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25.06.2009

Ritterschauspiel mit feinem Humor und grobem Klamauk

Ritterschauspiel mit feinem Humor und grobem Klamauk
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Ritterschauspiel mit feinem Humor und grobem Klamauk
Bild: DPA

Bad Hersfeld (dpa) - Am Ende der letzten der drei großen Premieren bei den 59. Bad Hersfelder Festspielen wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Raketen zischten am Mittwoch über der Stiftsruine in den Abendhimmel.

Doch die rund zweistündige Aufführung von "Das Käthchen von Heilbronn" hatte sich zuvor nicht als Feuerwerk erwiesen. Lichtblicke in der heiteren, zeitweilig aber auch reichlich überdreht wirkenden Inszenierung der Brecht-Enkelin Johanna Schall waren jedoch die beiden Hauptdarsteller. Claudia Graue als Käthchen und Robert Gallinowski als Graf vom Strahl überzeugten vollends. Die scheidende Intendantin Elke Hesse lobte: "Sie waren prägend für diesen Abend." Die 1100 Zuschauer in der bei weitem nicht ausverkauften Stiftsruine bedankten sich bei den Darstellern in Europas größter romanischer Kirchenruine mit minutenlangem Applaus.

Eine Teilzeit-Premiere war es für die Regisseurin. Schall stand nach langer Abstinenz wieder auf der Bühne und verkörperte die Kunigunde von Thurneck. "Abgesehen von ein paar kleinen Sachen war es das erste Mal seit zehn Jahren wieder. Das hat mal wieder richtig Spaß gemacht", sagte die 50-jährige Berlinerin. Sie habe das Gefühl gehabt, dass auch die Zuschauer Spaß gehabt hätten. Ein Kassenschlager ist das historische Ritterschauspiel von Heinrich von Kleist bei den bundesweit bedeutenden Freilicht-Theaterfestspielen allerdings nicht. Nicht einmal die Hälfte der Karten wurde bisher verkauft. Das Stück wird bis zum 30. Juli noch zwölf Mal gezeigt.

Wenig zu sehen war von eindrucksvollen Bildern und Atmosphäre verbreitendem Lichtspiel. Auch die riesige Bühne blieb weitgehend leer. Eine interessante Idee war jedoch der Einsatz eines runden, schräg hoch fahrbaren Bühnenteils. "In dem Stück sind immer alle in Bewegung. Und weil auch das Festspielmotto 'Transit' lautet, passte das sehr gut", begründete Schall. Die Akteure wanderten über die rotierende Scheibe und lieferten sich dort auch manches Rittergefecht.

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Für die bewegliche Bühne musste ein halbes Dutzend Kulissenhelfer schuften. "Respekt an die Bühnenarbeiter, die die Drehscheibe mit Kraft und Präzision bedient haben", sagte Hesse. Sie war begeistert "vom Schwung und Tempo" der Inszenierung. Zuweilen wirkten die Szenen jedoch auch von Hast und Hektik getrieben. Der feinsinnige Humor driftete phasenweise in groben Klamauk ab. Schall, die den Zuschauern einmal auch als nackter Mann verkleidet ihr XXL-Genital präsentierte, sagte: "Ich liebe die Anarchie, die in dem Stück herrscht."

Präzise und authentisch hingegen die beiden Hauptdarsteller: Robert Gallinowski zeigte sich bei seinem ersten Auftritt in Bad Hersfeld mit prägnanter Stimme sehr präsent im Spiel. Er fühlte sich "beflügelt, auf dieser eindrucksvollen Freilichtbühne" agieren zu dürfen. Es sei jedoch auch ein "anstrengendes und schweißtreibendes Unterfangen" gewesen. Von authentischer Leichtigkeit und Herzlichkeit gezeichnet waren die Darbietungen des Käthchens. Sie gab ein naives, fröhlich beschwingtes Bürgermädchen, das seinem hohen Herren mit pochendem Herzen wie eine unterwürfige Stalkerin nachstellte.

Intendantin Hesse zeigte sich "berührt" von Graues reizender Ausstrahlung. Regisseurin Schall wusste nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit der 1981 geborenen Mecklenburgerin genau, was sie erwartet. "Ich habe mit Claudia schon gearbeitet, als sie Studentin an der Schauspielschule Rostock war. Dann habe ich sie von der Schule weg ans Theater in Rostock engagiert." Ob Schall selbst künftig wieder häufiger auf die Bretter tritt, ließ sie offen.

www.bad-hersfelder-festspiele.de

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