stellt doch viele reizvolle Fragen. Das gut 90-minütige Werk basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz (1904-1969).

Eigentlich hat "Operette" alles, was eine Operette braucht. Da sind die Schönen und Reichen, die in Feierlaune wilde Gelage veranstalten. Es gibt lüsterne Aristokraten und degenerierte Staatsführer, verschämte Jungfrauen und pubertierende Senioren, Glitzer, Glamour und natürlich Walzer, Polka und Galopp.

Doch schon in dem 1966 geschriebenen und früher viel gespielten Theaterstück von Gombrowicz ist es damit nicht getan. Die dekadente Operettengesellschaft, die sämtliche Wertmaßstäbe über Bord geworfen hat und nur noch dem Diktat der Mode gehorcht, wird anfällig für Kriege und Revolutionen. Ihr Leben entpuppt sich als hilfloses Maskenspiel, dem allein Albertinchen entkommen kann. Denn das junge Mädchen träumt nicht von Verkleidungen und Dekorationen, teuren Geschenken und Aufstiegsmöglichkeiten. Sie will nackt sein und allen Ballast von sich werfen.

Opernfarce "Operette" uraufgeführt

Ihre Verehrer Graf Charme und Baron Firulet haben anderes im Sinn. Für sie ist das Dasein zum bloßen Zeitvertreib geworden, den erotische Fantasien mühsam in Gang halten. Auch der Modezar Fior kann nicht mehr aus seiner Haut. Immer neue Kollektionen sollen Ideenreichtum vortäuschen, dabei sind die Inspirationsquellen des Meisters längst versiegt. Derweil rätselt das Prinzenpaar Himalaj, warum ihm die politische Führung anvertraut wurde und was genau es nun damit anfangen soll.

Der 1970 geborene Mario Wiegand stattet den gesellschaftlichen Leerlauf mit einer eingängigen Klangkulisse aus und erntet dafür - wie kaum ein anderer zeitgenössischer Komponist - gleich mehrfach Szenenapplaus. Dass seine Partitur mit zunehmender Dauer immer dürftiger inspiriert wirkt, könnte Kalkül sein. Denn Wiegand schöpft zwar aus dem reichen Reservoir der Operette, doch die Tänze, Arien und Ensembleszenen erscheinen seltsam verzerrt. Ganz so als hätten sich die Hauptakteure, ohne es selbst zu bemerken, längst aus dem Geschehen verabschiedet.

Dank Regisseurin Andrea Schwalbach und ihrer kongenialen Ausstatterin Nanette Zimmermann bleiben sie trotzdem in Bewegung. Schwalbach inszeniert die Oper(ette) als knallbuntes, hektisches Spektakel, das Sängern und Zuschauern kaum Zeit zum Atemholen lässt. Generalmusikdirektor Hermann Bäumer hält das Tempo am Pult des Osnabrücker Symphonieorchesters entsprechend hoch.

Die Hauptrollen sind mit Marco Vassalli (Graf Charme Himalaj), Anja Meyer (Albertinchen), Kolja Hosemann (Baron Firulet), Eva Schneidereit (Meister Fior), Genadijus Bergorulko (Prinz Himalaj) und Natalia Atamanchuk (Prinzessin Himalaj) weitgehend ideal besetzt. Neben den Sängern gefällt auch der viel beschäftigte und von Peter Sommerer hervorragend einstudierte Chor des Theaters Osnabrück.

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