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Corona-Pandemie

02.08.2020

Philosoph Julian Nida-Rümelin: „Es darf keinen zweiten Lockdown geben“

Julian Nida-Rümelin kritisiert unter anderem die Warnung, die es zunächst vor Alltagsmasken gab.
Bild: Geisler-Fotop, picture alliance

Exklusiv Philosoph Julian Nida-Rümelin kritisiert auch den grundsätzlichen Umgang mit der Corona-Krise in Deutschland - und fordert bessere Informationen von der Politik.

Auch bei steigenden Infiziertenzahlen darf es für den Philosophen Julian Nida-Rümelin keinen zweiten Lockdown wegen der Corona-Pandemie geben. „Das Ziel sollte sein, die Sterberate von Covid-19 deutlich unter die der saisonalen Grippe zu drücken“, sagte der in München lehrende Experte für Risiko-Ethik unserer Redaktion. Die „gigantischen Kollateralschäden“ seien einer Gesellschaft nicht noch einmal zuzumuten – und zudem sei die Strategie falsch.

Nachdem anders als bei der Grippe die Opfer von Corona fast ausschließlich unter den Älteren und schwer Vorerkrankten zu finden seien, müssten diese besonders Gefährdeten mit speziellen Maßnahmen geschützt werden. So könnten auch weitere saisonale Covid-19-Wellen ohne Impfstoff „vielleicht wie bei einer Influenza, in acht Wochen“ durchzustehen sein, so Nida-Rümelin. Gegen flächendeckende Zwangsmaßnahmen spreche zudem, dass gerade jüngere Menschen im Fall Corona viel weniger betroffen seien als etwa bei der Grippe.

 

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Nida-Rümelin fordert wahrhaftige Informationen für die Bürger - auch in der Corona-Krise

Der einstige Kulturstaatsminister übte im Gespräch mit unserer Redaktion auch grundsätzlich Kritik am Umgang mit der Corona-Krise in Deutschland: „Wir waren nicht gut vorbereitet, obwohl es Grund genug gegeben hätte, sich vorzubereiten“, sagte Nida-Rümelin. Und speziell der mehrfache Strategiewechsel in den ersten Woche der Krise sei schlecht gewesen. Am heftigsten aber kritisiert der 65-jährige Philosoph „die anfängliche Warnung, die es zunächst vor Alltagsmasken gab“. Nida-Rümelin: „Die hatte offenbar den Zweck, dass zumindest das medizinische Personal noch Masken zur Verfügung hatte in den turbulenten Anfangswochen. Aber tatsächlich man weiß seit Jahren aus sogenannten maskentragenden Kulturen, wie segensreich sie wirken.“

 

Für den Philosophen gilt: „Der Staat darf seine Bürger nicht anlügen.“ Eine Demokratie lebe davon, dass die Menschen wahrhaftig informiert würden: „Das fällt immer auf einen zurück. Hier etwa, weil sich bis heute nicht wenige an den Widerspruch erinnern, die Masken mitunter noch immer für nutzlos halten und sich unzuverlässig informiert, wenn nicht belogen fühlen. So etwas zerstört die Grundlagen der Demokratie.“

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