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Wissenschaft

23.02.2018

Picasso: Das Röntgen bringt es an den Tag

Überraschungen unter der Oberfläche seiner Gemälde und Skulpturen

Als Temperamentsbolzen und Monomane war Picasso einer der produktivsten Künstler aller Zeiten. „Durchschnittlich zwei Werke pro Tag hat er erstellt – insgesamt etwa 50000“, fasst Julio Ottino von der Northwestern University/Illinois zusammen. Viel Material für Ästheten. Aber zu den Kunsthistorikern haben sich inzwischen auch Ingenieure und Informatiker gesellt. Mit immer neuen Methoden und Geräten untersuchen sie die Gemälde und Skulpturen des Künstlers – und haben dabei zuvor unbekannte Details entdeckt.

So fanden Wissenschaftler von der Northwestern University unter dem Gemälde „La Miséreuse accroupie“ ein Landschaftsgemälde mit Tempel sowie eine übermalte Hand. Das in Blau- und Grüntönen gehaltene, rund 100 mal 50 Zentimeter messende Gemälde, das im kanadischen Toronto hängt, zeigt eine in eine Decke gewickelte Frau. Picasso (1881–1973) malte es 1902, kurz nachdem er nach Paris gekommen war. Die bislang unbekannten Details unter der Oberfläche seien mithilfe von Röntgen- und Röntgenfluoreszenzgeräten entdeckt worden, so der Wissenschaftler Aggelos Katsaggelos bei der weltgrößten Wissenschaftskonferenz der American Association for the Advancement of Science im texanischen Austin. Picasso habe wohl das Bild eines anderen Künstlers übermalt und sich dabei auch an dessen Strukturen orientiert. „Wahrscheinlich war dieser andere Künstler aus Barcelona, aber wir sind uns über seine Identität nicht zu 100 Prozent sicher.“

Diese Vorgehensweise sei damals üblich gewesen, ergänzt der Direktor des Picasso-Museums im französischen Antibes, Jean-Louis Andral. „Picasso hatte zu dieser Zeit nicht viel Geld und war in Paris noch nicht richtig angekommen. Es gibt Beispiele aus dieser Zeit, wo wir zwei oder drei Gemälde übereinander finden.“ Die übermalte rechte Hand der Frau jedoch stamme von Picasso selbst, meint Katsaggelos. „Es ist deutlich zu sehen, dass er jede Menge Zeit und Anstrengungen auf diese Hand verwendet hat, aber am Ende hat er aus irgendeinem Grund aufgegeben und die Hand mit der Decke übermalt.“

Gleichzeitig hat sich Francesca Casadio vom Art Institute of Chicago ausführlich mit den Materialien in Picassos Skulpturen beschäftigt. Auch ihr kamen neu entwickelte Methoden zugute, die Untersuchungen vor Ort möglich machen. Fragile Werke müssen so nicht reisen, sondern können vor Ort analysiert werden. Casadio konzentrierte sich auf rund 50 Skulpturen und Blech-Strukturen aus dem Picasso-Museum Paris.

„Skulpturen waren für Picasso etwas sehr Persönliches“, sagt die Wissenschaftlerin. „Erst in den 60er Jahren wurden sie erstmals ausgestellt.“ Mithilfe von Röntgenfluoreszenzgeräten untersuchten Casadio und ihr Team die Werke auf ihren Gehalt an Kupfer, Zink, Blech und Blei und ordneten sie auf Basis der Daten verschiedenen Pariser Gießereien zu. Und bei einer Blech-Struktur machten die Forscher eine Entdeckung: Aufsätze einer Skulptur, die einem weiblichen Kopf nachempfunden ist, bestehen aus – übermaltem – Silber. „Das muss Picasso wirklich wichtig gewesen sein, sodass er seinem helfenden Handwerker den Auftrag gegeben hat, das teure Silber extra zu besorgen.“ Warum er es dann doch übermalt habe, könne sie sich aber nicht erklären. „Picasso hatte eine unglaubliche kreative Kraft und hat Materialien nie so benutzt, wie sie gedacht waren.“ (dpa)

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