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Bayreuther Festspiele
22.07.2021

Zum ersten Mal dirigiert eine Frau die Premiere in Bayreuth

Oksana Lyniv ist die erste Frau, die eine Neuproduktion bei den Bayreuther Festspielen dirigiert.
Foto: Serhiy Horobets/opera4u, dpa

Oksana Lyniv ist die erste Dirigentin mit musikalischer Verantwortung für eine Opern-Neuproduktion bei den Festspielen in Bayreuth. Die Erwartungen an sie sind hoch.

Es wird noch ein wenig dauern, bis eine Stellvertreterin Gottes den Heiligen Stuhl erklimmt. Immerhin: In Bayreuth soll diesen Sonntag eine andere Männerbastion abendländischer Hochkultur genommen und musikalisch womöglich feinst geschleift werden – die des Dirigierpodests im Festspielhaus. Zum ersten Mal in dessen 145-jähriger Geschichte wird nämlich eine Dirigentin eine Neuproduktion musikalisch verantworten.

Zu früh kommt dieses Bayreuther Geschlechterdebüt nicht. Erstens, weil längst auch Männer auf Intendanzstühlen im Bemühen stark konkurrieren, Dirigentinnen zu verpflichten. Zweitens, weil ja gerade in Bayreuth seit 2008 eine Leiterin am Ruder sitzt, die anderen Festspielen, wo Frauen dirigieren, hätte vorauseilen können: Katharina Wagner, Urenkelin Richards.

Die Erwartungen an die gebürtige Ukrainerin Lyniv sind hoch

Aber jetzt endlich: Ohren gespitzt für Oksana Lyniv, die die besagte Bastion als erste Frau nach 92 Männern nimmt – und zwar mit dem „Fliegenden Holländer“, worin mal wieder ein Mann durch eine Frau erlöst wird... Keine Frage: Die Erwartungen sind hoch, gewiss auch von Oksana Lyniv, 1978 in Brody/Ukraine geboren, an sich selbst. Es gilt, den „Fliegenden Holländer“ musikdramatisch zu packen unter den speziellen akustischen Gegebenheiten des Festspielhauses.

Dass Lyniv dafür nicht vorbereitet wäre, kann schwerlich behauptet werden. Weil sie nämlich den „Fliegenden Holländer“ schon in Barcelona zum Segeln brachte; vor allem aber, weil sie vier Jahre lang an der Staatsoper München dirigierte und einem Musiker assistierte, der zur Handvoll der besten Dirigenten innerhalb der jüngeren Generation zählt: Kirill Petrenko, nun Chef der Berliner Philharmoniker. Diese Assistenz muss viel gebracht haben, denn Lyniv sagte hernach darüber: Es seien die vier glücklichsten Jahre ihrer Karriere gewesen. Andererseits fand sie deutliche Worte über das einstige Verhalten des Kollegen Kurt Masur, der es in einem Kurs an menschlichem Respekt ihr gegenüber weit fehlen ließ.

Ihre Karriere begann Oksana Lyniv als Souffleuse

So schaut er aus, der Werdegang Lynivs: Souffleuse schon in ganz jungen Jahren, Studium in Lviv (Lemberg) und später in Dresden – parallel zu einer Assistenz bei dem Dirigenten Jonathan Nott in Bamberg, nachdem sie dort 2004 beim Mahler-Dirigentenwettbewerb einen Preis gewonnen hatte. Dann Dirigentin an der Oper in Odessa. Und nach der Assistenz bei Petrenko wurde sie Chefdirigentin in Graz, bis sich mehr und mehr Gastengagements einstellten.

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Ein Meeressturm eröffnet den „Holländer“. Wenn Lyniv dazu am Sonntag vor dem Orchester den Stab hebt, weiß sie, dass das „für die Außenwelt ein supergroßes Ereignis“ ist. Eine Frau gleichsam am Kommunionsaltar. Doch sagt sie auch: „Aber für mich und meine Arbeit ist es egal“ – zu lösen seien halt vor allem erst mal konkrete Aufgaben Richard Wagners – seitens Orchester, Solisten, Chor.

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