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Streit

16.10.2017

Rechte Propaganda, linke Pöbeleien

Absehbar: Es kam zu Handgreiflichkeiten.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Naiv oder fahrlässig? Eine Einladung zur „aktiven Auseinandersetzung“ eskaliert

am Main Wortgefechte und Polizeiaufmärsche, Rangeleien und eine Strafanzeige: Der Versuch, auch Medien der Neuen Rechten bei der Buchmesse eine Plattform zu geben und dadurch den Dialog zu ermöglichen, ist im Chaos geendet. Nachdem es zuvor bereits Zahnpasta-Attacken und eine blutige Lippe gegeben hatte, eskalierte die aufgeheizte Stimmung kurz vor Toresschluss in Frankfurt am Samstagabend.

Bei einer Präsentation des von Szene-Vordenker Götz Kubitschek geführten Antaios-Verlags war unter anderem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke Gastredner, Thema war ein vom anwesenden Spitzen-Identitären Martin Lichtmesz mitverfasstes Buch: „Mit Linken leben“. Nicht von ungefähr wohl wie eine Antwort wirkend auf den aktuellen Titel „Mit Rechten reden“, mitverantwortet vom betont aufklärerisch schreibenden Historiker Per Leo. Eine Provokation?

Etwa 80 Demonstranten kamen, drängten zur Präsentation, störten, hielten Plakate in die Höhe: „Ihr könnt nicht schreiben, ihr könnt nur hetzen“, „Ihr seid Nazis. Punkt!“ … Dazu Sprechchöre wie „Nazis raus“. Dagegen schrien einige der rund 100 Besucher der Präsentation an: „Jeder hasst die Antifa!“ Demonstranten wurden bedrängt, Plakate zerrissen, es kam zu heftigen Beschimpfungen. Die Polizei ging dazwischen, drängte die Demonstranten ab. Aber eine weitere Lesung von zwei Autoren der Identitären Bewegung musste wegen lautstarker Proteste abgebrochen werden. Die Situation entspannte sich erst bei Schließung der Messe.

Die Stände rechtsgerichteter Verlage waren schon zuvor Ziel von Attacken politischer Gegner. In der Nacht zum Freitag war ein Gemeinschaftsstand der Zeitschrift Tumult und des Verlags Manuscriptum von Unbekannten leer geräumt worden. Am Stand der rechtsgerichteten Wochenzeitung Junge Freiheit in Halle 4.1 ging am Freitag der Zuhörer einer Lesung auf den Verleger des linken Trikont-Musikverlags zu, nachdem dieser im Vorbeigehen einen Kommentar losließ, und verletzte ihn mit der Faust an der Lippe – die Folge: eine Strafanzeige.

Buchmessendirektor Juergen Boos hatte die Präsenz der rechtsgerichteten Verlage zuvor mit einem Plädoyer für Meinungsfreiheit verteidigt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Organisator der Messe, rief zudem zur „aktiven Auseinandersetzung“ auf. Ob deshalb die Messeplanung den Antaios-Verlag in Halle 3.1 in der Nähe der antirassistischen Amadeu-Antonio-Stiftung platziert hatte? Die linke Publizistin Jutta Ditfurth jedenfalls erwiderte auf Twitter: „‚Meinungsfreiheit‘? Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Der Antaios-Verlag twitterte nach den Vorfällen vom Samstagabend: „Zugegeben, wir hätten für die Vorstellung von ‚Mit Linken leben‘ wohl besser eine eigene Halle buchen sollen. Nächstes Mal wissen wir Bescheid.“ Thomas Maier, dpa

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